Archive for September, 2004

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Und um endgültig auf den neuesten Stand in Sachen Charts-Kritiken zu kommen, folgen hier nun die New Entries der deutschen Singlecharts vom 27. September 2004:

92: Donots – “good-bye routine”
Es gab mal eine kurze Zeit, vor einigen Jahren, da mochte ich den Spaß-Rock von den Donots. Lang vorbei, diese Zeit. Und dann dieser Song. Kein so wirklicher Spaß-Rock, sondern ein eher ruhiges Stück. Er hat wirklich leider gar nichts Aufregendes an sich. Keine Melodie, die hängen bleibt, keine spritzigen ideen. Nichts. Und daher nur 1 von 10 Punkten.

89: Velvet Revolver – “fall to pieces”
Was bekommt man, wenn man die Guns’n'Roses mit dem Sänger der Stone Temple Pilots zusammenbringt? Musik, die klingt wie eine Kreuzung aus den Guns’n'Roses und den Stone Temple Pilots. So einfach ist das. Das diese Musik meist gar nicht so übel klingt, ist wohl auf das Talent der Herren zurückzuführen. Und wenn in “fall to pieces” die Gitarre von Slash ertönt, fühlt man sich zurückgebeamt in die Zeit Ende der 80er, Anfang der 90er. Und man hat ein wohliges Gefühl dabei. Wenn Weiland dazu singt, führt einen die Zeitmaschine ein paar Jahre weiter, in die große, unvergessliche Grunge-Zeit mit all der fabelhaften Musik. Eine angenehme Platte haben sie aufgenommen, die Herren. Auch “fall to pieces” ist kein schlechter Song, aber auch nicht das beste Stück von Velvet Revolver. 5 von 10 Punkten.

80: LL Cool J – “headsprung”
Mister Cool J mit einem diser überflüssigen, austauschbaren, verwechselbaren Hip-Hop-Stückchen. War der nicht mal irgendwann kreativer? Heute zumindest nicht mehr. 1 von 10 Punkten.

77: Joss Stone – “you had me”
Frau Stone wurde bekannt durch eine ziemlich nette Cover-Version des White-Stripes-Hits “fell in love with a girl”, den sie in “fell in love with a boy” umwandelte und ihm durch ihren Soul-Gesang ein völlig neues Erscheinungsbild verpasste. Soul ist das, was sie hauptberuflich macht. Und Soul ist nicht so meine Sache. Besser als all diese Hip-Hop-Grütze ist “you had me” allemal. Aber öfter als dieses eine Mal werde ich das Stück trotzdem nicht hören. 2 von 10 Punkten.

71: Juicy Junk – “everybody (sucks)”
Erstens: Wie kann sich eine Band nur Juicy Junk nennen? Hallo? Saftiger Müll? Spitzenname! Respekt! Zweitens: Wieso nennt sich der Sänger Mars, der Gitarrist Sirius und die drei anderen Hanseln doch nur Bernd, Martin und Dirk. Da stimmt doch was nicht im Bandgefüge. Drittens: die Musik. Langatmiger Crossover ohne das gewisse Etwas. Viertens: Wie kommen die denn überhaupt in die Charts? 1 von 10 Punkten.

66: Reim & Bonnie Tyler – “vergiss es (forget it)”
Das Grauen hat zwei neue Gesichter: Matthias Reim und Bonnie Tyler! Frau Tyler hätte vor vielen vielen Jahren sicher nicht daran gedacht, dass sie mal so weit unten ist, dass sie schon Schlager-Platten mit Matthias Reim aufnehmen muss. Ganz schlimm ist dieses Lied. Man weiß gar nicht, ob man 3 Minuten lang lachen oder weinen soll. Weinen vor allem über das Schicksal der Frau Tyler. Ganz klare 0 von 10 Punkten.

57: Vanessa S. – “blah, blah, blah”
Die kleine niedliche Vanessa aus “Deutschland sucht den Superstar”. Ihre Musik klingt ein bisschen so, als wolle sie eine deutsche Jennifer Lopez werden oder sowas. Da muss sie sich aber ein bisschen mehr einfallen lassen als Songs, die “blah, blah, blah” heißen und auch nicht mehr bieten als eben das. 1 von 10 Punkten.

