die liste der listen 2013 – die besten alben des jahres. 43

Die letzte Tradition in diesem Blog lebt weiter: Nachdem die Visions ihre Jahres-Charts diesmal erst Ende Januar veröffentlicht hat, habe ich auch für 2013 die Bestenlisten der Musikmagazine ausgewertet und eine Meta-Liste daraus errechnet: die Liste der Listen mit den besten Alben des Jahres. In die Wertung kamen wie in den letzten Jahren die Bestenlisten der Redaktionen von intro. musikexpress, Rolling Stone, spex, Visions und laut.de – sowie in diesem Jahr zum ersten Mal die von plattentests.de und tonspion.de. Die jeweilige Nummer 1 der Listen bekam von mir 50 Punkte, die jeweilige Nummer 50 einen Punkt.

Bevor ich zur Liste der Listen 2013 komme, hier noch einmal der Überblick über die Sieger der Vorjahre:
2007: Tocotronic – “kapitulation”
2008: Portishead – “third”
2009: Antony & The Johnsons – “the crying light”
2010: Arcade Fire – “the suburbs”
2011: PJ Harvey – “let england shake”
2012: Frank Ocean – “channel orange”

Beinahe hätte 2013 erstmals eine Band zum zweiten Mal die Liste der Listen gewonnen, doch ein 56-Jähriger überzeugte die Kritiker mit seiner Platte so sehr, dass er die Konkurrenz deutlich schlug. Hier ist sie also, die Liste der Listen 2013 – die ich übrigens auch wieder in Form einer Spotify-Playliste angelegt habe:

50. Touché Amoré – …is survived by (49 Punkte)
49. Chvrches – the bones of what you believe (49)
48. Boards of Canada – tomorrow’s harvest (49)
47. A$ap Rocky – long.live.a$ap (50)
46. Boysetsfire – while a nation sleeps (52)
45. Editors – the weight of your love (55)
44. Woodkid – the golden age (56)
43. Babyshambles – sequel to the prequel (59)
42. Goldfrapp – tales of us (61)
41. Daughter – if you leave (64)
40. Lorde – pure heroine (64)
39. Laura Marling – once i was an eagle (65)
38. London Grammar – if you wait (69)
37. Cut Copy – free your mind (69)
36. Jonathan Wilson – fanfare (72)
35. Disclosure – settle (72)
34. Ghostface Killah – twelve reasons to die (73)
33. Pet Shop Boys – electric (75)
32. Foals – holy fire (78)
31. The Knife – shaking the habitual (82)
30. Janelle Monaé – the electric lday (82)
29. Savages – silence yourself (84)
28. Jake Bugg – jake bugg (90)
27. Darkside – psychic (100)
26. Turbostaat – stadt der angst (110)
25. Mount Kimbie – cold spring fault less youth (114)
24. DJ Koze – amygdala (115)
23. Steven Wilson – the raven that refused to sing (and other stories) (115)
22. Jon Hopkins – immunity (115)
21. Eminem – the marshall mathers lp 2 (116)
20. Julia Holter – loud city song (123)
19. Kanye West – yeezus (136)
18. Rhye – woman (137)
17. Prefab Sprout – crimson/red (138)
16. Bill Callahan – dream river (138)
15. Haim – days are gone (148)
14. My Bloody Valentine – mbv (150)
13. Casper – hinterland (154)
12. Tocotronic – wie wir leben wollen (161)
11. King Krule – 6 feet beneath the moon (170)
10. Biffy Clyro – opposites (174)
09. Arctic Monkeys – am (186)
08. The National – trouble will find me (188)
07. Daft Punk – random access memories (205)
06. Vampire Weekend – modern vampires of the city (210)
05. Moderat – ii (213)
04. Queens of the Stone Age – …like clockwork (229)
03. James Blake – overgrown (235)
02. Arcade Fire – reflektor (262)
01. Nick Cave & The Bad Seeds – push the sky away (317)

Das Nick-Cave-Album war gleichzeitig auch das einzige, das sich in allen acht Listen wiederfindet – darunter auf Platz 1 im Rolling Stone und bei laut,.de, sowie auf Platz 2 bei spex und tonspion.de. Das intro setzte Daft Punkt auf Platz 1, der musikexpress Jon Hopkins, spex Vampire Weekend, Visions Queens of the Stone Age, plattentests.de The National und tonspion.de Cut Copy.

the national – “graceless”. 4

Großartig! Und verdammt Joy-Division-ig.

Das Original ist zurück – die deutschen blogcharts leben wieder. 24

Jaja, ich weiß. Konsequenz scheint nicht gerade eine meiner Stärken zu sein. Vor etwas mehr als einem Jahr verkündete ich hier im Blog das offizielle Ende der deutschen blogcharts – und lieferte diverse Argumente. Seitdem vergang bis heute kein Monat, in dem mir nicht diverse Mal das Bedauern über das Ende mitgeteilt wurde. Diesem Druck der Masse beuge ich mich nun – die deutschen blogcharts leben wieder.

Aber im Ernst: Schon bevor ich vor einigen Wochen mit active value die Social-News-Charts 10000 Flies startete, war mir klar, dass als “Abfallprodukt” auch die deutschen blogcharts wieder kommen würden. Dort habe ich im Blog ja auch schon einige Male Leitmedien-Rankings veröffentlicht. Die deutschen blogcharts funktionieren genau so: Ich schaue am Beginn des Monats, welche deutschsprachigen Blogs bei Facebook, Twitter und Google+ die größte Resonanz erzielt haben, wie viele Likes, Shares, Tweets, +1-Klicks, etc. die Blogs also mit ihren Beiträgen eines Monats erreicht haben. Und genau aus diesen Zahlen wird dann das Ranking erstellt.

Die Zahl der Tweets hatte ich ja in der zweiten blogcharts-Phase im Jahr 2011 schon als einen Faktor mit in die Wertung einberechnet. Nun, in der mittlerweile dritten Phase der Charts spielt eben nur noch die Resonanz in den sozialen Netzwerken eine Rolle. Hier werden spannende Inhalte so schnell und oft wie nirgends sonst weiterempfohlen. Die neuen blogcharts sind also ein Gradmesser für die Popularität bei Facebook & Co.

Im Gegensatz zu früher zählen auch nur noch die Zahlen eines einzelnen Monats – dadurch wird sicher mehr Tempo in den Charts sein. Blogs werden schnell nach oben schießen können – und im kommenden Monat als One-Hit-Wonder schon wieder verschwinden. Die ersten drei Monate – ich habe die Daten rückwirkend für die Monate Januar, Februar und März online gestellt – zeigen aber auch, dass viele Blogs in den Charts bleiben, weil sie treue Leser und Weiterempfehler haben.

Mein Dank gilt Axel Krysztofiak von active value, der Website und Backend der neuen blogcharts programmiert hat – und Julia Wildförster von active value für das coole neue Logo.

Ich bin gespannt auf Eure Meinungen!

10.000 Fliegen und ich. 19

Das war also der Tag, an dem ich bei Spiegel Online, Zeit Online und taz.de auftauchte. Wow. Die drei Tage nach dem Launch meines neuesten Projekts sind wie im Fluge vergangen, höchste Zeit auch hier ein paar Worte darüber zu verlieren. Und das zunächst mit einem Danke! Danke! Danke! An alle, die per Twitter, Facebook, Google+, Blog, etc. auf 10000 Flies hingewiesen haben, für das Lob, die Glückwünsche und die Kritik.

10000 Flies heißt es also. Und es ist tatsächlich genau das, was ich beim Ende der deutschen blogcharts vor gut zehn Monaten angedeutet habe. Dass etwas Neues kommen wird. Nun ist der erste Teil des Projekts also online. Charts für die deutschsprachigen Artikel, Blog-Einträge und sonstigen publizistischen Beiträge, die bei Facebook, Twitter und Google+ am besten ankommen, über die am meisten diskutiert wird, die am häufigsten weiter empfohlen werden (alle Details dazu im “Über”-Text auf 10000Flies.de).

Die Idee, die ich damals hatte, wäre nie zum Leben gekommen, wenn ich nicht mit der Agentur active value, die wie ich in Düsseldorf – ca. 200 Meter Luftlinie von mir entfernt – residiert, einen perfekten Partner gefunden hätte, um das Projekt umzusetzen. Als jemand, der zwar Zahlen liebt, sich aber nie darum gekümmert hat, programmieren zu lernen, war ich auf einen solchen Partner angewiesen. Die active-value-Leute waren sofort Feuer und Flamme, haben das Auswertungssystem programmiert, eine sehr schicke, moderne Website gestaltet und auch die Marke erfunden. Ich habe die Quellen recherchiert, die relevant genug für die Charts sind (recherchiere natürlich auch täglich weiter), betreue das Begleitblog des Projekts (das ich Euch sehr ans Herz legen möchte) mit Daten-Analysen und anderem Interessanten und sorge dafür, dass die täglichen Charts korrekt sind und keine Fehler auftauchen.

Zusammen werden wir 10000 Flies nun ausbauen – mit vielen weiteren Features und ein paar Ideen, wie man mit den gewonnenen Erkenntnissen vielleicht auch ein bisschen Geld verdienen kann. In Kürze mehr. Auch an dieser Stelle.

die liste der listen 2012 – die besten alben des jahres. 13

Wie in den vergangenen fünf Jahren habe ich auch diesmal die Bestenlisten der großen deutschen Musikmagazine ausgewertet, um eine gemeinsame Beste-Alben-des-Jahres-Liste zu präsentieren. Mit dabei sind wieder die Zeitschriften intro, musikexpress, Rolling Stone, spex und Visions, dazu das Online-Magazin laut.de. Das jeweils erstplatzierte Album der sechs Einzellisten bekam 50 Punkte, die jeweilige Nummer 2 bekam 49 Punkte usw.

Im Gegensatz zu 2011, als PJ Harvey mit gigantischem Vorsprung gewann, gab es diesmal einen spannenden Kampf um die ersten Plätze. Die ersten vier Platten trennen nur 20 Punkte, die beiden Ersten nur ein einziger Punkt. Bevor ich aber – für sie Spannung in umgekehrter Reihenfolge – die Top 50 verrate, noch der Hinweis auf die Spotify-Playlist, die ich erstmals anbiete: Enthalten sind alle Top-50-Alben mit Ausnahme der Plätze 5 und 42, die ich bei Spotify nicht gefunden habe. Zudem der Hinweis auf die Sieger der vergangenen Jahre (Mit Links zu den Listen der Listen):

2007: Tocotronic – “kapitulation”
2008: Portishead – “third”
2009: Antony & The Johnsons – “the crying light”
2010: Arcade Fire – “the suburbs”
2011: PJ Harvey – “let england shake”

Und hier die Liste der Listen für das aktuelle Jahr 2012:

50. Converge – “all we love we leave behind” (45 Punkte)
49. Kid Kopphausen – “i” (46)
48. …And you will know us by the Trail of Dead – “lost songs” (46)
47. The Shins – “port of morrow” (46)
46. Jeremiah Jae – “raw money raps” (46)
45. Donald Fagen – “sunken condos” (46)
44. John Talabot – “fin” (47)
43. Plan B – “ill manors” (47)
42. Rudi Zygadlo – “tragicomedies” (47)
41. Propagandhi – “failed states” (48)
40. Grimes – “visions” (49)
39. Japandroids – “celebration rock” (54)
38. David Byrne & St. Vincent – “love this giant” (60)
37. Cat Power – “sun” (60)
36. Lee Ranaldo – “between the times and the tides” (61)
35. Michael Kiwanuka – “home again” (61)
34. Soundgarden – “king animal” (64)
33. Beach House – “bloom” (65)
32. Bruce Springsteen – “wrecking ball” (66)
31. Neneh Cherry & The Thing – “the cherry thing” (71)
30. Lana Del Rey – “born to die” (72)
29. Tindersticks – “the something rain” (72)
28. Rufus Wainwright – “out of the game” (73)
27. Kindness – “world, you need a change of mind” (73)
26. Godspeed You! Black Emperor – “‘allelujah! don’t bend! ascend!” (75)
25. Fiona Apple – “the idler wheel is wiser…” (76)
24. Jack White – “blunderbuss” (77)
23. Dinosaur Jr. – “i bet on sky” (79)
22. Bat for Lashes – “the haunted man” (81)
21. Dexys – “one day i’m going to soar” (81)
20. Baroness – “yellow & green” (82)
19. Deftones – “koi no yokan” (82)
18. Pet Shop Boys – “elysium” (82)
17. Ariel Pink’s Haunted Graffiti – “mature themes” (82)
16. Kraftklub – “mit k” (85)
15. Daphni – “jiaolong” (87)
14. Scott Walker – “bish bosch” (90)
13. Kendrick Lamar – “good kid, m.a.a.d. city” (108)
12. Neil Young & Crazy Horse – “psychedelic pill” (113)
11. Dirty Projectors – “swing lo magellan” (118)
10. Django Django – “django django” (118)
09. Bob Dylan – “tempest” (127)
08. Alt-J – “an awesome wave” (130)
07. Chromatics – “kill for love” (131)
06. Hot Chip – “in our heads” (136)
05. Flying Lotus – “until the quiet comes” (155)
04. Tame Impala – “lonerism” (213)
03. The XX – “coexist” (214)
02. Grizzly Bear – “shields” (232)
01. Frank Ocean – “channel orange” (233)

In allen sechs Listen sind übrigens nur die Nummern 3 und 4, also The XX und Tame Impala vertreten. Grizzly Bear fehlt im Rolling Stone, Frank Ocean erwartungsgemäß in der Visions. Ebenfalls interessant: Es gibt sechs Erste, jede Redaktion hat also eine andere Platte zum Album des Jahres gekürt: Das intro The XX, der musikexpress Django Django, der Rolling Stone Bob Dylan, die spex Frank Ocean, die Visions Deftones und laut.de Hot Chip.

[Nachtrag: Die einzelnen Listen findet man meist noch nicht offiziell online, sondern nur in den aktuellen Print-Ausgaben. Es gibt sie aber auch alle zum Nachlesen auf Poplist.de]

popkulturjunkie on tour: the notwist in düsseldorf. 7

Dass ausgerechnet The Notwist mich dazu inspirieren, mal wieder einen Eintrag in dieses gute, alte Blog zu schreiben… Die Band begleitet mich seit vielen Jahren, ungefähr seit dem 1998er-Album “Shrink” und als eine meiner absoluten Lieblingsbands mindestens seit dem 2002er-Meisterwerk “Neon Golden”. Mit “Neon Golden” werde ich immer auch meine Heidelberger Zeit verbinden, da ich das Album damals rauf und runter gehört habe und die Band auch irgendwo im Rhein-Neckar-Delta live gesehen habe – wie im Übrigen auch Martin Gretschmann aka Console.

Als ich erfuhr, dass The Notwist das charmante New-Fall-Festival in der Düsseldorfer Tonhalle eröffnen würden, zögerte ich nicht, mir ein Ticket zu kaufen. Und was ich für mein Geld bekam, war nichts anderes als eins der musikalisch besten Konzerte meines Lebens. Und das sage ich in einer Zeit, in der mich längst nicht mehr jede tolle Band so euphorisch werden lässt wie einst.

Das was das Notwist-Konzert so grandios gemacht hat, ist diese unglaubliche musikalische Qualität der Band. Ich glaube, die einzigen Künstler, die live einen so talentierten, intelligenten Eindruck auf mich gemacht haben, waren Radiohead. Die Songs sind live noch um ein Vielfaches komplexer als die Studio-Aufnahmen – und dennoch passt alles zusammen, jeder Sample, jeder Ton, jedes Detail.

Es macht einfach unheimlichen Spaß, die je nach Song sechs bis neun Musiker auf der Bühne zu beobachten. Sei es der unscheinbare Drummer Andi Haberl, der bei manchem Song zum absoluten Tier wird – oder Martin Gretschmann, der seine Musik teilweise mit zwei Wii-Remotes in den Händen steuert. Und dazu die immer so melancholisch-zerbrechlich wirkende Stimme von Markus Acher. Mir fällt keine andere Band ein, die so viele Stilrichtungen, so viele Ideen in ihre Songs packt. Elektro-Elemente, Pop-Melodien, Jazz-Fragmente und selbst Krautrock-Töne. Und auch wenn einige der legendären Songs wie “Pick up the Phone”, “Pilot” oder “Consequence” vom “Neon Golden”-Album nun schon zehn Jahre alt sind – live wirken sie wie Musik, die nicht moderner sein könnte, die nicht besser in eine Zeit passen könnte, in der Eindrücke, Bilder und Töne in einem Tempo auf uns nieder prasseln wie in keiner Zeit zuvor.

Und dann die Tonhalle. Eine Halle, in der vornehmlich klassische Konzerte stattfinden, nicht nur architektonisch ein Glanzpunkt der Stadt. Das Notwist-Konzert war das erste Rock-Konzert, dass ich hier miterlebt habe – und in mir kamen schon nach wenigen Minuten Gedanken auf, wie “Warum kann nicht jede Konzerthalle einen solchen Klang haben?” oder “Kann ich jetzt überhaupt noch in diese Mehrzweck-Schuppen gehen, in denen der Sound für DSDS-Gewinner vielleicht ausreicht, nicht aber für komplexe Bands wie The Notwist?”.

Ich könnte noch so viele schreiben, aber ich lass es. The Notwist live. Auch 2012 ein Ereignis.

gedanken zum relegations-abend in düsseldorf. 27

Das Thema dreht sich in meinem Kopf schon den ganzen Tag lang, also muss ich meine Gedanken jetzt mal rauslassen. Ich war am Dienstagabend beim Bundesliga-Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC. Die Berichterstattung in vielen Medien ist mir heute so negativ aufgefallen, dass ich einfach mal meine Sicht der Dinge schildern muss. Um das vorweg zu sagen: Es ist die Sicht eines FC-Bayern-Mitglieds mit großen Sympathien für Fortuna Düsseldorf.

