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der Friedhof der Medienbranche

December 6, 2012
by Jens Schröder
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Von der “Deutschen Financial Times” zur “Final Times Deutschland”

Es war am 18. Januar 1999, als eine kurze Notiz im “Spiegel” die Medienszene in Aufregung versetzte. Pläne, eine deutsche Ausgabe der “Financial Times” auf den Markt zu bringen, hegte deren Mutter Pearson offenbar schon seit einiger Zeit, selbst erste Dummy-Ausgaben – unter dem Namen “Deutsche Financial Times” – wurden bereits produziert. “Der Spiegel” brachte nun erstmals einen potenziellen deutschen Partner ins Spiel: Gruner + Jahr. “Ein gemeinsamer neuer Verlag soll nach dem Muster der “Financial Times” eine Wirtschaftszeitung starten, mit Standorten in Hamburg, Frankfurt am Main und Berlin”, so “Der Spiegel” damals. Es folgte eine Reihe von Zeitungsartikeln, in denen es konkreter wurde. So schrieb Lutz Meier [der später als Medien-Redakteur zur "FTD" ging] am 19. Januar in der “taz”: “Noch im nächsten Jahr soll die deutsche FT erscheinen, wenn die optimistischen Pläne aufgehen, die in der Hamburger G+J-Zentrale kursieren. Auflagenerwartung für Deutschland: mindestens 100.000 Exemplare”. Und weiter: “Und wäre noch allzuviel an den Plänen unsicher, hätte der als Chefredakteur der deutschen FT vorgesehene Andrew Gowers sich wohl kaum schon in Hamburg ein Domizil gekauft.”

Die “Frankfurter Rundschau” berichtete am 23. Januar über Details, mit denen die “FTD” rund ein Jahr später tatsächlich um Leser warb: “Um so
aktuell wie möglich zu sein und um die Börsendaten der New Yorker Wall Street noch ins Blatt bringen zu können, soll erst um 23.00 Uhr Redaktionsschluß sein. Wegen des späten Druckbeginns muß an drei Orten gedruckt werden. Derzeit sollen britische Vertriebsexperten dabei sein, die logistischen Probleme zu lösen.” Die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” berichtete weitere zwei Tage später, dass die Verträge zwischen Pearson und G+J kurz vor der Unterschrift stünden: “Wie aus Hamburg zu hören ist, soll in Deutschland eine Redaktion mit rund 100 Journalisten aufgebaut werden. Sitz des neuen Unternehmens wird Hamburg sein, beide Partner werden sich je zur Hälfte beteiligen und jeweils 80 Millionen DM investieren. ‘Fernziel’ für die deutsche Ausgabe sollen 150000 Exemplare
sein. Die Gewinnschwelle will man schon nach ‘drei bis fünf Jahren’ erreichen.” Am 1. März 1999 wurde der Deal dann offiziell, im April begannen erste Redakteure damit, die deutsche “Financial Times” zu entwickeln.

Aus weiteren Titelentwürfen wie “Financial Times für Deutschland” wurde schließlich die “Financial Times Deutschland” (der offizielle Name wurde erstmals am 30. August genannt – wiederum im “Spiegel”). Anfang November, so “Der Spiegel” solle eine tägliche Testproduktion in der mittlerweile 100 Mitarbeiter großen Redaktion starten. Am 21. Februar 2000 erschien zum Preis von 2,50 DM dann die erste “FTD” – als erste Neugründung einer deutschen Tageszeitung seit über 20 Jahren (1978/79 startete die “taz”). Was damals niemand wusste: die “FTD” kam zu spät, sie erschien nämlich erstmals kurz vor Platzen der großen Börsenblase, die sich seit dem Start der Telekom-Aktie immer mehr aufgebläht hatte. Leute, die 1999 nicht schon in einer direkt oder indirekt betroffenen Branche arbeiteten, werden Berichte kaum glauben können. Innerhalb weniger Monate stiegen Börsenkurse insbesondere von Technologieunternehmen in unglaublich unrealistische Höhen, sorgten dafür, dass zahllose Kleinanleger und Laien ihr Hab und Gut in Aktien investierten. Und: Sorgten dafür, dass diese Anleger für Tipps zu Wirtschaftszeitungen und -zeitschriften griffen.

Das Jahr 2000 wurde dadurch für die deutsche Wirtschaftspresse zum erfolgreichsten Jahr ihrer Historie – zu einem Jahr, dass wohl für alle Zeiten einzigartig bleiben wird. Insbesondere das erste Quartal 2000, in dem die Börsenkurse ihr Hoch erreichten und an dessen Ende der Absturz eingeleitet wurde, ließ die Auflagen der Medien unglaubliche Rekordwerte erreichen. Auf genau diesem Höhepunkt des Börsen-Hypes, am 21. Februar 2000, kam die Financial Times Deutschland auf den Markt. Ein Zeitpunkt, der im Nachhinein kaum unglücklicher hätte sein können. Denn: Schon im zweiten Quartal 2000 begann der Zusammenbruch der Auflagen fast aller Titel. Die Folge für die “FTD”: die Auflage wuchs langsamer als erhofft, die prognostizierten blieben hinter den Zielen zurück.

Die erste FTD sorgte gleich für positive Schlagzeilen. Ein Interview mit Bundeskanzler Schröder, eine Siemens-Titelgeschichte (für die Zeitung allerdings angegriffen wurde, weil Zitate “entstellt” worden seien) und die Neugier der Zielgruppe sorgte laut Agenturberichten von damals vielerorts dafür, dass das Blatt ausverkauft war. In den Folgejahren wurde die “FTD” immer mit guten Kritiken bedacht, gewann Preise und brachte tatsächlich frischen Wind in den deutschen Wirtschaftsjournalismus. Doch guter Journalismus reicht eben nicht aus, wenn die Zahlen nicht stimmen.

