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Tempo.

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“Tempo” war eine der prägendsten und wichtigsten Zeitschriften der 80er und 90er Jahre. Das Magazin brachte Massen an guten Autoren und bekannten Journalisten hervor, gewann Preise und sorgte jahrelang für Diskussionen. Eine Chronik der Ereignisse.

Phase 0 – Vor dem Start:

Tempo 11/85: Die NullnummerIm Mai 1985 vereinbarte der Hamburger Jahreszeitenverlag eine Kooperation mit dem österreichischen Magazin “Wiener”. Man wollte eine deutsche Ausgabe der Zeitschrift auf den Markt bringen. Im August 1985 gibt der Verlag erstmals zu, eine Redaktion eingekauft zu haben. Ab 2. September 1985 wird an dem deutschen “Wiener” gearbeitet. Angepeilter Start damals: Anfang 1986, die Startauflage sollte 100.000-200.000 betragen. Es sollte eine Vereinbarung mit dem “Wiener”-Verleger Hans Schmid über eine “gemeinsame Herausgabe” des Magazins zustandekommen, kein Lizenzvertrag. Dann der Schock: Es kommt kein Vertrag mit Schmid zustande, der Jahreszeiten-Verlag beklagt, er müsse die Marketingkosten allein tragen, Schmid wolle nur am Gewinn aber nicht an den Risiken beteiligt sein.

Schmid verfolgt seine deutschen “Wiener”-Pläne weiter, gewinnt schließlich den Heinrich Bauer Verlag als Partner. Im Jahreszeiten-Verlag beerdigt man das Projekt aber keinesfalls, sondern sucht einen neuen Namen für das neue Magazin. Gründungs-Chefredakteur Markus Peichl im kressreport aus dem Oktober 1985: “Lo Breier und ich, die wir zusammen mit Michael Hopp den ‘Wiener’ gemacht haben, arbeiten nun in Hamburg an einer neuen Zeitschrift, die für Deutschland das halten soll, was der ‘Wiener’ verspricht. Sie hat noch keinen Namen, noch kein Gesicht, noch keine Buchstaben, aber es gibt sie bereits in unseren Köpfen und den Köpfen unserer Leser. Weil der ‘Wiener’ so schön war, aber nicht schön genug, Weil der ‘Spiegel’ beeindruckend viel Gehirn hat, aber beängstigend wenig Gefühl. Weil der ‘Stern’ mal toll war, es aber anscheinend nicht mehr sein will. Weil ‘Cosmopolitan’ viel Sex hat, aber nicht genug Erotik.” Die Titelsuche gestaltete sich schwierig: Der mit Augenzwinkern geplante Titel “Neues Deutschland” scheitert an Einwänden der gleichnamigen DDR-Zeitung, auch “Rififi”, “Klon”, “Go” und “echt” wurden glücklicherweise wieder verworfen. Von Michael Hopp kam dann der Vorschlag “Prinz”, aber auch er setzte sich nicht durch. Schließlich wurde das Kind “Tempo” getauft. “Weil’s ein klassischer Zeitschriftentitel ist und weil es Programm ist”, so das Editorial der späteren Erstausgabe. Am 27. November 1985 erscheint die erste “Tempo”-Nullnummer (siehe Cover oben rechts), mit der Anzeigenkunden akquiriert werden sollten.

Phase 1 – Die Peichl-Ära:

Tempo 02/86: Die StartausgabeAm 27. Januar 1986 lag dann mit einer Startauflage von 420.000 Stück die erste reguläre “Tempo”-Ausgabe am Kiosk. Zum Preis von 5 Mark (der sich übrigens in der zehnjährigen Geschichte des Magazins nie ändern sollte). Titelthema der ersten Ausgabe war “Lust auf Prinzen: Man trägt wieder Adel” (siehe auch Abbildung links). Außerdem gab es u.a. ein Porträt des ersten grünen Ministers Joschka Fischer, einen Artikel über die RAF, ein Joan-Collins-Porträt, Texte über Partnertausch, einen Städte-Test und eine Luxus-Fotostrecke. Diese Themen zeigten auch auf, worum es bei “Tempo” in den kommenden Jahren gehen sollte.

