Mein Bundesliga-Daten-Experiment: Update, Ausblick und die neuesten Prognosen 1

Einige werden es mitbekommen haben: Seit Start der Rückrunde habe ich ein kleines datenjournalistisches Experiment auf Krautreporter.de durchgeführt: Mit Hilfe unterschiedlichster Faktoren und einem Rechenmodell habe ich versucht, die Ausgänge der Bundesliga-Spiele vorher zu sagen. Das klappte zuletzt sehr gut – mit siebeneinhalb Richtigen am jüngsten Spieltag.

Leider haben sich die Krautreporter-Verantwortlichen dennoch dazu entschieden, das Experiment abzusetzen. Die Begründung verknappt zusammengefasst: “Wegen mangelndem Interesse.” Ich persönlich finde es schade, dass ausgerechnet ein Medium wie die Krautreporter nicht die Geduld hat, einem solchen Experiment mehr Zeit zu geben. Offenbar hatte man sich vor allem noch mehr Diskussionen über die Methodik gewünscht – was bei einem durchaus durchdachten Modell und besser werdenden Prognosen natürlich schwierig ist. Und die Diskussion fand ja durchaus statt und hat erst vor einer Woche zu einem Methodik-Update geführt. Meine Idee hat aber offenbar nicht zum Medium und seinem Publikum gepasst. Eine ausführlichere Begründung des Chefredakteurs gibt es unter meinem letzten Prognose-Artikel.

Wie auch immer: Es gab in der Zwischenzeit schon verschiedene Anfragen von großen Medienmarken zur Fortsetzung des Experiments – inklusive eines viel versprechenden Gesprächs. Es kann also durchaus sein, dass meine Bundesliga-Prognosen schon bald an anderer Stelle wieder erscheinen. Um bis dahin keine Lücke entstehen zu lassen, veröffentliche ich die neueste Prognose nun erstmal in meinem alten – leider recht brach liegenden – Blog. Mögen hoffentlich viele Fans des Experiments den Weg hierher finden.

Zur Erinnerung und als Hinweis für mögliche Neu-Leser: Die ausführliche Erläuterung der Methodik findet Ihr hierund das Update hier.

Die potenziell spannendsten Partien des Spieltags:

Drei Spiele haben in meinen Berechnungen zu sehr knappen Ausgängen geführt. Die beiden jeweiligen Gegner haben sich die Faktoren aus meinem Rechenmodell also so aufgeteilt, dass nur ein knapper Favorit oder sogar ein Unentschieden als Prognose heraus kam. Dazu gehört auch das Kellerduell zwischen Stuttgart und Hertha BSC. Die schwächste Heim-Mannschaft trifft auf das schwächste Auswärts-Team – was soll da anderes herauskommen als ein Unentschieden. Tatsächlich kam auch genau das heraus. Der VfB Stuttgart ist zwar ein 55%-Favorit, doch diese Prozentzahl befindet sich in dem Rahmen, den ich im Vorfeld meines Experiments für eine Unentschieden-Prognose ausgewählt hatte. Für Stuttgart sprechen in dem Duell u.a. der größere Erfolg in den vergangenen Jahren, die geringere Zahl an Gegentoren in dieser Saison, der Marktwert der Spieler und einzelne Spiel-Faktoren wie die Passquote und der Ballbesitz. Auch Wettbüros und kicktipp-Tipper sehen Stuttgart knapp vorn. Hertha hingegen entschied u.a. die Faktoren Form (6 Punkte aus den jüngsten 5 Spielen – Stuttgart nur 2), direkter Vergleich, Elo-Rating und erzielte Tore für sich.

Knappe Sieg-Favoriten von 57% gibt es in zwei anderen Spielen: So setzt sich nach meinem Prognosemodell Freiburg etwas überraschend gegen Werder Bremen durch – und Frankfurt in Köln. Insbesondere die 57% für Freiburg sind spannend. Spricht doch vom Gefühl her mehr für Werder Bremen, bis vor einer Woche noch die Mannschaft der Stunde. Doch der Blick auf die Faktoren sieht Freiburg in diversen gewichtigen Themen vorn: Man hat weniger Gegentore erhalten, liegt im Marktwert der Spieler vorn, hat Heimrecht, die Wettquoten sprechen knapp für Freiburg. Auch der Goal-Impact-Faktor und das Elo-Rating sehen derzeit noch Freiburg vorn. Sollte Bremen dennoch gewinnen, wäre das allerdings auch keine Sensation, denn wie gesagt: 57% zu 43% ist eine sehr knappe Prognose.

