{"id":894,"date":"2004-12-06T19:06:26","date_gmt":"2004-12-06T18:06:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.popkulturjunkie.de\/wp\/?p=894"},"modified":"2004-12-06T22:32:43","modified_gmt":"2004-12-06T21:32:43","slug":"spiegelblog","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.popkulturjunkie.de\/wp\/?p=894","title":{"rendered":"SPIEGELblog."},"content":{"rendered":"<p>Auf den ersten Blick erscheint ein solcher Satz aus dem heutigen &#8220;Spiegel&#8221; sehr spektakul\u00c3\u00a4r: &#8220;<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/0,1518,330950,00.html\">Pops\u00c3\u00a4nger Ronan Keating etwa schaffte den Charteinstieg auf Position 100 vergangene Woche mit nur 214 bundesweit verkauften Alben.<\/a>&#8221;<\/p>\n<p>Allerdings bedarf es dazu einiger Erl\u00c3\u00a4uterungen, denn auch der &#8220;Spiegel&#8221; kann mal schlampig arbeiten. Ein Blick in die Charts gen\u00c3\u00bcgt f\u00c3\u00bcr diese Erkenntnis schon. Ein Album von Ronan Keating auf Platz 100? Gibt&#8217;s nicht. Das aktuelle Best-of-Album des Schwurbel-Schlager-Schleimers liegt derzeit auf Platz 35, befand sich auch in den Vorwochen nicht auf Rang 100. Die aktuelle Single &#8220;i hope you dance&#8221; dagegen liegt tats\u00c3\u00a4chlich auf Rang 100, ist dort aber nicht etwa &#8220;eingestiegen&#8221;, sondern befindet sich seit 8 Wochen in den Charts. Nun k\u00c3\u00b6nnte ich mich zu dem Satz hinrei\u00c3\u0178en lassen, dass es ohnehin erstaunlich ist, dass Herrn Keatings Liedchen nach 8 Wochen noch 214 St\u00c3\u00bcck verkauft, aber das tut hier nichts zur Sache.<\/p>\n<p>Denn auch die Zahl von 214 ist nur theoretisch. Die Charts werden auch im Jahr 2004 selbstverst\u00c3\u00a4ndlich nicht durch eine Vollerhebung zusammengestellt, sondern durch Gewichtung der abgefragten, derzeit 2000 H\u00c3\u00a4ndler.<\/p>\n<p>Die Behauptung, ein Album w\u00c3\u00bcrde kurz vor Weihnachten mit 214 Exemplaren in die Charts einsteigen, ist nicht nur sensationsgierig, sondern auch falsch. Fakt ist n\u00c3\u00a4mlich, dass sich der Album-Markt in Deutschland keineswegs mehr radikal nach unten bewegt. Im ersten Halbjahr 2004 (neuere Zahlen gibt&#8217;s noch nicht) wurden in Deutschland 55,1 Mio CDs verkauft &#8211; das sind ledglich 800.000 weniger als im Vorjahreszeitraum. Bei den Musik-DVDs (die auch in die Album-Charts einberechnet werden) gab es sogar einen Zuwachs von 2,5 Mio. auf 4,0 Mio. Und vor Kurzem gab IFPI (das ist der Verband der Musikindustrie) -Chef Gerd Gebhardt sogar bekannt, dass das Weihnachtsgesch\u00c3\u00a4ft, das einen Gro\u00c3\u0178teil der j\u00c3\u00a4hrlichen Ums\u00c3\u00a4tze generiert, \u00c3\u00bcber dem Vorjahr liegt.<\/p>\n<p>Wirklich verloren wird dagegen bei den Single-Verk\u00c3\u00a4ufen. Im ersten Halbjahr 2004 wurden 9,8 Mio. Singles in Deutschland verkauft, im Vorjahreszeitraum waren es noch 12,9 Mio. Die Kids von heute geben eben nicht mehr 5 Euro f\u00c3\u00bcr eine Maxi-CD aus, sondern lieber dasselbe Geld f\u00c3\u00bcr Handy-Klingelt\u00c3\u00b6ne (an denen die Industrie ebenfalls mitverdient). Doch auch das ist ein alter Hut. 214 verkaufte Singles f\u00c3\u00bcr einen Platz 100 sind also mittlerweile v\u00c3\u00b6llig normal und eigentlich keine Meldung wert. Und setzt man die Album- und Single-Verk\u00c3\u00a4ufe in ein ungef\u00c3\u00a4hres Verh\u00c3\u00a4ltnis von 6 zu 1, w\u00c3\u00bcrden also nicht 214 Exemplare f\u00c3\u00bcr die Albumcharts reichen, sondern ca. 1200.<\/p>\n<p>Letztlich also nur Sensations-Journalismus des &#8220;Spiegel&#8221; &#8211; leider auch mit falschen Behauptungen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf den ersten Blick erscheint ein solcher Satz aus dem heutigen &#8220;Spiegel&#8221; sehr spektakul\u00c3\u00a4r: &#8220;Pops\u00c3\u00a4nger Ronan Keating etwa schaffte den Charteinstieg auf Position 100 vergangene Woche mit nur 214 bundesweit verkauften Alben.&#8221; Allerdings bedarf es dazu einiger Erl\u00c3\u00a4uterungen, denn auch der &#8220;Spiegel&#8221; kann mal schlampig arbeiten. 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