Was in mir heute starkes Kopfschütteln ausgelöst hat, ist die Skandalisierung des Geschehens, das Aufputschen, das Angstmachen. Die Rede war von “Fußball-Schande”, immer wieder von “Ausschreitungen” und “Randale”. Wo auch immer die Schreiber das gesehen haben wollen, in Düsseldorf kann es nicht gewesen sein. Um eins klar zu sagen: Ich verabscheue Bengalos und Pyrotechnik in Stadien. Ich möchte in ein paar Jahren, wenn mein kleiner Sohn alt genug ist, mit ihm zum Fußball gehen, ohne Angst zu haben, dass wir von Böllern oder Raketen getroffen werden (wie beispielsweise Fans beim Spiel zwischen Rostock und St. Pauli 2011).

Am Dienstagabend wurde in beiden Fanblöcken Pyrotechnik benutzt, die Hertha-Fans haben dabei Böller und Pyros auf den Rasen geschmissen, dabei sicher auch Verletzungen von Ordnern in Kauf genommen. Mir ist es immer wieder ein Rätsel, wie dieser Sprengstoff mit in Stadien gebracht werden kann, wenn doch jeder kleine Junge beim Einlass abgetastet wird und ich sogar schon erlebt habe, dass ein Fahrradhelm (!) nicht mit ins Stadion genommen werden darf.

Das, über das ich viele heute aber aufregen – und der Grund dafür, dass es nun womöglich ein Wiederholungsspiel geben wird, war eine völlig andere Situation, die nichts mit der Ultra-Szene oder “Chaoten” zu tun hat – es hat sich zudem komplett anders zugetragen, als an vielen Stellen berichtet. Das Stürmen des Platzes von Hunderten Fortuna-Fans war keine Aggression, keine Randale, keine Gewalt, es war einfach nur Dummheit. Mehrere Minuten vor Ende des Spiels postierten sich viele Fans schon an der Seite des Spielfelds, warteten allerdings recht brav hinter den Werbebanden. Offenbar im irrigen Glauben, der Schiedsrichter habe das Spiel abgepfiffen, rannten sie zu Hunderten auf den Platz und lieferten Hertha BSC damit die Vorlage für den Protest.

Das, was ich sah, waren tanzende, jubelnde Fans, viele Pubertierende, sogar kleine Jungs. Niemand, der den Platz gestürmt hatte, war gewaltbereit, die Polizei berichtet heute in einer Pressemitteilung: “So kam es weder vor, während noch nach dem Spiel zu gravierenden körperlichen Auseinandersetzungen oder Gewalt.” Wenn also gewaltbereite Chaoten den Platz gestürmt haben sollen, warum kam es dann nicht zu Gewalt? Und warum verließen sie nach ein paar Minuten wieder freiwillig den Platz und entschuldigten sich unterwürfig bei Fortuna-Spielern, die sie vom Platz scheuchten? Offenbar gab es ja sogar unter den Hertha-Spielern mehr Gewaltbereitschaft als bei den Hunderten Fans auf dem Platz – oder wie anders ist der berichtete Schlag eines Spielers auf den Schiedsrichter sonst zu erklären?

Natürlich habe ich mich extrem geärgert, als die Fans zu früh den Platz stürmten – denn ich habe genau in dieser Sekunde gewusst, dass es zu einer Entscheidung am grünen Tisch kommen würde und die Dummköpfe nicht nur die tolle Saison der Mannschaft gefährden, sondern auch den Fans und einer gesamten nach Erstligafußball hungernden Stadt die Feierlaune versauen. Und nicht nur ich habe mich geärgert: Um mich herum haben Tausende Menschen den Fans auf dem Spielfeld “Und Ihr wollt Fortunen sein?” entgegen geschrien. Und als die Hertha-Spieler später wieder auf den Platz kamen, spendeten ebenfalls Tausende Fortuna-Fans ihnen Beifall.

Dass Hertha BSC nun tatsächlich Protest eingelegt hat, ist sicher legitim, als Fan der Mannschaft würde ich mich allerdings in Grund und Boden schämen, wenn Hertha in einem eventuellen Wiederholungsspiel nun doch noch den Klassenerhalt schaffen sollte. Man hatte 34 plus 2 Spiele Zeit und hat es auf sportlichem Wege nicht geschafft.

Was mich ärgert, ist auch die Art, wie sogar ARD und ZDF auf den Skandalisierungs-Zug aufspringen und Sondersendungen ins Programm nehmen – und das, obwohl auf tagesschau.de so kluge Kommentare wie dieser hier erscheinen. Von Medien wie Bild.de habe ich nichts anderes erwartet, als eine schreiende Zeilen wie “Fußball-Schande”, bei seriösen Medien hätte man den Ball allerdings flach halten müssen. Bei manchem Bericht habe ich ohnehin die Vermutung, dass dort jemand anhand von Fernsehbildern geschrieben hat und nicht als Zeuge im Stadion. Ich selbst habe noch keine ausführlichen TV-Bilder gesehen, wurde aber von mehreren Leuten angesprochen, ob ich bis zum Schluss da gewesen sein, Angst gehabt habe oder mir etwas passiert sei. Offenbar war der Eindruck vor den Fernsehen also ein komplett anderer als der im Stadion. Dass von Hertha-BSC-Seite Worte wie “Todesangst” fallen, empfinde ich als peinlich und als strategisch.

Nochmal zur Klarstellung: Auf Seite von Fortuna Düsseldorf wurden große Fehler gemacht. Vor allem die Sicherheitskontrollen waren offenbar so mies, dass kiloweise Pyrotechnik ins Stadion gebracht werden konnte. Daraus muss der Verein und muss das beauftragte Sicherheits-Unternehmen Konsequenzen ziehen. Einen Sturm des Spielfeldes, wie er (wenn auch meist erst nach dem tatsächlichen Abpfiff) am Saisonende auf Hunderten Plätzen des Landes vorkommt, kann man wohl nicht verhindern. Es sei denn, man möchte jedem Zuschauer einen persönlichen Ordner zur Seite stellen oder wieder hohe Zäune errichten.

Das frühzeitige Stürmen am Dienstagabend hätte man aber womöglich doch verhindern können. In meinem Umfeld fragten sich viele Fans (auch ich): Was? Nur eine Minute Nachspielzeit? Die “7″ war also bei entsprechender Entfernung oder schlechtem Winkel nicht für jeden von einer “1″ unterscheidbar. Warum also blendet man die Nachspielzeit nicht groß auf der Anzeigetafel ein oder sagt sie laut per Stadionsprecher durch? Was noch dazu kommt ist eine Tatsache, die mich in der Düsseldorfer Arena schon des Öfteren genervt hat: Die Spielzeit bleibt auf den Anzeigetafeln ganz einfach bei 90:00 stehen. Schaut man nicht genau in diesem Moment auf die Uhr, verliert man nach einiger Zeit notgedrungen das Gefühl dafür, wie lang noch zu spielen ist. Hätte man also auf der Anzeigetafel anzeigt, wie viele Minuten der 7 schon gespielt wurden, vielleicht hätte man den frühzeitigen Platzsturm verhindern können.

Zusammenfassend: Ein paar Idioten haben am Dienstagabend mit Bengalos und Böllern genervt und vielleicht auch für Gefahr gesorgt. Am Ende des Spiels haben Hunderte harmlose Dummköpfe, die nur feiern wollten, dafür gesorgt, dass Hertha BSC nun Protest einlegen konnte. Die Medien sollten diesen Abend nicht skandalisieren, sie sollten die Szenerie so beschreiben, wie sie war. Und wenn man keinen Journalisten vor Ort hatte, sollte man es vielleicht auch lieber lassen.

chris hülsbeck im interview. 1

Chris Hülsbeck ist vielen, die in den Zeiten des C-64 und/oder Amiga groß geworden sind, ein Begriff. Er ist einer der bekanntesten Game-Soundtrack-Komponisten, von ihm stammt u.a. die Musik zu Klassikern wie “Katakis”, “Giana Sisters” und der “Turrican”-Trilogie. Um eine Edel-Version des “Turrican”-Soundtrack auf den Markt zu bringen, hat er nun die Crowdfunding-Plattform Kickstarter genutzt und schon nach kurzer Zeit rund 100.000 US-Dollar eingesammelt. Für das ZDF-Blog “Hyperland” habe ich das aufgeschrieben und mir die Frage gestellt, ob Hülsbecks Beispiel exemplarisch sein kann. Hülsbeck kommt auch selbst zu Wort, doch für das komplette Interview, das ich mit ihm per Mail geführt habe, war kein Platz. Damit es nicht verloren geht, veröffentliche ich es nun an dieser Stelle:

Als ich ein paar Tage nach Start von Deinem Kickstarter-Projekt erfuhr, war mein Gedanke: Wow, 75.000 Dollar – ein ambitioniertes Ziel. Wie sahen Deine Erwartungen aus? Hast Du daran geglaubt, dass die 75.000 Dollar schon nach so kurzer Zeit erreicht werden können?

Hülsbeck: Das Ziel war ambitioniert, weil ich wirklich gerne ein ganz besonderes Multi-CD-Album erstellen wollte. Hätte ich niedriger angesetzt, dann wäre vielleicht am Ende das Budget fuer die 3-4 CDs nicht möglich gewesen, weil den Fans das Ziel eines ganz besonderen Produkts gefehlt hätte. Ich habe dabei aber auch einiges riskiert, weil ich mich bei wenig Interesse seitens der Fans ganz schön hätte blamieren können.

Wie bist Du überhaupt auf die Idee gekommen, die Turrican-Anthology per Crowdfunding zu finanzieren? Hast Du keine Plattenfirma überzeugen können? Oder wolltest Du einfach ausprobieren, ob sowas heute auch ohne Tonträgerindustrie funktioniert?

Hülsbeck: Ich habe meine Alben schon immer selbst produziert, aber heutzutage und bei der Größe des Projekts wäre eine Eigenfinanzierung einfach nicht möglich gewesen. Dann habe ich letztes Jahr erstmals von Crowdfunding erfahren, als ein Bekannter von mir sein eigenes Album über Kickstarter erfolgreich finanziert hatte. Da wusste ich sofort, dass dies eine Moeglichkeit ist und wahrscheinlich auch die einzige für ein solches Projekt.

Hast Du Informationen darüber, woher Deine Spender stammen? Überwiegend aus Deutschland?

Hülsbeck: Ja, man bekommt detailierte Listen und Statistiken und natürlich kommen die meisten meiner Fans aus Deutschland, aber ich hatte auch Unterstützer aus vielen anderen Ländern, wie zum Beispiel sogar aus Saudi-Arabien.

Du hast den Vorteil, dass Du seit alten C-64er-Zeiten Fans hast, die deine Karriere verfolgt haben und auch heute noch deine Musik lieben. Denkst Du, dass solche Crowdfunding-Projekte nur etwas für Künstler mit einer gewissen Fangemeinde sind? Oder ist die Methode auch etwas für Nachwuchs-Acts?

Hülsbeck: Eine Fangemeinde hilft sicher sehr, um eine Kampagne erfolgreich durchzuführen. Aber es gibt auch kleinere Projekte, die durch ein gutes Konzept und überzeugende Beschreibung Interesse bei der Crowdfunding-Community wecken und erfolgreich verlaufen können. Dabei sollten Newcomer halt nicht gleich nach den Sternen greifen und gute, aber im Rahmen des Budgets liegende Goodies bieten.

In Deutschland tobt derzeit ja ein heftiger Streit um das Urheberrecht in Zeiten des Internets. Die einen sagen, das Urheberrecht müsse mindestens so bleiben wie es ist, wenn nicht sogar verschärft werden und alle, die es im Netz brechen, müssen bestraft werden. Die anderen sagen, es müsse abgeschafft, aber mindestens liberalisiert werden, da es nicht mehr zeitgemäß und durchsetzbar ist. Wie ist Deine Meinung aus der Künstler-Perspektive? Verspürst Du negative Gedanken gegenüber Leuten, die deine Musik z.B. bei Youtube hören, anstatt sie auf CD oder als Download zu kaufen?

Hülsbeck: Für mich als Künstler ist das Urheberrecht durchaus wichtig und ein komplexes Thema. Aber es ist im Zeitalter des Internets veraltet und unflexibel und es sollte nicht so angewendet werden, dass Nutzer automatisch kriminalisiert werden. Hier sind neue und zeitgemäße Gesetze und Regeln gefragt, die dem Urheber einen Schutz bieten und dem Konsumenten die Möglichkeit geben, die Medien möglichst uneingeschränkt zu nutzen.

Du hast zwar den Vorteil, dass Du als Games-Soundtrack-Komponist nicht direkt auf Musik-Verkäufe angewiesen bist, dennoch schadet Games-Piraterie letztlich ja auch Dir, wenn Budgets kleiner werden oder Projekte nicht finanziert werden können. Wie ist Deine Einschätzung für die Zukunft der Unterhaltungsbranche: Lassen sich in Zukunft noch dieselben Beträge mit Games, Musik, Filmen verdienen wie bisher? Bietet das Netz vielleicht sogar eher Chancen als Risiken, wenn die Industrie sich auf die Konsumenten einlässt und ihnen bessere Tools und Dienste anbietet?

Hülsbeck: Ich denke, wenn man den Kunden und Fans einen fairen Deal gibt, dann wird auch weniger raubkopiert. Es ist immer noch ein großer Markt und die Verbindung zwischen Entwicklern und den Fans wird immer direkter, so dass nicht mehr soviel vom Gewinn an Distributoren geht. Somit hat das Internet auch völlig neue Möglichkeiten geschaffen, wie Unterhaltung produziert und an die Endkunden geliefert werden kann.

Zurück zu Deinem Projekt: Du hast inzwischen fast 100.000 US-Dollar eingesammelt und es läuft ja noch ein paar Wochen. Was passiert mit der Summe, die über dem Ziel von 75.000 liegt?

Hülsbeck: Das Album wird jetzt schon sicher um eine weitere CD auf insgesamt 4 Scheiben ergänzt, um den Fans noch mehr Musik aus den Spielen bieten zu können. Damit wird das Projekt dann auch praktisch komplett sein. Falls noch viel mehr Budget zusammen kommen sollte, dann habe ich noch ein paar Ideen im Hinterkopf, wie man das Projekt weiter aufwerten könnte. Profit war nicht der Hintergrund für die Aktion, sondern eine sauber durchfinanzierte Produktion, die aber natürlich auch meine Arbeitszeit entlohnt und ermöglicht, das Projekt genau so zu gestalten, wie ich es mir vorstelle.

Und wie lautet dein Fazit aus der ganzen Aktion? Ist Kickstarter ein Modell, das Du in Zukunft vielleicht auch für weitere Projekte nutzt? Kann es vielleicht sogar ein wichtiges Standbein für dein berufliches Einkommen werden?

Hülsbeck: Ich habe noch ein paar Ideen, was man eventuell in der Art machen könnte, aber im Moment konzentriere ich mich natürlich voll darauf, dieses Projekt so gut wie möglich in dem anvisierten Zeitraum umzusetzen und dann sehen wir weiter. Es war ein grandioses Erlebnis, wie die Fans das Projekt unterstützt haben und ich bin sehr dankbar. Es wäre natürlich klasse, wenn ich nochmal irgendwann die Chance habe so etwas zu machen.

die deutschen blogcharts sind tot. 60

… aber etwas Neues wird kommen. Diejenigen, die sich für die Blogcharts interessiert haben (und das sind auch heute noch immer rund 15.000 Leute pro Monat), werden im Laufe der jüngeren Vergangenheit gemerkt haben, dass es seit September keine Updates mehr gibt. Jetzt ist der Punkt gekommen, an dem ich offiziell den Tod der Blogcharts bekannt geben möchte. Die Entscheidung, zu der ich mich nach all den Jahren, in denen ich sehr viel Spaß mit den Charts hatte, durchgerungen habe, hat diverse Gründe.

Zum Einen habe ich seit gut einem Jahr eine kleine Familie und es macht viel mehr Spaß, Zeit mit meinem kleinen Sohn zu verbringen, als auch noch in meiner Freizeit stundenlang vor Excel zu sitzen, um Statistiken zu erstellen (was ich ja beruflich als Journalist schon exzessiv mache). Natürlich hätte ich die Zeit für die Blogcharts auch aus anderen Projekten nehmen können, aber mir fehlt ganz einfach auch die Lust.

Warum? Das neue Konzept der Blogcharts, von dem ich zunächst sehr überzeugt war, hat im Laufe der Zeit seinen Reiz verloren. Der Faktor Verlinkungen von Blogs untereinander spielt mangels Masse kaum noch eine relevante Rolle, der Faktor Traffic spült vornehmlich suchmaschinenoptimierten Content-Schrott nach oben. Die Liste, die dadurch entstand war vor allem auf den hinteren Rängen ein etwas seltsamer Mix. Wäre die Lösung also, die Blogcharts doch wieder nur auf Basis eines Faktoren, diesmal den Verlinkungen bei Twitter, Facebook, etc, zu errechnen? Vielleicht.

Allerdings sehe ich im Jahr 2012 auch nicht mehr so recht einen Grund, warum man ein solches Ranking für bestimmte Websites erstellen sollte, nur weil sie die Gemeinsamkeit einer ähnlichen technischen Plattform haben. Längst haben sich die Grenzen zwischen Blogs, Magazinen und anderen Inhalte-Websites aufgelöst. Und: Profi-Blogs mit 20-Mann-Redaktionen und einem Inhalte-Ausstoß von 30 oder mehr Texten pro Tag lassen sich doch eher mit Spiegel Online vergleichen als mit einem 1-Personen-Hobby-Blog, in dem vielleicht alle zwei Tage ein Text erscheint. Zudem wird es oftmals nicht leichter, überhaupt einzuordnen, was ein Blog ist und was schon längst ein Magazin.