Tempo 04/88: 'Neues Deutschland'-HeftDer Heftaufbau blieb bis in die 90er Jahre in etwa gleich: Nach dem Inhaltsverzeichnis kamen Leserbriefe (unter dem grottigen Namen “Tempost”), ein “Rundruf”, in dem Prominente nach ihrer Meinug zu einem bestimmten Thema befragt wurden, eine Zeichnung von Manfred Deix, die Kolumne “Ethik und Ästethik”, die “Tempodrom”-Seiten mit vielen, oft spektakulären Fotos und kleinteiligen Textchen. Anschließend kam der Hauptteil mit Reportagen, Porträts, Fotostrecken und Interviews zu Politik, Kultur, Sex, Drogen und Banalitäten. Im hinteren Heftteil folgte dann “Input” mit Platten-, Film- und Buchkritiken, sowie weiteren Artikeln zu (pop-)kulturellen Themen. Ab 1988 kam dann noch die legendäre Maxim-Biller-Kolumne “100 Zeilen Hass” hinzu. Ganz hinten folgten schon bald längere Lesegeschichten, die Kolumne “Glasers heile Welt” (später “Glasers blauer Planet”), sowie “Tempos Top Ten” mit nutzlosem Wissen in Listen. Die Erstausgabe verkaufte sich insbesondere in Uni-Städten und Metropolen recht gut, in der Provinz hingegen nicht. Die Verkaufszahlen pendelten sich 1986 und 1987 bei etwa 150.000 Stück ein, stiegen 1988 sogar bis auf 185.000. Das lag u.a. an Heft 4/88, dem eine gefälschten Ausgabe der DDR-Zeitung “Neues Deutschland” beilag, die kurz zuvor in der DDR verteilt wurde und für großen Wirbel sorgte. “Tempo” erwies sich schon bald nach dem Start als absoluter Trendsetter bei Gestaltung und Inhalten. Das Blatt war wegweisend für den gesamten Markt der modernen Magazinkultur. So gewann man zwischen Start und Ende 1990 allein 22 Gold-, Silber- und Bronze-Medaillen des Art Director Clubs (ADC). Die Stärke der Zeitschrift waren großartige Autoren, mutige Layouts und oft sehr provozierende Reportagen. “Jede Ausgabe, jedes Stück, jede Bildunterschrift”, schrieb Ex-Redakteur Oliver Herrgesell später, “sollte die Welt aus den Angeln heben, Tabus wurden im Akkord gebrochen.”

Tempo 12/89: Peichls letzte NummerDas Problem war allerdings sein Chefredakteur: Ohne Markus Peichl hätte sich “Tempo” nie einen solchen Ruf erarbeitet, doch wo ein Genie ist, ist das Chaos nie weit. Workaholic und Perfektionist Peichl schaffte es einfach nicht, die “Tempo”-Ausgaben zum vereinbarten Termin an die Kioske zu bringen. So erschien am 21. Dezember 1988 sogar eine Doppelnummer, weil die Redaktion unfähig war, Termine einzuhalten. Markus Peichl damals: “Ein pünktliches Heft kann jeder Depp machen”. Er mache nunmal eine außergewöhnliche und aktuelle Zeitschrift. Am 4. Januar 1989 unterschreibt Peichl ein Papier mit der von ihm gewählten Überschrift “Glasnost”, in dem er sich verpflichtete, innerhalb eines halben Jahres für ordentliche Erscheinungstermine zu sorgen, widrigenfalls er sich selber entlassen werde. Es half nichts. Und so wurde er am 1. Dezember 1989 mit sofortiger Wirkung beurlaubt. In der Pressemitteilung hieß es: “Thomas Ganske erkennt ausdrücklich Herrn Peichls überragende journalistische Leistung bei Konzeption und Entwicklung von Tempo an und dankt ihm für seinen hohen persönlichen Einsatz für die Zeitschrift.” Wesentlicher Grund für die Beurlaubung war die Unfähigkeit, wenigstens hier und da ein Heft zum vorgesehenen Erstverkaufstag auf den Markt zu bringen. Anzeigenkunden waren nicht begeistert, wenn ihre Weihnachtskampagnen Mitte Januar erschienen. Die Redaktion reagierte “bestürzt und entsetzt” auf Peichls Entlassung und forderte die “Rücknahme der Kündigung”, befürchtete eine redaktionelle Kursänderung.

