Archive for September, 2007

deutscher fernsehpreis 2007. 8

Zum Livebloggen hatte ich keine Lust, aber dennoch will ich ein paar Worte zur diesjährigen Fernsehpreis-Verleihung verlieren. Wegen eines Mannes war ich schon recht froh, in diesem Jahr nicht live im Coloneum gewesen zu sein: Marco Schreyl. Ich hätte wahrscheinlich für einen Eklat gesorgt, wenn ich mitten während der Show im Saal aufgestanden wäre, um laut zu brüllen: “Es reicht, Schreyl, Du kannst das nicht! Geh weg!”. Selten habe ich bei einer Showmoderation so viele Fremdschäm-Momente und so viel Peinlichkeit erlebt. Schreyl war nicht ein einziges Mal witzig oder wenigstens amüsant. Auch die meisten Laudatoren waren eher langweilig. Die beiden großen Ausnahmen für mich – überraschenderweise – Oliver Pocher und – wenig überraschend – Kurt Krömer. Bei den Preisträgern hätte es eindeutig schlimmer kommen können. In den meisten Kategorien zeichnete die Jury die Sendungen aus, die auch meiner Meinung nach den Preis verdient hatten. Werfen wir einen Blick darauf:

Bester Fernsehfilm/Mehrteiler: “Rose” (ARD)
Ich habe den Film nicht gesehen, finde es aber sehr lobenswert, dass die Jury nicht den vorhersehbaren Weg gegangen ist, den Schmonz “Die Flucht” auszuzeichnen, sondern einen kleinen Film.

Beste Serie: “KDD – Kriminaldauerdienst” (ZDF)
Sehr verdient. “RIS” fand ich zwar auch gut, aber “KDD” war einfach eine überragende, mutige, ungewöhnliche Produktion, der jeder Preis zusteht, den es nur geben kann.

Beste Sitcom: “Stromberg” (ProSieben)
In derselben Kategorie die beiden RTL-Mittelmäßigkeiten “Kinder, Kinder” und “Mitten im Leben” zu nominieren, war schon schlimm. Aber immerhin gab es damit wohl keine Diskussion in der Jury, wer den Preis gewinnen soll. Natürlich ebenfalls völlig verdient.

Beste Unterhaltungssendung/Beste Moderation Unterhaltung: “Schlag den Raab” (ProSieben)
Auch dieser Preis freut mich, da “Schlag den Raab” meiner Meinung nach die größte Innovation des deutschen Fernsehshowgenres seit vielen Jahren ist. Und die beiden Nominierungskonkurrenten “Germany’s next Topmodel” und “Let’s dance” sind nunmal nur deutsche Umsetzungen internationaler Formate.

Beste Dokumentation: “Im Schatten der Blutrache” (ARD)
Freut mich sehr, da ich den Film ebenfalls sehr beeindruckend fand und er im Gegensatz zur Spiegel-TV-Produktion “Wettlauf um die Welt” nicht mit perfekter Produktion und Hochglanz geglänzt hat, sondern mit der erzählten Geschichte.

Beste Reportage: “Der Gotteskrieger und seine Frau” (ARD)
Hab ich leider auch nicht gesehen, aber es beruhigt mich, dass die ARD in dieser Kategorie gegen RTL gewonnen hat.

Beste Informationssendung: “RTL aktuell” (RTL)
Der Preis, der mich am meisten ärgert. “RTL aktuell” mag die seriöseste Nachrichtensendung des Privatfernsehens sein, aber den Preis nicht den “Tagesthemen” oder wenigstens dem “heute-journal” zu verleihen, ist ein mittlerer Skandal und kann wohl tatsächlich nur damit erklärt werden, dass RTL in diesem Jahr der Ausrichter der Verleihung war und ansonsten nur einen Preis für “Die Super Nanny” gewonnen hätte. Die RTL-Cross-Promotion-Plattform und tägliche “Forscher aus Amerika haben ein neues sensationellers Mittel gegen Krebs entdeckt”-Verkündigungssendung hat zumindest auf keinen Fall einen Preis als “Informationssendung” verdient.