Ich bastele auf Basis meiner monatlichen Hyperland-Charts, deren Ergebnisse ich immer wieder sehr spannend finde, an neuen Charts – einer Liste mit den deutschsprachigen Internet-Leitmedien. Sie werden tatsächlich auf Basis der Likes, Shares und Tweets bei Facebook und Twitter errechnet, beschränken sich allerdings nicht mehr nur auf Blogs. Alle Seiten mit aktuellen Inhalten, egal ob Nachrichtenangebot, Fach-Website, Blog oder sonstwas, können sich qualifizieren. Wann ich die Liste starte, steht noch nicht endgültig fest, derzeit wird ein Auswertungssystem programmiert. Die Charts werden mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nur ein Teil dessen sein, was mit Hilfe des Auswertungssystems möglich sein wird. Ich sprühe vor Ideen, auf die ich aber momentan noch nicht näher eingehen möchte.

Sobald es etwas Neues zu diesem Projekt zu verkünden gibt, wird es hier in meinem Blog stehen – bis dahin empfehle ich Euch noch ein kleines weiteres neues Projekt aus dem Hause popkulturjunkie: Das Chip-Schokolade-Softdrink-Pizza-Blog snackjunkie.de.

Likes, Tweets & Co.: die 100 meistempfohlenen deutschen Beiträge des Jahres 10

Seit Mai 2011 recherchiere ich für das “Hyperland“-Blog mit recht aufwändigen Analyseverfahren, welche deutschsprachigen publizistischen Beiträge auf den Plattformen Facebook, Twitter und Google+ am häufigsten geliket, gesharet, getwittert, etc. werden. Über welche Themen, Texte oder Videos also am meisten diskutiert wird – welche am meisten an die Follower und Friends weiterempfohlen werden. Heraus kommen Monat für Monat spannende Erkenntnisse über die Befindlichkeiten der Nutzer. Oft schlägt Trash Relevanz, doch immer wieder schaffen es auch sehr relevante, intelligente Beiträge nach ganz vorn. Und: Blogs spielen durchaus ab und zu in der ersten Liga der Mainstream-Medien mit. Am heutigen Dienstag sind bei “Hyperland” die entsprechenden Jahres-Charts erschienen – und da dort kein Platz für ein ausführliches Top-100-Ranking ist, ergänze ich meine Analyse an dieser Stelle einfach mit dieser Liste. Hier sind die 100 publizistischen Beiträge mit den meisten Empfehlungen bei Facebook, Twitter und Google+ des Jahres 2011:

1. Süddeutsche.de: Trojaner-”T-Hemd” legt Neonazis rein (99.790 Likes, Shares, Comments, Tweets, +1s)
2. Zeit Online: Liebe Marie, (79.004)
3. Spiegel Online: Apple, es reicht! (73.363)
4. Der Postillon: Razzia bei kino.to zwingt Millionen User, zwei Minuten nach neuer Streaming-Plattform zu suchen (66.405)
5. Bildblog: Wir Sind Helden wollen nicht für “Bild” werben (56.740)
6. Spiegel Online: Trojaner-T-Shirt überlistet Neonazi-Rockfans (55.379)
7. Bild.de: Hat er das Kind noch immer in seiner Gewalt? (49.811)
8. Bild.de: Er lag tot in seinem Bett: Junge onaniert sich zu Tode (49.570)
9. Spiegel Online: Ermittler verhaften mutmaßliche Betreiber von Raubkopie-Seite (48.836)
10. Bild.de: Guttenberg-Rücktritt – Merkel attackiert seine Gegner (45.115)
11. Der Postillon: Dr. Carlos-Theodore de Bienmontaña (CSU) erhebt Anspruch auf Guttenbergs Nachfolge (38.210)
12. G! – gutjahr’s blog: Facebook: So holst Du Dir Deine Daten (34.860)
13. ARD-Mediathek: ARD-exclusiv: Das System Wiesenhof (34.142)
14. t3n: Facebook: Gesichtserkennung jetzt aktiv, so schaltest du sie ab (33.929)
15. taz.de: Die Weiber denken, sie wären besser (33.188)
16. Bild.de: Razzia gegen illegales Filmportal (33.072)
17. T-Online: Neue gefährliche Spam-Flut auf Facebook (31.355)
18. golem.de: Anonymous will Facebook vernichten (30.710)
19. ARD-Mediathek: Der Pakt mit dem Panda (30.185)
20. BKA: Schwerer sexueller Missbrauch eines Säuglings (29.721)
21. tagesschau.de: Facebook merkt sich, wie seine Nutzer aussehen (29.720)
22. Kobuk!: Wenn die Ukraine Hunde tötet, stirbt bei uns die Wahrheit (29.553)
23. tagesschau.de: Eine ganz einfache Rechnung (29.509)
24. derStandard.at: Nudelsieb auf Führerscheinfoto genehmigt (29.193)
25. Ignant: Dear Blank, please Blank (28.924)
26. Chip Online: Facebook: Wurm zeigt angebliche Profilaufrufe an (26.296)
27. Bild.de: Burger King plant Lieferservice (26.001)
28. Der Postillon: Legendäres Bernsteinzimmer in Keller von Hypo Real Estate aufgetaucht (25.361)
29. Bild.de: Fan ohrfeigt Neuer! (24.868)
30. Frankfurter Allgemeine: „Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat“ (24.791)
31. mdr: Lady Gaga beim Bambi (22.580)
32. Spiegel Online: Burschenschafter streiten über “Ariernachweis” (22.580)
33. Bild.de: Guttenberg spendet sein Gehalt an Familien der toten Soldaten (22.401)
34. Bild.de: Ein Profi-Kampfsportler! – Dieser Räuber hat das falsche Opfer gewählt (22.398)
35. Bild.de: „Big Brother“-Star Cora tot (22.320)
36. Bild.de: Kultfigur und Doku-Soap-Star Horst Günter Ludolf ist tot (22.095)
37. Der Postillon: Mordserie schürt Zweifel an sonst eigentlich sympathischen Nazis (21.869)
38. Zeit Online: Verräterisches Handy (21.338)
39. Welt Online: Klopp beim BVB gefeuert – Jetzt kommt Klinsmann (21.330)
40. Bild.de: Blowjob-Weltrekord nicht geknackt – Lara Love hat den Mund zu voll genommen (20.155)
41. Spiegel Online: Im Namen des Spaghetti-Monsters (19.944)
42. Oldenburger Lokalteil: NPD-Ratsherr eingemauert (19.419)
43. N24: Facebook-Freunde als Linkschleuder (19.314)
44. Der Postillon: Studie: Vier von fünf Killerspiele-Spielern zu fett für Amoklauf (19.228)
45. Spiegel Online: So lief Guttenbergs Rücktritt (19.167)
46. Spiegel Online: Schüler ätzen riesige Phallus-Symbole in Rasen (18.593)
47. Spiegel Online: Japan zittert vor dem Katastrophenreaktor (18.445)
48. Bild.de: Nach „Scheiße“ suchen – Schalke finden (18.390)
49. Spiegel Online: Facebook will Lebensarchiv werden (18.217)
50. Der Postillon: Studie: Abschiebung von Nazis würde Staatskasse um Milliarden entlasten (18.164)
51. Computerbild.de: Facebook: So schützen Sie sich vor dem Stalker-Wurm (17.971)
52. Spiegel Online: “Wenn Frauen Auto fahren, gibt es mehr Homosexualität” (17.966)
53. Frankfurter Allgemeine: Vgl. auch Guttenberg 2009 (17.760)
54. Spiegel Online: Guttenberg will zurücktreten (17.699)
55. Bild.de: Kopfschuss! Osama bin Laden ist tot (17.466)
56. Bildblog: Sprühfarbe ins Feuer (17.110)
57. Bild.de: Virus-Alarm bei Facebook (16.980)
58. T-Online: Hacker-Gruppe Anonymous will Facebook zerstören (16.957)
59. Spiegel Online: Langschläfer aller Länder, erhebt euch! (16.836)
60. NDR/extra3: Junge Liberale – Wenn Kinder ins FDP-Milieu abdriften (16.827)
61. Zeit Online: Was Vorratsdaten über uns verraten (16.769)
62. Spiegel Online: Deutschland trauert um den Meister des Humors (16.617)
63. Spiegel Online: Rätselhafter Drogenfund: Polizei beschlagnahmt 204 Kilo Nazi-Kokain (16.573)
64. ZDF/Aktenzeichen XY: Fahndung nach Kinderschänder (16.476)
65. Bild.de: Magath sofort zu Wolfsburg (16.294)
66. Bild.de: Kino.to-Piraten verhöhnen Ermittler (16.070)
67. Bild.de: Mädchen (6) auf Spielplatz missbraucht (15.813)
68. Netzpolitik.org: Für Bild werben? “Ich glaube, es hackt” (15.802)
69. merkur-online.de: Zeitungs-Zensur: Schüler verklagt den Freistaat (15.439)
70. ka-news.de: Wodka-Tampon: Gefährlicher Trend bei Karlsruher Jugendlichen (15.241)
71. off the record: “Ich glaube, es hackt”: Wie “Wir sind Helden” der Bild und Jung von Matt Saures gibt (15.226)
72. Chip Online: Urteil: Apple darf iPhone nicht mehr verkaufen (15.125)
73. Bild.de: Schalke spielt im Pokalfinale in Pink (15.042)
74. Bild.de: Eisbär Knut tot (14.837)
75. Nicht lustig: Voila! La Metta! (14.646)
76. Nicht lustig: Die Ente bleibt draussen! (14.595)
77. Spiegel Online: US-Spezialkräfte töten Osama Bin Laden (14.566)
78. Focus Online: Computerspiel soll schwul machen… (14.559)
79. Frankfurter Allgemeine: Dieser Ort ist kein Traum (14.477)
80. Spiegel Online: Eisbär Knut ist tot (14.333)
81. Game One: Senf ab: RTL vs. Nerds (14.303)
82. Spiegel Online: Tschüss, liebes Kaninchen (14.183)
83. Bild.de: Student deckt auf, was wirklich mit den Daten passiert (14.133)
84. Bild.de: Tochter hingerichtet – Fahndungsfoto veröffentlicht: Das ist der Killer-Vater (14.056)
85. Bild.de: Oral-Sex ist gefährlicher als Rauchen (13.938)
86. Spiegel Offline: Ring christlich demokratischer Studenten verkackt Flashmob (13.888)
87. Bild.de: Komm, ich zeig dir den Weg zum Fressnapf (13.862)
88. Spiegel Online: Katholische Ärzte wollen Homosexuelle mit Homöopathie kurieren (13.648)
89. Tagesanzeiger: Der rechte Abschied von der Politik (13.481)
90. WinFuture: Neuer Facebook-Wurm: “Wer ruft mein Profil auf” (13.384)
91. Spiegel Online: Schlachtunfall: Schwein ersticht Mann (13.303)
92. NDR/extra3: Klaus erklärt Facebook (13.283)
93. Bild.de: Hunde im Tierheim vergast! (13.224)
94. Welt Online: Katholische Kirche macht mit Pornos ein Vermögen (13.038)
95. Welt Online: Am Freitag soll die Welt untergehen – Ganz sicher (12.902)
96. Frankfurter Allgemeine: Die neun Gemeinplätze des Atomfreunds (12.778)
97. Bild.de: Mittelfußbruch! Kagawa kaputt (12.737)
98. golem.de: Facebook aktiviert automatische Gesichtserkennung (12.704)
99. Express.de: Facebook-Wurm: 700.000 Deutsche gelinkt (12.649)
100. Süddeutsche.de: Brüderle: AKW-Moratorium ist nur Wahlkampf-Taktik (12.551)

Anmerkung: Trotz meiner aufwändigen Recherchen und Analysen kann es sein, dass ein Artikel in der Top 100 fehlt – sollte das jemandem auffallen, bitte ich um Hinweise in den Kommentaren.

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