Phase 2 – Die Nach-Peichl-Ärea / Orientierungslosigkeit:

Am 6. Dezember 1989 kam es zu einer Waffenstillstandsvereinbarung zwischen Verlag und Redaktion: Die stellvertretenden Chefredakteure Lucas Koch und Walter Mayer führten zunächst die Redaktion. Mit einer Aufhebungsvereinbarung endet das Vertragsverhältnis von Peichl dann zum 31. Dezember 1989. Lucas Koch führte “Tempo” dann bis Oktober 1990 allein weiter. In dieser Zeit nach dem Rausschmiss von Markus Peichl wurde an dem Grundkonzept jedoch nicht gerüttelt. Man sah keinen Grund zu einer Änderung, es gab nur kleinere kosmetische Korrekturen.

Tempo 12/90: Mehr TrashIm November 1990 kam Jürgen Fischer als neuer Chefredakteur. Er brachte mehr Trash, mehr Beliebigkeit und Oberflächlickeit ins Blatt. Komiker Dirk Bach wurde Titelheld, ebenso der nackte Arnold Schwarzenegger. Alles in allem hielt er aber ebenfalls an den Grundpfeilern von “Tempo” fest. Sein Konzept ging nicht auf, die verkaufte Auflage sackte auf unter 150.000 Stück ab. Fischer blieb bis April 1992, sollte dem Blatt anschließend als Autor erhalten bleiben, was jedoch nicht wirklich geschah.

Phase 3 – Die Jürgs-Ära / Der Abstieg:

Tempo 05/92: Jürgs' erstes Heft1992 kam dann ein großer Schnitt für “Tempo”. Nachdem die verkaufte Auflage unter den Chefredakteuren Koch und Fischer auf unter 150.000 gefallen war, setzte Verleger Ganske einen neuen Mann an die Spitze des Blattes: Michael Jürgs, zuvor u.a. “stern”-Chef. Der kam mit großen Ideen, verbannte Zeigeist und Lifestyle, wollte das Blatt mit Elementen aus “New Yorker”, “Vanity Fair” und “TransAtlantik” erwachsener machen, ohne die Jungen zu vergrämen. Seine erste “Tempo”-Nummer war die Mai-Ausgabe 1992, in der es gleichzeitig einen großen Relaunch gab. Die Heftstruktur wurde grundlegend geändert. Vom aufgeräumteren Titelblatt beginnend, gab es ein ganzseitiges Editorial des Chefredakteurs und hinter dem Inhaltsverzeichnis ein ausführlicheres und bildgewaltigeres “Tempodrom”. Anschließend folgten wenige, dafür extrem lange Porträts und Reportagen. Keiner dieser Artikel kam mit unter zehn Seiten davon. Auch die hinteren Seiten wurden neu gestaltet: “Input” hieß jetzt “Magazin”, die Themen Film, Musik, Fernsehen, Buch, etc. blieben allerdings. Zum Schluss folgte noch die Fotostrecke “Portfolio”, die kleinteilige Seite “Temporär” und ein Cartoon. Bei Amtsantritt kündigte Jürgs an, im Frühsommer 1993 200.000 Hefte verkaufen zu wollen.