Die Top-Favoriten des Spieltags:

Wesentlich größere Favoriten sind am kommenden Spieltag der FC Bayern, der VfL Wolfsburg und erstmals seit längerem Borussia Dortmund. Für den FC Bayern spricht in der Partie in Hannover fast alles – außer Heimrecht und Spielerausfälle durch Verletzungen oder Sperren. Unter dem Strich kommt eine 91%-ige Siegchance für die Bayern heraus. Der VfL Wolfsburg wird zu 85% in Augsburg gewinnen, auch wenn die Augsburger zwischenzeitlich gut in Form waren. In den jüngsten fünf Spielen haben sie aber nur noch fünf Punkte geholt und auch die meisten anderen Faktoren sprechen für die derzeit bärenstarken Wolfsburger. Keine Chance dürfte zudem der HSV gegen Borussia Dortmund haben. Einzig der direkte historische Vergleich (35 zu 33 Siege), das Heimrecht und der so genannte Sensations-Faktor, in dem ich Marktwert-Tabelle und aktuelle sportliche Tabelle ins Verhältnis setze, sprechen für den HSV.

Die neun Partien mit den Prognosen im Überblick:

VfB Stuttgart – Hertha BSC | 55% zu 45% – Prognose: Unentschieden
FC Schalke 04 – TSG Hoffenheim | 68%-Favorit: FC Schalke 04
FC Augsburg – VfL Wolfsburg | 85%-Favorit: VfL Wolfsburg
Hannover 96 – Bayern München | 91%-Favorit: Bayern München
SC Freiburg – Werder Bremen | 57%-Favorit: SC Freiburg
Hamburger SV – Borussia Dortmund | 84%-Favorit: Borussia Dortmund
FSV Mainz 05 – Borussia Mönchengladbach | 75%-Favorit: Borussia Mönchengladbach
1. FC Köln – Eintracht Frankfurt | 57%-Favorit: Eintracht Frankfurt
SC Paderborn 07 – Bayer 04 Leverkusen | 81%-Favorit: Bayer 04 Leverkusen

Ich werde Euch in diesem Blog auf dem Laufenden halten, sobald es etwas Neues zur Zukunft meines Fußball-Experiments gibt.

die liste der listen 2014 – die besten alben des jahres. 3

Die letzte Tradition in diesem scheintoten Blog lebt auch 2015 weiter: die Liste der Listen mit den besten Alben des Jahres. Auch diesmal habe ich díe Best-Of-Listen von acht Print- und Online-Magazinen ausgewertet – und daraus eine Gesamtliste errechnet. In die Wertung kamen die Print-Produkte intro, musikexpress, Rolling Stone, spex und Visions, sowie die Websites laut.de, plattentests.de und tonspion.de. Die jeweilige Nummer 1 der Listen bekam 50 Punkte, die jeweilige Nummer 50 einen Punkt.

Bevor ich zur Liste der Listen 2014 komme, hier noch einmal der Überblick über die Sieger der Vorjahre:
2007: Tocotronic – “kapitulation”
2008: Portishead – “third”
2009: Antony & The Johnsons – “the crying light”
2010: Arcade Fire – “the suburbs”
2011: PJ Harvey – “let england shake”
2012: Frank Ocean – “channel orange”
2013: Nick Cave & The Bad Seeds – “push the sky away”

Betrug Nick Caves Vorsprung 2013 noch satte 55 Punkte, lief es diesmal deutlich knapper: Nur 21 Punkte Vorsprung hatte die Nummer 1, die zudem nur 254 Punkte erreichte – das hätte 2013 nur für Rang 3 gereicht. Die Kritiker waren sich also offenbar nicht so einig wie im vergangenen Jahr. Wie auch immer: Hier ist die Top 50:

50. Roddy Frame – seven dials (48 Punkte)
49. Angel Olsen – burn your fire for no witness (49)
48. Ben Watt – hendra (49)
47. John Southworth – niagara (50)
46. La Roux – trouble in paradise (51)
45. Conor Oberst – upside down mountain (53)
44. Hundreds – aftermath (58)
43. Chet Faker – built on glass (58)
42. Opeth – pale communion (59)
41. Kraftklub – in schwarz (60)
40. Future Islands – singles (63)
39. Temples – sun structures (64)
38. Fatima Al Qadiri – asiatisch (67)
37. Von Spar – streetlife (70)
36. Sinkane – mean love (71)
35. Mastodon – once more ’round the sun (73)
34. Aphex Twin – syro (73)
33. Todd Terje – it’s album time (75)
32. Jens Friebe – nackte angst zieh dich an wir gehen aus (87)
31. TV on the Radio – seeds (90)
30. Die Nerven – fun (95)
29. Brody Dalle – diploid love (95)
28. Banks – goddess (99)
27. Spoon – they want my soul (100)
26. Scott Walker + Sunn O))) – soused (105)
25. The War on Drugs – lost in the dream (110)
24. Mac DeMarco – salad days (112)
23. Wanda – amore (114)
22. Sun Kil Moon – benji (114)
21. Sleaford Mods – divide and exit (115)
20. Lana Del Rey – ultraviolence (118)
19. Antemasque – antemasque (118)
18. Kate Tempest – everybody down (119)
17. Beck – morning phase (123)
16. Jungle – jungle (128)
15. St. Vincent – st. Vincent (139)
14. Run the Jewels – run the jewels 2 (145)
13. Sohn – tremors (146)
12. Neneh Cherry – blank project (147)
11. Warpaint – warpaint (149)
10. Interpol – el pintor (162)
09. Swans – to be kind (170)
08. Metronomy – love letters (173)
07. Caribou – our love (185)
06. Flying Lotus – you’re dead! (192)
05. Damon Albarn – everyday robots (206)
04. The Notwist – close to the glass (207)
03. Ja, Panik – libertatia (221)
02. Alt-J – this is all yours (233)
01. FKA Twigs – lp1 (254)

Auch diesmal habe ich alle 50 Alben in einer Spotify-Liste vereint. Zu hören hier oder (zumindest die ersten 200 Tracks – mehr geh in dem Embed-Ding nicht – direkt an dieser Stelle:

ABAY – “i have a dream” 19

Fabelhafte Abba-Cover-Version vom großartigen Aydo Abay, der jetzt als ABAY Musik macht:

P.S.: Lustiges Scooter-”Medley” mit den quatschigen Scooter-Texten zu schöner Musik

die liste der listen 2013 – die besten alben des jahres. 52

Die letzte Tradition in diesem Blog lebt weiter: Nachdem die Visions ihre Jahres-Charts diesmal erst Ende Januar veröffentlicht hat, habe ich auch für 2013 die Bestenlisten der Musikmagazine ausgewertet und eine Meta-Liste daraus errechnet: die Liste der Listen mit den besten Alben des Jahres. In die Wertung kamen wie in den letzten Jahren die Bestenlisten der Redaktionen von intro. musikexpress, Rolling Stone, spex, Visions und laut.de – sowie in diesem Jahr zum ersten Mal die von plattentests.de und tonspion.de. Die jeweilige Nummer 1 der Listen bekam von mir 50 Punkte, die jeweilige Nummer 50 einen Punkt.

Bevor ich zur Liste der Listen 2013 komme, hier noch einmal der Überblick über die Sieger der Vorjahre:
2007: Tocotronic – “kapitulation”
2008: Portishead – “third”
2009: Antony & The Johnsons – “the crying light”
2010: Arcade Fire – “the suburbs”
2011: PJ Harvey – “let england shake”
2012: Frank Ocean – “channel orange”

Beinahe hätte 2013 erstmals eine Band zum zweiten Mal die Liste der Listen gewonnen, doch ein 56-Jähriger überzeugte die Kritiker mit seiner Platte so sehr, dass er die Konkurrenz deutlich schlug. Hier ist sie also, die Liste der Listen 2013 – die ich übrigens auch wieder in Form einer Spotify-Playliste angelegt habe:

50. Touché Amoré – …is survived by (49 Punkte)
49. Chvrches – the bones of what you believe (49)
48. Boards of Canada – tomorrow’s harvest (49)
47. A$ap Rocky – long.live.a$ap (50)
46. Boysetsfire – while a nation sleeps (52)
45. Editors – the weight of your love (55)
44. Woodkid – the golden age (56)
43. Babyshambles – sequel to the prequel (59)
42. Goldfrapp – tales of us (61)
41. Daughter – if you leave (64)
40. Lorde – pure heroine (64)
39. Laura Marling – once i was an eagle (65)
38. London Grammar – if you wait (69)
37. Cut Copy – free your mind (69)
36. Jonathan Wilson – fanfare (72)
35. Disclosure – settle (72)
34. Ghostface Killah – twelve reasons to die (73)
33. Pet Shop Boys – electric (75)
32. Foals – holy fire (78)
31. The Knife – shaking the habitual (82)
30. Janelle Monaé – the electric lday (82)
29. Savages – silence yourself (84)
28. Jake Bugg – jake bugg (90)
27. Darkside – psychic (100)
26. Turbostaat – stadt der angst (110)
25. Mount Kimbie – cold spring fault less youth (114)
24. DJ Koze – amygdala (115)
23. Steven Wilson – the raven that refused to sing (and other stories) (115)
22. Jon Hopkins – immunity (115)
21. Eminem – the marshall mathers lp 2 (116)
20. Julia Holter – loud city song (123)
19. Kanye West – yeezus (136)
18. Rhye – woman (137)
17. Prefab Sprout – crimson/red (138)
16. Bill Callahan – dream river (138)
15. Haim – days are gone (148)
14. My Bloody Valentine – mbv (150)
13. Casper – hinterland (154)
12. Tocotronic – wie wir leben wollen (161)
11. King Krule – 6 feet beneath the moon (170)
10. Biffy Clyro – opposites (174)
09. Arctic Monkeys – am (186)
08. The National – trouble will find me (188)
07. Daft Punk – random access memories (205)
06. Vampire Weekend – modern vampires of the city (210)
05. Moderat – ii (213)
04. Queens of the Stone Age – …like clockwork (229)
03. James Blake – overgrown (235)
02. Arcade Fire – reflektor (262)
01. Nick Cave & The Bad Seeds – push the sky away (317)

