Archive for November, 2009

popkulturjunkie in südafrika. tag 16. 0

Der letzte komplette Tag des Urlaubs. Donnerstagabend geht es zurück ins kalte Deutschland. Aber heute gab es nochmal volles Programm. Zunächst noch drei Weingüter in und um Paarl. Laborie: solide Günstig-Weine. KWV: Beeindruckende Weinfabrik mit durchaus guten Weinen. Fairview: Schönes Weingut mit Wein- und Käseproben, nettem Restaurant und zwei Ziegen, die in einem Turm wohnen.

Der Weg zurück nach Kapstadt führt dann noch ein letztes Mal um die Berge herum an der Küstenstraße entlang. Abschied vom Meer und den tollen Felsen. Unterwegs ein Halt beim berühmten botanischen Garten. Nach 30 Minuten siegt die Langeweile. Wir beide sind einfach Tierleute, keine Pflanzenleute.

Das letzte Abendessen dann bei Kapstadts In-Inder Bukhara. Eine gute Wahl. Leckeres Essen.

Südafrika-Urlaub 2009, Du warst großartig! Ich werde Dich vermissen.

popkulturjunkie in südafrika. tag 10 bis 15. 1

…und dann saß ich zusammen mit diesem in Militärklamotten gekleideten Mann aus Zimbabwe mitten im afrikanischen Busch auf einem Elefanten und ritt davon… Aber der Reihe nach…

Tag 10: Addo

Für den ersten kompletten Tag in der Addo-Region hatten wir den Besuch eines Game Reserves, also eines Wild-Reservates, eingeplant. Der Addo National Park ist so groß, dass man Tiere wie Löwen oder Nashörner nur extrem selten zu Gesicht bekommt. Die Game Reserves sind deutlich kleiner, aber trotzdem kein bisschen zu vergleichen mit einem Zoo. Zwar leben die Tiere durch einen Zaun von der Außenwelt getrennt, doch innerhalb des Reserves können sie sich frei bewegen. Zudem werden sie nicht gefüttert. Löwen leben von erlegten Antilopen oder anderen Opfern, Nashörner fressen Weiden leer, usw. Frei bewegen kann man sich in solchen Reserves natürlich nicht, niemand will schließlich das nächste Mittagessen der Löwen werden. Man fährt also mit ca. 5-10 Personen in einer Art Safari-Jeep durch die Gegend und immer wenn es neue Tiere zu sehen gibt, wird angehalten, der Guide erklärt und man kann Fotos schießen.

Das Schotia Game Reserve, in dem wir waren, kann ich dabei sehr empfehlen. Unser Guide Etienne war etwas jünger, hat nette Scherze gemacht und war wie auch wir vor allem von den Löwen begeistert. Es ist schon ein ziemlich irres Gefühl, wenn man mit dem Jeep eine Piste den Hügel hinauf fährt und nach einer scharfen Kurve auf einmal eine Löwen-Familie aus zwei Männchen, einem Weibchen und drei jüngeren Tieren am Wegesrand rumliegt. Andächtige Ruhe, unterbrochen nur von Fotografiergeräuschen und das irreale Wissen, nur ca. 5 Meter entfernt von diesen Tieren zu sein, die jederzeit aufspringen und töten könnten. Tun sie aber nicht, denn laut Etienne nehmen sie das Fahrzeug nur als Fahrzeug wahr, die Menschen darin sehen sie nicht. Ein Aussteigen würde aber den fast sicheren Tod bedeuten, denn an Menschen sind sie im Gegensatz zu den Fahrzeugen nicht gewöhnt.

Die Löwen sind nicht die einzigen Tiere, die wir in Schotia sehen. Elegante Giraffen, jede Menge Antilopen, Schildkröten, Zebras, Gnus, zwei Nashörner, ein Krokodil, überall Warzenschweine und die Ohren eines Hippos (der Rest wollte nicht aus dem Wasser kommen). Der Tag fiel insgesamt ganz klar in die Kategorie Erlebnisse, wie man sie nicht oft in seinem Leben hat.