Beste Sportsendung: “Blut und Spiele” (ARD)
Ich habe alle drei Nominierten gesehen und bin derselben Meinung wie die Jury. Die beiden anderen Reportagen waren zwar ebenfalls sehr gut, aber “Blut und Spiele” noch einen Tick besser.

Beste Kochshow: “Das perfekte Dinner” (Vox)
Abgesehen davon, dass ich es etwas seltsam finde, eine eigene Kategorie für Kochshows zu erfinden, bin ich mit dem Preisträger zufrieden, denn “Das perfekte Dinner” ist ja letztlich gar keine Kochshow, sondern eine unterhaltsame Doku-Soap, in der es auch ums Kochen geht, aber eben nicht nur.

Beste Regie: Lars Kraume (“Guten Morgen, Herr Grothe” / ARD)
Leider nicht gesehen, muss ich aber nachholen.

Bestes Buch: Ralf Husmann (“Dr. Psycho” und “Stromberg” / ProSieben)
Kann man durchaus machen. Zumindest eine ungewöhnliche Entscheidung, mal einen Comedy-Autoren den Fernsehfilm- und Drama-Serien-Schreibern vorzuziehen.

Bester Schauspieler: Matthias Koeberlin (“Tornado – Der Zorn des Himmels” / ProSieben)
Sehr sympathische Dankesrede, schon deswegen ein erfreulicher Preis, auch wenn ich persönlich eher Ulrich Tukur ausgezeichnet hätte.

Beste Schauspielerin: Maria Furtwängler (“Tatort” / ARD)
Irgendwann muss mir mal jemand erklären, was so besonders an der schauspielerischen Leistung von Maria Furtwängler sein soll. Ich habe das nämlich noch nie verstanden. Sie spielt die “Tatort”-Ermittlerin solide, aber mir würden viele viele Schauspielerinnen einfallen, die den Preis eher verdient hätten, die beiden anderen Nominierten Veronica Ferres und vor allem Nadja Uhl im Übrigen auch.

Bester Schauspieler Nebenrolle: Gabriela Maria Schmeide (“Die Flucht” / ARD)
Die Entscheidung, Kochshows und “TV-Beratern” eine eigene Kategorie zu widmen, aber bei den Nebenrollen nicht einmal einen eigenen Preis für Männer und Frauen zu verleihen, finde ich ziemlich daneben. Den Preis für Frau Schmeide hingegen nicht.

Beste Moderation Information: Reinhold Beckmann (“Beckmann” / ARD)
Ich hätte mir zwar andere ich einer solchen Kategorie gewünscht als drei Interviewer, aber Beckmann (Preis für das Dietz-Doping-Geständnis) war im Vergleich zu Kerner und Herres, der für das relativ langweilige Gespräch mit Buback und Boock nominiert war, das kleinere Übel.

Beste Comedy: Urban Priol und Georg Schramm (“Neues aus der Anstalt” / ZDF)
Ich mag Urban Priol nicht. Ich mag Georg Schramm nicht. Ich mag “Neues aus der Anstalt” nicht. Ich hätte Mathias Richling den Preis gegeben.

Beste Kamera: Philipp Sichler (“Sperling und die kalte Angst” / ZDF)
Bester Schnitt: Florian Drechsler (“Sperling und die kalte Angst” / ZDF)
Beste Musik: Enjott Schneider (“Die Flucht” und “Nicht alle waren Mörder” / ARD)
Beste Ausstattung: Knut Loewe und Wiebke Kratz (“Die Flucht” / ARD und “R.I.S.” / Sat.1)
Viermal: Herzlichen Glückwunsch.

Bester TV-Berater: Katharina Saalfrank (“Die Super Nanny” / RTL)
Die Dankesrede von Frau Saalfrank war zwar überaus sympathisch und erfrischend bescheiden, aber ich hätte den Preis trotzdem “Rach, der Restauranttester” verliehen.

