{"id":94,"date":"2003-06-17T22:56:21","date_gmt":"2003-06-17T21:56:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.popkulturjunkie.de\/wp\/?p=94"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T23:00:00","slug":"","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.popkulturjunkie.de\/wp\/?p=94","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>Warum gibt es hier in letzter Zeit fast nur noch melancholische Songtext-Zitate und kaum noch Popkultur-Neuigkeiten? Zwei Gr\u00fcnde gibt&#8217;s daf\u00fcr. Der eine ist zu privat, der andere hat mit meinem <a href=\"http:\/\/www.kress.de\/\">Job<\/a> zu tun. Zwar m\u00f6chte ich mein popkulturjunkie-Dasein und meinen Beruf eigentlich trennen. Aber ich zitiere mal die &#8220;<a href=\"http:\/\/www.frankfurter-rundschau.de\/\">Frankfurter Rundschau<\/a>&#8221; von morgen, vielleicht versteht Ihr dann etwas besser, wie es mir geht:<\/p>\n<p>&#8220;In schwerer See<br \/>Auch der renommierte Branchendienst &#8220;Kress-Report&#8221; muss sich in der Medienkrise neu erfinden<br \/>Von Rolf Karepin<\/p>\n<p>Die Exklusivmeldung h\u00e4lt 45 Minuten &#8211; genauso lang wie eine Halbzeit im Fu\u00dfball. Redakteur Jens Schr\u00f6der, bekennender Bayern-Fan und Fernseh-Experte beim Heidelberger Kress-Report, hat die hei\u00dfe News am vergangenen Mittwoch Mittag als erster: Die Pro Sieben Sat1 Media AG kauft die TV-Rechte an der Champions League.<\/p>\n<p>Die Blitzmeldung geht sofort raus \u00fcber SMS und E-Mail-Verteiler. Prompt hallt das Medien-Echo durch den Bl\u00e4tterwald: Der dpa-Ticker nennt Kress als Quelle. Die offizielle Best\u00e4tigung von Senderseite kommt eine dreiviertel Stunde sp\u00e4ter. Und tags drauf findet sich der Name des kleinen Insider-Fachblatts f\u00fcr Medienthemen mal wieder in diversen Zeitungen zitiert. 1 : 0 f\u00fcr Kress, die Medien-Mannschaft im gelbschwarzen Trikot.<\/p>\n<p>So l\u00e4uft das. Wenn&#8217;s l\u00e4uft. Mit seinen rund 2300 Heft-Abonnenten &#8211; fast allesamt Entscheider in der Verlags-, Sender- und Werbeszene &#8211; und sechsstelligen monatlichen Besucherzahlen auf der Website kann der kleine konzernunabh\u00e4ngige Fachdienst immer wieder eine beachtliche Welle machen. Man erreicht ja Multiplikatoren, Leitw\u00f6lfe im Revier der Aufmerksamkeits-\u00d6konomie. Selbst Harald Schmidt hat in seiner Show mal ein paar launige Zeilen aus dem Kress verlesen.<\/p>\n<p>Doch neuerdings machen die Heidelberger Medienberichterstatter eher anderweitig von sich reden: Die branchenweite Krise, die in allen Facetten zentraler Berichtsgegenstand des Blattes ist, trifft auch den Kress Report. Von dramatischem Anzeigenschwund ist die Rede, Kurzarbeit und Entlassungen, gar von mittelfristig drohender Zahlungsunf\u00e4higkeit. Ende Mai musste Thomas Wengenroth, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Alleingesellschafter und Chefredakteur, seiner ohnehin leidgepr\u00fcften Truppe bittere Exklusiv-Infos verk\u00fcnden: Die Anzeigenerl\u00f6se im Fr\u00fchjahr sind eingebrochen. Sieben Mitarbeiter, darunter drei Redakteure, m\u00fcssen daher gehen. Nur noch zehn Leute bleiben an Bord.<\/p>\n<p>Eine akute Bedrohung f\u00fcr den Kress Report will Inhaber Thomas Wengenroth nicht best\u00e4tigen. Aber so viel immerhin: &#8220;Wir segeln in schwerer See.&#8221; Dank versch\u00e4rfter Kostendisziplin habe der Verlag 2002 noch Gewinne erwirtschaftet, sagt Wengenroth. &#8220;Aber der erneute Einbruch in diesem Fr\u00fchjahr hat uns kalt erwischt: 35 Prozent Minus beim Anzeigenumsatz gegen\u00fcber Vorjahr, das ist ein brutaler Aderlass.&#8221; Im \u00dcbrigen liege Kress damit allerdings genau im Markttrend der Kommunikationsfachtitel.<\/p>\n<p>Um sein Unternehmen von den Launen der Werbekonjunktur unabh\u00e4ngiger zu machen, will Wengenroth das Online-Angebot im Abo-Verbund mit Print kostenpflichtig machen. Im August wird das Gesamtpaket neu geschn\u00fcrt: Das gedruckte Heft kommt dann nur noch zweiw\u00f6chentlich mit mehr Hintergrund. Und die Redaktion kann dank reduzierter Printproduktionslast mehr hei\u00dfe News auf die kostenpflichtige Website schaufeln. Diese strategischen \u00dcberlegungen seien &#8220;nicht aus der aktuellen Not geboren&#8221;, betont der Verleger, &#8220;daran haben wir schon eine ganze Weile get\u00fcftelt.