52: The Kelly Family – “streets of love”
Ws ist schlimmer? Dass es die Kelly Family immer noch gibt? Oder dass ihre neue Single mit den Worten “yo. listen up.” beginnt? Ist wohl beides gleich schlimm. Der Song bietet das, was die Kellys unter Rap verstehen und Musik, die jede achtklassige Band in ihrem Proberaum besser hinbekommen hätte. Immerhin: Mittlerweile steigen die Kellys nur noch auf Platz 52 ein und nicht mehr direkt in die Top Ten. 0 von 10 Punkten natürlich für diesen Dreck.

51: Thom. – “principle of joy”
Thomas Hanreich. Ehemaliger Sänger von Vivid, der wohl einzigen guten Band, die meine Heimat Niedersachsen je hervorgebracht hat. Und ja: Mir ist sehr bewusst, dass auch die Guano Apes aus Niedersachsen kommen. Herr Hanreich hat leider wenig Erfolg mit seinem sehr guten Soloalbum gehabt. Nur gut, dass jetzt BMW bzw. die Agentur von BMW einen Song für einen neuen Werbespot von ihm haben wollte. Da verkauft er doch noch ein paar Platten. Und der Song ist auch ziemlich gut. Gute Laune machender Pop. Wer übrigens noch mehr von Thom. hören möchte und sein Album schon besitzt, sollte sich mal die aktuelle Platte von Millenia Nova besorgen. Ganz große Musik! Für “principle of joy” gibt’s solide 7 von 10 Punkten.

49: Natural – “why it hurts”
Sie sterben einfach nicht aus, diese Boybands. Und ihre belanglosen Pop-Nümmerchen ohne Substanz. 1 von 10 Punkten.

45: Ashlee Simpson – “pieces of me”
Musste nach Nervensäge Jessica Simpson nun auch noch die kleine Schwester Ashlee beschließen, eine Musikkarriere machen zu wollen? Und schreibt Adam Green jetzt nach “jessica” auch noch einen Song über Ashlee? Letztlich ist “pieces of me” aber zum Glück nicht ganz so schlimm. So’n bisschen wie Avril Lavigne, bloß schleimiger, noch glatter und noch poppiger. 2 von 10 Punkten.

23: Bryan Adams – “open road”
Oh. Bryan Adams hat einen neuen Song aufgenommen. Bzw. Bryan Adams hat seinen Song wieder mit neuem Text aufgenommen. Denn seine Musik, die klingt doch seit Jahren (gefühlt: Jahrhunderten) immer gleich. Immer gleich schlecht. So auch dieses blöde Liedchen, das nur eins beweist: Über 50-Jährige kaufen noch Platten. Denn wäre der Song sonst auf Platz 23 eingestiegen? Wohl kaum. 1 von 10 Punkten.

20: The Rasmus – “guilty”
Man kann ihren Songs den Ohrwurmfaktor nicht absprechen. “guilty” ist auch wieder so ein Fall, der einfach im Ohr bleibt, auch wenn man es gar nicht will. Denn so richtig cool sind The Rasmus bei Weitem nicht. Stadion-Poprock mit Pseudo-Gothic-Attitüde à la HIM. Aber wie gesagt: Ohrwurmig ist er schon, der Song. Und deswegen mutige 4 von 10 Punkten.

14: Natasha Bedingfield – “these words”
Sie ist die kleine Schwester von Daniel Bedingfield. Den muss man nicht kennen. Sie auch nicht. Aus England kommt sie, war dort hiermit Nummer 1 und klingt ein bisschen Spice-Girls-ig. Ganz okay, das Lied, aber besser auch nicht. 3 von 10 Punkten.