Das Nick-Cave-Album war gleichzeitig auch das einzige, das sich in allen acht Listen wiederfindet – darunter auf Platz 1 im Rolling Stone und bei laut,.de, sowie auf Platz 2 bei spex und tonspion.de. Das intro setzte Daft Punkt auf Platz 1, der musikexpress Jon Hopkins, spex Vampire Weekend, Visions Queens of the Stone Age, plattentests.de The National und tonspion.de Cut Copy.

the national – “graceless”. 4

Großartig! Und verdammt Joy-Division-ig.

Das Original ist zurück – die deutschen blogcharts leben wieder. 25

Jaja, ich weiß. Konsequenz scheint nicht gerade eine meiner Stärken zu sein. Vor etwas mehr als einem Jahr verkündete ich hier im Blog das offizielle Ende der deutschen blogcharts – und lieferte diverse Argumente. Seitdem vergang bis heute kein Monat, in dem mir nicht diverse Mal das Bedauern über das Ende mitgeteilt wurde. Diesem Druck der Masse beuge ich mich nun – die deutschen blogcharts leben wieder.

Aber im Ernst: Schon bevor ich vor einigen Wochen mit active value die Social-News-Charts 10000 Flies startete, war mir klar, dass als “Abfallprodukt” auch die deutschen blogcharts wieder kommen würden. Dort habe ich im Blog ja auch schon einige Male Leitmedien-Rankings veröffentlicht. Die deutschen blogcharts funktionieren genau so: Ich schaue am Beginn des Monats, welche deutschsprachigen Blogs bei Facebook, Twitter und Google+ die größte Resonanz erzielt haben, wie viele Likes, Shares, Tweets, +1-Klicks, etc. die Blogs also mit ihren Beiträgen eines Monats erreicht haben. Und genau aus diesen Zahlen wird dann das Ranking erstellt.

Die Zahl der Tweets hatte ich ja in der zweiten blogcharts-Phase im Jahr 2011 schon als einen Faktor mit in die Wertung einberechnet. Nun, in der mittlerweile dritten Phase der Charts spielt eben nur noch die Resonanz in den sozialen Netzwerken eine Rolle. Hier werden spannende Inhalte so schnell und oft wie nirgends sonst weiterempfohlen. Die neuen blogcharts sind also ein Gradmesser für die Popularität bei Facebook & Co.

Im Gegensatz zu früher zählen auch nur noch die Zahlen eines einzelnen Monats – dadurch wird sicher mehr Tempo in den Charts sein. Blogs werden schnell nach oben schießen können – und im kommenden Monat als One-Hit-Wonder schon wieder verschwinden. Die ersten drei Monate – ich habe die Daten rückwirkend für die Monate Januar, Februar und März online gestellt – zeigen aber auch, dass viele Blogs in den Charts bleiben, weil sie treue Leser und Weiterempfehler haben.

Mein Dank gilt Axel Krysztofiak von active value, der Website und Backend der neuen blogcharts programmiert hat – und Julia Wildförster von active value für das coole neue Logo.

Ich bin gespannt auf Eure Meinungen!

10.000 Fliegen und ich. 19

Das war also der Tag, an dem ich bei Spiegel Online, Zeit Online und taz.de auftauchte. Wow. Die drei Tage nach dem Launch meines neuesten Projekts sind wie im Fluge vergangen, höchste Zeit auch hier ein paar Worte darüber zu verlieren. Und das zunächst mit einem Danke! Danke! Danke! An alle, die per Twitter, Facebook, Google+, Blog, etc. auf 10000 Flies hingewiesen haben, für das Lob, die Glückwünsche und die Kritik.

