{"id":1992,"date":"2006-01-29T15:46:35","date_gmt":"2006-01-29T14:46:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.popkulturjunkie.de\/wp\/?p=1992"},"modified":"2006-01-29T15:46:35","modified_gmt":"2006-01-29T14:46:35","slug":"popkulturjunkie-on-tour-depeche-mode-lange-version","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.popkulturjunkie.de\/wp\/?p=1992","title":{"rendered":"popkulturjunkie on tour: depeche mode (lange version)."},"content":{"rendered":"<p>So. Tut mir leid, dass ich nun doch erst am Sonntagnachmittag dazu komme, meine Eindr\u00c3\u00bccke zum Depeche-Mode-Konzert zu schildern. Am Freitag und Samstag blieb einfach keine Zeit und Ruhe daf\u00c3\u00bcr. Warum also war ich so entt\u00c3\u00a4uscht?<\/p>\n<p>Beginnen wir mit etwas Positivem: dem B\u00c3\u00bchnendesign. Ich glaube, ich habe noch nie in meinem Leben eine so derma\u00c3\u0178en spektakul\u00c3\u00a4re und umwerfende B\u00c3\u00bchne gesehen. Selbst die der vergangenen Marilyn-Manson-Tour reicht da nicht heran. Anton Corbijn hat futuristische Pulte geschaffen, auf denen die Synthesizer standen, eine riesige Kugel, auf der st\u00c3\u00a4ndig irgendwelche Begriffe eingeblendet wurden und gro\u00c3\u0178en Videoleinw\u00c3\u00a4nde, auf denen per Computer geschnittene, verzerrte und gezoomte Live-Bilder der Musiker gezeigt wurden. Allein dieser B\u00c3\u00bchne zuzuschauen, hat schon gro\u00c3\u0178en Spa\u00c3\u0178 gemacht.<\/p>\n<p>Weniger Spa\u00c3\u0178 hatte ich mit den Musikern. Zun\u00c3\u00a4chst kamen The Bravery auf die B\u00c3\u00bchne, deren Platte mir im vergangenen Jahr ziemlich gut gefallen hatte und von denen ich live Einiges erwartete. Anscheinend war der Sound in der Frankfurter Festhalle aber so auf den Haupt-Act ausgerichtet, dass er bei The Bravery einfach nur beschissen war. Der S\u00c3\u00a4nger war viel zu leise, die Instrumente auch nicht sehr passend aufeinander abgestimmt. Eine Tatsache, die den S\u00c3\u00a4nger zum Zitat des Abends brachte: &#8220;Our shit&#8217;s all fucked up&#8221;. Dem war nichts hinzuzuf\u00c3\u00bcgen.<\/p>\n<p>Als Depeche Mode die B\u00c3\u00bchne betraten, war die Stimmung nat\u00c3\u00bcrlich extrem gut. Und das sollte sich auch kaum \u00c3\u00a4ndern. Das Publikum bestand schlie\u00c3\u0178lich zu 95% aus Leuten, die aussahen, als w\u00c3\u00bcrden sie einmal im Jahr zu einem Konzert gehen. Zu Bands wie U2, R.E.M. oder Westernhagen. Ganz egal, Hauptsache eine &#8220;Legende&#8221;. Depeche-Mode-Fans, wie man sie sich klischeehaft vorstellt, also schwarzgekleidete Menschen, hab ich nicht gesehen. Keinen einzigen. Ein Publikum also, dass begeistert war, als die Band Evergreens wie &#8220;a question of time&#8221;, &#8220;policy of truth&#8221; oder &#8220;behind the wheel&#8221; zum Besten gab. Ein paar Klassiker, okay. Das w\u00c3\u00a4re zu verschmerzen gewesen, aber mir waren es eindeutig zu viele. Ich gehe zu einem Konzert, um zu sehen, welche Musik eine Band jetzt macht &#8211; und eben nicht, welche Musik sie vor 20 Jahren gemacht hat. Aber ein Publikum, das aussieht, als w\u00c3\u00bcrde es die Wochenenden sonst auf \u00c3\u015330- oder 80er-Jahre-Parties verbringen, freut sich eben \u00c3\u00bcber solche Musik f\u00c3\u00bcr ewig Gestrige.<\/p>\n<p>Abgesehen vom Musikalischen hat mir auch die Performance der Band nicht gefallen. Auf mich wirkte das alles zu kalt, einstudiert und emotionslos. Satte Million\u00c3\u00a4re, die gem\u00c3\u00bctlich durch die Weltgeschichte fahren, ein bisschen Musik spielen und die genau wissen, dass sie sich nicht mehr sonderlich anstrengen brauchen &#8211; das Publikum wird sie ohnehin feiern, schlie\u00c3\u0178lich sind sie Legenden. Gahan z.B. wei\u00c3\u0178 genau, dass die Leute ausflippen, wenn er sein Hemd auszieht, also macht er es auch. Ganze zwei Momente w\u00c3\u00a4hrend des Konzertes haben Emotionen in mir ausgel\u00c3\u00b6st. Der eine war, als Martin Gore (ich glaube es war &#8220;home&#8221;) sang und am Ende an den vorderen Rand der B\u00c3\u00bchne ging, sich feiern lie\u00c3\u0178 und man ihm ansah, dass er es genoss, im Mittelpunkt zu stehen. Der andere Moment war &#8220;enjoy the silence&#8221;, meiner Meinung nach einer der sch\u00c3\u00b6nsten Popsongs, die je geschrieben wurden. Allerdings st\u00c3\u00b6rte mich sehr schnell, dass Zigtausende den Song von vorn bis hinten mitsangen. &#8220;all i ever wanted, all i ever needed is here in my arms. words are very unnecessary, they can only do harm&#8221;. Ich will nicht, dass der gesamte Odenwald dieses Lied mitgr\u00c3\u00b6hlt. Daf\u00c3\u00bcr ist es zu sch\u00c3\u00b6n. Mir hatte das jedenfalls gereicht, die Zugaben brauchte ich nicht mehr, ich ging. Der Haken auf der Liste der Bands, die ich in diesem Leben noch live sehen muss, ist gemacht, Depeche Mode sollten ihre Live-Karriere nun lieber beenden. Oder mal unter falschem Namen durch kleine Clubs tingeln, um zu sehen, worauf es ankommt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So. Tut mir leid, dass ich nun doch erst am Sonntagnachmittag dazu komme, meine Eindr\u00c3\u00bccke zum Depeche-Mode-Konzert zu schildern. Am Freitag und Samstag blieb einfach keine Zeit und Ruhe daf\u00c3\u00bcr. Warum also war ich so entt\u00c3\u00a4uscht? Beginnen wir mit etwas Positivem: dem B\u00c3\u00bchnendesign. 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