Tag 11: Addo

Nach den vielen Tieren sollte es mit noch mehr Tieren weiter gehen. Peter, Guide der Hitgeheim Lodge, in der wir nächtigten, fuhr mit uns in den Addo Nationalpark. Bekannt ist der Park vor allem für seine Elefanten – und so freuten wir uns natürlich vor allem darauf, diese Giganten zu sehen. Zunächst ließen sie aber auf sich warten. Peter fuhr mit uns herum, erklärte uns die Natur, wie begegneten Schildkröten, Zebras, Antilopen, zwei stattlichen Büffeln und schließlich auch den ersten Elefanten. Kurze Zeit später ging es dann aber richtig los. Wir kamen an ein Wasserloch und sahen ca. 50 Elefanten, die tranken, badeten, ruhten, spielten – in allen erdenklichen Größen, vom vor wenigen Tagen geborenen Mini-Elefant bis zum ausgewachsenen Riesen. Grandios, diesen Tieren zuzuschauen – und traurig, wenn man bedenkt, dass sie früher in ihren großen Herden ganz frei in der Region umher zogen.

Teil 2 des Tages führte uns dann mitten ins Nirgendwo. Wir hatten die “Elephant Back Safari” gebucht und wurden von unseren Fahrer erstmal 60 Minuten über Schotterpisten historische Bergpässe hinauf auf ein Bergplateau gefahren – zum Betreiber der Safaris. Wie der Name schon sagt, reitet man dort auf Elefanten – und zwar nicht so wie in irgendwelchen Zoos mit ein paar Leuten auf wackelnden Sitzen, sondern allein mit dem Experten auf dem puren Rücken des Tieres. Der Tipp, sich lange Hosen anzuziehen, war dabei der goldene Hinweis, denn die Haut der Elefanten gleicht sehr rauhem Sandpapier.

Wie der Elefant hieß, auf dem ich ritt – und wie mein mit mit auf dem Tier sitzender Guide hieß, hab ich leider schon in der ersten Aufregung wieder vergessen. Doch ich fühlte mich auf dem ca. 60 Minuten langen (!) Ritt in jeder Sekunde sicher – obwohl nur durch Festhalten an einem ebenfalls nicht gesicherten Mann gesichert. Mein Guide kam wie eingangs erwähnt aus Zimbabwe, kannte wie so ziemlich jeder Südafrikaner, mit dem ich über Fußball gesprochen habe, natürlich Bayern Munich, war selbst aber Chelsea-Fan – die Leute hier unten sind ganz verrückt nach englischem Fußball. Nach dem Ritt fütterten wir unsere Elefanten noch mit der bloßen Hand und verabschiedeten sie schließlich in den Busch, wo sie für den Rest des Tages ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgingen: fressen. Ohne Übertreibung: eine weitere Once-in-a-Lifetime-Experience.

Tag 12: Addo – Wilderness

Nach unseren drei Tagen in der Addo-Region geht es nun also langsam zurück nach Kapstadt. Zunächst auf dem selben Weg, auf dem wir gekommen waren – an der Küste entlang. Für die Übernachtung suchten wir uns aber einen Ort aus, in dem wir auf der Hinfahrt wegen meines kleinen Übelkeits-Zwischenfalls nur kurz gehalten hatten: Wilderness. Es ist ein relativ kleines Dort, das unglaublich schön an einer kleinen Bucht liegt und daher in den vergangenen Jahren viele Leute angelockt hat, die kleine Bed & Breakfasts eröffnet haben, Restaurants oder die einfach nur das Leben genießen. Das taten wir auch – zunächst auf einem langen Strandspaziergang, danach bei einem exzellenten Abendessen im Restaurant “Two Girls”, das u.a. grandiose Currys zubereitet. Geschlafen wurde im “Whales Way”-Bed & Breakfast, das hiermit uneingeschränkt empfohlen sei.