10000 Flies heißt es also. Und es ist tatsächlich genau das, was ich beim Ende der deutschen blogcharts vor gut zehn Monaten angedeutet habe. Dass etwas Neues kommen wird. Nun ist der erste Teil des Projekts also online. Charts für die deutschsprachigen Artikel, Blog-Einträge und sonstigen publizistischen Beiträge, die bei Facebook, Twitter und Google+ am besten ankommen, über die am meisten diskutiert wird, die am häufigsten weiter empfohlen werden (alle Details dazu im “Über”-Text auf 10000Flies.de).

Die Idee, die ich damals hatte, wäre nie zum Leben gekommen, wenn ich nicht mit der Agentur active value, die wie ich in Düsseldorf – ca. 200 Meter Luftlinie von mir entfernt – residiert, einen perfekten Partner gefunden hätte, um das Projekt umzusetzen. Als jemand, der zwar Zahlen liebt, sich aber nie darum gekümmert hat, programmieren zu lernen, war ich auf einen solchen Partner angewiesen. Die active-value-Leute waren sofort Feuer und Flamme, haben das Auswertungssystem programmiert, eine sehr schicke, moderne Website gestaltet und auch die Marke erfunden. Ich habe die Quellen recherchiert, die relevant genug für die Charts sind (recherchiere natürlich auch täglich weiter), betreue das Begleitblog des Projekts (das ich Euch sehr ans Herz legen möchte) mit Daten-Analysen und anderem Interessanten und sorge dafür, dass die täglichen Charts korrekt sind und keine Fehler auftauchen.

Zusammen werden wir 10000 Flies nun ausbauen – mit vielen weiteren Features und ein paar Ideen, wie man mit den gewonnenen Erkenntnissen vielleicht auch ein bisschen Geld verdienen kann. In Kürze mehr. Auch an dieser Stelle.

die liste der listen 2012 – die besten alben des jahres. 13

Wie in den vergangenen fünf Jahren habe ich auch diesmal die Bestenlisten der großen deutschen Musikmagazine ausgewertet, um eine gemeinsame Beste-Alben-des-Jahres-Liste zu präsentieren. Mit dabei sind wieder die Zeitschriften intro, musikexpress, Rolling Stone, spex und Visions, dazu das Online-Magazin laut.de. Das jeweils erstplatzierte Album der sechs Einzellisten bekam 50 Punkte, die jeweilige Nummer 2 bekam 49 Punkte usw.

Im Gegensatz zu 2011, als PJ Harvey mit gigantischem Vorsprung gewann, gab es diesmal einen spannenden Kampf um die ersten Plätze. Die ersten vier Platten trennen nur 20 Punkte, die beiden Ersten nur ein einziger Punkt. Bevor ich aber – für sie Spannung in umgekehrter Reihenfolge – die Top 50 verrate, noch der Hinweis auf die Spotify-Playlist, die ich erstmals anbiete: Enthalten sind alle Top-50-Alben mit Ausnahme der Plätze 5 und 42, die ich bei Spotify nicht gefunden habe. Zudem der Hinweis auf die Sieger der vergangenen Jahre (Mit Links zu den Listen der Listen):

2007: Tocotronic – “kapitulation”
2008: Portishead – “third”
2009: Antony & The Johnsons – “the crying light”
2010: Arcade Fire – “the suburbs”
2011: PJ Harvey – “let england shake”

Und hier die Liste der Listen für das aktuelle Jahr 2012:

50. Converge – “all we love we leave behind” (45 Punkte)
49. Kid Kopphausen – “i” (46)
48. …And you will know us by the Trail of Dead – “lost songs” (46)
47. The Shins – “port of morrow” (46)
46. Jeremiah Jae – “raw money raps” (46)
45. Donald Fagen – “sunken condos” (46)
44. John Talabot – “fin” (47)
43. Plan B – “ill manors” (47)
42. Rudi Zygadlo – “tragicomedies” (47)
41. Propagandhi – “failed states” (48)
40. Grimes – “visions” (49)
39. Japandroids – “celebration rock” (54)
38. David Byrne & St. Vincent – “love this giant” (60)
37. Cat Power – “sun” (60)
36. Lee Ranaldo – “between the times and the tides” (61)
35. Michael Kiwanuka – “home again” (61)
34. Soundgarden – “king animal” (64)
33. Beach House – “bloom” (65)
32. Bruce Springsteen – “wrecking ball” (66)
31. Neneh Cherry & The Thing – “the cherry thing” (71)
30. Lana Del Rey – “born to die” (72)
29. Tindersticks – “the something rain” (72)
28. Rufus Wainwright – “out of the game” (73)
27. Kindness – “world, you need a change of mind” (73)
26. Godspeed You! Black Emperor – “‘allelujah! don’t bend! ascend!” (75)
25. Fiona Apple – “the idler wheel is wiser…” (76)
24. Jack White – “blunderbuss” (77)
23. Dinosaur Jr. – “i bet on sky” (79)
22. Bat for Lashes – “the haunted man” (81)
21. Dexys – “one day i’m going to soar” (81)
20. Baroness – “yellow & green” (82)
19. Deftones – “koi no yokan” (82)
18. Pet Shop Boys – “elysium” (82)
17. Ariel Pink’s Haunted Graffiti – “mature themes” (82)
16. Kraftklub – “mit k” (85)
15. Daphni – “jiaolong” (87)
14. Scott Walker – “bish bosch” (90)
13. Kendrick Lamar – “good kid, m.a.a.d. city” (108)
12. Neil Young & Crazy Horse – “psychedelic pill” (113)
11. Dirty Projectors – “swing lo magellan” (118)
10. Django Django – “django django” (118)
09. Bob Dylan – “tempest” (127)
08. Alt-J – “an awesome wave” (130)
07. Chromatics – “kill for love” (131)
06. Hot Chip – “in our heads” (136)
05. Flying Lotus – “until the quiet comes” (155)
04. Tame Impala – “lonerism” (213)
03. The XX – “coexist” (214)
02. Grizzly Bear – “shields” (232)
01. Frank Ocean – “channel orange” (233)

In allen sechs Listen sind übrigens nur die Nummern 3 und 4, also The XX und Tame Impala vertreten. Grizzly Bear fehlt im Rolling Stone, Frank Ocean erwartungsgemäß in der Visions. Ebenfalls interessant: Es gibt sechs Erste, jede Redaktion hat also eine andere Platte zum Album des Jahres gekürt: Das intro The XX, der musikexpress Django Django, der Rolling Stone Bob Dylan, die spex Frank Ocean, die Visions Deftones und laut.de Hot Chip.

[Nachtrag: Die einzelnen Listen findet man meist noch nicht offiziell online, sondern nur in den aktuellen Print-Ausgaben. Es gibt sie aber auch alle zum Nachlesen auf Poplist.de]

popkulturjunkie on tour: the notwist in düsseldorf. 7

Dass ausgerechnet The Notwist mich dazu inspirieren, mal wieder einen Eintrag in dieses gute, alte Blog zu schreiben… Die Band begleitet mich seit vielen Jahren, ungefähr seit dem 1998er-Album “Shrink” und als eine meiner absoluten Lieblingsbands mindestens seit dem 2002er-Meisterwerk “Neon Golden”. Mit “Neon Golden” werde ich immer auch meine Heidelberger Zeit verbinden, da ich das Album damals rauf und runter gehört habe und die Band auch irgendwo im Rhein-Neckar-Delta live gesehen habe – wie im Übrigen auch Martin Gretschmann aka Console.

Als ich erfuhr, dass The Notwist das charmante New-Fall-Festival in der Düsseldorfer Tonhalle eröffnen würden, zögerte ich nicht, mir ein Ticket zu kaufen. Und was ich für mein Geld bekam, war nichts anderes als eins der musikalisch besten Konzerte meines Lebens. Und das sage ich in einer Zeit, in der mich längst nicht mehr jede tolle Band so euphorisch werden lässt wie einst.

Das was das Notwist-Konzert so grandios gemacht hat, ist diese unglaubliche musikalische Qualität der Band. Ich glaube, die einzigen Künstler, die live einen so talentierten, intelligenten Eindruck auf mich gemacht haben, waren Radiohead. Die Songs sind live noch um ein Vielfaches komplexer als die Studio-Aufnahmen – und dennoch passt alles zusammen, jeder Sample, jeder Ton, jedes Detail.

Es macht einfach unheimlichen Spaß, die je nach Song sechs bis neun Musiker auf der Bühne zu beobachten. Sei es der unscheinbare Drummer Andi Haberl, der bei manchem Song zum absoluten Tier wird – oder Martin Gretschmann, der seine Musik teilweise mit zwei Wii-Remotes in den Händen steuert. Und dazu die immer so melancholisch-zerbrechlich wirkende Stimme von Markus Acher. Mir fällt keine andere Band ein, die so viele Stilrichtungen, so viele Ideen in ihre Songs packt. Elektro-Elemente, Pop-Melodien, Jazz-Fragmente und selbst Krautrock-Töne. Und auch wenn einige der legendären Songs wie “Pick up the Phone”, “Pilot” oder “Consequence” vom “Neon Golden”-Album nun schon zehn Jahre alt sind – live wirken sie wie Musik, die nicht moderner sein könnte, die nicht besser in eine Zeit passen könnte, in der Eindrücke, Bilder und Töne in einem Tempo auf uns nieder prasseln wie in keiner Zeit zuvor.