Außerdem gab es den Lebenswerk-Preis für Götz George, den besten Schauspieler, den wir in Deutschland haben, und einen völlig überflüssigen Sonderpreis für Michael Schumacher. Was der mit Fernsehen zu tun hat, außer dass RTL seine Rennen übertragen hat, muss mir auch nochmal jemand erklären. Vielleicht gibt’s dann ja im nächsten Jahr einen Fernsehpreis für den Papst – der ist auch ständig im Fernsehen.

Im Senderranking bedeutet das folgendes Ergebnis:
1. ARD (9einhalb Preise)
2. ZDF und ProSieben (je vier Preise)
4. RTL (2 Preise)
5. Vox (1 Preis)
6. Sat.1 (ein halber Preis)

Insgesamt also eine okaye Veranstaltung mit einem miserablen Moderator und weitgehend verdienten Preisen.

haggis und corbijn. 5

Kann es einen besseren Arbeitstag geben, als einen, an dem man morgens ausführlich dem Oscar-Gewinner Paul Haggis (“L.A. Crash”) lauschen kann…

… und abends die Deutschland-Premiere von Anton Corbijns Kinodebüt, der Ian-Curtis-Biographie “Control” sieht, inklusive Anwesenheit Corbijns?

Meine Meinung zu “Control” gibt’s morgen an dieser Stelle – bis dahin: dies hier:

der kamerakauf (2). 6

Verdammt blöd ist es übrigens, wenn die Kamera, die man für 229 Euro bestellt hat, einen Tag nach Lieferung auf 199 Euro heruntergesetzt wird…

Womit der Preisunterschied zu Düsseldorfs Elektronikmärkten auf 150 Euro angewachsen ist.

diverse interpreten (2007.09.26). 5

- Seltsam: arte zeigt am morgigen Donnerstag eine 52-Minuten-Version des tollen Kino-Dokumentarfilms “Full Metal Village”. Die kürzere arte-Version heißt “Blasmusik trifft Heavy Metal” und die eigentliche Regisseurin Sung-Hyung Cho heißt dort Suzy Wong. Wie gesagt: Sehr seltsam. (via “abspannsitzenbleiber“)

- Bei “3 voor 12” lässt sich das komplette neue Foo-Fighters-Album “echoes, silence, patience & grace” hören.

- Ach du kacke, sieht Kurt Cobains Tochter inzwischen scheiße aus – dabei war sie als sie klein war, doch so süß und Kurt wie aus dem Gesicht geschnitten.

- Grandiose, aufwändige Arbeit: Ein Blog namens “The Adventures of Accordion Guy in the 21st Century” hat unfassbar viele Kinofilm-Referenzen aus “Simpsons”-Episoden zusammengesammelt und stellt sie den Originalszenen gegenüber (via “cinematical“).

- Der zweite “Akte X”-Film soll ab Dezember gedreht werden (via “/film“).

Musikvideo des Tages:

Die Manic Street Preachers mit “indian summer” – via “ifmv“:

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ich, heute, woanders:

- “kress.de”: “Dr. House wieder über der 4-Mio-Hürde“.
- “kress.de”: “Aus GoldStar TV wird Mainstream Media“.

das große prominenten-singstar. 1

Ganz großes Fernsehen: Thees Uhlmann (Tomte), Nagel (Muff Potter) und Mille Petrozza (Kreator) probieren für “unclesallys” vor der Kamera das neue Tote-Hosen-Singstar aus und Campino spielt Jury. Unbedingt anschauen (via Tomte-Blog).

diverse interpreten (2007.09.25). 0

- Interview mit Sat.1-Chef Matthias Alberti in der “Süddeutschen” – und der Kommentar von Peer Schader dazu – bei “medienpiraten.tv“.

- Endlich kann ich auch das Deutsche Gesundheitsfernsehen und Tier TV sehen

- Der “2007 Fall TV Preview Podcast” bei “TV Blend”.

- “infofilter” erstellt tagesaktuelle Musik-, TV- und andere Charts für die meistgetauschten Bittorrentdateien (via “Idolator“).

