{"id":3164,"date":"2007-07-16T21:19:29","date_gmt":"2007-07-16T19:19:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.popkulturjunkie.de\/wp\/?p=3164"},"modified":"2007-07-16T23:01:02","modified_gmt":"2007-07-16T21:01:02","slug":"privatfernsehen-und-informationssendungen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.popkulturjunkie.de\/wp\/?p=3164","title":{"rendered":"privatfernsehen und informationssendungen."},"content":{"rendered":"<p>Deutschlands Medienw\u00c3\u00a4chter haben es dieser Tage nicht leicht. Schon wieder m\u00c3\u00bcssen sie <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/RubE2C6E0BCC2F04DD787CDC274993E94C1\/Doc~E48D831E570E24111B5F3181C23F4C6A9~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_aktuell\">\u00c3\u00b6ffentlich Emp\u00c3\u00b6rung zeigen<\/a>, sich beschweren und ank\u00c3\u00bcndigen, genau zu pr\u00c3\u00bcfen, denn das gehe ja nun wirklich nicht. H\u00c3\u00a4tten Sie vorher mal irgendwann in die Programme der Sender geschaut, die sie eigentlich beaufsichtigen m\u00c3\u00bcssen, dann h\u00c3\u00a4tten sie sich ihre Emp\u00c3\u00b6rung auch sparen k\u00c3\u00b6nnen. Denn, seien wir mal ehrlich: Nat\u00c3\u00bcrlich ist es eine Bankrotterkl\u00c3\u00a4rung, wenn Sat.1 als zweitgr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178tes privates Vollprogramm nun einen Gro\u00c3\u0178teil der eigenproduzierten Informationsprogramme streichen will und sich damit noch mehr davon verabschiedet, ernst genommen zu werden. Neu ist sowas aber auf keinen Fall. Schauen wir uns die Sachlage doch mal an: Es gibt derzeit eine Reihe von privaten Vollprogrammen in Deutschland, dazu geh\u00c3\u00b6ren u.a. RTL, Sat.1, ProSieben, Vox, kabel eins, RTL II und DMAX. Laut Rundfunkstaatsvertrag zeichnet ein Vollprogramm Folgendes aus:<\/p>\n<blockquote><p>Im Sinne dieses Staatsvertrages ist [ein] Vollprogramm ein Rundfunkprogramm mit vielf\u00c3\u00a4ltigen Inhalten, in welchem Information, Bildung, Beratung und Unterhaltung einen wesentlichen Teil des Gesamtprogramms bilden.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Nun will ich hier keine wissenschaftliche Abhandlung dar\u00c3\u00bcber ver\u00c3\u00b6ffentlichen, wie hoch denn der Informationsanteil dieser Vollprogramme ist. zumal wahrscheinlich schon der Begriff &#8220;Information&#8221; f\u00c3\u00bcr mich ein ganz anderer ist, als f\u00c3\u00bcr die Chefs von Landesmedienanstalten. W\u00c3\u00a4hrend f\u00c3\u00bcr mich Informationsprogramme aktuell und wenigstens etwas relevant sein sollten, verstehen die Medienw\u00c3\u00a4chter unter &#8220;Information&#8221; wahrscheinlich auch sowas wie die &#8220;RTL II News&#8221;, eine Sendung, in der es vornehmlich um Videospiele und Popstars geht, aber eher nicht um politisch oder gesellschaftlich relevante Themen. Ich finde bei RTL II genau eine Sendung, die f\u00c3\u00bcr mich gerade noch so als Information durchgeht: &#8220;Das Nachrichtenjournal&#8221;, das sch\u00c3\u00b6n versteckt in der Nacht von Sonntag auf Montag zu sehen ist und wahrscheinlich auch nur aus medienrechtlichen Gr\u00c3\u00bcnden gezeigt wird. F\u00c3\u00bcr mich sind Wissensmagazine, Boulevard-Reportagen-Reihen und Doku-Soaps keine Informationen, sondern reinrassige Unterhaltung, bei der man allenfalls nutzloses Wissen vermehren kann. 50 Minuten &#8220;Nachrichtenjournal&#8221; bei einer Sendedauer von 10.080 Minuten pro Woche: ein Informationsanteil von 0,5 %. Beachtlich.<\/p>\n<p>\u00c3\u201ehnlich das Bild bei kabel eins: 10 Minuten recyclte Nachrichtenbeitr\u00c3\u00a4ge von N24 pro Tag, macht 70 Minuten Information pro Woche &#8211; 0,7 %. Wow. Und jetzt komme mir bitte niemand damit, dass Sendungen wie &#8220;Abenteuer Leben&#8221; oder gar &#8220;Bizz&#8221; irgendwas mit Information zu tun haben.<\/p>\n<p>Gleiches gilt seit einem halben Jahr auch f\u00c3\u00bcr ProSieben. Hatte man bis dahin immerhin noch eine 15-min\u00c3\u00bctige Nachrichtensendung um 20 Uhr im Programm, verabschiedete man sich im Januar davon und sendet seitdem eine 10-Minuten-Alibi-Sendung mit \u00c3\u00a4hnlichen recyclten N24-Beitr\u00c3\u00a4gen um 18 Uhr. Auch bei ProSieben macht das 70 Minuten Informationsprogramm pro Woche &#8211; 0,7 %. Und auch hier lasse ich Programme wie &#8220;Galileo&#8221; und &#8220;Wunderwelt Wissen&#8221; selbstverst\u00c3\u00a4ndlich nicht gelten.<\/p>\n<p>Vox ist ein Sonderfall: Dort gibt es eine Reihe von Magazinen und Reportagen (die allerdings in den vergangenen Jahren immer flacher geworden sind) und ganze zwei (!) Nachrichtensendungen pro Tag (die allerdings fernabjeglicher relevanter Uhrzeiten zu sehen sind). Die Gr\u00c3\u00bcnde sind u.a.: Vox ist immer noch als Vollprogramm mit Schwerpunkt auf Informationen lizensiert, zum anderen ist Alexander Kluges dctp Minderheitsgesellschafter.<\/p>\n<p>Interessanterweise hat der erfolgreichste aller Privatsender &#8211; und das ist immer noch RTL &#8211; einen recht hohen Informationsgehalt. Man mag von Peter Kloeppel und &#8220;RTL aktuell&#8221; halten, was man will (Ich ertrage die Sendung beispielsweise nicht wirklich), aber sie kann wohl durchaus als Nachrichtensendung klassifiziert werden. \u00c3\u201ehnliches gilt f\u00c3\u00bcr das &#8220;Nachtjournal&#8221;. Zusammengenommen sind das schon 50 Minuten Information pro Werktag. Ist man dann noch gutm\u00c3\u00bctig und z\u00c3\u00a4hlt das &#8220;Spiegel TV Magazin&#8221; hinzu, kommt man auf 340 Minuten Informationsprogramme pro Woche. Immerhin 3,4 %.<\/p>\n<p>Tja. Und nun also Sat.1. &#8220;Sat.1 am Mittag&#8221; und &#8220;Sat.1 am Abend&#8221;, die beiden Boulevard-Magazine, die <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,494769,00.html\">heute schon zum letzten Mal ausgestrahlt<\/a> wurden, waren keine wirklichen Informationssendungen. Wohl aber &#8220;Sat.1 News &#8211; Die Nacht&#8221;, das ebenfalls beendet werden soll. Einzig die 15-min\u00c3\u00bctige &#8220;Sat.1-News&#8221;-Sendung um 18.30 Uhr bleibt \u00c3\u00bcbrig &#8211; ob sie ab Herbst noch 15 Minuten lang sein wird &#8211; keine Ahnung. Wenn ja, dann w\u00c3\u00a4ren es folglich 105 Minuten Informationen im Sat.1-Programm &#8211; also immerhin 1 % der Gesamtsendezeit.<\/p>\n<p>Also, Landesmedienanstalten &#8211; wo ist das Problem? Laut Eurer Definition von Information werden ja ohnehin sicher auch &#8220;Blitz&#8221;, &#8220;24 Stunden&#8221; und vor allem das &#8220;Fr\u00c3\u00bchst\u00c3\u00bccksfernsehen&#8221; mitgez\u00c3\u00a4hlt &#8211; und die sind ja alle nicht in Gefahr.<\/p>\n<p>Aber Spa\u00c3\u0178 beiseite. Letztlich wird aus der aktuellen Diskussion nur eins deutlich: Es ist ein absoluter Irrglaube, annehmen zu wollen, man k\u00c3\u00b6nne Privatsender dazu zwingen, irgendwelche seri\u00c3\u00b6sen Informationsprogramme zu zeigen. Es handelt sich um Unternehmen, die je nach Gesellschafterstruktur mal mehr, mal weniger darauf setzen werden, etwas f\u00c3\u00bcr das Image und gegen die Rendite zu tun. Dazu noch zu glauben, Landesmedienanstalten k\u00c3\u00b6nnten etwas daf\u00c3\u00bcr tun, dass Privatsender seri\u00c3\u00b6s werden, ist noch lachhafter &#8211; die k\u00c3\u00b6nnen ja nicht einmal etwas dagegen tun, dass andere Sender ihre Zuschauer betr\u00c3\u00bcgen. Man sollte wahrscheinlich einfach ehrlich sein und Landesmedienanstalten abschaffen. G\u00c3\u00a4be es irgendeinen Nachteil, der dadurch entstehen w\u00c3\u00bcrde? Ich denke nicht.<\/p>\n<p>\u00c3\u0153brigens, liebe &#8220;<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,494769,00.html\">Spiegel Online<\/a>&#8220;-Leute, es ist nat\u00c3\u00bcrlich vollkommener Bl\u00c3\u00b6dsinn, was ihr da schreibt, von wegen Sat.1 h\u00c3\u00a4tte heute &#8220;Nachrichtensendungen&#8221; abgesetzt. Es handelt sich um zwei Boulevardmagazine, von dem eins sogar nur in Teilen Deutschlands zu sehen <strike>ist<\/strike> war &#8211; n\u00c3\u00a4mlich in denen, f\u00c3\u00bcr die keine eigenen Regionalprogramme produziert werden. &#8220;Sat.1 am Abend&#8221; lief n\u00c3\u00a4mlich um 17.30 Uhr &#8211; und hat reinweg gar nichts mit der Nachrichtensendung um 18.30 Uhr zu tun &#8211; auch wenn ihr das denkt. Das h\u00c3\u00a4tte man auch, wenn man die Minimalrecherche in einer Programmzeitschrift auf sich genommen h\u00c3\u00a4tte, schnell herausfinden k\u00c3\u00b6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschlands Medienw\u00c3\u00a4chter haben es dieser Tage nicht leicht. Schon wieder m\u00c3\u00bcssen sie \u00c3\u00b6ffentlich Emp\u00c3\u00b6rung zeigen, sich beschweren und ank\u00c3\u00bcndigen, genau zu pr\u00c3\u00bcfen, denn das gehe ja nun wirklich nicht. H\u00c3\u00a4tten Sie vorher mal irgendwann in die Programme der Sender geschaut, die sie eigentlich beaufsichtigen m\u00c3\u00bcssen, dann h\u00c3\u00a4tten sie sich ihre Emp\u00c3\u00b6rung auch sparen k\u00c3\u00b6nnen. 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