Der Blick auf die IVW-Entwicklung zeigt, dass bis Anfang 2005 zwar noch Käufer gewonnen wurden, danach aber ein Verlust einsetzte, der dazu führte, dass im dritten Quartal 2012 so wenige Leute per Abo oder am Kiosk zur FTD griffen wie seit dem Startjahr 2000 nicht mehr. Die größte aktive Käuferschaft, die die FTD je per Abo und Einzelverkauf erreichte, lag bei 67.000 bis 68.000 in den Jahren 2005 und 2006. Mit massenhaft verteilten Bordexemplaren und sonstigen Verkäufen gelang es zwar, bis zuletzt eine IVW-Auflage von mehr als 100.000 zu melden, doch inzwischen sind von den 67.000 aktiven Käufern nicht einmal mehr 45.000 übrig. Die FTD wurde im zweiten Quartal häufiger zum kostenlosen Verteilen in Flugzeuge geliefert (46.284) als in die Briefkästen zahlender Abonnenten (41.629). Dass eine solch ungesunde Entwicklung nicht ewig gut gehen kann, ist logisch.

Doch nicht nur in der jüngsten Vergangenheit, sondern in jedem Jahr ihrer Existenz schrieb die “FTD” rote Zahlen. Ein kleiner Auszug aus den Archiven:

- “Allein im Geschäftsjahr 2000/01, das im Juni endete, soll das Blatt mehr als 50 Millionen Euro Verlust gemacht haben.” (Süddeutsche Zeitung, 26. Februar 2002)

- “Nach Schätzungen von Merrill Lynch wird die FTD in diesem Jahr einen Verlust von 22 Millionen Pfund (gut 30 Millionen Euro) erleiden, 15 Prozent weniger als im Vorjahr.” (F.A.Z., 29. Juli 2003)

- “Seit dem Start der Zeitung im Februar 2000 wurde das Erreichen des Break Even mehrmals verschoben, von 2005 auf 2006 und nun auf 2008.” (F.A.Z., 12. September 2007)

- “Die Tageszeitung gilt im Haus als arm, aber sexy, das publizistische Prestigeprojekt von Gruner + Jahr-Chef Bernd Kundrun macht in diesem Jahr wohl gut sieben Millionen Euro Verlust.” (Spiegel, 24. November 2008)

- “Die 2010 noch defizitären Wirtschaftsmedien “Financial Times Deutschland”, “Capital”, “Impulse” und “Börse Online” sollen “in ein bis zwei Jahren” profitabel werden.” (F.A.Z., 1. April 2011)

- “Größtes Problemkind ist die “FTD”, die seit ihrer Gründung vor mehr als elf Jahren kein Geld verdient hat und in diesem Jahr einen Verlust von mehr als 10 Millionen Euro erwartet.” (F.A.Z., 12. November 2012)

- “Die mit hohem Anspruch vor knapp 13 Jahren gestartete, börsentäglich erscheinende FTD hat seit Gründung noch nie schwarze Zahlen geschrieben und soll inzwischen 250 Millionen Euro Minus angerichtet haben.” (Focus, 19. November 2012)

Entschieden sich die Gruner+Jahr-Manager, die seit der Komplettübernahme der Zeitung durch G+J im Jahr 2008 die alleinigen Herrscher waren, bei der Frage Prestige oder Geld sparen immer für das Prestige, das ihnen die “FTD” bescherte, zogen sie im November 2012 schließlich die Reißleine. Am 23. November informierte das Management die Mitarbeiter über das Aus. In der Pressemitteilung hieß es anschließend: “Der Verlag Gruner + Jahr wird die ‘Financial Times Deutschland’ (‘FTD’) sowie alle dazugehörigen Marken, Titel und Onlineaktivitäten einstellen. Die letzte Ausgabe der ‘FTD’ wird am 7. Dezember 2012 erscheinen. ‘Die ‘Financial Times Deutschland’ war eines der ambitioniertesten journalistischen Projekte der vergangenen Dekade. Es geht ein bedeutendes Kapitel deutscher Publizistik zu Ende. Gruner + Jahr und seine Gesellschafter haben sich zwölf Jahre lang mit Leidenschaft und Ausdauer für diesen Titel stark gemacht. Die ‘Financial Times Deutschland’ verkörpert herausragenden, vielfach preisgekrönten Journalismus’” wird G+J-Vorstand Julia Jäkel zitiert.

Zahlreiche große Mainstream-Medien berichteten daraufhin über das Aus – von der “Tagesschau” über sämtliche Zeitungen bis hin zu Nachrichten-Websites, die mit dem Ende der “FTD” sogar ihre Homepage aufmachten:



