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Die berechtigte Angst der “Geldidee”.

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Geldidee - die FinalausgabeAusgerechnet mit der Titelgeschichte “Angst um den Job – Was tun bei Kurzarbeit und Kündigung” verabschiedet sich das Magazin “Geldidee” von den Kiosken des Landes. In einer gewohnt knappen Mitteilung verkündete die Bauer Media Group (ehemals Heinrich Bauer Verlag) am Freitag das schnelle Aus der Zeitschrift:

“Die Bauer Media Group wird sich aus dem Geschäftsfeld der Wirtschaftsmagazine zurückziehen. Das Wirtschaftsmagazin GELDidee wird mit der Heftfolge 04/09 (ET: 11. März) eingestellt. Die Rechte an dem Anlegermagazin Wertpapier werden mit der Heftfolge 06/09 (ET: 19. März) an die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. zurückgegeben. Von den Maßnahmen sind insgesamt 15 Mitarbeiter betroffen. Aufgrund des außerordentlich schwierigen Marktumfeldes und der schwachen Finanzmärkte konnten die wirtschaftlichen Ziele nicht mehr erreicht werden.”

Die “Geldidee” ging 1998 an den Start und wurde zunächst als 14-tägliches Finanz- und Wirtschaftsmagazin (Untertitel “Geld & Wirtschaft kompakt”) konzipiert worden. Insbesondere in der Börsen-Boom-Phase 1999 und 2000 feierte das Magazin durchaus beachtliche Auflagenerfolge. Seine höchsten Verkaufszahlen erreichte es laut IVW im ersten Quartal 2000 mit einer gesamten Verkaufsauflage von 225.409 Stück, davon 101.648 im Einzelverkauf, also in Kiosken, Supermärkten, etc. abgesetzten Exemplaren. Mit dem Ende des Börsen-Hypes begann für die “Geldidee” aber ein unglaublicher Auflagenniedergang. So gingen im vierten Quartal 2002 nur noch 12.884 Hefte im Einzelverkauf über die Ladentresen – ein Minus von mehr als 87% in nur zweieinhalb Jahren.

Als Folge schloss Bauer im Frühjahr 2003 die Hamburger Redaktion des Magazins und beauftragte den ehemaligen “Capital”-Chefredakteur Ralf-Dieter Brunowsky und seine Firma BrunoMedia mit der Produktion der “Geldidee”. Brunowsky krempelte das Magazin um und betonte den Service-Gedanken der “Geldidee”. Fortan dominierten Themen wie “Clever telefonieren”, “Billig fliegen” oder “Weihnachten ohne Stress” die oftmals sehr billig aussehenden Titelseiten. Aus dem Untertitel “Geld & Wirtschaft kompakt” wurde “Ideen, die bewegen”. Die Leser dankten den Machern den Relaunch nicht, die Verkäufe rasselten weiter nach unten. So sprangen vom ersten Quartal 2003 bis zum ersten Quartal 2004 fast 10.000 der 47.694 Abonnenten ab, im Einzelverkauf blieben im zweiten Quartal 2004 gar nur noch 5.895 verkaufte Hefte übrig.

Ende 2004 kam es so erneut zum Strategiewechsel bei Bauer. Brunowsky verlor seinen Auftrag und die “Geldidee” wurde fortan von der verlagseigenen Düsseldorfer Redaktion der Zeitschrift “Wertpapier” mitproduziert. Gleichzeitig wurde sie deutlich renoviert und erschien nur noch monatlich. Als “Geldidee – Das Wirtschaftsmagazin” gab es neben den Service-Aspekten wieder mehr Wirtschafts- und Unternehmensberichte, zudem kam die Zeitschrift deutlich seriöser daher. Doch auch dieser Wechsel zahlte sich auf Dauer nicht aus. Die Auflagenzahlen erholten sich zwischenzeitlich nur leicht, bröckelten aber nach und nach wieder ab. Zuletzt verkaufte sich die “Geldidee” in Kiosk, Supermarkt & Co. nur noch 4.645 mal pro Ausgabe, die Abonnentenzahl fiel auf 37.689. Beide Zahlen stammen aus dem vierten Quartal 2008 und beides sind absolute Minusrekorde in der rund elfjährigen Historie der Zeitschrift. Gestützt wurde die Auflage jahrelang nur noch mit sonstigen Verkäufen und Bordexemplaren. Auch das half aber in der Vermarktung nicht mehr. Die beiden ersten Hefte des Jahres 2009 enthielten nur noch rund 27 Anzeigenseiten – ca. 30% weniger als im Vorjahreszeitraum. Alle Trends zeigten also nach unten, das Ziehen des Steckers erscheint da leider logisch.

2 Comments

  1. Der Titel “Angst um den Job” entbehrt nicht einer gewissen Selbstironie der Verantwortlichen. Sehr gelungen wie ich finde. gruß, tobi

  2. Pingback: ein börsencrash und ein rennunfall. - retromedia.de

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