Doch Jürgs’ Konzept scheiterte. Weder gelang es ihm, erwachsene Leser zu gewinnen, noch hinderte er die Jungen daran, “Tempo” am Kiosk liegen zu lassen. Das Heft war langweilig geworden, ihm fehlten die Provokationen, die Überraschungen, die Aufreger. Im August 1993 holte Ganske dann Markus Peichl als “persönlichen Berater” zum Jahreszeitenverlag zurück. Der brauchte auch nicht lange, um gegen Jürgs zu schießen: Ganske müsse Jürgs rausschmeißen, weil der für “Tempo” zu alt sei. Stattdessen solle man seinen alten Kumpel und Stellvertreter Walter Mayer holen. Ganske erklärte zwar Anfang 1994, 1993 hätte es das beste Ergebnis der “Tempo”-Geschichte gegeben, doch am 23. März 1994 entließ er Jürgs nach genau zweijähriger Tätigkeit dann doch. Argument: Der Markt trage das Konzept nicht, das Anzeigengeschäft sei schlecht. Jürgs hatte keine 200.000 Exemplare verkauft, unter ihm sanken die “Tempo”-Verkäufe auf zuletzt 104.000. Auch die Anzeigenumsätze befanden sich im freien Fall. Die Redaktion erklärte sich in einem Brief an Ganske vollzählig mit Jürgs solidarisch. In einem Brief an den “kressreport” schrieb sie: “Die Tempo-Redaktion dankt Michael Jürgs und seinem Stellvertreter Gerhard Krug für zwei tolle Jahre. Die Redaktion hatte ein besonders enges Verhältnis zu diesem Chefredakteur.” Jürgs ging und Walter Mayer kam tatsächlich als Nachfolger an Bord.

Phase 4 – Die Mayer-Ära / Das Ende:

Tempo 06/94: Mehr SexDer neue Chefredakteur Walter Mayer, der als “Prinz”-Chef bereits im selben Haus residierte, krempelte das Blatt erneut grundlegend um. Mit dem Relaunch im Juli 1994 blieb kaum ein Stein auf dem anderen, das Layout des Magazins wurde bunter, flippiger. Mayer wollte eine stärkere Foto-Optik und kürzere Texte, wollte “Tempo” “verjüngen und populärer machen”. Thematisch setzte der neue Chef wieder mehr auf Sex, von Juni 1994 an hießen die Titelthemen u.a. “Generation Sex”, “Tabu unbefriedigte Frau”, “Leben Schwule besser?” “Die Hure Elena”. Als das auch nichts brachte und die Auflagenzahlen weiter zwischen 100.000 und 110.000 pendelten, wurde das Heft noch jünger, es ging immer öfter um Teenager-Themen. Neben den Lesern blieben auch die Anzeigenkunden vermehrt fern: 1994 ging 43,8 % des Vorjahresanzeigenumfangs verloren – dramatische Zahlen.

Tempo 04/96: Die FinalausgabeDas April-Heft 1996 war dann das letzte. Verleger Thomas Ganske und der frisch als Mitglied der Geschäftsführung beim Jahreszeitenverlag angetretene Bernd Runge sahen endgültig keine wirtschaftliche Grundlage mehr für eine Fortsetzung des Magazins. “Tempo” war seit 1986 nie in die schwarzen Zahlen gekommen, die ersten drei Ausgaben 1996 enthielten jeweils nur noch 15 Anzeigenseiten, zwischen 1991 und 1995 sank der Anzeigenumsatz von 14 Mio. auf 4 Mio. Mark. Rund 30 Millionen Mark soll Ganske über die zehn Jahre hinweg in “Tempo” gesteckt haben. Elemente von “Tempo” sollten daraufhin in Ganskes “Prinz” weiterleben, den Abonnenten wurde ein “Prinz”-Abo als Ersatz angeboten. Die “taz”, die den “Tempo”-Tod exklusiv am 12. April 1996 vermeldete, schrieb “Der Tod kam plötzlich, aber nicht unerwartet”. Die Redaktion erfuhr mitten in der Produktion der Mai-Ausgabe von ihrem Schicksal. Peter Glaser schrieb in “werben & verkaufen”: “Das war Tempo: Bereits eine Stunde, nachdem Verleger Thomas Ganske die Einstellung des Blatts bekanntgegeben hatte, stand ein Team von Spiegel-TV in der Redaktion. ‘Endlich wird mal ein Tempo-Werbespot gedreht’, vermerkte ein Mitarbeiter trocken.”