8: Rosenstolz – “willkommen”
Die gehen mir ja mittlerweile gehörig auf den Sack, diese beiden mit ihren angerockten Schlagerliedern. Und natürlich wieder mit Konzert-kompatiblem “Und jetzt bitte alle mitsingen”-Refrain. Ich glaube, das, was für die jetzige Generation von Bausparern Pur ist, wird demnächst durch Rosenstolz abgelöst. Und die besonders “coolen” Bausparer hören bestimmt schon lang Rosenstolz. 1 von 10 Punkten.

2: Rammstein – “amerika”
Was ist bloß aus denen geworden? Die konnte man wirklich mal hören, als sie neu waren. Gleubt mir! Aber jetzt kommt erst ein peinlicher Song über Kannibalismus und dann dieses noch grottigere Stück “we’re all living in Amerika, Amerika ist wunderbar… Nach Afrika kommt Santa Klaus und vor Paris steht Micky Maus”. Kulturkritisch oder sogar politisch soll das womöglich sein und ihren Erfolg in den USA vielleicht noch ausbauen. Ich find’s einfach nur peinlich. 0 von 10 Punkten.

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“Sarah Kuttner – Die Show” reiht sich immer mehr in meinen Abend-Fernseh-Ablauf ein. Oft nette Gäste, noch öfter gute Bands, die auch noch live spielen. 9 ist zwar zu früh für eine solche Sendung, aber die Wiederholung um 0.30 Uhr ist ein fast perfekter Tagesausklang.

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und wenn sie dann noch die Holländer so richtig schön nach Hause schicken…

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ziemlich cool sehen sie heute aus, meine Bayern. So ganz in schwarz…

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“If John Kerry does something to impress me then i’ll vote for him. But it’ll have to be something like fucking a man or taking crack.” (Marilyn Manson)

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Kann bitte jemand endlich das Beamen erfinden? Und zwar das Beamen von Menschen…!

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Was wäre eigentlich passiert, wenn Keane nicht auf die Gitarre verzichtet hätten? Nicht diesen extrem schönen Piano-Pop gemacht hätten? Hmm, machen wir doch mal einen Sprung zurück ins Jahr 2000. Da erschien die erste Keane-Single mit dem Namen “call me what you like”. Mit einem Gitarristen. Bekannt geworden sind sie damals noch nicht. Kein Wunder, denn das was man hört, klingt nach ziemlich mittelmäßigem Indie-Pop. Eben ohne das gewisse Etwas, das heute – ohne Gitarre – da ist. Aber hört selbst!

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Und wenn ich schon dabei bin, viel schlechte Musik zu hören, kann ich eigentlich gleich auch noch mit den New Entries vom 20. September 2004 weitermachen. Hier sind sie:

89: Nick Cave & The Bad Seeds – “nature boy”
Und es fängt ausnahmsweise gleich mal großartig an in den Charts. Herr Cave ist zurück mit einem neuen Doppel-Album. Und die erste Single ist gleich ein absoluter Kracher. Eine tanzbare Cave-Nummer mit nettem Rhythmus und einer grandiosen Melodie, die ziemlich gute Laune macht. Und wenn ich mir den Clip so ansehe, kann ich sogar ein bisschen nachvollziehen, warum die eine oder andere Frau Nick Cave “so sexy” findet ;-) 9 von 10 Punkten für diesen Hit.

83: Christina Stürmer – “vorbei”
Aus den höchsten Popkultur-Höhen in die tiefsten Niederungen: Willkommen bei Christina Stürmer. Wer bei diesem Namen gleich an eine klebrige Schlagersängerin denkt, liegt zwar nicht ganz richtig, aber auch nicht so ganz falsch. Die Dame hat Platz 2 im österreishischen “Superstar”-Clone “Starmania” geholt und belästigt nun auch hierzulande die Gehörgänge. “vorbei” ist ein leicht angerocktes Popnümmerchen, das glücklicherweise auf der einen Seite der Gehörgänge rein- und auf der anderen Seite wieder rausgeht, ohne grundlegende Schäden zu hinterlassen. 1 von 10 Punkten.

