Archive for August, 2007

tv-test: “zodiak – der horoskop-mörder”. 14

Format: “Zodiak – Der Horoskop-Mörder”
Sender: Sat.1
Produktion: MR-Film
Genre: Krimi-Miniserie
Programmplatz: montags und dienstags, 20.15 Uhr
Frequenz: 4 Episoden
Dauer: 120 Minuten
Start: 3. September 2007

Kritik: Nach dem “Blackout”-Desaster aus dem vergangenen Jahr läuft nun ein weiterer Vierteiler bei Sat.1. 8 Stunden Prime-Time-Krimi an vier Tagen. Ein weiteres Wagnis. Inhaltlich geht es um eine reiche Wiener Bankiersfamilie. Familienoberhaupt Gabriel Fischer-Hellwarth (Friedrich von Thun) entschließt sich, nach einer Drohung seine uneheliche Tochter Esther (Alexandra Neldel) aus den USA einfliegen zu lassen und sie – nach 27 Jahren – auf seinem Geburtstagsfest der ahnungslosen Familie vorzustellen. Doch bevor es dazu kommt, ertrinkt der Enkel Adrian fast und die 16-jährige Enkelin Barbara verschwindet und wird später tot aufgefunden. Zuständig für den Fall ist Kommissar Anton Keller, der jahrelang erfolglos versucht hatte, den Fischer-Hellwarths Korruption nachzuweisen. Der Täter verschickt unterdessen seltsam mysteriöse Botschaften, die irgendwas mit Horoskopen und mit Nostradamus zu tun haben.

Problem an der Sache: Es dauert viel zu lang, bis etwas Schwung in die Story kommt. Mindestens eine Stunde lang trottet der erste Teil so vor sich hin, als handele es sich um einen mittelmäßigen und altmodischen ZDF-Krimi – Friedrich von Thun lässt grüßen. Die leicht peinlichen Anspielungen auf Nostradamus und Astrologiequatsch sorgen auch nicht gerade dafür, dass man sich in die Story fallen lassen kann. Positiv hervorzuheben ist der mir bislang weitgehend unbekannte Hauptdarsteller Fritz Karl, der den Kommissar spielt. Er macht seine Sache gut und sorgt für Düsternis und Ernst. Alexandra Neldel überzeugt hingegen nicht wirklich. Vielleicht muss ich immer an Lisa Plenske denken, aber für mich wird ihre Figur viel zu naiv und platt dargestellt.

Wenn man Roger Schawinskis Buch “Die TV-Falle” gelesen hat, weiß man ja, was bei “Blackout” seiner Meinung nach schief gelaufen ist. Da hieß es beispielsweise, es hätte zu wenig Positives gegeben, keinerlei Liebe, Romantik. Und was macht man in “Zodiak”? Schreibt mitten in die erste Folge eine völlig unvermittelt auftretende und unpassende Sexszene zwischen Neldel und Kommissar hinein. Ich glaube, “Zodiak” wird “Blackout” in Sachen Erfolglosigkeit trotzdem kaum nachstehen. Ich müsste mich schon extrem irren, wenn viele Zuschauer trotz der behäbigen und viel zu langsam erzählten Geschichte dranbleiben und sich vier Abende in kurzer Zeit freischaufeln. Für mich ist “Zodiak” leider nur ein sehr mittelmäßiger, viel zu langatmiger Krimi.

Wertung: 5 von 10 Punkten.

urlaub. 0

So, die letzten Jobs sind erledigt – u.a. hier und hier nachzulesen – endlich steht Urlaub an. Ich war selten so urlaubsreif wie momentan (auch wenn ich das wahrscheinlich jedes Jahr sage) und freue mich auf 14 Tage Sonne, Erholung und Inspiration. Zuvor gibt es nachher aber noch einen TV-Test zu einer Sendung, die erst in der nächsten Woche startet. Ob ich mich in den kommenden zwei Wochen mal hier melde oder nicht – keine Ahnung. Kommt auf die Versorgung mit Internetcafés und meine Lust auf Blogs an. Also: Viel Spaß im herbstlich-kühlen Deutschland, ich bin raus.

zattoo jetzt auch in deutschland. 6

Zattoo, die Fernsehsoftware, die bisher u.a. Schweizern vorbehalten war, läuft jetzt auch in Deutschland. Ich habe heute nach monatelangem Warten meinen Testzugang bekommen und konnte das Programm auf meinen Rechner laden. Angeboten werden für deutsche Nutzer derzeit 18 Fernsehsender: Comedy Central, DSF, Entertainment Channel, Giga, MTV, Nick, Tier TV, TV Gusto, Viva, Al Jazeera English, Canal 24 Horas, CNN International, France 24 English, Luxe TV, SF info, sumo.tv, The Poker Channel und TVE Internacional. Für den Anfang nicht schlecht – und Sender wie Entertainment Channel, Tier TV oder SF info habe ich in meinem digitalen Kabel bisher nicht.