Glaser weiter “Tempo war das Blatt, das seine Lesermenschen glücklich gemacht hat. Für die einen war die Welt mit der Lektüre wieder eine Entdeckung geworden. Die anderen hatten einen wundervollen, blattförmigen Bösewicht, der nichts lieber tat, als sich zu zeigen: fashionable und farbigst. Auch der letzte Chefredakteur Walter Mayer folgte der Maxime. Und jetzt? Ist was passiert oder war alles nur Spaß? Der 68er-Revolution haben wir zu verdanken, dass wir heute alle Jeans tragen. Was haben zehn Jahre Tempo bewirkt? Zu fein, es sich anzuziehen. ‘Nun sind wir Legende’, sagte Starkolumnist Uwe Kopf und schaute aus dem Fenster hinaus auf die Elbe. Tschau, Blatt. War schön.” In einem Interview mit der “taz” sagte Kolumnist Maxim Biller “Es wäre das Allerschlimmste, Tempo im nachhinein erstens zu idealisieren, zweitens sentimental zu werden, und drittens sollte man Tempo sofort idealisieren und sentimental werden. Neben der taz war Tempo die letzte Zeitschrift, in der die Leute schreiben konnten, wovon sie glaubten, dass es richtig ist. Tempo hat nie den Geist verloren, den es von seinem Gründer Markus Peichl eingepflanzt bekommen hat: dass alles geht, was interessant und nicht ideologisch ist.”

Phase 5 – Das Comeback:

Tempo 2006: Die JubiläumsausgabeAm 13. Februar 2006 schrieb Kai-Hinrich Renner, einst selbst “Tempo”-Autor, im “Kontakter” erstmals über ernsthafte Überlegungen von Markus Peichl und Christian Schlottau (mittlerweile Marketingchef beim “Spiegel”), zum 20. Geburtstag von “Tempo” eine Jubiläumsausgabe produzieren zu wollen. Im Juli war es dann offiziell, das Comeback sollte zur Buchmesse starten. “Wir wollen mit den typischen ‘Tempo’-Mitteln ein Statement zum Hier und Heute abgeben”, schrieb Peichl in einer Presseerklärung. “Zum einen werden alle Autoren, Fotografen und Art-Direktoren mitmachen, die bei ‘Tempo’ begonnen und das Heft geprägt haben. Zum anderen werden aber auch viele jüngere Kollegen dabei sein, die heute bei ‘Tempo’ arbeiten würden, wenn es so ein Blatt noch gäbe. Es wird so aussehen, als wäre ‘Tempo’ nie eingestellt worden und gerade aktuell erschienen.” Der angepeilte Erscheinungstermin wurde in guter alter Tradition natürlich nicht eingehalten, auch die nächsten angekündigten Verkaufsdaten 24. November und 1. Dezember nicht. Doch am 8. Dezember 2006 war es tatsächlich soweit: Nach 10 Jahren und etwas mehr als 8 Monaten erschien wieder ein “Tempo”-Heft – in einer Auflage von 270.000 Stück. Wobei der Begriff Heft diesmal nicht wirklich passte: Die Jubiläumsausgabe ist eher ein Buch geworden, 380 Seiten stark, mit 115 Anzeigenseiten. All die alten “Tempo”-Autoren und zusätzliche Größen der Zunft haben mitgearbeitet und das 20-Jahre-”Tempo”-Magazin zu einem großen Ereignis gemacht: Neben Chefredakteur Markus Peichl und seinen Stellvertretern Lucas Koch und Adriano Sack arbeiteten u.a. Marc Fischer, Ulf Poschardt, Niklas Maak, Peter Glaser, Cordt Schnibben, Andrian Kreye, Matthias Horx, Rainald Goetz, Helge Timmerberg, Wolfgang Tillmans, Matthias Matussek, Frank Schirrmacher, Terry Richardson, Thomas Hüetlin, Lisa Feldmann, Michael Jürgs, Jörg Thadeusz, Johanna Adorján, Rufus Wainwright, Josef Joffe und Gabor Steingart mit. Peichl: “Wir setzen einen Schlussstrich unter die letzten 20 Jahre und einen Doppelpunkt vor die Zukunft.” Ein weiteres Comeback schließt Peichl aber aus. Dem “kressreport” sagte er: “‘Tempo’ wird sicher in den nächsten 100 Jahren nicht noch einmal erscheinen.”

