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“Vanity Fair” – Das tote Magazin für Deutschland.

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Vanity Fair - die StartausgabeInzwischen sind alle Spuren beseitigt. Die letzte Ausgabe der “Vanity Fair” ist in die Remission gegangen, wahrscheinlich inzwischen zu Recyclingpapier verarbeitet. “Vanity Fair” war der womöglich letzte Versuch, in Deutschland ein großes, ambitioniertes, wöchentliches Magazin zu starten. Der Versuch startete im Februar 2007 und endete fast genau zwei Jahre später. Es gibt wohl inzwischen nichts mehr, was über den Tod der Zeitschrift aus dem Condé-Nast-Verlag nicht schon geschrieben worden wäre – vor allem an Besserwissereien. Wir wollen uns daher an dieser Stelle auf ein paar Zahlen, Fakten und Links zur Todes-Berichterstattung beschränken.

“Vanity Fair” startete wie erwähnt im Februar 2007. Die ersten offiziellen Auflagenzahlen wurden für das dritte Quartal 2007 gemeldet. Verkauft wurden damals 172.308 Exemplare, davon 106.951 im Einzelverkauf, also in Kiosken, Supermärkten, etc. und 26.607 per Abo. Insbesondere die Einzelverkaufszahlen entwickelten sich von dem Zeitpunkt an nicht sehr positiv. Im vierten Quartal 2008 lag deser Wert nur noch bei 75.828 – ein Minus von fast 16% im Vergleich zum Vorjahresquartal. Auch das Anzeigengeschäft entwickelte sich nicht besonders gut. Der Brutto-Werbeumsatz lag 2008 mit 27,33 Mio. Euro sogar noch unter dem des Jahres 2007. Zum Vergleich: Beim “stern” lag er bei 174,98 Mio. Euro, bei der “Bunten” bei 75,34 Mio. und bei der “Gala” bei 49,51 Mio. – ein enormer Rückstand für die “Vanitay Fair”.

Vanity Fair - die FinalausgabeSchade, dass ausgerechnet die letzte Nummer, Ausgabe 9/2009 vieles von dem bot, was man sich als Leser viel öfter in dem Magazin gewünscht hätte: ein toller Heike-Makatsch-Titel, ein gelungenes Berlinale-Spezial mit vielen Fotos und einem Tagebuch von Moritz von Uslar, eine bewegende Reportage über Tempelhuren in Indien, ein wie immer sehr lesenswerter Text von Peter Glaser über Karteileichen in sozialen Netzwerken und ein Interview mit Bestseller-Autor Daniel Kehlmann. Doch auch diese Ausgabe wird nicht mehr wesentlich mehr Leser gefunden haben, als die wenigen, die dem Magazin in den beiden Jahren zuvor eine Chance gegeben haben.

Weiterlesen:

- Kai Hinrich Renner, “Welt Online”: “Warum ‘Vanity Fair’ in Deutschland scheiterte

- Michael Hanfeld, “FAZ.net”: “Das Ende von ‘Vanity Fair’ – Veitstänze auf dem Eitelkeitsmarkt

- Christian Kortmann, “sueddeutsche.de”: “Aus für Vanity Fair: Der Rest ist Schweiger

2 Comments

  1. Pingback: vanity fair nicht mehr - schorleblog

  2. Ich habe die kompletten 2 Jahre Vanity Fair Deutschland, aus Platzgründen muss die Sammlung mich verlassen. Hat jemand Interesse???

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