81: Faithless – “i want more”
Faithless waren mal ganz ganz groß. Wer schonmal das Vergnügen hatte, möglichst bei Dunkelheit auf einem großen Festival “insomnia” live zu hören, dabei die Augen geschlossen hat und diese Gänsehaut gespürt hat, weiß was ich meine. Die aktuelle Faithless-Platte ist leider etwas sehr langweilig geraten. Die erste Single war okay, diese zweite ist auch okay. Mehr aber leider nicht. 4 von 10 Punkten.

77: Blutengel – “no eternity”
Und nachdem in der letzten Woche L’Ame Immortelle eingestiegen sind, folgen diesmal Blutengel. Was für eine Gothicisierung der deutschen Charts! Stehen bei L’Ame Immortelle allerdings die Gitarren im Vordergrund, sind es bei Blutengel die elektronischen Sounds. In diesem Flal alerdings nicht so viele, da es sich um so etwas wie eine Ballade handelt. Durchaus hörbar, wenn auch keine Übermusik. 4 von 10 Punkten.

70: Lotto King Karl – “keine grenzen – keine zäune”
Wie kommt denn Lotto King Karl wieder in die Charts, hör ich mich fragen, als die ersten Klänge des Songs erklingen. Und stop: Das kenn ich doch irgendwoher! Aus irgendeinem Werbespot! Und tatsächlich: Das ist die schlimme Musik aus dem grottigen Berentzen-Spot! Schlimm. So tief gesunken ist der Herr also mittlerweile, dass er solch peinliche Gutelaune-Musik für Werbespots machen muss. Hab ich Mitleid? Vielleicht ein bisschen. Trotzdem 0 von 10 Punkten.

63: Shifty – “slide along side”
Belangloser Gute-Laune-Sommer-Hip-Hop vom ehemaligen Chef der Band Crazy Town. Zu belanglos, um weitere Worte zu verlieren. 1 von 10 Punkten.

50: Sportfreunde Stiller – “1. Wahl”
Ein typischer Kracher der Gute-Laune-Band, die für mich zum Zu-Hause-Hören mittlerweile nix mehr ist. Live seh ich sie aber immer noch sehr gern, denn da ist ihr Unterhaltungsfaktor fast unschlagbar hoch. 5 von 10 Punkten.

43: B3 – “can’t fight the feeling”
Ach was war das noch schön, als Boybands zwar auch schon schleimige, aber immer noch halbwegs gute Popsongs veröffentlicht haben. Und nicht so ein Von-der-Stange-Zeug wie das hier. Schnell ausmachen, sonst schlaf ich noch ein. 1 von 10 Punkten.

28: Big Brother Allstars – “wie ‘ne family”
Wenn jemand einen Song “wie ‘ne family” nennt, gehört er eigentlich schon geschlagen. Dass der Song von den Blödmännern aus dem Big-Brother-Haus stammt, kann man da auch nicht als Entschuldigung gelten lassen. Und dass dabei der Sister-Sledge-Disco-Knaller “we are family”, der bestimmt heute noch die ein oder andere Dorfdisco zum Glühen bringt, verunstaltet wurde, spricht auch nicht dafür. Vom Klischee-Ossi Heiko und seiner Zeile: “achtung achtung germany, wir sind wie ‘ne family” möchte ich gar nicht erst anfangen. 0 von 10 Punkten für dieses Machwerk.

24: Preluders – “walking on sunshine / call me, beep me”
Das wär doch mal was für den Sommer gewesen, wenn er nicht schon zu Ende wäre. Die hübschen Preluders singen den alten katrina & The Waves-Hit nach. Wenn das Stück nicht im Original schon so nerven würde, wäre das echt mal ne gute Idee gewesen. 3 von 10 Punkten.

5: Die Toten Hosen – “ich bin die sehnsucht in dir”
Für Jungs gab es Ende der 80er, Anfang der 90er ein paar wichtige Fragen zu beantworten, die den Freundeskreis klar aufteilen konnten: Amiga oder Atari? Bayern oder HSV? Ärzte oder Tote Hosen? Für mich immer ein klarer Fall: Ärzte! Zwar hör ich sie heute nicht mehr so wirklich, aber deswegen bin ich noch lang nicht ins Hosen-Lager übergelaufen. Zwar war in der Vergangenheit immer wieder ein Song dabei, der mich aufhorchen ließ und mir Angst machte, auf einmal Die Toten Hosen gutzufinden. Aber dann kam zum richtigen Zeitpunkt wieder einer dieser belanglosen Routinesongs. So auch dieser. Völlig belanglos. 2 von 10 Punkten.

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Ich hoffe, ich kann meine Schreib-und-Update-Krise jetzt mal beenden. Fangen wir an mit ein paar Chart-New-Entry-Kritiken, damit die nicht zu sehr in Vergessenheit geraten. Hier sind erstmal die Neu-Einsteiger der deutschen Single-Charts vom 13. September 2004

98: Bosson – “you opened my eyes”
Typischer Schmalzpop von dem Typen, der uns schon mit “one in a million” beglückt hat. Und diesen ein paar Jahre alten Hit hört man auch in der neuen Single deutlich raus. “you opened my eyes” – “you’re one in a million” – klingt sehr ähnlich, wenn man es hört. Das muss man aber nicht wirklich. Aber so richtig schlimm ist es auch nicht. Zahme 3 von 10 Punkten.

87: “Paps’n'Skar – “mirage/la luna”
Zwei italienische DJs verbergen sich hinter diesem Projekt. Zwei italienische DJs mit der Mission, einen riesigen Sommerhit zu produzieren. In Italien lange Zeit an der Spitze der Charts, hätter er sicher auch in Deutschland gute Chancen dazu gehabt, wenn er ein bisschen früher bekannt geworden wäre. Aber erst im September…? Der Song ist auf jeden Fall typischer Italo-Disco-Kirmes-Pop. Aber definitiv erträglicher als so manches, was da heute noch auf mich zukommt… 2 von 10 Punkten.

86: Helmut Lotti – “two guitars”
Hiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiilllllllllllllllllfffffffffeeeeeeeeeeeee! Der Liebling aller Omis ist in die Charts eingestiegen. Wie konnte das passieren? Ich plädiere für sofortige Rentenkürzungen, damit sich Deutschlands Omis bitte keine CDs mehr kaufen können. Ein ganz schlimm schmalziges UN-ER-TRÄG-LI-CHES operetten-artiges Musikstück von Herrn Lotti. Ganz ganz schlimm. 0 von 10 Punkten.

65: Culcha Candela – “in da city”
Ein sommerliches Hip-Hop-Reggae-Stück mit karibischen Ryhthmen. Die Typen von Culcha Candela kommen wie Seeed aus Berlin. Und Seeed-Fans können sich ja auch dieses Stück mal anhören. Meinen Geschmack trifft dieser Reggae-Kram meist nicht so wirklich und deswegen auch nur 2 von 10 Punkten.

54: Söhne Mannheims – “dein leben/babylon system”
Langweiliges Rumgesinge von “Mannheims Finest”, Herrn Naidoo und seinen Freunden. Muss man nicht machen, solche Platten. Manchmal kommt es mir vor, als würde Herr Naidoo seine wirklich schwachen Songs unter dem Label “Söhne Mannheims” veröffentlichen. Was nicht heißen soll, dass seine Solo-Songs wesentlich besser sind. Dieser hier zumindest taugt gar nix. 1 von 10 Punkten.

53: The Streets – “dry your eyes”
Die erste Streets-Platte war ja vor ein paar Jahren der Mega-Hype. Ich fand sie auch ganz okay. Die erste Single vom neuen Album, “fit but you know it” hat mich dagegen extrem angenervt. Ich hab sie gehasst! Dieses Stück versöhnt mich dann aber doch wieder ein bisschen mit Herrn Skinner. Alle, die bisher dachten, sowas wie melancholischen Rap gäbe es nicht, sollten sich mal “dry your eyes” anhören. Eine wirklich schöne Nummer. Und dennoch: Ich würde so so so gern mal die nicht veröffentlichte Version hören, in der Chris Martin den Chrous singt. Bestimmt noch schöner. Hierfür aber auf jeden Fall 7 von 10 Punkten.

51: Mase – “welcome back”
Ein Rapper aus Harlem, der vor fünf Jahren Schluss gemacht hatte mit Musik, meldet sich zurück. Und nennt sein Comeback-Stück auch noch “welcome back”. Wegen dem lustigen Kinderchor, der den Refrain singt erträglicher als das meiste andere aus dem Genre, aber weit entfernt von “gut”. 2 von 10 Punkten.

48: Houston feat. Chingy, I-20 – “i like that”
Und gleich noch mehr amerikanischer Hip Hop. Wieder so eine Kollaboration von diversesten Typen. Der alte Bekannte Nate Dogg ist auch dabei. Aber was ich mich frage: Wenn sich so viele Leute zusammenfinden, um Musik zu machen: Warum vergessen sie dann die Melodie? Strunz-langweilig ist das. 1 von 10 Punkten.

45: Max Herre – “1ste Liebe”
Herr Herre hatte ja nur einen großen Moment in seinem musikalischen Leben. Den als er mit Freundeskreis den Mega-Hit “anna (immer wenn es regnet)” landete. Neuerdings versucht er sich mit einem neuen Solo-Album. Und nachdem die erste Single schon grottig war, ist auch “1ste liebe” nicht viel besser. Zwar singt seine Frau Joy Denelane mit, aber das rettet das Stück auch nicht. Und dann hab ich auch hier noch eine Frage an alle, die immer so pseudo-cool Ziffern in Wörter einbauen: Seit wann wird die Zahl “1″ mit “Er” übersetzt? Oder heißt der Song etwa “einzste liebe”? Apropos “1″: 1 von 10 Punkten.

44: H-Blockx – “celebrate youth”
Was machen Bands, wenn ihnen nichts mehr einfällt? Sie singen irgendeinen ehemaligen Hit nach und koppeln ihn als Single aus. Nichts gegen Cover-Versionen, aber eine Single daraus machen, lässt immer die Alarmglocken schrillen. Aber bei den H-Blockx ist ohnehin Hopfen und Malz verloren. Die hätten noch in den 90ern ihre Karriere endgültig beenden sollen. Denn irgendwie passen die nicht mehr so richtig in die Gegenwart. Und insofern passt der alte Rick-Springfield-Kracher “celebrate youth” dann doch irgendwie. Der passt nämlich schon gaaaanz lang nicht mehr in die Zeit. 1 von 10 Punkten.

26: L’Ame Immortelle – “5 jahre”
Das musste ja kommen. Nachdem schon diverse angegothicte Bands mit Sängerinnen in die Charts eingestiegen waren (Within Temptation etc.), folgt nun auch L’Ame Immortelle. Das Stück klingt ehrlich gesagt wie ein Rosenstolz-Song mit Metal-Gitarren. Aber es ist halbwegs hörbar. Deswegen 4 von 10 Punkten.

22: Danzel – “pump it up”
Ein New Yorker Disco-Hip-Hop-Typ mit verdammt dicker Hose, der so klingt als hätte er alte Technotronic-Stücke gefrühstückt. Bestimmt auch ein Kracher in deutschen Provinz-Großraum-Zappebuden und deswegen hoch in den Charts. 1 von 10 Punkten.

7: Pur – “halt dich fest”
Womit hab ich das denn verdient? Jetzt sind nach den deutschen Omis (siehe Platz 86) in derselben Woche auch noch Deutschlands Mamis in die Plattenläden gerannt. Und haben die neue Single der Band aller Bausparer und Doppelhaushälften-Käufer erworben. Der schreibt ja auch sooo schöne Texte, der liebenswerte Herr Engler. Nur leider immer irgendwie dieselben. Und leider kann er auch immer noch nicht singen. Also: Neben den Renten der Omis bitte auch die Haushaltsgelder der deutschen Mamis kürzen! 0 von 10 Punkten.

