Archive for March, 2005

2,6 gigabyte musik. 3

Das South-by-Southwest-Festival ist zwar schon zu Ende, aber es gibt eine Tatsache, die noch berichtenswert ist. Die 10 Tage lange Veranstaltung in Austin, Texas gehört zum größten, was die Musikwelt zu bieten hat. Über 1.000 Bands und Künstler treten überall in der Region auf, vornehmlich aufstrebende Acts aus den USA und Großbritannien. Auf der Website des Festivals stehen sage und schreibe 750 legale mp3s der Bands zur Verfügung, die hier zusammengesammelt wurden. Von bekannteren Künstlern wie Ash, Graham Coxon oder Bloc Party bis hin zu Hunderten aufstrebenden Acts. Wer keine Lust hat, die vielen mp3s einzeln herunterzuladen, sollte auf diesen Link klicken. Dort gibt es eine Torrent-Datei, mit der man alle 750 Stücke in einer 2,6 Gigabyte großen Datei bekommen kann. Diese musikalische Entdeckungsreise dürfte für die nächsten Wochen reichen.

trent reznor. 3

Eben gab es bei MTV die Premiere des neuen Nine-Inch-Nails-Clips “the hand that feeds”. Ist ja wirklich ein ziemlich poppiger Song, den Herr Reznor da komponiert hat. Gefällt mir ausgesprochen gut.

charts (2005-03-21). 7

Alles neu in meiner kleinen Charts-Kolumne. Ab sofort gibt’s zu jedem New Entry, sofern verfügbar, einen Link zum Video. Damit sich jeder ein eigenes Bild vom Song machen kann, wenn er will. Außerdem gibt’s am Ende der Kolumne noch die jeweilige Top 5 der Charts und ein paar Singles, die ebenfalls erschienen sind, aber den Sprung in die Charts nicht geschafft haben. Ladies and Gentlemen, hier sind die Neu-Einsteiger der deutschen Singlecharts vom 21. März 2005:

78: Jess – “du bist wie ich” / Video

Wie traurig. Erst eine Top-Karriere mit den No Angels und dann der Niedergang. Ein neuer Job beim Unter-Unter-Unterschichtenfernsehen 9Live und jetzt steigt die neue Solo-Single auch nur auf Platz 78 der Charts ein. Da helfen auch neue Brüste, der Sprung auf den Deutsch-Pop-Zug und eine Zusammenarbeit mit Jazz-Künstler Till Brönner nichts. Warum, merkt man allerdings schon nach den ersten Takten des Songs. Ohne die No Angels hätte Frau Wahls nämlich wohl nie Karriere gemacht. Ihre Stimme ist zu piepsig, klingt beinahe nach Annett Louisan. Der Song selbst ist eine soulig-jazzige Nummer, die letztlich ganz okay klingen würde, wenn sie jemand anderes singen würde. 2 von 10 Punkten.

75: Paris Avenue feat. Robin One – “i want you” / Video

Paris Avenue sind zwei belgische DJs und Produzenten namens Danny Corten und Mark Carpentier. Dieser Song ist anscheinend eine Kopie eines Tracks des Projekts Filur, die zeitgleich erschienen ist, aber nicht den Sprung in die Charts geschafft hat. Gibt’s in der Dancemusic-Branche ja oft, solche Kopierereien. Wie auch immer, “i want you” ist ein House-Track im Stile von Eric Prydz und anderen. Recht hörbar und definitiv Großraum-Disco-kompatibel. 5 von 10 Punkten.

73: Ana Johnsson – “coz i can” / Video

Die vierte Single aus Ana Johnssons Debüt-Album “the way i am”. Bekannt geworden ist sie durch ihren Beitrag zum “Spiderman 2″-Soundtrack. “coz i can” klingt so wie die anderen Ana-Johnsson-Songs auch. Mainstreamiger Poprock zwischen Jeanette Biedermann und Avril Lavigne. Der Schluss des Stücks ist sehr nett, klingt etwas nach Spieluhr. Insgesamt relativ hörbare Musik. 4 von 10 Punkten.