Zur Erinnerung: Zattoo setzt auf die Weiterverbreitung herkömmlichen Fernsehens über das Internet – also als IPTV – und das im Gegensatz zu Anbietern wie der Deutschen Telekom oder Alice Provider-übergreifend und kostenlos für jeden PC- oder Mac-Nutzer. Nach und nach will man auch für deutsche Nutzer immer mehr Kanäle einspeisen. Das geschieht im Übrigen keineswegs illegal, sondern mit offiziellen Lizenzen. Ob man die jemals von Sendern wie RTL oder ProSieben bekommen wird, erscheint derzeit fraglich, doch die öffentlich-rechtlichen Sender sollten eigentlich kein Problem sein.

Erster Eindruck: Die Bildqualität ist ordentlich, wenn auch nicht perfekt, das Umschalten zwischen den Kanälen läuft erstaunlich schnell, bei mir dauerte kaum ein Umschaltvorgang mehr als 2 Sekunden. Wenn demnächst noch ein paar wichtige Sender dazukommen, dürfte Zattoo eine große Chance haben, sich zum ernstzunehmenden Übertragungsweg für herkömmliches Fernsehen zu entwickeln. Zwar ohne Schnickschnack und On-Demand-Möglichkeiten wie Joost, dafür mit besseren Inhalten. Ob derzeit weitere Betatsester akzeptiert werden, weiß ich leider nicht, probiert es einfach aus.

tv-test: “brain”. 2

Format: “BRain”
Sender: Bayerisches Fernsehen
Produktion: Bayerischer Rundfunk
Genre: Magazin
Programmplatz: dienstags, 21.20 Uhr
Frequenz: wöchentlich
Dauer: 25 Minuten
Start: 28. August 2007

Kritik: Was zur Hölle ist das? Wie lächerlich kann man sich als öffentlich-rechtlicher Sender eigentlich machen? Da startet das Bayerische Fernsehen ein “politisches Wissensmagazin” und fabriziert etwas, das allenfalls als Realsatire taugt und mit Wissen und Politik nur am Rande zu tun hat. Zu den Programmpunkten der Premieren-Ausgabe, die eine junge Dame namens Caro Matzko moderierte, gehörte eine hanebüchene Geschichte, die minutenlang zeigen wollte, dass Auotrenn-Videospiele Unfälle im echten Leben auslösen und Raser erzeugen, um dann mit den beiden letzten Sätzen des Beitrags diese These wieder komplett über den Haufen zu werfen, außerdem ein bescheuertes Filmchen, in dem gezeigt wurde, was Codes auf Autoreifen bedeuten, ein unfassbar peinlicher Beitrag, in dem der Hammelsprung erklärt wurde und der aussah, als sei er für Fünfjährige hergestellt worden. Und sei das nicht alles schon schlimm genug, müssen am Ende der Sendung auch noch zwei bayerische Nachwuchsbands blöde Fragen in einem Quizspielchen beantworten und der aktuelle Videoclip des Siegers wird gespielt. In einem “Wissensmagazin”. Einem “politischen”. Ich habe lang überlegt, ob ich überhaupt einen TV-Test zu “BRain” (Man beachte den Wortwitz) schreibe. Ob es das überhaupt wert ist. Oder eher Zeitverschwendung. Ich habe mich dann dafür entschieden – denn diese wohl bescheuertste Sendung des neueren öffentlich-rechtlichen Fernsehens sollte man nicht verschweigen.