Daten und Fakten:

Existenz: 27. Januar 1986 bis Ende März 1996
Verlag: Jahreszeitenverlag
Segment: Lifestyle-/ Reportage-/ Kulturmagazin
Erscheinungsweise: monatlich
Copy-Preis: 5 Mark

Entwicklung der verkauften Auflage laut IVW:

Tempo: IVW-Zahlen
(Copyright: retromedia.de)

Personaltableau:

- Chefredakteure:

12/85-12/89: Markus Peichl
01/90-03/90: Lucas Koch & Walter Mayer
04/90-10/90: Lucas Koch
11/90-03/92: Jürgen Fischer
04/92: Jan Kromschröder & Bernd Schwer
05/92-04/94: Michael Jürgs
05/94-04/96: Walter Mayer

- Artdirektoren:

12/85-10/89: Lo Breier
10/89-01/91: Walter Schönauer
04/91-04/92: Donald H. Schneider
06/92-07/94: Bettina Janietz
12/94-11/95: Alexander Wiederin
01/96-04/96: Gottfried Moritz

- Verlagsleiter:

12/85-01/87: Wilfried Sorge
05/88-05/89: Peter Haenchen
06/89-10/91: Christian Schlottau
11/91-05/93: Michael Kramer
06/93-09/93: Peter Kempf
10/93-11/93: Frank R. Klockenhoff
12/93-04/96: Claus-Burkhart Schmitt

- Weitere feste und freie Redakteure und Autoren (Auswahl):

- Adorján, Johanna (1994-1995)
- Banaski, Andreas (1991-1996)
- Berg, Sybille (1994-1995)
- Biller, Maxim (1985-1996)
- Blumenberg, Hans-Christoph (1992-1994)
- Böckem, Jörg (1992-1996)
- Bröckers, Matthias (1988-1989)
- Burchardt, Alf (1992-1996)
- Dallach, Christoph (1990-1996)
- Degler, Dieter (1986-1987)
- Draxl, Kurt (1990-1995)
- Feldmann, Lisa (1991-1992)
- Fischer, Marc (1994-1996)
- Frings, Matthias (1986-1988)
- Glaser, Peter (1986-1996)
- Göttler, Fritz (1989-1991)
- Gricksch, Gernot (1988-1989)
- Herrgesell, Oliver (1987-1990)
- Hopp, Michael (1986-1988+1994-1996)
- Horx, Matthias (1985-1988+1991-1992)
- Hüetlin, Thomas (1989-1991)
- Kniebe, Tobias (1990-1993+1995)
- Körte, Peter (1992)
- Kracht, Christian (1989-1995)
- Kreye, Andrian (1985-1996)
- Kummer, Tom (1988-1995)
- Marx, Olaf Dante (1991-1993)
- Nenning, Günther (1986+1988-1991)
- Nickel, Eckhart (1991+1994-1995)
- Pauli, Harald (1987-1989)
- Pfeifer, David (1995-1996)
- Poschardt, Ulf (1990-1992)
- Renner, Kai-Hinrich (1992)
- Röhl, Bettina (1986-1989)
- Sack, Adriano (1994-1996)
- Scheck, Denis (1994-1996)
- Scheuring, Christoph (1991-1995)
- Schimmeck, Tom (1985-1987+1992)
- Schnibben, Cordt (1985-1987)
- Seidl, Claudius (1986-1990)
- Siemens, Jochen (1986-1990)
- Sontheimer, Michael (1987+1989-1991)
- Thompson, Hunter S. (1988-1989)
- Timmerberg, Helge (1985-1991+1994-1995)
- Urbauer, Anne (1988-1991)
- von Uslar, Moritz (1989-1993+1996)
- Wilke, Wolfgang (1985-1993)