65: Queens of the Stone Age – “little sister” / Video

Die Queens of the Stone Age sind wieder da. Das neue Album “lullabies to paralyze” ist inzwischen auch erschienen und die Single “little sister” ist sensationellerweise in die Single-Charts eingestiegen. Sicher liegt’s auch an der Heavy Rotation des Videos auf MTV & Co. Der Rausschmiss von Bassist Nick Olivieri hat der Band relativ wenig geschadet, der Sound ist nicht verloren gegangen. Ich jedenfalls werde mich bis an mein Lebensende an eines der coolsten Konzerte meines Lebens erinnern, damals beim Southside-Festival mit Dave Grohl an den Drums. Für “little sister”, allerfeinsten Midtempo-Stoner-Rock, gibt’s 8 von 10 Punkten.

54: Billy Idol – “scream” / Video

Oh mein Gott. Opa Idol, gefühlte 200 Jahre alt ist wieder da. Er sieht inzwischen aus, als würde er Hauptfigur in einem Zombiefilm sein. Aber rocken kann er noch, der alte Mann. Setzt da wieder an, wo er damals in den 80ern aufgehört hat. Leider hat er sich aber seitdem auch kein bisschen weiterentwickelt, macht immer noch dieselbe inzwischen ziemlich altbackene Rockmusik für Biker-Kneipen. Für seine erste Charts-Platzierung seit 15 Jahren hat es zwar gereicht, von mir gibt’s aber nur 2 von 10 Punkten.

48: Die Fantastischen Vier – “geboren” / Video

Die dritte Single vom Platin-Album “viel”. Ein Hit wird sie nicht werden, denn sie klingt so gar nicht ohrwurmig und eigentlich ziemlich außergewöhnlich für Die Fantastischen Vier. Ziemlich groovig, funkig und weibliche Vocals im Refrain. Eine mutige Entscheidung also, das schwerfällige Stück als Single zu veröffentlichen. Mit der Zeit entwickelt es zwar einen gewissen Charme, doch lang erinnern wird man sich daran. 3 von 10 Punkten.

34: Die Toten Hosen – “alles wird vorübergehen” / Video

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. Oder auch “alles wird vorübergehen”. Die neue Single der Toten Hosen. Dass ich die Band nicht mag, ist kein Geheimnis. Doch diese neue Single, die mittlerweile dritte vom Platin-Album “zurück zum glück” ist gar nicht mal so schlecht. Auch wenn die ersten Gitarrenklänge ein bisschen nach den Scorpions klingen, die eigentlich eher in den Herbst passende Melancholie des Songs ist wirklich angenehm. Der Text versprüht natürlich die bei den Toten Hosen immer latent mitschwebende Peinlichkeit, aber von mir gibt’s trotzdem rekordverdächtige 7 von 10 Punkten.

31: Usher – “caught up” / Video

Noch eine Usher-Single aus dem “confessions”-Album. Die vierte mittlerweile. In den USA hat es “caught up” bis auf Platz 8 geschafft, in England bis auf Rang 9. In Deutschland wird das schwer sein, zumal der Song nichts anderes bietet als den üblichen Usher-Sound. Dass er eine tolle Stimme hat, möchte ich gar nicht bestreiten, aber auf Dauer langweilt sein Zeug nunmal zutiefst. 2 von 10 Punkten.

29: Anastacia – “heavy on my heart” / Video

Ebenfalls die vierte Single aus dem mittlerweile ein Jahr alten Album “anastacia”, das in Deutschland schon viermal Platin erreicht hat. Da wird ein kommerzieller Erfolg bis zum letzten ausgeschlachtet. Und die Fans machen mit und kaufen jeden Rotz. Während “left outside alone” und “sick and tired” aber bis auf Platz 2 geklettert sind, schafft die klebrige Ballade “heavy on my heart” nichts ähnliches. Frau Anastacia schmalzt mit ihrer aufdringlichen Stimme eine Ballade, die in künftigen “Deutschland sucht den Superstar”-Staffeln sicher gern nachgesungen wird, aber letztlich ziemlich nervt. 2 von 10 Punkten.