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ich, heute, woanders:

- “kress.de”: “Auch Terminal siegt für Sat.1“.
- “Focus Online”: “Kabel? Satellit? Zattoo!

diverse interpreten (2007.09.24). 3

- Manche kapieren einfach nicht, wenn ein Zug abgefahren ist und laufen ihm noch stundenlang hinterher… In Second Life gibt’s jetzt auch Plus-Supermärkte.

- “the TV addict” hat ein paar amerikanische Fernsehblogger nach ihrer Meinung zu den gerade startenden neuen Serien befragt. Ergebnis: Die Blogger mögen “Pushing Daisies”, “Chuck” und “Reaper” am liebsten.

- Viele viele Spoiler zur zweiten “Heroes”-Staffel, die heute bei NBC startet – bei “Ain’t it cool News” – und der dazu gehörende Original-Artikel von “Entertainment Weekly“.

- Oasis veröffentlichen am 21. Oktober ihre erste Download-only-Single: “lord don’t slow me down” ist gleichzeitig der Titeltrack einer neuen Tour-DVD.

- Fehler des Tages: Was zur Hölle ist eine “Straßenbahn-WM“?

Musikvideo des Tages:

Emma Pollock mit “acid test” – ein netter kleiner Song, der für mich irgendwie nach den frühen 90ern klingt. (via “Nerdcore“):

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ich, heute, woanders:

- “kress.de”: “Spitzen-Wochenende für Sat.1

diverse interpreten (2007.09.23). 3

- Filmbericht über die “Valkyrie”-Dreharbeiten im Bendler-Block – bei “FAZ.NET”.

- Schock am Sonntag: Vorgestern noch auf Ribéry zum Kleben gefreut und heute im vorab verteilten Panini-Album gemerkt, dass es keinen Ribéry zum Kleben gibt – wahrscheinlich wieder aus rechtlichen Gründen. Blöd.

Musikvideo des Tages:

Zwar schon ein paar Wochen alt, aber dezeit einer meiner Lieblingssongs: die Kilians mit “enforce yourself”:

der kamerakauf. 15

Kann mir mal jemand erklären, warum eine Digitalkamera, die bei amazon 229 Euro kostet in allen drei am Samstag besuchten Düsseldorfer Elektronikmärkten 120 Euro mehr kostet? Nicht 10 oder 20 Euro, sondern 120! Ich konnte es überhaupt nicht glauben und dachte, ich hätte mich im Internet verkuckt. Aber dem war nicht so – und jetzt frage ich mich ernsthaft, warum man angesichts solch unfassbarer Preisunterschiede überhaupt noch außerhalb des Internet einkaufen sollte. Jedenfalls hab ich jetzt im Netz bestellt – meine alte Kamera war nämlich in Portugal leider von uns gegangen.

diverse interpreten (2007.09.22). 0

- Interessant: Die Klassikmusikbranche erlebt anscheinend einen Boom im Geschäft mit Musik-Downloads.

- Nette Zusammenstellung von Blogs, die sich mit dem Internet als Fernsehplattform auseinandersetzen – bei “Digitaler Film”.

- Michael Köhler verreißt in der “FAZ” das Phillip-Boa-Konzert in der Batschkapp: “Doch auch zwei stürmisch erklatschte Zugaben können nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass Phillip Boa wohl kaum in der Lage sein wird, die Karriere nochmals im großen Stil zu reaktivieren.”

- Sebastian Reier mit der Inhaltsangabe einer Popkomm-Podiumsdiskussion zur Zukunft der Musikpresse – bei “Zeit online”.

- popkomm TV – bisher mit eher wenig interessanten Inhalten.

Musikvideo des Tages:

Die schwedische Band Kent mit dem Song “ingenting” (via “ifmv“):

Trailer des Tages:

“about a son” – ein Film über Kurt Cobain, der ausschließlich mit seinen Worten erzählt wird – zusammengefügt aus Interviews, die Biograph Michael Azerrad mit ihm geführt hat. (via “ifmv” und “spex“)

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