Tag 13: Wilderness – Montagu

Um Abwechslung in die Rückfahrt nach Kapstadt zu bringen, fuhren wir den zweiten Teil der Strecke nicht an der Küste entlang, sondern auf der “Route 62″, die oftmals mit der amerikanischen “Route 66″ verglichen wird. Sie führt durch die Halbwüstenregion “Little Karoo”, durch wie immer grandiose Bergpanoramen. Bevor wir bei Outshoorn auf die Route 62 einbogen, stand aber noch das Highlight des Tages auf dem Programm: die Cango Caves. Dabei handelt es sich um eines der schönsten Tropfsteinhöhlensysteme der Welt. Die größte der Höhlen war 20 Meter hoch, 150 Meter lang und 60 Meter breit und bestand aus wirklich unglaublichen Formationen von Tropfsteinen. Der Abstecher lohnte sich also definitiv.

Den Rest der Strecke fuhren wir dann aber zügig durch. Viel zu sehen gab es außer der schönen Landschaft nicht, die Orte waren zu klein und verschlafen, um anzuhalten. Ähnliches gilt auch für Montagu, doch dort mussten wir anhalten, denn wir hatten hier unsere Nachtunterkunft gebucht. Ein Bed & Breakfast namens “Airlies”, betrieben von einem älteren Ehepar und vier (sehr freundlichen und verschmusten) Hunden. Auch hier eine Empfehlung von mir!

Tag 14: Montagu – Stellenbosch

Für die beiden nächsten Tage hatten wir einen Besuch in der berühmten Weinregion um Stellenbosch, Franschhoek und Paarl geplant. Der Weg von Montagu war nicht mehr weit und so waren wir schon in der Mittagszeit bereit für die erste Weinprobe. Wir wählten eines der größeren Weingüter, Boschendal. Ich durfte aus der recht langen Weinliste des Gutes fünf ankreuzen (die Liebste fährt ja das Auto und darf daher nur ein bisschen nippen) und bekam dann fünf Gläser mit den Weinen gebracht. So nett das Ambiente bei Boschendal auch ist, aber der Wein hat mich nicht wirklich überzeugt. Einzig der Shiraz und ein Chenin Blanc trafen halbwegs meinen Geschmack.

Das zweite Weingut, das wir besuchten, Cabrière, war etwas spezieller. Betrieben vom deutschstämmigen und offenbar etwas selbstverliebten Achim von Arnim, der nebenbei auch noch Bilder malt und Bücher veröffentlicht, gibt es hier vor allem Champagner, der nicht Champagner heißen darf, weil er ja aus Südafrika stammt und nicht aus Frankreich. Probiert (bzw. genippt, siehe oben) haben wir natürlich auch, doch am überzeugendsten war das Restaurant des Weingutes, das zu einem der besten 100 in Südafrika zählen soll. Exzellentes Essen (ich hatte Ente) zu wie immer in Südafrika unglaublich günstigen Preisen.

Schließlich ging es zu unserer Unterkunft für die beiden Weinland-Nächte, dem kleinen Weingut Lovane bei Stellenbosch, das auch einige Gästeräume mitbetreibt. Sehr modern, da erst im vergangenen Jahr eröffnet, toll eingerichtet und mit einem Blick auf Weinfelder und Berge. Eine der schönsten Unterkünfte auf unserer Tour! Abends ging es noch nach Stellenbosch hinein und hier (endlich mal wieder) in eine Pizzeria. Zu sehr hatte ich angesichts der vielen einheimischen Restaurants eine gute Pizza vermisst. Die Pizzeria, die einer unserer beiden Reiseführer empfohlen hatte, hieß Cal’Cacchio, die Pizza schmeckte der Liebsten allerdings deutlich besser als mir. Meine bekommt von mir auf meiner international anerkannten Skala für Salami-Pizza nur 5,5 Punkte. Salami war zu langweilig und fettig, die Pizza selbst war ebenfalls zu fettig. Der Boden allerdings war recht gut.