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Ein großartiger Abend liegt hinter mir. Ich war beim ersten Heidelberger Monsters of Spex mit fünf Bands für 14 Euro. Was für ein Preis-/Leistungsverhältnis. Zumal nicht irgendwelche Bands angekündigt waren, sondern Knaller wie Marr, Maritime, Girls in Hawaii und Jens Friebe. Statt dieser 4 Bands waren’s dann aber 5, weil die Maritime-Tour-Support-Band Snailhouse auch noch gespielt hat. Mit denen fing’s dann auch an. Gehört hatte ich zuvor nie etwas von ihnen, aber sie waren ganz okay. Aus Kanada kommen sie und spielen so blues-rockiges Zeug. Wie gesagt: Ganz okay, aber nicht sonderlich aufregend.

Im Anschluss trat dann Jens Friebe auf, dessen “gespenster” wochenlang in meiner Heavy Rotation lief. Ich war dennoch positiv überrascht, da ich etwas skeptisch war, ob seine anderen Songs ähnlich gut sein würden. Waren sie aber. Die Texte zwar immer auf der Kippe zwischen intelligent und pubertär, aber insgesamt ein guter Auftritt mit guter Musik.

Das Highlight des Abends sollte dann folgen: Die belgische Band Girls in Hawaii. 6 Leute auf der Bühne, die schwer zu beschreibende Musik machen. Extrem intelligent komponierte Songs, deren Verlauf nicht vorhersehbar ist, die massenweise Überraschungen bieten und die von Stimmungen, Atmosphäre und fabelhaften Melodien leben. Mal wunderschön ruhig und langsam, mal krachig laut. Aber immer gut. Für den Höhepunkt sorgte Sänger Antoine, als er zur Zugabe allein auf die Bühne zurückkam, das Mikrofon zur Seite stellte, sich ganz nach vorn auf die Bühne stellte und ohne Mikro, dafür aber mit einer Akustikgitarre ein wunderschönes Lied zum besten gab. Gänsehaut pur und Begeisterungsstürme für Girls in Hawaii im Karlstorbahnhof.

Auch das was nun folgte, kann unter “großartig” abgebucht werden: der Auftritt von Maritime, der Band, deren brillantes Indiepop-Album “glass floor” (unbedingt kaufen!) bei Grand Hotel Van Cleef erschienen ist. Und dieser Auftritt war sehr speziell. Denn: Sänger Davey von Bohlen ist heute Vater geworden. Und daher in die USA zurückgeflogen. Also half der Sänger der Band Snailhouse aus, studierte am Nachmittag sechs Maritime-Songs ein und verhalf dem Publikum dadurch doch noch zu einem kleinen Maritime-Auftritt mit Hits wie “james” und “sleep around”. Übrigens spielte der eigentliche Keyboarder der Band für von Bohlen auch noch Gitarre statt Keyboard. Ein sehr spezieller, aber toller Auftritt also.

Beschlossen wurde der Abend dann von Marr. Der Band, die zur Hälfte aus Tomte-Mitgliedern besteht und die krachigen, progressiven Rock spielt. Schon oft hatte ich Artikel gelesen, in denen sich über die Stimme des Sängers beschwert wurde. So richtig nachvollziehen konnte ich das immer nicht, auf der Platte störte mich die Stimme nicht. Aber live ist nunmal live. Und leider hat mich der Sänger heute tatsächlich extrem angenervt. Zu seinem nicht sonderlichen Live-Talent kam auch noch eine hyperaktive Hippeligkeit, sodass ich nach etwa der Hälfte des Marr-Konzertes lieber nach Hause fuhr. War ja auch genug tolle Musik für einen Abend. Schade bloß, dass ich diesen Abend allein verbringen musste. Warum werden solche Veranstaltungen auch auf einen Dienstag gelegt und nicht auf einen Wochenend-Tag? Aber ein Trost bleibt: All diese tollen Konzerte in der nächsten Zeit – Blumfeld, Keane, Kante, Sophia, Nick Cave – all diese Konzerte werde ich nicht allein erleben – und schon deswegen werden sie allesamt bestimmt wunderschön und aufregend und unvergesslich.

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