Inzwischen ist der 7. Dezember gekommen, die letzte “Financial Times Deutschland” wurde produziert – und sie ist ein sehr gelungener Abschied. Trotz der etwas depressiven Titeloptik (“Final Times Deutschland”) steckt sie voller Anekdoten, natürlich auch voller Melancholie, aber auch spannender Geschichten aus der Historie der Zeitung. So schreiben Chefredakteur Steffen Klusmann und Claus Gorgs zum Beispiel über die letzten Pläne, die “FTD” noch zu retten: “Seit März haben wir an der nächsten Generation der FTD gearbeitet. Haben Seiten entworfen, Probeexemplare gedruckt, Lesertests gemacht. Wir glauben, dass der Lebenszyklus der gedruckten Tageszeitung zu Ende geht, aber die Zeit für ein ausschließlich digitales Produkt noch nicht reif ist. Unser Konzept soll einen behutsamen Übergang ermöglichen und die Zeitung fit für die Zukunft machen. Es war kein Sparkonzept, wie vielfach behauptet wurde. Manche spekulierten, die Zeitung würde quasi über Nacht zur App. Andere behaupteten, wir würden nur noch einmal oder – völlig absurd – zweimal die Woche in gedruckter Form erscheinen. Wieder andere verkündeten, es ändere sich nichts, die FTD werde nur dünner. Alles Quatsch. Nach unserem Plan hätte es die gedruckte Zeitung noch für ein paar Jahre gegeben, allerdings in veränderter Form. Von Montag bis Donnerstag wären die Ausgaben auf 20 Seiten geschrumpft, wir hätten uns auf unser Kerngeschäft konzentriert, der Sport wäre weggefallen, der Umfang der Politikberichterstattung leicht reduziert worden. Die Freitagsausgabe hingegen hätten wir zu Deutschlands erster Wirtschaftswochenzeitung ausgebaut: 40 Seiten dick, mit einem nachrichtlichen Kern und vielen, vielen Magazingeschichten. Aus den geplanten Seitenzahlen ergab sich auch der Codename, unter dem das Projekt redaktionsintern lief: 20/40.” Und weiter: “Im August laufen die ersten Tests mit Lesern, die Ergebnisse stimmen uns zuversichtlich. Im September wird das ganze Konzept nochmals überarbeitet und feinjustiert. Am 28. September ist alles fertig. Es fühlt sich ein bisschen an wie zu alten Zeiten, als Informationen innerhalb eines Hauses noch per Rohrpost versandt wurden. Bis eben regierte noch die Hektik, nun ist das Werk fertig und wird rausgeschickt. Eine unsichtbare Kraft saugt es ein, es rattert und rumpelt noch ein bisschen. Und dann Stille.”

Die letzte “FTD” dürfte noch einmal das Gefühl der Erstausgabe zurück bringen – auch sie wird sicher vielerorts ausverkauft sein. Hätte es diese Erfolge nicht nur am ersten und letzten Tag gegeben, die “FTD” würde wohl noch leben.

[Nachtrag: Meine Prognose ist eingetroffen, die letzte "FTD" war schon am Morgen des Erscheinungstages flächendeckend ausverkauft, wie ich für MEEDIA aufgeschrieben habe.]

November 29, 2012
by Jens Schröder
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Mensch, “Meier”.

Mit dem “Meier” verbinde ich einige der spannendsten Jahre meines Lebens. Ich kam Anfang des Jahrhunderts als Volontär zum kressreport, erlebte die Dotcom-Börsen-Euphorie-Phase, in der die Fachpresse gar nicht wusste, wie sie die ganzen Seiten neben den unfassbar vielen Anzeigen voll schreiben sollte, fühlte mich privat in Heidelberg aber oft irgendwie fremd, wurde nicht warm mit der Stadt, den Menschen. Was das Leben im Rhein-Neckar-Delta aber dennoch lebenswert machte, war die Kulturszene. Ich habe einige der besten Konzerte meines Lebens dort erlebt – im Karlstorbahnof in Heidelberg, dem Cafe Central in Weinheim oder dem Schwimmbadclub in Heidelberg (Blackmail. Was für eine intensive Sound-Wand.).

Und an dieser Stelle kommt der “Meier” ins Spiel. Das Kultur- und Stadtmagazin für Heidelberg, Mannheim und die gesamte Region dort. Ich habe den “Meier” immer recht positiv wahr genommen. Man merkte, dass er mit mehr Herzblut gemacht wurde, als das Otto-Normal-Wegwerf-Stadtmagazin, das in den meisten anderen Regionen kostenlos in der Kneipe herumliegt. Er hatte oft einen recht guten Musik- oder Filmgeschmack, gab auch Kulturjunkies wie mir oft den einen oder anderen guten Tip.

Erinnert habe ich mich an den “Meier” nach meinem Umzug nach Düsseldorf im Frühjahr/Sommer 2006 aber erst wieder, als ich bei kress vom Aus des “Meier” las. “Grund seien ‘schlechte Geschäftszahlen für das kommende Jahr’, stand dort wenig überraschend. Die Zeiten sind eben auch für Stadtmagazine nicht die besten. Konzerttermine, Musik- und Kinotipps – dafür braucht man eben kein Printmagazin mehr. Dennoch überkam mich ein bisschen Melancholie.

Inzwischen ist nun die letzte “Meier”-Ausgabe erschienen und dank der Website können auch Leute, die nicht mehr in der Region leben, einen Blick in sie werfen. Besonders lesenswert ist die 12-seitige Chronik aus 26 Jahren “Meier”. Man erfährt dort, dass der “Meier” eigentlich “Tempo” hieß, die Markenrechte dann aber dem Jahreszeiten Verlag gehörte, der das legendäre gleichnamige Magazin an den Start brachte. Man kann sich zahlreiche Titelbilder anschauen und die vielen Relaunches sehen, die ein Magazin im Laufe der Zeit erlebt. Und man erfährt viel über die Geschichte und Geschichten beim Machen einer Zeitschrift.

Schade um Dich, “Meier”.

November 28, 2012
by Jens Schröder
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Wir sind retromedia, wir sind wieder da.