Tag 15: Stellenbosch

Gleich nach dem Frühstück ging es zum nächsten Weingut. Wir sind schließlich nicht zum Spaß hier, sondern zum Weintesten. Das erste Weingut des Tages, Blaauwklippen, war für meinen Geschmack ein Jackpot, denn mir schmeckten fast alle fünf Testweine sehr gut. Besonders toll fand ich den Zinfandel und den Sauvignon Blanc. So toll, dass ich auch gleich ein Fläschchen für zuhause mitnahm. Auch Weingut 2, Zevenwacht, gehört zu den größeren, überzeugte mich aber nicht so sehr. Immerhin gab es hier aber auch etwas mehr für die Liebste zu tun, denn neben der Weinprobe gab es auch eine Käseprobe.

Mittags fuhren wir zu einem etwas abseits gelegenen Weingut, dessen Gebäude mit toller, sehr moderner Architektur glänzen und das ein kleines edles Restaurant mit Wahnsinnsblick bis hin zum Tafelberg bietet: Tokara. Mein Straußenfilet war gut, das Minzschoko-Eis ebenfalls und der Wein sowieso. Letzter Anlaufpunkt für heute: Neil Ellis Wines, das für seine Weißweine gerühmt wird. Mir haben sie aber alle maximal mittelmäßig geschmeckt, vielleicht lag es aber auch daran, dass ich inzwischen zu viel Wein für heute getestet hatte und allmählich alle gleich schmeckten.

Zum Abschluss probierten wir auch noch den Wein von unserem Übernachtungsweingut Lovane und kauften auch hier ein paar Fläschchen, denn der Wein war wirklich gut. Das Weingut selbst existiert erst seit ein paar Jahren, der Winzer ist hauptberuflich Klempner und das Weingut dient nebenbei wie gesagt auch noch als Hotel. Sehr charmant und sympathisch hier.

popkulturjunkie in südafrika. tag 5 bis tag 9. 0

Mangels vernünftiger Internetverbindung in den vergangenen Tagen konnte ich kein Lebenszeichen von mir geben, daher nun die verpassten Tage zusammengefasst in einem Eintrag.

Tag 5: Kapstadt – Swellendam
Die Rundfahrt beginnt. Schließlich ist unser Urlaub nicht als Stadturlaub, sondern als Rundfahrt in Südafrikas Süden geplant. Also verlassen wir Kapstadt und machen uns auf Richtung Osten. Entlang auf Küstenstraßen, die hinter jeder Kurve neue grandiose Blicke auf eine der schönsten Landschaften freilegen, die man sich vorstellenkann. Links Berge, recht das Meer, dazwischen Klippen, Strände, hach. Eine Mittagspause legen wir im Wal-Ort Hermanus ein, da wir die Hoffnung noch nicht aufgegeben hatten, noch Wale zu sehen, obwohl der November dafür schon ein später Monat ist. Die Wale kommen von Mai an zu Hunderten an die südafrikanische Küste, um in den Buchten ihren Nachwuchs zu gebären und großzuziehen. Spätestens im November verlassen sie die Region dann wieder. Aber wir haben Glück. Höchstens 50-100 Meter von der Küste mitten im Ort Hermanus entfernt tummelt sich ein Wal im Wasser, streckt immer wieder seinen Kopf oder eine Flosse aus dem Wasserund spritzt eine große Fontäne in die Luft. Grandios, so etwas vom Land aus zu sehen.