27: Sascha S – “geiles jahr” / Video nicht verfügbar

Das war wohl leider nicht zu verhindern. “Big Brother”-Gewinner und Schwiegermamas Liebling Sascha S wurde schnell ins Studio gefahren, um ein paar vorgefertigte Textbausteine zu “singen”. “das war ein geiles jahr, das war ne geile zeit. und keine sekunde hab’ ich bereut.” Tja, so denkt er jetzt. Aber wenn er sich diesen Dreck in ein paar Jahren noch einmal anhört, wird er sich schämen. Schämen sollten sich übrigens auch alle, die sich sowas kaufen und über 12 Jahre alt sind. 0 von 10 Punkten.

23: U2 – “sometimes you can’t make it on your own” / Video

Als “vertigo” erschien, die erste Single aus dem “how to dismantle…”-Album, dachte ich schon, ich muss meine negative Meinung zu U2 noch einmal überdenken. Das Album war dann aber sehr mau und ich konnte bei meiner Meinung bleiben. Die neue Single “sometimes you can’t make it on your own” gehört zu den wenigen besseren Stücken der Platte, ist ein ruhiges, leider aber zu langes und daher etwas langweiliges Stück. Sonst hätte es vielleicht auch noch zu mehr Punkten gereicht als zu den 6 von 10 Punkten.

22: Scooter – “suavemente” / Video nicht verfügbar

Sehr skuril, auf welche Idee die Herren von Scooter da wieder gekommen sind. “suavemente” verbindet die üblichen Proll-Gebrüll-Techno-Beats mit seltsamen Latino-Rhythmen von Elvis Crespo. Viel erschreckender als dieser platte Track ist aber die Tatsache, dass “suavemente” die 30. (!) Chart-Single von Scooter ist. Sollte es bei der höchsten Platzierung 22 bleiben, ist sie allerdings auch die fünftschlechteste der Scooter-Charts-Historie. Geht da eine Karriere doch langsam zu Ende? Zu hoffen wäre es. 1 von 10 Punkten.

18: Gwen Stefani feat. Eve – “rich girl” / Video

Immer wieder erstaunlich, wo sich Leute bedienen, um einen Hit zu produzieren. Die Zeile “if i was a rich girl” stammt aus dem Musical “anatevka”, das auf dem Gwen-Stefani-Umweg nun auch den Weg in Deutschlands Jugendzimmer findet. Mit an Frau Stefanis Seite ist wieder Eve, mit der sie 2001 schon die Hitsingle “let me blow ya mind” aufgenommen hat. Herausgekommen ist ein Stück massentaugliche Disco-Musik. Eves Raps fallen nicht weiter ins Gewicht. Meine Meinung zu Gwen Stefani hat sich durch “rich girl” eher noch verstärkt, der Song nervt, nervt und nervt. 2 von 10 Punkten.

13: Farin Urlaub – “dusche” / Video

Als wäre es von langer Hand geplant, erscheint Farin Urlaubs neue Single genau in derselben Woche wie die neue Tote-Hosen-Single. Und wieder geht der Punksieg an Die Ärzte bzw. Farin Urlaub. “dusche” ist die erste Single vom Ende März erscheinenden Album “am ende der sonne”. Und wieder klingt Urlaubs Solo-Musik etwas erwachsener als die der Ärzte. Der Text ist eine lustige Geschichte einer Rebellion von Haushaltsgegenständen gegen Farin. Einziger Verbündeter in seinem Kampf ist die Dusche. Sehr seltsam, aber durchaus amüsant. Den Song durchströmt musikalisch eine gewisse Düsterheit, besonders gelungen sind die letzten 45 Sekunden, in denen Streicher dominieren. Glasklare 7 von 10 Punkten.