So. Nach der kleinen – ähem – Sommerpause geht’s nun weiter mit retromedia.de. Aber Scherz beiseite. Der eine oder andere wird sich in den vergangenen drei Jahren womöglich gefragt haben, was aus unserem Friedhof der Medienbranche geworden ist – ob er auch auf diesem Friedhof gelandet ist. Was ja nicht einer gewissen Ironie entbehrt hätte. Aber wie Sie sehen: Es lebt (wieder). Dieses kleine Blog hat uns immer viel Spaß gemacht, aber auch viel Arbeit, für die mangels Werbepartnern (wer will schon einen Friedhof sponsern) kein Cent floss. Als das Blog irgendwann dann auch noch gehackt wurde, ging es offline – und kam viel zu lang nicht wieder. Doch in einer Zeit, in der die FTD eingestellt wird, die Frankfurter Rundschau Insolvenz anmeldet, der Prinz stirbt und viele andere Magazine beerdigt werden, war es Zeit, retromedia.de zu reaktivieren. Neben den alten Inhalten sollen auch neue dazu kommen. Ein Nachruf folgt in Kürze, weitere sind in Arbeit und vielleicht gibt es am Ende des Jahres auch wieder eine Ausgabe des beliebten Nekrologs. Zu viel versprechen wollen wir allerdings nicht – bevor wir es am Ende nicht halten können. Wie auch immer: Wir sind jetzt erst einmal wieder da.

May 13, 2009
by Jens Schröder
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“Galore” lebt nur noch im Internet weiter.

Galore - Die FinalausgabeSo richtig überraschend kommt diese Meldung leider nicht: Das Interview- und Kulturmagazin “Galore” erscheint im Juni zum letzten Mal. Künftig soll die Marke nur noch im Internet weitergeführt werden, so eine Mitteilung des Verlags, in dem auch das Musikmagazin “Visions” erscheint. “Galore” war im Dezember 2003 sehr ambitioniert gestartet, litt zuletzt aber seit Jahren unter massiven Auflagenproblemen und verkaufte sich in vielen Quartalen mit Abos und Einzelverkauf nur rund 10.000 mal.

Als Grund für das Aus gibt Verlags-Chef Michael Lohrmann denn auch wirtschaftliche Schwierigkeiten an. Galore hätte an einer “ungünstigen Entwicklung im Anzeigengeschäft und der allgemein misslichen Wirtschaftslage” gelitten. Daher gäbe es “aus wirtschaftlichen wie strategischen Aspekten keine Alternative” zur Einstellung des Print-Magazins. Die letzte Ausgabe des Heftes erscheint am 10. Juni.

Im Internet soll die Marke “Galore” aber weiterleben. Am 29. Juni soll die aufgefrischte Website unter Galore.de online gehen. Nutzer bekommen dort dann einen Zugriff auf das komplette Archiv mit mehr als 900 bereits veröffentlichten Interviews, sowie an jedem Werktag ein frisches, exklusiv für die Website geführtes Gespräch. Verantwortet wird die Website von Sascha Krüger, der einst schon zu den Gründern des Magazins gehörte.

Galore - Die StartausgabeDie “Galore”-Geschichte begann im Dezember 2003 mit einer 260 Seiten dicken Erstausgabe. “Das Interview-Magazin”, so der damalige Untertitel, überzeugte zum Start mit tollen Interview-Partnern wie David Bowie, TC Boyle, Charlotte Roche oder Mehmet Scholl. Die beiden ersten Ausgaben verkauften sich nach Verlagsangaben auch immerhin je 50.000 mal. Zunächst vierteljährlich am Kiosk erhältlich, wurde die Erscheinungsfrequenz schon im Herbst 2004 auf zweimonatlich umgestellt und dafür von 4,90 Euro auf 2,90 Euro verbilligt.

Die erste IVW-Meldung traf dann im zweiten Quartal 2005 ein. Immerhin 33.521 im Einzelverkauf abgesetzte Exemplare verzeichnete “Galore”, hinzu kamen 1.441 Abonnenten. Das Heft erschien inzwischen sogar zehnmal pro Jahr. Schon Ende 2005 sah es aber nicht mehr so rosig aus, nur mit sonstigen Verkäufen konnte die Auflage bei über 30.000 gehalten werden, am Kiosk rutschte man erstmals unter die 10.000er-Marke. 2006 wurde “Galore” dann ein Supplement namens “Public” beigelegt, das auf 48 Seiten über Themen aus Musik, Film, Literatur und Kunst berichtete und das Interview-Magazin ergänzen sollte. Die Auflage schwankte am Kiosk aber weiterhin deutlich zwischen 8.000 und 18.000 verkauften Heften. Im dritten Quartal 2007 rutschte man im Einzelverkauf sogar auf den Negativrekord von 6.556.

Im Januar 2008 sollte dann ein Relaunch wieder Aufschwung bringen. “Public” wurde in das Heft integriert, aus dem Interview-Magazin wurde also eher ein Kulturmagazin. Auch diese Maßnahme brachte aber nicht den gewünschten Erfolg. Zwar meldete die IVW eine Gesamt-Verkaufsauflage von zeitweise über 80.000, doch die bestanden zu mehr als 50% aus sonstigen Verkäufen und in Flugzeugen verteilten Bordexemplaren. Am Kiosk kam man nie mehr über knappe 15.000 Hefte hinaus, die Abonnenten schrumpften von zeitweise 3.500 auf zuletzt nur noch 2.500 zusammen. Der letzte Rettungsversuch kam dann im Dezember 2008, als man die Erscheinungsweise auf zweimonatlich verringerte. Schon da begründete man die Maßnahme damit, dass man auf die erwartete Anzeigenentwicklung in 2009 reagiert, um das Heft zu schützen und die eigene Existenz zu sichern.

Geholfen hat das leider nicht mehr. “Galore” stirbt am 10. Juni.

May 13, 2009
by Jens Schröder
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“Elle Bistro” hat aufgegessen.

