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der Friedhof der Medienbranche

Ein Börsencrash und ein Rennunfall.

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Zwei Nachträge zu zwei Printmarken, die es künftig nicht mehr als eigenständige Magazine gibt, sondern nur noch als Beilagen in anderen Zeitschriften.

Wertpapier - Die FinalausgabeBesonders traurig ist dabei das Schicksal des Wirtschaftsmagazins “Wertpapier”, das nach sage und schreibe 57 Jahren gestorben ist. Es wurde gemeinsam mit der “Geldidee” von der Bauer Media Group beerdigt. Im Gegensatz zur “Geldidee” bestand zeitweise noch die Chance, dass der Titel von anderen Verlegern weitergeführt wird, schließlich war das “Wertpapier” gleichzeitig das Mitgliedermagazin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. (DSW), die ein Interesse hatte, ihren Mitgliedern auch in Zukunft ein Magazin zuzuschicken. Die endgültige Lösung ist dann aber ziemlich traurig. Das “Wertpapier” lebt nur noch in Form von zwei oder drei Seiten im wöchentlichen Burda-Magazin “Focus Money” weiter, auf denen die DSW nun ihre Tipps und Informationen publiziert. Das “Wertpapier” hatte in den letzten Jahren seiner Existenz mit immer größeren Problemen zu kämpfen. Nachdem es in den 90ern meist zwischen 20.000 und 30.000 mal verkauft wurde, profitierte es vom Börsen-Boom zum Jahrtausendwechsel und schwang sich zu Rekordverkaufszahlen von bis zu 49.261 (2. Quartal 2000) hinauf. Angespornt von diesen Erfolgen übernahm Bauer dann Mitte 2001 die Mehrheit am “Wertpapier”, die DSW behielt 30%. Doch die Auflagen sanken und sanken. Im ersten Quartal 2002 verkaufte man erstmals weniger als 20.000 Hefte, im Jahr 2008 sogar nichtmal mehr 16.000. Im Anzeigenmarkt spielte der Titel ohnehin nie eine wichtige Rolle. Die letzte eigenständige “Wertpapier”-Ausgabe erschien am 2. April.

Auto Bild Motorsport - Die FinalausgabeEtwas weniger traurig ist vielleicht das Schicksal des Magazins “Auto Bild Motorsport”. Zwar wird auch diese Zeitschrift als eigenständiger Titel eingestellt, sie lebt aber immerhin als Heft im Heft in der normalen “Auto Bild” weiter. “Auto Bild Motorsport” war im Jahr 2001 aus dem Titel “Rallye Racing” hervor gegangen, der dem Axel Springer Verlag damals offenbar nicht mehr passend erschien. “Rallye Racing” verkaufte sich Ende der 70er, Anfang der 80er noch teilweise mehr als 100.000 mal, Ende der 90er waren davon nur noch 70.000 übrig, darunter nur noch etwas mehr als 40.000 im Enzeilverkauf und per Abo abgesetzte Hefte. “Auto Bild Motorsport” verkaufte sich anfangs dann auch besser als der Vorgänger, im ersten Quartal 2002 gingen allein im Einzelverkauf, also in Kiosken, Supermärkten, Tankstellen, etc. 65.000 Hefte pro Ausgabe über die Ladentische, ein Jahr später sogar 70.000. Doch dabei blieb es nicht, im Verlauf der Jahre wurden immer weniger Hefte verkauft. Insbesondere in den Phasen zwischen zwei Formel-1-Saisons litt das Magazin unter viel zu geringem Interesse. Der Abschied von Michael Schumacher tat sein Übriges, sodass im Jahr 2008 in den Quartalen 2 bis 4 nichtmal mehr 10.000 Hefte im Einzelverkauf abgesetzt wurden. Viel zu wenig für ein 14-tägliches Magazin. Die Entscheidung, “Auto Bild Motorsport” nun als Beilage von “Auto Bild” fortzuführen, erscheint daher sinnvoll. Auch wenn dadurch ein weiterer Titel die Kioske für immer verlässt.

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