Mittag gibt es einem Café, das nicht weiter der Rede wert ist, dann geht’s noch in dne Supermarkt und dann weiter Richtung Osten. Und Süden. Denn unser nächstes Ziel ist der tatsächlich südlichste Punkt Afrikas, Cap d’Agulhas. Es liegt nämlich deutlich weiter südlich als das Kap der guten Hoffnung. Zudem fließen laut Wissenschaftlern auch hier der Atlantik und der indische Ozean zusammen und ebenfalls nicht am Kap der guten Hoffnung. Der Weg dorthin lässt uns erstmals die Straßenverhältnisse abseits der großen N-Straßen (Bundestraßen-/Autobahn-Niveau) kennenlernen, denn wir verfahren uns kurz und landen mitten auf einer sandigen Schotterpiste. Gefühlte Stunden später (in Wahrheit vielleicht 15 Kilometer später) kommen wir wieder auf unsere eigentliche Straße zurück und treffenb schließlich am Cap D’Agulhas ein. Der Ort selbst ist recht unspektakulär, doch der felsige Strand mit seinen Wellen und der Erkenntnis, dass südlich von diesem Punkt nur noch die Antarktis kommt, sind schon toll.

Geschlafen wird schließlich in einem kleinen Bed & Breakfast namens „Roosje van de Kaap“, landeinwärts in Swellendam. Ein netter kleiner Ort, direkt an der N2 und deswegen gern von Touristen für einen Stopp genutzt. Das „Roosje“ ist ein bezauberndes kleines Etwas (ich glaube, nur das Wort „entzückend“ wäre noch passender als „bezaubernd“. Wir haben ein kleines Häuschen für uns, eingerichtet mit Antiquitäten, ohne Fernseher, Internet oder andere Modernitäten. Die Besitzerin kümmert sich zudem perfekt um ihre Gäste, geht beim guten Abendessen von Tisch zu Tisch, plaudert und verbreitet gute Laune. Ein schöner Abschluss des ersten Unterwegs-Tages.

Tag 6: Swellendam – Dana Bay
Nach dem ebenfalls sehr guten Frühstück im „Roosje“ geht es zurück an die Küste. Wir haben uns vorgenommen, in das viel gerühmte „De Hoop Nature Reserve“ zu fahren, ein recht unberührtes Naturschutzgebiet, in das sich nur wenige Touristen verirren, weil es nur über ca. 30 Kilometer Schotterpiste zu erreichen ist. Wir machen es trotzdem. Leider beginnt es pünktlich bei unserer Ankunft am Reserve an, zu regnen, was die Pisten nicht unbedingt besser befahren lässt, doch die Liebste macht ihren Job als Fahrerin wie immer perfekt und bringt uns sicher voran. Im Reserve sehen wir erneut ein paar Bamboons, Antilopen, unser erstes Zebra – und vor allem… Wale. Denn das De Hoop Nature Reserve ist bekannt dafür, dass sich vor seiner Küste besonders viele Wale tummeln. Bis zu 100 Stück wollen die Beobachter vom Flugzeug aus in den vergangenen Jaren hier schon zur selben Zeit gezählt haben. Und tatsächlich: Ohne lange auf dem Meer suchen zu müssen, sehen wir auf Anhieb an mindestens zwei verschiedenen Stellen Wale. An der einen sogar (nach Blick auf den Zoom der Kamera) eine Mutter mit einem kleinen Wal, denn beide stecken zufällig ihre Köpfe aus dem Wasser, als ich auf den Auslöser drücke. Trotz des miesen Wetters und der noch mieseren Straßen – der Abstecher hat sich gelohnt.

Geschlafen wird dann in Dana Bay, kurz vor dem Touristenort Mossel Bay. Dana Bay besteht nur aus kleinen Häuschen und Bed & Breakfasts, ist daher etwas verschlafen. Das „Lillies & Leopards“-Bed & Breakfast, auf das wir durch Zufall gestoßen sind, ist ein Hammer. Gar nicht nur wegen der netten, deutsch sprechenden Betreiberin und den schönen Zimmern, sondern vor allem wegen des Blickes direkt vom Bett aus aufs Meer. Mit einem schöneren Blick kann man morgens eigentlich gar nicht aufwachen….