12: Alexander / Sabrina Weckerlin – “all (i ever want) / alles” / Video

Da ist er ja wieder. Beinahe hab ich ihn schon vermisst, den Schlagersänger und von RTL ernannten “Superstar”. Die logische Konsequenz seiner bisherigen “Karriere”: Jetzt singt er schon Musical-Titelsongs. Und schafft auch damit nicht mehr die Top Ten. “alles” entstammt dem im April startenden Musical “3 Musketiere”. Wer sich fragt, wer denn bitteschön Sabrina Weckerlin ist: die Hauptdarstellerin des erwähnten Musicals. Irgendwie passt das Stück auch ziemlich gut zu so einem blöden Musketiere-Musical. Klingt wie der Schmalz, den Bryan Adams damals für den Hollywood-Film komponiert hat, nur noch schlimmer. 1 von 10 Punkten.

1: Sarah Connor – “from zero to hero” / Video

Schon ein Phönomen, diese Sarah Connor. Man muss sie wohl wirklich als einen der wenigen wirklichen deutschen Stars der Gegenwart bezeichnen. “from zero to hero” ist Connors vierter Nummer-1-Hit am Stück und hat sogar Nenas “verliebt in berlin”-Titelsong “liebe ist” verdrängt. “from hero to zero” ist keines der üblichen Schleim-Stücke, sondern ein Disco-Kracher. In Deutschland ist der Track gleichzeitig Titelsong des Films “robots”. Zum Erfolg dürfte diese Tatsache allerdings wenig beigetragen haben, denn “robots” ist eher mittelmäßig gestartet. Eine kompositorische Offenbarung ist “from zero to hero” selbstverständlich nicht, bedient er sich doch zudem in einigen Passagen am Eurythmics-Klassiker “sweet dreams”, aber ein hörbarer Popsong ist er allemal. 4 von 10 Punkten.

Die Top 5 vom 21. März 2005:
1 (-) Sarah Connor – “from zero to hero”
2 (1) Nena – “liebe ist”
3 (3) Fettes Brot – “emanuela”
4 (2) Schnappi – “schnappi, das kleine krokodil”
5 (4) Yvonne Catterfeld – “glaub an mich”

Ebenfalls erschienen, aber gefloppt:
- Allee der Kosmonauten – “dein lied”
- Deichkind – “electric superdance band”
- Königwerq – “unschlagbar
- LCD Soundsystem – “daft punk is playing at my house”
- Mundstuhl – “wenn’s arscherl brummt”
- Nicole Süßmilch & Marco Matias – “a miracle of love”
- Orange Blue – “a million teardrops”
- Stereophonics – “dakota”

hit. 1

Hier kann man sich übrigens ganz legal von der Warner-Brothers-Website “goodnight goodnight” von Hot Hot Heat runterladen. Und das sollte man unbedingt tun.

gorleben ist überall. 3

Bevor sich endgültig alle Medien bis mitten rein in den Mainstream auf Madsen stürzen und ein kleiner Kettcar-Effekt entsteht – Thees Uhlmann hat schließlich schon zu Protokoll gegeben, die Band habe das beste Debüt-Album hingelegt, das er kenne – muss ich unbedingt noch ein paar Zeilen über die Band schreiben. Und warum? Weil die Songs, die bisher veröffentlicht wurden einfach großartig sind. “die perfektion” und “vielleicht” gehören auf jeden Fall zur besten deutschsprachigen Musik der vergangenen Monate, wenn nicht Jahre. Auch wenn Madsen so klingen, als kämen sie aus Hamburg, stammen sie aus meiner niedersächsischen Heimat, dort her, wo sonst nur Castor-Transporte und Demonstranten hinfahren – aus Gorleben. Das Album soll Ende Mai erscheinen, die Single “die perfektion” ist seit dem 21. März im Handel und ich würde mich nicht wundern, wenn sie in die Charts einsteigt. Schließlich läuft der Clip, den man sich im Übrigen auf der Website der Band ansehen kann, schon seit Wochen auf ziemlich heavier Rotation auf den Musiksendern.

ostergeschenk (2). 4

Um dem einen oder anderen die Wartezeit auf zwei sicher großartige Alben zu verkürzen, gibt’s hier mal wieder drei mp3s. Die Alben, die ich meine sind die von Coldplay und Razorlight, die beide erst in viel zu vielen Wochen/Monaten erscheinen. Dass Coldplay gerne mal eine Coverversionen auf Live-Konzerten spielen, habe ich an anderer Stelle schonmal erwähnt. Zwei, die ich neu entdeckt habe, sind diese hier:

Coldplay covern “here comes the sun” von den Beatles.
Coldplay covern “lips like sugar” von Echo & The Bunnymen.

Razorlight haben in einer BBC-Radioshow folgende sehr lustige Coverversion gespielt:

Razorlight covern “hey ya!” von Outkast.

Die mp3s werden in ein paar Tagen wieder gelöscht, also schnell sein…

(Update: Du bist zu spät – die Links sind wieder entfernt.)

ostergeschenk. 5

Wer wissen will, was ich tagsüber so mache und schreibe, kann das über Ostern übrigens völlig kostenlos und in aller Ausführlichkeit tun. Der Relaunch von kress.de wurde zum Anlass genommen, das Angebot bis Dienstag für alle freizuschalten. Und wenn ihr links auf “archiv” klickt und dann auf “Blättern Sie in alten Ausgaben des kressreports.”, könnt ihr sogar die aktuellen sieben Ausgaben des “kressreports”, für den ich hauptsächlich schreibe, als pdf runterladen. Nach Dienstag kostet das alles natürlich wieder eine Stange Geld.

ein abend im zdf. 6

Dieser Text könnte auch die Überschrift haben “Warum ich froh bin, dass es die ARD gibt” oder “Warum ich einen Teil der Gebührendiskussion nachvollziehen kann” oder auch “Warum das ZDF redundant geworden ist”.

Der große Hype und die Thematik der neuen Serie hatten mich neugierig gemacht. Nicht nur aus beruflichen Gründen durfte ich mir “Kanzleramt” nicht entgehen lassen. Hatte das ZDF wirklich eine gelungene deutsche Variante der US-Serie “West Wing” produziert? Um es vorweg zu nehmen, ich blieb hängen, im ZDF. Wollte mir mal wieder ein Bild machen, was in Mainz so unter öffentlich-rechtlichem Fernsehen verstanden wird. Hier ist mein Bericht.

20:15 Uhr. “Kanzleramt”. Kommissar Ballauf aus den WDR-”Tatorten” als Bundeskanzler, Kommissar Castorff aus den NDR-”Tatorten” als Kanzleramtsleiter und die Lebensgefährtin von Kommissar Bienzle aus den SWR-”Tatorten” als Büroleiter des Kanzlers. Allesamt eigentlich gute Schauspieler. Und dennoch war diese “Kanzleramt”-Premiere eine ziemliche Enttäuschung. Alles so weichgespült, realitätsfremd und menschelnd. Wo bitteschön ist der Unterschied zwischen einer Serie wie “girl friends” und dem “Kanzleramt”? Wäre es irgendjemandem aufgefallen, wenn der Bundeskanzler in dieser Serie stattdessen ein Hotel geleitet hätte? Oder ein charmanter Rechtsanwalt gewesen wäre? Mission “Wir adaptieren ‘West Wing’” gescheitert.

21.00 Uhr: “ZDF.reporter”
Was zur Hölle ist das? Ein ZDF-Prime-Time-Magazin, in denen Themen behandelt werden, die RTL II alle Ehre machen würden? “Harter Drill für harte Kerle – Junge Straftäter im Erziehungscamp”, “Abzocke bei Kaffeefahrten – Wie Rentner reingelegt werden” “Sicherheitsrisiko Schrottlaster – Gefährliche Lastwagen auf den Straßen” und “Haus unter dem Hammer – Endstation Zwangsversteigerung”. Das alles moderiert vom peinlichen Norbert Lehmann.