&#8221;<br \/>Klar ist auch: Die Umstellung der Produktionsabl\u00e4ufe und ein neues Redaktionssystem kosten Geld. Und das ist knapp. Somit stellt sich die Frage: W\u00e4re der Kress Report mit seinen etwas mehr als zwei Millionen Euro Jahresumsatz in einem gr\u00f6\u00dferen Konzernverbund nicht krisensicherer verankert ?<\/p>\n<p>\u00dcbernahmeangebote und Verkaufsgespr\u00e4che hat es gegeben, best\u00e4tigt Wengenroth. Namen zu nennen oder zu kommentieren, verbietet ihm freilich die branchen\u00fcbliche Diskretion. Ebenso branchen\u00fcbliche Indiskretionen aus anderen Quellen r\u00fccken unter anderem Adressen wie den Deutschen Fachverlag (Frankfurt) oder die Ebner-Fachverlage (Ulm) in den Kreis der potenziellen K\u00e4ufer. Aber egal, denn bisher trennten sich die Verhandlungsparteien stets ohne Tinte auf Vertr\u00e4gen. &#8220;Warum man nicht zusammenkam, schwer zu sagen, das kriege ich auch nicht detailliert erz\u00e4hlt&#8221;, so lauten Wengenroths eigene Angaben. Man darf aber vermuten, dass Kaufpreis und Konditionen nicht gestimmt haben.<\/p>\n<p>Als im zweiten Quartal weder ein Werbeaufschwung noch ein Gro\u00dfinvestor in Sicht kommt, wird die Luft d\u00fcnn im f\u00fcnften Stock des sechseckigen B\u00fcrotrakts in Heidelberg-Rohrbach S\u00fcd. Extrem d\u00fcnn. Das unsch\u00f6ne Wort &#8220;Mietr\u00fcckstand&#8221; macht die Runde auf den teakholzget\u00e4felten Verlagsfluren, die bange Frage nach drohender Insolvenz dr\u00e4ngt sich auf. Und die Mitarbeiter \u00fcben sich in Galgenhumor: &#8220;Man freut sich ja schon, wenn man auf den Lichtschalter dr\u00fcckt, dass tats\u00e4chlich noch Licht angeht&#8221;, sagt ein Ressortleiter, &#8220;aber solange Rechner und Telefon noch funktionieren, bleiben wir am Ball.&#8221;<br \/>Dann pr\u00e4sentiert Wengenroth zeitgleich mit der j\u00fcngsten Hiobsbotschaft \u00fcber Personalabbau eine L\u00f6sung f\u00fcr das unmittelbare Liquidit\u00e4tsproblem: Einige Investoren &#8211; Privatleute aus dem Rhein-Neckar-Raum &#8211; w\u00fcrden Kapital in sechsstelliger H\u00f6he zuschie\u00dfen. \u00dcber die Namen bewahrt er eisernes Stillschweigen.<\/p>\n<p>Nicht einmal der Blattgr\u00fcnder und Herausgeber G\u00fcnther Kress kennt die Personalien. Er wei\u00df nur, dass der Mannheimer Steuerberater Ansgar Brendel mit von der Partie ist. Der half bereits 1996, die Finanzierung f\u00fcr die \u00dcbernahme des Kress Reports durch Wengenroth und seinen fr\u00fcheren Kompagnon Peter Turi einzut\u00fcten. Den Ausstieg von Turi im Jahr 2000 hat er auch vertragstechnisch gemanagt. Somit keine \u00dcberraschung, dass er bei den nun anstehenden Transaktionen involviert ist. Mit Treuh\u00e4nderkonstruktionen und atypisch stillen Beteiligungen l\u00e4sst sich manches drehen, was nicht im Bundesanzeiger und Handelsregister auftauchen muss. Aber sp\u00e4testens, wenn GmbH-Anteile den Besitzer wechseln, muss Wengenroth seinen Mitarbeitern erkl\u00e4ren, wem der Laden k\u00fcnftig geh\u00f6rt. Denn auf der Firmenhomepage hat er angek\u00fcndigt, dass er bis zu 60 Prozent der Verlagsanteile abtreten wolle.<\/p>\n<p>Sollte der diskrete Deal nicht zustande kommen, h\u00e4ngt alles weitere von den Hausbanken ab. Eventuell bewegt ein neuer Businessplan mit Online-Abo und verschlankten Unternehmensstrukturen die beiden Institute, den Kredithahn doch nochmal aufzudrehen. So dass das \u00dcberleben bis Februar gesichert w\u00e4re, wenn das Geld f\u00fcr die Jahresabos in der Schatulle ist. Aber die Saison 2004 ist noch weit. Die dezimierte Kress-Mannschaft jedenfalls kickt nach wie vor mit Herzblut. Denn das n\u00e4chste Spiel ist immer das schwerste.&#8221;<\/p>\n<p>Anmerkung vom popkulturjunkie: Drei meiner vier besten Freunde bei kress m\u00fcssen gehen. Vielleicht erkl\u00e4rt das meine ab und zu etwas melancholische Stimmung. popkulturjunkie.de wird jedoch wieder richtig leben. Versprochen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum gibt es hier in letzter Zeit fast nur noch melancholische Songtext-Zitate und kaum noch Popkultur-Neuigkeiten? Zwei Gr\u00fcnde gibt&#8217;s daf\u00fcr. Der eine ist zu privat, der andere hat mit meinem Job zu tun. 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