Wertung: 1 von 10 Punkten.

tv-test: “experiment inkognito”. 3

Format: “Experiment Inkognito”
Sender: kabel eins
Produktion: Eyeworks Germany
Genre: Versteckte-Kamera-Reihe
Programmplatz: montags, 21.15 Uhr
Frequenz: wöchentlich
Dauer: 60 Minuten
Start: 27. August 2007

Kritik: Als das Format vor einigen Wochen bei der ProSiebenSat.1-Veranstaltung “Big Picture” erstmals vorgestellt wurde, war ich recht begeistert. Es saß ein älterer Herr aus Indien im Publikum und erst nach einigen Stunden wurde verraten, dass Jeanette Biedermann unter der perfekten Maske steckte. Nun also die Sendung zum Gag. Jeweils ein Prominenter wird professionell in eine andere Person verwandelt und wird dann mit Personen aus seinem Umfeld konfrontiert, die ihn möglichst nicht erkennen. Zwischenmoderiert wird die Sache vom ausnahmsweise nicht sonderlich nervenden Ingolf Lück. Die nette Idee wird allerdings dadurch getrübt, dass die Sendung eindeutig zu lang ist. 30 Minuten hätten sicher gereicht, 60 sind eindeutig zu viel. Dafür ähneln sich die vielen Situationen, in die der Prominente gerät, zu sehr. So bleibt unter dem Strich dann doch nur eine normale Versteckte-Kamera-Reihe – wenn auch eine mit einer netten idee.

Wertung: 5 von 10 Punkten.

tv-test: “sport inside”. 0

Format: “Sport Inside”
Sender: WDR Fernsehen
Produktion: WDR
Genre: Reportagemagazin
Programmplatz: montags, 22.45 Uhr
Frequenz: wöchentlich
Dauer: 30 Minuten
Start: 27. August 2007

Kritik: Das mit Spannung erwartete Magazin, mit dem die ARD zeigen will, dass sie auch journalistisch-kritisch an das Thema Sport gehen kann und nicht nur als Fan-Medium. Einmal wöchentlich gibt es im WDR Fernsehen nun Berichte zu Themen wie Nazis unterwandern den Fußball, Kinder werden in China zu Spitzensportlern gequält, etc. Schade war an der Premieren-Ausgabe, dass ich den China-Bericht schon kannte. Er lief irgendwann vor einigen Monaten mal in einem anderen ARD-Magazin, vermutlich dem “Weltspiegel”. Ebenfalls schade finde ich, dass auf einen Moderator verzichtet wurde und die Berichte ohne große Überleitung aneinandergereiht werden. Insgesamt ist “Sport inside” aber ein ordentliches Magazin geworden. Ob es das auch bleibt, oder ob es schweirig sein wird, jede Woche interessante Themen zu finden, wird sich zeigen.

Wertung: 6 von 10 Punkten.

tv-test: “krömer – die internationale show”. 6

Format: “Krömer – Die internationale Show”.
Sender: Das Erste
Produktion: Sector 3 Media
Genre: Comedytalk
Programmplatz: dienstags, ca. 0.20 Uhr
Frequenz: wöchentlich
Dauer: 30 Minuten
Start: 28. August 2007

Kritik: Endlich ist er wieder da. Und was noch besser ist: Weder die nervige Band aus der “Kurt Krömer Show”, noch die nervige Pseudo-Familie aus “Bei Krömers” sind mitgekommen. Stattdessen lädt sich der Berliner Gäste ein und redet mit ihnen über Gott und Berlin. Das geschieht dann respektlos, schlagfertig, aber immer mit Witz und (fast) ohne Plattheiten. Schade ist an der neuen “Krömer”-Show wieder mal nur eins: die Tatsache, das die ARD keinerlei Mut besitzt und die Sendung mitten in der Nacht wegsendet. Aber zum Glück gibt es ja Festplatten-, Video- und Internetrecorder – und demnächst auch die ARD-”Mediathek”.

Wertung: 7 von 10 Punkten.

tv-test: “ganz & gar – kochen mit steffen henssler”. 2

Format: “Ganz & Gar – Kochen mit Steffen Henssler”.
Sender: Vox
Produktion: MME
Genre: Kochshow
Programmplatz: werktäglich, 18.30 Uhr
Frequenz: werktäglich
Dauer: 30 Minuten
Start: 27. August 2007