Elle Bistro - Die FinalausgabeDas Burda-Magazin “Elle Bistro” wird mit der Juni/Juli-Ausgabe eingestellt. 1997 im Burda-eigenen Elle-Verlag gegründet, erschien “Elle Bistro” seit 2004 nur noch im Huckepack mit dem anderen “Elle”-Ableger “Elle Decoration”. Im Zuge von Sparmaßnahmen, die u.a. dafür sorgen, dass die “Elle Decoration”-Redaktion in die “Elle”-Redaktion integriert wird, fällt “Elle Bistro” nun einfach weg. An den Verkaufszahlen des Duos kann es eigentlich nicht gelegen haben, die lagen in den vergangenen Jahren stabil bei über 100.000, darunter immerhin 80.000 per Abo und Einzelverkauf abgesetzte Exemplare. Auch im Werbemarkt verloren “Elle Decoration” und “Elle Bistro” im angespannten Jahr 2009 nicht viel im Vergleich zu 2008. Dennoch probiert Burda es mit “Elle Decoration” nun lieber ohne Beiboot “Elle Bistro”.

May 12, 2009
by Jens Schröder
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Ein Börsencrash und ein Rennunfall.

Zwei Nachträge zu zwei Printmarken, die es künftig nicht mehr als eigenständige Magazine gibt, sondern nur noch als Beilagen in anderen Zeitschriften.

Wertpapier - Die FinalausgabeBesonders traurig ist dabei das Schicksal des Wirtschaftsmagazins “Wertpapier”, das nach sage und schreibe 57 Jahren gestorben ist. Es wurde gemeinsam mit der “Geldidee” von der Bauer Media Group beerdigt. Im Gegensatz zur “Geldidee” bestand zeitweise noch die Chance, dass der Titel von anderen Verlegern weitergeführt wird, schließlich war das “Wertpapier” gleichzeitig das Mitgliedermagazin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. (DSW), die ein Interesse hatte, ihren Mitgliedern auch in Zukunft ein Magazin zuzuschicken. Die endgültige Lösung ist dann aber ziemlich traurig. Das “Wertpapier” lebt nur noch in Form von zwei oder drei Seiten im wöchentlichen Burda-Magazin “Focus Money” weiter, auf denen die DSW nun ihre Tipps und Informationen publiziert. Das “Wertpapier” hatte in den letzten Jahren seiner Existenz mit immer größeren Problemen zu kämpfen. Nachdem es in den 90ern meist zwischen 20.000 und 30.000 mal verkauft wurde, profitierte es vom Börsen-Boom zum Jahrtausendwechsel und schwang sich zu Rekordverkaufszahlen von bis zu 49.261 (2. Quartal 2000) hinauf. Angespornt von diesen Erfolgen übernahm Bauer dann Mitte 2001 die Mehrheit am “Wertpapier”, die DSW behielt 30%. Doch die Auflagen sanken und sanken. Im ersten Quartal 2002 verkaufte man erstmals weniger als 20.000 Hefte, im Jahr 2008 sogar nichtmal mehr 16.000. Im Anzeigenmarkt spielte der Titel ohnehin nie eine wichtige Rolle. Die letzte eigenständige “Wertpapier”-Ausgabe erschien am 2. April.

Auto Bild Motorsport - Die FinalausgabeEtwas weniger traurig ist vielleicht das Schicksal des Magazins “Auto Bild Motorsport”. Zwar wird auch diese Zeitschrift als eigenständiger Titel eingestellt, sie lebt aber immerhin als Heft im Heft in der normalen “Auto Bild” weiter. “Auto Bild Motorsport” war im Jahr 2001 aus dem Titel “Rallye Racing” hervor gegangen, der dem Axel Springer Verlag damals offenbar nicht mehr passend erschien. “Rallye Racing” verkaufte sich Ende der 70er, Anfang der 80er noch teilweise mehr als 100.000 mal, Ende der 90er waren davon nur noch 70.000 übrig, darunter nur noch etwas mehr als 40.000 im Enzeilverkauf und per Abo abgesetzte Hefte. “Auto Bild Motorsport” verkaufte sich anfangs dann auch besser als der Vorgänger, im ersten Quartal 2002 gingen allein im Einzelverkauf, also in Kiosken, Supermärkten, Tankstellen, etc. 65.000 Hefte pro Ausgabe über die Ladentische, ein Jahr später sogar 70.000. Doch dabei blieb es nicht, im Verlauf der Jahre wurden immer weniger Hefte verkauft. Insbesondere in den Phasen zwischen zwei Formel-1-Saisons litt das Magazin unter viel zu geringem Interesse. Der Abschied von Michael Schumacher tat sein Übriges, sodass im Jahr 2008 in den Quartalen 2 bis 4 nichtmal mehr 10.000 Hefte im Einzelverkauf abgesetzt wurden. Viel zu wenig für ein 14-tägliches Magazin. Die Entscheidung, “Auto Bild Motorsport” nun als Beilage von “Auto Bild” fortzuführen, erscheint daher sinnvoll. Auch wenn dadurch ein weiterer Titel die Kioske für immer verlässt.

April 17, 2009
by Jens Schröder
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“Amica”: Keine Freundschaft fürs Leben.

Amica - Die StartausgabeMit der momentan am Kiosk erhältlichen Ausgabe 5/2009 beendet Hubert Burda Media nach über 13 Jahren das Leben der Zeitschrift “Amica”. Der deutsche Ableger des italienischen Frauenmagazins gleichen Namens war am 11. Januar 1996 erstmals in der Verlagsgruppe Milchstrasse erschienen. Die Startausgabe 02/1996 war 394 Seiten dick, erschien in einer Auflage von 400.000 Stück und kostete 5 D-Mark. Anzeigenleiter Norbert Wysokowski sagte der dpa damals, das Magazin richte sich an “ambitionierte, anspruchsvolle Frauen, die jung im Kopf sind”. “Statt Häppchen-Journalismus bieten wir lange Stories und Reportagen”, so Wysokowski. Die erste Ausgabe bot Themen wie “Hollywood ’96 – Macher, Megastars und Millionen”, “Frieden auf dem Balkan” und “Fit & Fun im Cyberspace”. Ergänzt wurde das Magazin von einem 76 Seiten dicken Supplement mit mehr als 200 Einkaufstips – der “Mini-Amica”. Bei den Werbungtreibenden stieß das Konzept auf große Resonanz: “Die 140 Anzeigenseiten der ersten Ausgabe sind voll belegt – ohne Eigenanzeigen”, berichtete der Amica-Anzeigenleiter. 36 Redakteurinnen und Redakteure arbeiteten damals für “Amica”, Gründungs-Chefredakteurin war Uschka Pitroff, sie verließ das Blatt aber nach wenigen Monaten wieder.

Die Zielsetzung, die die Verlagsgruppe Milchstrasse damals ausgab, 150.000 verkaufte Exemplare pro Ausgabe, übersprang “Amica” recht schnell sehr deutlich. Die erste IVW-Meldung im zweiten Quartal 1996 lag schon bei 251.351 verkauften Heften. 1998 knackte das Magazin auch die 300.000er-Marke, selbst ein TV-Ableger namens “Amica TV” ging bei Viva auf Sendung (Moderatoren: Mola Adebisi, später: Aleks Bechtel). Der Anfang 1998 angetretene schon dritte “Amica-Chefredakteur Nikolas Marten veränderte die Zeitschrift im Vergleich zur Startphase. “Uschka Pittroffs Anspruch: Eine ganz andere Frauenzeitschrift zu machen, z.B. ohne Kosmetik-Themen. Statt dessen lange Reportagen über Elends-Themen wie Ökokatastrophen, Kriege und Kindermord. Diese sind im neuen Heft nur noch vereinzelt zu finden”, schrieb Peter Turi 1999 im “kressreport”. Zwischendurch sollte “Amica” sogar 14-täglich statt monatlich erscheinen, dazu kam es aber nie.

Den 5. “Amica”-Geburtstag 2001 feierte man mit einer besonderen Jubiläumsausgabe, inklusive Heidi-Klum-Titelfoto-Produktion und dem Schriftzug “Amica” in goldener Schrift. Das Auflagen-Wachstum war allerdings vorbei. Bis zum Herbst 2000 blieben die Verkaufszahlen jenseits der 300.000, bis 2003 immerhin bei über 250.000. Zwischendurch verließ Chefredakteur Marten das Blatt nach immerhin vier Jahren, die neue Chefredakteurin Angela Oelckers übernahm Anfang 2002. Sie verpasste “Amica” Mitte 2002 inhaltliche Veränderungen und einen von 3 auf 2 Euro gesenkten Copy-Preis. “Wir wollen nicht jünger werden, sondern eher etwas erwachsener im Auftritt. Im Zuge dessen lüften wir alle Ressorts durch, legen im Service zu und werden im Layout etwas ruhiger und weiblicher”, so Oelckers im Mai 2002 gegenüber dem “kressreport”. Anfang 2003 bekam “Amica” mit “Amico” sogar einen männlichen Ableger, der allerdings nur wenige Male erschien. Zu diesem Zeitpunkt musste die “Amica”-Auflage schon durch eine erhebliche Anzahl von “sonstigen Verkäufen”, also gratis verteilten Heften, gestützt werden. Die am Kiosk und per Abo verkaufe Auflage war längst unter die 200.000er-Marke gerutscht.

Ende 2003 wurde dann schon der nächste Relaunch umgesetzt. Das Format wurde wieder wesentlich größer, zudem wollte man wieder mehr journalistische Qualität in das Blatt bringen. “Chefredakteurin Oelckers spricht von der Rückeroberung der ‘Kultur der Andersartigkeit’ und der Möglichkeit, sich ‘journalistisch zu profilieren’. Entsprechend wartet die neue ‘Amica’ mit einem monatlichen Dossier und Reportagen auf”, so der “kressreport” damals. Geholfen hat das aber nichts, im ersten Quartal 2004 wurden sogar erstmals weniger als 100.000 Hefte per Einzelverkauf und Abo abgesetzt. Kein Wunder also, dass Ende Mai die nächste “Amica”-Chefredakteurin ihren Job antrat: Beatrix Kruse, die zuvor auch schonmal als “Brigitte”-Chefin gearbeitet hatte. Unter ihr wurde “Amica” wieder verkleinert. Das Ruder konnte Kruse aber nicht mehr herum reißen.

Ende 2004 übernahm schließlich der langjährige Gesellschafter Burda die Verlagsgruppe Milchstrasse komplett. Die kriselnde “Amica” wurde umgekrempelt und erschien fortan in München bei der Burda People Group unter Führung von Philipp Welte und Patricia Riekel. Aus “Amica” wurde ein Magazin mit dem großen Schwerpunkt Mode. Mit der ursprünglichen “Amica” hatte die neue Zeitschrift nicht mehr viel zu tun. Riekel sagte dem “kressreport” im Mai 2005: “Wir entwerfen ein Modemagazin, das es so heute in Deutschland noch nicht gibt. Für ‘Amica’ werden internationale Fotografen arbeiten, die für das Blatt eine eigene Bildsprache inszenieren: Spontan, kühn und ungewohnt. Denn heute muss sich eine Zeitschrift nicht nur von anderen Print-Titeln, sondern auch vom Fernsehen unterscheiden. Auch deswegen spielt die Optik bei ‘Amica’ eine ganz große Rolle.” Die verblieben Leserinnen verübelten dem Verlag diese Neuausrichtung allerdings massiv, sodass im vierten Quartal 2005 gerade noch 37.080 Kiosk-Käuferinnen und 17.302 Abonnentinnen zusammenkamen.

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Um die verlorenen Einnahmen etwas auszugleichen, verteuerte sich “Amica” im Frühjahr 2006 von 3 auf 4 Euro. Am Konzept wurde bis zuletzt festgehalten. Am 7. April verkündete Burda nun das Aus für die “Amica”. Der Titel sei “wirtschaftlich nicht mehr tragbar”, schrieb Burda-Vorstand Philipp Welte an alle Mitarbeiter: “Deshalb habe ich heute die Mitarbeiter der ‘Amica’ darüber informiert, dass wir eines der schönsten Fashion-Magazine vom Markt nehmen müssen, weil es wirtschaftlich nicht mehr tragbar ist – und in dieser konjunkturellen Situation auch keine Chance auf Erfolg mehr hat.” Die verkaufte Auflage hatte sich zwar wieder etwas auf 62.055 Einzelveräufe und 14.984 Abos berappelt, doch gereicht hat das am Ende nicht mehr. Besonders die Anzeigenumsätze waren offenbar zu gering. Laut Nielsen Media Research setzte “Amica” 2008 brutto noch 17,75 Mio. Euro mit Werbung um, in den Hochzeiten, z.B. 2001, war es mehr als doppelt so viel.

Eine Gelegenheit, sich von den Leserinnen zu verabschieden, hatte die “Amica”-Redaktion wegen der kurzfristigen Entscheidung nicht mehr. So ist das Editorial der Finalausgabe – Titel: “Alles blüht!” – mit den Worten “Voller Frühlingsgefühle, Ihre Amica” unterschrieben. Für “Amica” waren das die letzten Frühlingsgefühle.

April 6, 2009
by Jens Schröder
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“Viva – Das Magazin”: Man lebt nur zweimal.

Viva - Das Magazin - Die StartausgabeNach nur zwei Ausgaben hat der Panini Verlag sein Jugendmagazin “Viva” schon wieder eingestellt. Die Ziele im Leser- und Anzeigenmarkt wurden einem “Horizont.net”-Bericht zufolge deutlich verfehlt. 260.000 Stück wollte Panini pro “Viva”-Ausgabe verkaufen. In Zeiten, in denen fast alle Teenie-Magazine mit Auflagenproblemen zu kämpfen haben, weil das Publikum immer mehr ins Netz abwandert, ein offenbar unrealistisches Ziel.

Viva - Das Magazin - Die Finalausgabe“Viva” war am 11. Februar zum ersten Mal an die Kioske gekommen und sollte vor allem 14- bis 19-jährige Frauen begeistern. Das sollte mit “Star- und Trendthemen aus dem Musik- und Showbusiness sowie exklusiven Blicke hinter den Kulissen der beliebtesten Sendungen von VIVA” geschehen. “Dazu verraten TV-Profis, darunter auch die beliebten VIVA Moderatoren, die angesagtesten Styling- und Beauty-Tipps”, so die Selbstdarstellung des Verlags zum Start des Titels.

Die März-Ausgabe war dann schon die letzte, die April-Nummer, die eigentlich in dieser Woche erscheinen sollte, wird schon nicht mehr ausgeliefert. Warum wir also “Angst um die Pop-Queen” Christina Aguilera haben sollten, werden wir nun nie erfahren:

Viva - Das Magazin - Werbung für Heft 4/2009

March 31, 2009
by Jens Schröder
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“Maxim” wird beerdigt.

"Maxim": Die vorletzte AusgabeDas Zeitschriftensterben geht weiter: Die Marquard Media AG teilte am Freitag mit, dass das Männermagazin “Maxim” mit der Mai-Ausgabe eingestellt wird. “Die aktuelle Wirtschaftskrise hat den Anzeigenmarkt im Männersegment sehr stark getroffen. Damit ist derzeit für ‘Maxim’ keine positive wirtschaftliche Perspektive mehr gegeben”, so Marquard-CEO Albrecht Hengstenberg. Marquard hatte das Magazin erst Anfang 2008 von Axel Springer übernommen, wo es 2001 gestartet war.

"Maxim": Die StartausgabeAxel Springer hatte “Maxim” als Konkurrenz zur damaligen Neugründung “FHM” an den Start gebracht und erreichte zunächst auch beachtliche Verkaufszahlen: Die IVW-Premiere gab es im dritten Quartal 2001 mit 310.706 abgesetzten Heften, davon 97% per Abo und Einzelverkauf. Doch der Erfolg hielt nicht lang, Quartal für Quartal ging es nach unten. So durchbrach der Einzelverkauf, also die in Kiosken, Supermärkten, etc. verkauften Exemplare 2005 erstmals die 100.000er-Marke. Nach dem Verkauf des Magazins an Marquard ging es sogar noch weiter nach unten. Im aktuellsten Quartal, dem vierten 2008, lag die Einzelverkaufsauflage nur noch bei 45.005 Stück, hinzu kamen 6.195 Abonnenten. Nur durch Sonstige Verkäufe und Bordexemplare hielt der Verlag die “Maxim”-Gesamtverkäufe noch über der 100.000er-Marke.

"Maxim": Auflagenentwicklung

Auch im Anzeigenmarkt lief es nicht mehr gut. 2008 betrug der Brutto-Werbeumsatz von “Maxim” laut Nielsen Media Research noch 6,71 Mio. Euro – ein Minus von 14,3% im Vergleich zu 2007. Diese Entwicklung setzte sich auch 2009 fort: Laut der aktuellen ZAS-Zahlen wurden in den ersten drei Heften des Jahres 2009 etwas mehr als 74 Anzeigenseiten gedruckt – ein weiterer Rückgang von 14,2%. Mit all diesen negativen Entwicklungen scheint der Schritt von Marquard daher leider logisch. Auch wenn CEO Hengstenberg sagt: “Wir bedauern dies sehr, da das ‘Maxim’-Team eine ausgezeichnete Zeitschrift gemacht hat, die viel Anerkennung gefunden hat.” Im Sommer 2008 hatte der von Marquard eingesetzte Ex-Playboy-Chef Stefan Gessulat das Heft gerelauncht und ihm eine hochwertigere Optik verpasst. Der neue Claim hieß seitdem “Das internationale Männermagazin”. Geholfen hat dieser Schritt “Maxim” nicht mehr.

March 13, 2009
by Jens Schröder
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Die berechtigte Angst der “Geldidee”.

Geldidee - die FinalausgabeAusgerechnet mit der Titelgeschichte “Angst um den Job – Was tun bei Kurzarbeit und Kündigung” verabschiedet sich das Magazin “Geldidee” von den Kiosken des Landes. In einer gewohnt knappen Mitteilung verkündete die Bauer Media Group (ehemals Heinrich Bauer Verlag) am Freitag das schnelle Aus der Zeitschrift:

“Die Bauer Media Group wird sich aus dem Geschäftsfeld der Wirtschaftsmagazine zurückziehen. Das Wirtschaftsmagazin GELDidee wird mit der Heftfolge 04/09 (ET: 11. März) eingestellt. Die Rechte an dem Anlegermagazin Wertpapier werden mit der Heftfolge 06/09 (ET: 19. März) an die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. zurückgegeben. Von den Maßnahmen sind insgesamt 15 Mitarbeiter betroffen. Aufgrund des außerordentlich schwierigen Marktumfeldes und der schwachen Finanzmärkte konnten die wirtschaftlichen Ziele nicht mehr erreicht werden.”

Die “Geldidee” ging 1998 an den Start und wurde zunächst als 14-tägliches Finanz- und Wirtschaftsmagazin (Untertitel “Geld & Wirtschaft kompakt”) konzipiert worden. Insbesondere in der Börsen-Boom-Phase 1999 und 2000 feierte das Magazin durchaus beachtliche Auflagenerfolge. Seine höchsten Verkaufszahlen erreichte es laut IVW im ersten Quartal 2000 mit einer gesamten Verkaufsauflage von 225.409 Stück, davon 101.648 im Einzelverkauf, also in Kiosken, Supermärkten, etc. abgesetzten Exemplaren. Mit dem Ende des Börsen-Hypes begann für die “Geldidee” aber ein unglaublicher Auflagenniedergang. So gingen im vierten Quartal 2002 nur noch 12.884 Hefte im Einzelverkauf über die Ladentresen – ein Minus von mehr als 87% in nur zweieinhalb Jahren.

Als Folge schloss Bauer im Frühjahr 2003 die Hamburger Redaktion des Magazins und beauftragte den ehemaligen “Capital”-Chefredakteur Ralf-Dieter Brunowsky und seine Firma BrunoMedia mit der Produktion der “Geldidee”. Brunowsky krempelte das Magazin um und betonte den Service-Gedanken der “Geldidee”. Fortan dominierten Themen wie “Clever telefonieren”, “Billig fliegen” oder “Weihnachten ohne Stress” die oftmals sehr billig aussehenden Titelseiten. Aus dem Untertitel “Geld & Wirtschaft kompakt” wurde “Ideen, die bewegen”. Die Leser dankten den Machern den Relaunch nicht, die Verkäufe rasselten weiter nach unten. So sprangen vom ersten Quartal 2003 bis zum ersten Quartal 2004 fast 10.000 der 47.694 Abonnenten ab, im Einzelverkauf blieben im zweiten Quartal 2004 gar nur noch 5.895 verkaufte Hefte übrig.

Ende 2004 kam es so erneut zum Strategiewechsel bei Bauer. Brunowsky verlor seinen Auftrag und die “Geldidee” wurde fortan von der verlagseigenen Düsseldorfer Redaktion der Zeitschrift “Wertpapier” mitproduziert. Gleichzeitig wurde sie deutlich renoviert und erschien nur noch monatlich. Als “Geldidee – Das Wirtschaftsmagazin” gab es neben den Service-Aspekten wieder mehr Wirtschafts- und Unternehmensberichte, zudem kam die Zeitschrift deutlich seriöser daher. Doch auch dieser Wechsel zahlte sich auf Dauer nicht aus. Die Auflagenzahlen erholten sich zwischenzeitlich nur leicht, bröckelten aber nach und nach wieder ab. Zuletzt verkaufte sich die “Geldidee” in Kiosk, Supermarkt & Co. nur noch 4.645 mal pro Ausgabe, die Abonnentenzahl fiel auf 37.689. Beide Zahlen stammen aus dem vierten Quartal 2008 und beides sind absolute Minusrekorde in der rund elfjährigen Historie der Zeitschrift. Gestützt wurde die Auflage jahrelang nur noch mit sonstigen Verkäufen und Bordexemplaren. Auch das half aber in der Vermarktung nicht mehr. Die beiden ersten Hefte des Jahres 2009 enthielten nur noch rund 27 Anzeigenseiten – ca. 30% weniger als im Vorjahreszeitraum. Alle Trends zeigten also nach unten, das Ziehen des Steckers erscheint da leider logisch.