21.45 Uhr: “heute-journal”
Als gäbe es keinen besseren Audience Flow beginnt das “heute-journal” dort, wo die “ZDF.reporter” aufgehört haben. Sagenhafte zehn Minuten zum Thema Wachkoma. Von “RTL aktuell” hätte ich zu Beginn einer Nachrichtensendung durchaus einen Bericht erwartet, der eine ehemalige Koma-Patientin zeigt, die nach drei Jahren wieder aufgewacht ist, aber hier? Das Thema Relevanz ist dem ZDF anscheinend völlig abhanden gekommen.

22.15 Uhr: “Abenteuer Wissen”
Wolf von Lojewski zeigt in Guido-Knopp-Manier Berichtchen über Bunker aus dem dritten Reich. Halbwegs interessant, aber in Schnipsel-Journalismus-Manier mit gelackter Optik nicht sehr erträglich.

22.45 Uhr: “Tödliche Geschwindigkeit”
Habe ich mir dann lieber erspart. Elf Jahre alte Actionreißer mit Charlie Sheen, die ich allenfalls in der Pubertät mochte, halte ich für völlige Zeitverschwendung.

Und die Moral von der Geschicht’? Was bezweckt das ZDF mit einem solchen Programm? Will man die Diskussion um Anbiederung der Öffentlich-Rechtlichen an die Privaten anheizen? Weitere Gebührendiskussionen provozieren? Warum überlässt man nicht einfach die Produktion von hocklassigen Serien den Amerikanern, die Herstellung von aktuellen Magazinen und Nachrichten der ARD und das Abspielen alter Actionfilme RTL II? Gebührenfinanziertes Unterschichtenfernsehen. Relevante Themen laufen ja bei Phoenix und die Kultur überlässt man halt arte und 3sat. Wenn das ZDF so weitermacht, wird seine Zielgruppe weiter aussterben und der Sender wird in etwa zehn Jahren endgültig zum Minderheitenkanal geworden sein.

top-journalismus. 7

Ich habe von einer Zeitschrift wie “Joy” wirklich keine glanzvollen journalistischen Großtaten erwartet. Was ich da in der aktuellen Ausgabe aufgeschnappt habe, macht mich allerdings ziemlich wütend. Stehen da doch auf Seite 38 ein paar Sätze zum neuen Coldplay-Album: “Die Mission ist geglückt, auf dem neuen Album peppt die Band ihre typischen Melancholie-Ohrwürmer mit 70er-Jahre-Sound und Elektronik auf, verneigt sich hörbar vor David Bowie und Tüftler Brian Eno. Den Song “talk” schnitze Chris sogar aus einem Riff der deutschen Minimalisten Kraftwerk. Coldplay klingen nicht mehr nur britisch-beschaulich, sondern knackig, modern und frisch.”

So weit so gut. Wer auf dem aktuellen Stand in Sachen Coldplay ist, weiß, dass das Album, dessen Titel inzwischen übrigens als “x&y” festzustehen scheint, im Juni erscheint. Kein einziger Pressevertreter hat es bisher gehört, auch nicht der “NME”. Die englische Musik-Bibel hat bislang ganze sechs Tracks zu Hören bekommen. Und was hat sie darüber geschrieben? Folgendes: “NME.COM heard six tracks – ‘Square One’, ‘Talk’, ‘Till Kingdom Come’, ‘X&Y’, ‘What If’ and ‘The Hardest Part’. The material shows a huge progression from the classic Coldplay sound, mixing their trademark anthems with ’70s electronica. David Bowie, Bob Dylan and Brian Eno are all influences, while ‘Talk’ features the riff from Kraftwerk’s ‘Computer Love’.”

Mit anderen Worten: Das Frauen-Blättchen “Joy” hat keineswegs, wie suggeriert wird, das Coldplay-Album bereits gehört, sondern plump ein paar Sätze des “NME” abgeschrieben, natürlich ohne Quellenangabe. Zum Kotzen.

vorläufiges amtliches endergebnis. 7

Unglaubliches Ergebnis des Hypes: Kettcars neue Platte “von spatzen und tauben, dächern und händen” ist auf Platz 5 der deutschen Albumcharts eingestiegen!

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