Und dann die Tonhalle. Eine Halle, in der vornehmlich klassische Konzerte stattfinden, nicht nur architektonisch ein Glanzpunkt der Stadt. Das Notwist-Konzert war das erste Rock-Konzert, dass ich hier miterlebt habe – und in mir kamen schon nach wenigen Minuten Gedanken auf, wie “Warum kann nicht jede Konzerthalle einen solchen Klang haben?” oder “Kann ich jetzt überhaupt noch in diese Mehrzweck-Schuppen gehen, in denen der Sound für DSDS-Gewinner vielleicht ausreicht, nicht aber für komplexe Bands wie The Notwist?”.

Ich könnte noch so viele schreiben, aber ich lass es. The Notwist live. Auch 2012 ein Ereignis.

gedanken zum relegations-abend in düsseldorf. 27

Das Thema dreht sich in meinem Kopf schon den ganzen Tag lang, also muss ich meine Gedanken jetzt mal rauslassen. Ich war am Dienstagabend beim Bundesliga-Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC. Die Berichterstattung in vielen Medien ist mir heute so negativ aufgefallen, dass ich einfach mal meine Sicht der Dinge schildern muss. Um das vorweg zu sagen: Es ist die Sicht eines FC-Bayern-Mitglieds mit großen Sympathien für Fortuna Düsseldorf.

Was in mir heute starkes Kopfschütteln ausgelöst hat, ist die Skandalisierung des Geschehens, das Aufputschen, das Angstmachen. Die Rede war von “Fußball-Schande”, immer wieder von “Ausschreitungen” und “Randale”. Wo auch immer die Schreiber das gesehen haben wollen, in Düsseldorf kann es nicht gewesen sein. Um eins klar zu sagen: Ich verabscheue Bengalos und Pyrotechnik in Stadien. Ich möchte in ein paar Jahren, wenn mein kleiner Sohn alt genug ist, mit ihm zum Fußball gehen, ohne Angst zu haben, dass wir von Böllern oder Raketen getroffen werden (wie beispielsweise Fans beim Spiel zwischen Rostock und St. Pauli 2011).

Am Dienstagabend wurde in beiden Fanblöcken Pyrotechnik benutzt, die Hertha-Fans haben dabei Böller und Pyros auf den Rasen geschmissen, dabei sicher auch Verletzungen von Ordnern in Kauf genommen. Mir ist es immer wieder ein Rätsel, wie dieser Sprengstoff mit in Stadien gebracht werden kann, wenn doch jeder kleine Junge beim Einlass abgetastet wird und ich sogar schon erlebt habe, dass ein Fahrradhelm (!) nicht mit ins Stadion genommen werden darf.

Das, über das ich viele heute aber aufregen – und der Grund dafür, dass es nun womöglich ein Wiederholungsspiel geben wird, war eine völlig andere Situation, die nichts mit der Ultra-Szene oder “Chaoten” zu tun hat – es hat sich zudem komplett anders zugetragen, als an vielen Stellen berichtet. Das Stürmen des Platzes von Hunderten Fortuna-Fans war keine Aggression, keine Randale, keine Gewalt, es war einfach nur Dummheit. Mehrere Minuten vor Ende des Spiels postierten sich viele Fans schon an der Seite des Spielfelds, warteten allerdings recht brav hinter den Werbebanden. Offenbar im irrigen Glauben, der Schiedsrichter habe das Spiel abgepfiffen, rannten sie zu Hunderten auf den Platz und lieferten Hertha BSC damit die Vorlage für den Protest.

Das, was ich sah, waren tanzende, jubelnde Fans, viele Pubertierende, sogar kleine Jungs. Niemand, der den Platz gestürmt hatte, war gewaltbereit, die Polizei berichtet heute in einer Pressemitteilung: “So kam es weder vor, während noch nach dem Spiel zu gravierenden körperlichen Auseinandersetzungen oder Gewalt.” Wenn also gewaltbereite Chaoten den Platz gestürmt haben sollen, warum kam es dann nicht zu Gewalt? Und warum verließen sie nach ein paar Minuten wieder freiwillig den Platz und entschuldigten sich unterwürfig bei Fortuna-Spielern, die sie vom Platz scheuchten? Offenbar gab es ja sogar unter den Hertha-Spielern mehr Gewaltbereitschaft als bei den Hunderten Fans auf dem Platz – oder wie anders ist der berichtete Schlag eines Spielers auf den Schiedsrichter sonst zu erklären?

Natürlich habe ich mich extrem geärgert, als die Fans zu früh den Platz stürmten – denn ich habe genau in dieser Sekunde gewusst, dass es zu einer Entscheidung am grünen Tisch kommen würde und die Dummköpfe nicht nur die tolle Saison der Mannschaft gefährden, sondern auch den Fans und einer gesamten nach Erstligafußball hungernden Stadt die Feierlaune versauen. Und nicht nur ich habe mich geärgert: Um mich herum haben Tausende Menschen den Fans auf dem Spielfeld “Und Ihr wollt Fortunen sein?” entgegen geschrien. Und als die Hertha-Spieler später wieder auf den Platz kamen, spendeten ebenfalls Tausende Fortuna-Fans ihnen Beifall.

Dass Hertha BSC nun tatsächlich Protest eingelegt hat, ist sicher legitim, als Fan der Mannschaft würde ich mich allerdings in Grund und Boden schämen, wenn Hertha in einem eventuellen Wiederholungsspiel nun doch noch den Klassenerhalt schaffen sollte. Man hatte 34 plus 2 Spiele Zeit und hat es auf sportlichem Wege nicht geschafft.

Was mich ärgert, ist auch die Art, wie sogar ARD und ZDF auf den Skandalisierungs-Zug aufspringen und Sondersendungen ins Programm nehmen – und das, obwohl auf tagesschau.de so kluge Kommentare wie dieser hier erscheinen. Von Medien wie Bild.de habe ich nichts anderes erwartet, als eine schreiende Zeilen wie “Fußball-Schande”, bei seriösen Medien hätte man den Ball allerdings flach halten müssen. Bei manchem Bericht habe ich ohnehin die Vermutung, dass dort jemand anhand von Fernsehbildern geschrieben hat und nicht als Zeuge im Stadion. Ich selbst habe noch keine ausführlichen TV-Bilder gesehen, wurde aber von mehreren Leuten angesprochen, ob ich bis zum Schluss da gewesen sein, Angst gehabt habe oder mir etwas passiert sei. Offenbar war der Eindruck vor den Fernsehen also ein komplett anderer als der im Stadion. Dass von Hertha-BSC-Seite Worte wie “Todesangst” fallen, empfinde ich als peinlich und als strategisch.

Nochmal zur Klarstellung: Auf Seite von Fortuna Düsseldorf wurden große Fehler gemacht. Vor allem die Sicherheitskontrollen waren offenbar so mies, dass kiloweise Pyrotechnik ins Stadion gebracht werden konnte. Daraus muss der Verein und muss das beauftragte Sicherheits-Unternehmen Konsequenzen ziehen. Einen Sturm des Spielfeldes, wie er (wenn auch meist erst nach dem tatsächlichen Abpfiff) am Saisonende auf Hunderten Plätzen des Landes vorkommt, kann man wohl nicht verhindern. Es sei denn, man möchte jedem Zuschauer einen persönlichen Ordner zur Seite stellen oder wieder hohe Zäune errichten.

Das frühzeitige Stürmen am Dienstagabend hätte man aber womöglich doch verhindern können. In meinem Umfeld fragten sich viele Fans (auch ich): Was? Nur eine Minute Nachspielzeit? Die “7″ war also bei entsprechender Entfernung oder schlechtem Winkel nicht für jeden von einer “1″ unterscheidbar. Warum also blendet man die Nachspielzeit nicht groß auf der Anzeigetafel ein oder sagt sie laut per Stadionsprecher durch? Was noch dazu kommt ist eine Tatsache, die mich in der Düsseldorfer Arena schon des Öfteren genervt hat: Die Spielzeit bleibt auf den Anzeigetafeln ganz einfach bei 90:00 stehen. Schaut man nicht genau in diesem Moment auf die Uhr, verliert man nach einiger Zeit notgedrungen das Gefühl dafür, wie lang noch zu spielen ist. Hätte man also auf der Anzeigetafel anzeigt, wie viele Minuten der 7 schon gespielt wurden, vielleicht hätte man den frühzeitigen Platzsturm verhindern können.

Zusammenfassend: Ein paar Idioten haben am Dienstagabend mit Bengalos und Böllern genervt und vielleicht auch für Gefahr gesorgt. Am Ende des Spiels haben Hunderte harmlose Dummköpfe, die nur feiern wollten, dafür gesorgt, dass Hertha BSC nun Protest einlegen konnte. Die Medien sollten diesen Abend nicht skandalisieren, sie sollten die Szenerie so beschreiben, wie sie war. Und wenn man keinen Journalisten vor Ort hatte, sollte man es vielleicht auch lieber lassen.

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