{"id":1364,"date":"2005-07-03T02:02:59","date_gmt":"2005-07-03T00:02:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.popkulturjunkie.de\/wp\/?p=1364"},"modified":"2005-07-03T02:10:46","modified_gmt":"2005-07-03T00:10:46","slug":"live8-fazit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.popkulturjunkie.de\/wp\/?p=1364","title":{"rendered":"live8: fazit."},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.popkulturjunkie.de\/pix\/live8.jpg\" align=\"left\" hspace=\"5\" vspace=\"5\"\/>Als ich um 14 Uhr den Live8-Tag begonnen habe, wusste ich noch nicht, wie gro\u00c3\u0178artig es werden w\u00c3\u00bcrde, erst recht nicht, dass es f\u00c3\u00bcr mich zu einer solchen Live-Blog-Arie werden sollte. Ich geh\u00c3\u00b6rte im Vorfeld auch zu den Skeptikern. Haupts\u00c3\u00a4chlich wegen des grenzwertigen Berlin-Lineups. Die Aussicht, im Fernsehen haupts\u00c3\u00a4chlich Bilder aus Berlin zu sehen, fand ich wenig erbaulich. Zwar wusste ich, dass es im Internet Streams geben w\u00c3\u00bcrde, aber man kennt das ja: Die sind dann v\u00c3\u00b6llig \u00c3\u00bcberlaufen, die Qualit\u00c3\u00a4t ist mies und zwischen sechs Streams hin- und herzuschalten ist normalerweise auch nervig. Doch der Tag wurde absolut gro\u00c3\u0178artig. Hier ein Fazit.<\/p>\n<p>Die Musik:<\/p>\n<p>Die Qualit\u00c3\u00a4t der Lineups war sehr unterschiedlich. In Berlin gab es einen Mix aus Rentnern (Chris de Burgh!!!), One-Hit-Wondern (Joana Zimmer) und sehr wenigen coolen Bands (Green Day). London war fast durchgehend fabelhaft. Viele junge Bands, dazu ein paar w\u00c3\u00bcrdige Legenden, ich erinere mich an keinen Totalsufall. In Paris wurde das franz\u00c3\u00b6sisch gepr\u00c3\u00a4gte K\u00c3\u00bcnstler-Lineup durch die dort sehr popul\u00c3\u00a4ren Bands Muse, Placebo und The Cure aufgefrischt. Philadelphia war nat\u00c3\u00bcrlich sehr amerikanisch gepr\u00c3\u00a4gt, brachte gleich zu Beginn mit den Kaiser Chiefs aber auch ein Highlight. In Rom gab es immerhin Duan Duran und Toronto hab ich nicht wirklich verfolgt. Neben den vielen vielen gro\u00c3\u0178artigen K\u00c3\u00bcnstlern haben vor allem die \u00c3\u0153berraschungen \u00c3\u00bcberzeugt, die manchen eingefallen sind: Coldplay spielen mit Richard Ashcroft &#8220;bitter sweet symphony&#8221;, Elton John holt den abgefuckten Pete Doherty auf die B\u00c3\u00bchne, Bob Geldof singt &#8220;i don&#8217;t like mondays&#8221; usw. Wann sieht man sowas so schnell wieder? Meine muskalischen Highlights des Tages waren wohl Coldplay, Green Day, Muse, Kaiser Chiefs, Razorlight, Madonna, Velvet Revolver, Placebo, Robbie Williams und The Cure. Insgesamt habe ich nie zuvor in meinem Leben an einem Tag so viel fabelhafte Live-Musik gesehen.