Kritik: Um es gleich vorweg zu schicken: Ich bin kein großer Fan herkömmlicher Kochshows. Mir macht es einfach keinen Spaß, Köchen dabei zuzuschauen, wie sie irgendetwas zubereiten. Ich gebe zu, keine gute Voraussetzung, eine neue Kochshow zu begutachten. “Ganz & gar” ist – vorerst für zwei Wochen – der Sendeplatznachfolger von Tim Mälzers “Schmeckt nicht, gibt’s nicht”. Mälzer will angesichts neuer Prime-Time-Dinge am Vorabend etwas kürzer treten. Was bei der ersten “Ganz & gar”-Folge gleich zu Beginn negativ auffiel, war die Pseudo-Handlung. Zwei “Handwerker” bauen gerade noch die neue Küche fertig, in der Henssler schon kocht. Auch der seltsame Lehrling/Praktikant, der ständig dumme Zwischenfragen stellt, nervt latent. Wenn ein Koch die 30 Minuten nicht allein füllen kann, sollte er vielleicht nicht im Fernsehen kochen, sondern zu Hause. Im Vergleich zu Tim Mälzer hat Steffen Henssler keine große Chance, dem Vox-Publikum, das derzeit jede Sendung begeistert schaut, in der irgendetwas gekocht wird, wir’d aber wohl egal sein.

Wertung: 4 von 10 Punkten.

tv-test: “krügers woche”. 16

Format: “Krügers Woche”
Sender: ProSieben
Produktion: Hurricane Fernsehproduktion
Genre: Comedyshow
Programmplatz: Mo., 22.20 Uhr
Frequenz: wöchentlich
Dauer: 30 Minuten
Start: 27. August 2007

Kritik: Allein der Gedanke, Mike Krüger würde zu ProSieben passen, lässt mich denken, die Entscheidungsträger beim Sender hätten einen schlechten Tag gehabt. “Krügers Woche” ist eine Art Mix aus Comedyserie und Witze-Erzähl-Show à la “7 Tage – 7 Köpfe”. Gezeigt wird der Tagesablauf in der Redaktion einer fiktiven Latenightshow. Neben Krüger ist u.a. Peter Rütten zu sehen, der schon bei der “Niels Ruf Show” bei Sat.1 comedy das Niveau senkt (Ja, das geht!) und früher als er noch witzig war, bei der “Harald Schmidt Show” arbeitete. Das, was nun dabei herausgekommen ist, ist noch viel schlechter als man befürchten konnte. Jeder einzelne Dialog endet mit einer peinlichen Pointe, nicht ein einziges Mal passiert etwas wirklich Witziges und während der gesamten 30 Minuten stellt sich ein Gefühl des Fremdschämens ein, das man nicht wieder los wird. Wenn die Senderverantwortlichen nach dem Ausstrahlen dieser ersten Ausgabe immer noch denken, Mike Krüger würde zu ProSieben passen, dann hat der Sender glaube ich ein Problem.

Wertung: 1 von 10 Punkten.

fernsehen des tages. 6

Gestern abend hab’ ich den wohl besten Bremer “Tatort” aller Zeiten gesehen und zuvor den wohl schlechtesten “Brennpunkt” aller Zeiten.

Zuerst das Positive: der “Tatort”. Grandiose Bilder, auf denen Bremen teilweise wie die modernste Metropole der Welt aussah, ein Sound, der die beklemmende Stimmung perfekt verstärkt hat und eine Geschichte, die dank Verschwörungstheorien spannend bis zur letzten Sekunde war.

Aber was war das denn davor? Ein “Brennpunkt” zum Feuer in Griechenland, der unfassbar schlecht war. Sigmund Gottlieb moderierte einen Beitrag an und dramatisierte, es sein in letzter Sekunde verhindert worden, dass die Feuer auch den historischen Ort Olympia erreichen. In dem folgenden Filmbericht ging es irgendwie um die Region in der Nähe von Olympia, aber mit der Anmoderation hatte er absolut nichts zu tun. Und dann hat man auch noch eine arme Reporterin zum Münchner Flughafen geschickt, um Ankommende aus Athen abzugreifen. Verzweifelt versuchte sie, irgendetwas Spektakuläres aus den Fluggästen herauszuholen, die doch gerade die Feuerhölle Griechenlands verlassen hatten. Aber: nichts. Alle gaben lediglich zu Protokoll, dass sie in Athen nichts mitbekommen hätten, das Feuer sei zu weit weg gewesen und überhaupt: Man sei überrascht, wie panisch man in Deutschland sei. Ohne Übertreibung: Ich habe nie einen schlampiger vorbereiteten “Brennpunkt” gesehen als diesen vom Bayerischen Rundfunk.

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