Links:

- Wikipedia-Eintrag “Tempo”
- Bettina Röhl in “Dummy” über “Tempo”:
“Erst Galeere, dann Palmenstrand – Meine Erinnerungen”
- Pressemitteilung des Jahreszeiten-Verlags zum “Tempo”-Comeback

Recherchequellen dieses Eintrags in alphabetischer Reihenfolge:

Dummy“, “Frankfurter Allgemeine Zeitung“, “Horizont“, “Kontakter“, “kressreport“, “Neue Zürcher Zeitung“, “Spiegel“, “Süddeutsche Zeitung“, “taz“, “Welt am Sonntag“, “werben & verkaufen

13 Comments

  1. Fantastischer Artikel – da wird man ja fast traurig, zu jung gewesen zu sein, um das Heft wirklich mitzuerleben.

    Die Jubiläumsausgabe wird aber sofort gekauft!

    Danke!

  2. Respekt.

    Tempo war in jedem Fall eine der wichtigsten Talentschmieden des deutschen Edelfeder-Journalismus. Nicht umsonst kennt man viele der Namen aus den Impressen noch heute.

  3. Respekt, verdammt gute Arbeit. Zum Namen “Tempo” gibt es eine kleine Nebenepisode, von der ich nicht weiß, ob sie stimmt: Ursprünglich hätten angeblich ein paar Leute aus Mannheim den Titelschutz an “Tempo” gehabt – für ihr geplantes Stadtmagazin. Der Jahreszeiten-Verlag soll ein sehr, sehr gutes Angebot gemacht haben, und daher kam die Stadt-Illu dann mit dem Titel “Meier” auf den Markt. Und “Tempo” nahm seinen Lauf…

  4. Danke für den Klasse-Artikel – ich bin auf mehr von retromedia.de gespannt.

  5. Wow, so ausführlich, mit so genauen Daten, diese Fleißarbeit zieht einen ungezwungen in seine eigene Lesevergangenheit. Da beschäftigt man sich doch gern noch mal mit Tempo. Soeben MAL EBEN die tolle Story von Peter Glaser in der einmaligen Jubiläumsausgabe gelesen. Danke für die Chronik der Ereignisse und ich freue mich auf weitere Artikel hier bei retromedia.de

  6. Ein richtig toller Blog. Der Bericht war richtig gut, auch wenn ich vorher nie was von Tempo gehört habe.
    Vielleicht nehmt ihr euch ja mal der frühen Nintendozeitschrift “Total!” an, da gibt es Anekdoten noch und nöcher inkl. Pause durch Insolvenz, eigener Wiederaufbau, im Editorial dreier Zeitschriften ausgetragener Krieg undundundoderoderoder.

  7. Ein Glückstag war das, als ich TEMPO nach langer Durststrecke im Kiosk wieder entdeckte. Mit jeder Zeile wird mir klar, was ich soooo vermisst habe. Selbst die Anzeigen sind vergnügliche Kost und im Falle H & M eine nette Begegnung mit dem Impressum.
    Wär´ich im schreibenden Gewerbe – ich wär´ gern ein Teil von diesem Werk gewesen. Gratulation!

  8. Der Schock war kurz und Schmerzfrei: Mein ex-geliebtes TEMPO erstrahlte als fettleibige Monsterschwarte mein Blickfeld. Ungläubig zupfte ich das “Buch” aus dem Regal und blätterte in Erinnerungen.
    Ich durfte 10 Jahre (zeitweise als Abonnent)dieses Magazin lesen, mit all seinen Stärken und Schwächen. Es gäbe viel zu erzählen, doch beschränke ich mich auf ein
    DANKE – es war eine geile Zeit!

  9. grandioser Artikel!

  10. Pingback: Vanity Care » Blog Archiv » Tempo aufgenommen

  11. Pingback: retromedia.de 2009 - retromedia.de

  12. Hallo,

    ich suche Kontakt zu Wolfgang Wilke. Können Sie da helfen?

    Vielen Dank im Voraus

    Ralf Gründer

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