<\/p>\n<p>Die Message:<\/p>\n<p>Bei all der gro\u00c3\u0178artigen Musik ging die Message, die \u00c3\u00bcbermittelt werden sollte, nie unter. Bono hat sie gleich zu Beginn perfekt und ohne zu viel Pathos zusammengefasst. Man kann nicht alle Probleme der Welt l\u00c3\u00b6sen, aber die, die man l\u00c3\u00b6sen kann, MUSS man l\u00c3\u00b6sen. Ich denke, dass Live8 eine perfekte Veranstaltung war, um den Menschen mitzuteilen, worum es eigentlich geht. Den afrikanischen L\u00c3\u00a4ndern die Schulden zu erlassen, die Entwicklungshilfen zu verdoppeln, gerechten Handel zu erm\u00c3\u00b6glichen. Jeder noch so beschr\u00c3\u00a4nkte Typ wird das heute mitbekommen haben, wenn er live vor Ort war oder Live8 irgendwo im Fernsehen, Internet oder Radio miterlebt hat. Insofern war Live8 jetzt schon ein Erfolg, unabh\u00c3\u00a4ngig davon was die G8-M\u00c3\u00a4nner tats\u00c3\u00a4chlich tun (wahrscheinlich nichts). Denn nur dadurch, dass man diese Themen ins Bewusstsein der Menschen bringt, kann man irgendwann auch etwas \u00c3\u00a4ndern. Wenn ich jetzt Rumm\u00c3\u00a4kler und Berufs-Skeptiker lese, die sich z.B. dar\u00c3\u00bcber aufregen, dass diese reichen K\u00c3\u00bcnstler aber doch mit teuren Edelklamotten dastanden, k\u00c3\u00b6nnte ich kotzen. Hallo? Sollen alle barfuss und mit Lumpen bekleidet auftreten? W\u00c3\u00a4re Euch das recht? Ich w\u00c3\u00bcrdet Euch etwas anderes suchen, an dem ihr etwas auszusetzen habt. Nur dieses hohe Star-Aufkommen hat erm\u00c3\u00b6glicht, dass Live8 heute das Gespr\u00c3\u00a4chsthema \u00c3\u00bcberhaupt war und in den n\u00c3\u00a4chsten Tagen sicher auch noch bleibt. Was jemand wie Hendryk M. Broder f\u00c3\u00bcr ein Problem hat, dessen Riesenm\u00c3\u00bcll &#8220;Das wei\u00c3\u0178e Band der Idiotie&#8221; ich hier lieber nicht verlinke, kann ich nur mutma\u00c3\u0178en. Wahrscheinlich gigantische Minderwertigkeitskomplexe. Wenn Veranstaltungen wie Live8 nichts \u00c3\u00a4ndern, so haben die Veranstalter es aber wenigstens versucht. Im Gegensatz zu den Rumn\u00c3\u00b6rglern.<\/p>\n<p>Die Organisation:<\/p>\n<p>Vorbildlich schien es in London und Philadelphia zu laufen. Zwar begannen die jeweils letzten Konzerte 100 bzw. 70 Minuten zu sp\u00c3\u00a4t, doch das lag nicht an zu langen Pausen. In beiden L\u00c3\u00a4ndern gab es dazu noch eine gro\u00c3\u0178e Menge an Sportlern und Schauspielern, die die K\u00c3\u00bcnstler ansagten. In Paris gab es leider ein paar \u00c3\u201enderungen im Ablauf, dazu am Ende anscheinend noch technische Probleme w\u00c3\u00a4hrend des Cure-Konzerts. Und was gab es in Berlin? Dilettantie und v\u00c3\u00b6lliges Chaos. Allein die Idee, Michael Mittermeier als Pausenclown zu engagieren war schon dumm. Jederzeit unpassende, unlustige Gags. Was sich der Veranstalter Marek Lieberberg aber dabei dachte, im Vorfeld einen Ablaufplan zu ver\u00c3\u00b6ffentlichen, der besagte, dass um 20 Uhr Schluss sein, am Tag des Geschehens dann aber den Plan so sehr zu verz\u00c3\u00b6gern, dass das letzte Konzerte des Tages 4 Stunden und 20 Minuten zu sp\u00c3\u00a4t begann, wei\u00c3\u0178 ich nicht. Ich w\u00c3\u00bcrde gern von Leuten in Berlin h\u00c3\u00b6ren, wie es vor Ort war. Ich tippe auf jeden Fall, dass die riesigen Pausen zwischen den Auftritten mehr als nervend waren. Wahrscheinlich sollte das Berlin-Konzert ungef\u00c3\u00a4hr zum selben Zeitpunkt wie im Rest der Welt zu Ende gehen. Dann sollte man aber im Vorfeld keine v\u00c3\u00b6llig irrelevanten Ablaufpl\u00c3\u00a4ne ver\u00c3\u00b6ffentlichen und das Konzert vielleicht auch etwas sp\u00c3\u00a4ter beginnen lassen. So war es zumindest unertr\u00c3\u00a4glich.