Tag 7: Dana Bay – Knysna
… Es sei denn, man geht abends etwas in Mossel Bay essen – im Restaurant „King Fisher“. Dieses Essen (und wahrscheinlich vor allem die Pfeffersauce an ihm) sorgt nämlich dafür, dass ich beschissen schlafe, mir mein Magen weh tut, ich morgens nichts frühstücke außer einem Glas Cola und mich des Essens ein bisschen später bei kurzen Stop in Mossel Bay auf unschöne Art und Weise am Rande der Straße wieder entledige. Der Rest des Tages bestand dann leider daraus, dass ich schnellstmöglich zur nächsten Unterkunft möchte, um zu schlafen. Wir fahren also zur „Amber Guest Lodge“ am Rande von Knysna, geführt von einem netten, wahrscheinlich englisch-stämmigen, etwas älteren Paar. Ich schlafe gefühlte 15 Stunden mit kleinen Unterbrechungen, esse nichts, trinke nur und hoffe, dass ich nicht doch richtig krank werde.

Während die Liebste sich einen uralten Baum bei Knysna anschaut, sich ein paar weitere Fahrkenntnisse beim Berghochfahren auf Schotterpisten aneignet und sich die „Heads“-Felsen ansieht, fällt Tag 7 bei mir in Sachen Aktivitäten also leider flach.

Tag 8: Kysna – Oyster Bay
Zum Glück hilft der viele Schlaf, ich zeige keinerlei andere Symptome für irgendeine Krankheit, es war also das blöde Essen, und ich werde allmählich wieder fit. Für Tag 8 ist nämlich eine Pause im Tsitsikamma National Park geplant – und dort zu einer Canopy Tour – dabei rutscht man mittels einer Art Seilbahn, wie es sie früher auch auf Spielplätzen gab, bloß eben in einer Erwachsenenvariante ohne Sitz, sondern nur mit Drahtseilen, von Baumgipfel zu Baumwipfel. Dort werden einem zwar irgendwelche Sachen zu den Bäumen erklärt, doch diese Details sind sehr vernachlässigenswert, der Spaß bei den bis zu 89 Meter langen Draht-Slides steht im Vordergrund. Ich hatte zwar ein bisschen Angst um meinen Magen, doch der spielt mit und so hatte ich uneingeschränkten Spaß in den Baumwipfeln.

Nicht zu vergessen, weil genau so toll: die erste Pause des Tages. Die machen wir nämlich im Monkeyland, nur ein paar Kilometer abseits der N2 hinter Knysna. Das Monkeyland ist ein großes, umzäuntes Gelände, in dem sich frei laufende Affen rumtreiben. Ich glaube, neun verschiedene Arten. Die Besucher werden von einem sehr kundigen Guide durch diesen Wald geführt und treffen dabei auf jede Menge Affen. Manche so neugierig, dass sie zwischen den Besuchern herumlaufen, manche scheu, sodass sie lieber weglaufen. Auch unsere erste Schildkröte sehen wir hier endlich. Eine ziemlich große Leopardenschildkröte, die sich gerade an ein paar Zweigen am Waldboden festgefahren hatte, vom Guide aber befreit wurde. Wir erfahren viel über Affen, sehen sieben der neun Arten und haben sehr viel Spaß.

Zum Abschluss des Tages geht es zurück auf die Schotterpiste, denn die uns wärmstens empfohlene Oyster Bay Lodge wurde uns zur Übernachtung empfohlen. Und tatsächlich: Sie gleicht einem kleinen Paradies. Auf einem mehrere Hundert Hektar großen Gebiet, haben zwei junge Südafrikaner diese Lodge gebaut, mit direktem Zugang und Blick zum Meer, viel Natur, Vöglen, Pflanzen, Pferden, die auf dem gesamten Gelände herumlaufen und auf denen man reiten könnte, wenn man wollte. Wenn es einen Ort gibt, an dem man so richtig aus dem Stress herunterkommt, dann ist es dieser hier. Ruhe, Erholung, Entspannung. Auf dem Gelände gibt es sogar ein paar Plätze mit Tischen und Bänken, zu den man wandern kann und sich das Essen bringen lassen kann. