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Mensch, “Meier”.

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Mit dem “Meier” verbinde ich einige der spannendsten Jahre meines Lebens. Ich kam Anfang des Jahrhunderts als Volontär zum kressreport, erlebte die Dotcom-Börsen-Euphorie-Phase, in der die Fachpresse gar nicht wusste, wie sie die ganzen Seiten neben den unfassbar vielen Anzeigen voll schreiben sollte, fühlte mich privat in Heidelberg aber oft irgendwie fremd, wurde nicht warm mit der Stadt, den Menschen. Was das Leben im Rhein-Neckar-Delta aber dennoch lebenswert machte, war die Kulturszene. Ich habe einige der besten Konzerte meines Lebens dort erlebt – im Karlstorbahnof in Heidelberg, dem Cafe Central in Weinheim oder dem Schwimmbadclub in Heidelberg (Blackmail. Was für eine intensive Sound-Wand.).

Und an dieser Stelle kommt der “Meier” ins Spiel. Das Kultur- und Stadtmagazin für Heidelberg, Mannheim und die gesamte Region dort. Ich habe den “Meier” immer recht positiv wahr genommen. Man merkte, dass er mit mehr Herzblut gemacht wurde, als das Otto-Normal-Wegwerf-Stadtmagazin, das in den meisten anderen Regionen kostenlos in der Kneipe herumliegt. Er hatte oft einen recht guten Musik- oder Filmgeschmack, gab auch Kulturjunkies wie mir oft den einen oder anderen guten Tip.

Erinnert habe ich mich an den “Meier” nach meinem Umzug nach Düsseldorf im Frühjahr/Sommer 2006 aber erst wieder, als ich bei kress vom Aus des “Meier” las. “Grund seien ‘schlechte Geschäftszahlen für das kommende Jahr’, stand dort wenig überraschend. Die Zeiten sind eben auch für Stadtmagazine nicht die besten. Konzerttermine, Musik- und Kinotipps – dafür braucht man eben kein Printmagazin mehr. Dennoch überkam mich ein bisschen Melancholie.

Inzwischen ist nun die letzte “Meier”-Ausgabe erschienen und dank der Website können auch Leute, die nicht mehr in der Region leben, einen Blick in sie werfen. Besonders lesenswert ist die 12-seitige Chronik aus 26 Jahren “Meier”. Man erfährt dort, dass der “Meier” eigentlich “Tempo” hieß, die Markenrechte dann aber dem Jahreszeiten Verlag gehörte, der das legendäre gleichnamige Magazin an den Start brachte. Man kann sich zahlreiche Titelbilder anschauen und die vielen Relaunches sehen, die ein Magazin im Laufe der Zeit erlebt. Und man erfährt viel über die Geschichte und Geschichten beim Machen einer Zeitschrift.

Schade um Dich, “Meier”.

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