<\/p>\n<p>Die Medien:<\/p>\n<p>Der gro\u00c3\u0178e Gewinner des Live8-Spektakels war das Internet bzw. <a href=\"http:\/\/music.aol.com\/live_8_concert\/home\">AOL<\/a>. H\u00c3\u00a4tte es in Deutschland nur die Dritten gegeben, w\u00c3\u00a4re das Ereignis hierzulande zu einem Fiasko verkommen. Vier Stunden am Nachmittag aus Berlin, dank der Verz\u00c3\u00b6gerungen nicht einmal die H\u00c3\u00a4lfte aller Konzerte, ein schlechter Scherz. Dank Phoenix gab es im Fernsehen aber den globalen Feed, der H\u00c3\u00b6hepunkte aller Veranstaltungsorte brachte. Zwar gab es dabei nahezu keine Live-\u00c3\u0153bertragungen, aber das w\u00c3\u00a4re bei einer solch gigantischen Menge an Musik auch schwer zu bewerkstelligen gewesen. In der Schweiz gab es am Nachmittag ebenfalls ein paar Stunden dieses Global-Feeds und zur Stunde in einer 8-Stunden-Sendung den Rest. In \u00c3\u2013sterreich gab es anscheinend Chaos beim \u00c3\u00bcbertragenden Sender ATV Plus, der erst das Wimbledon-Finale der Damen zu Ende \u00c3\u00bcbertragen musste. Im Internet hingegen hat man alles bekommen, was man wollte. Zumindest aus London, Paris, Philadelphia, Berlin, Rom und Toronto. Ich habe nie zuvor eine so perfekte \u00c3\u0153bertragung von Fernsehbildern im Internet gesehen. Die AOL-Streams haben immer funktioniert, immer in sehr sehr guter Qualit\u00c3\u00a4t und immer sehr sehr schnell abrufbar. Dank des gelungenen Designs der \u00c3\u0153berblicks-Seite konnte man zwischen den Streams hin- und herschalten, als dr\u00c3\u00bccke man die Fernbedieung des Fernsehers. Nur dadurch wurde Live8 f\u00c3\u00bcr mich zu diesem grandiosen Ereignis. Ich konnte \u00c3\u00bcberall dabeisein, alle Bands sehen, die ich wollte. Die Wartezeiten, in denen mal nichts oder nur schlechtes zu sehen war, waren minimal.<\/p>\n<p>Danach:<\/p>\n<p>Live8 ist nicht zu Ende. Bei AOL sollen ab Dienstag alle Konzerte als Videostream zum Abruf bereitstehen. Im Fernsehen wird es noch viele Highlight-Zusammenfassungen geben, vielleicht erscheint ja auch noch eine DVD-Box und in den dunklen Ecken des Internets tauchten zum Teil bereits Minuten nach den Auftritten die ersten Video- und Audio-Mitschnitte bekannter Bands auf. Sp\u00c3\u00a4testens morgen oder \u00c3\u00bcbermorgen wird man sicherlich auch hier alles bekommen, was man will. Sei es als Video- oder als Audio-File. Ich werde mich zumindest noch lange Zeit an den Tag erinnern. Er war ein Erlebnis!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich um 14 Uhr den Live8-Tag begonnen habe, wusste ich noch nicht, wie gro\u00c3\u0178artig es werden w\u00c3\u00bcrde, erst recht nicht, dass es f\u00c3\u00bcr mich zu einer solchen Live-Blog-Arie werden sollte. Ich geh\u00c3\u00b6rte im Vorfeld auch zu den Skeptikern. Haupts\u00c3\u00a4chlich wegen des grenzwertigen Berlin-Lineups. 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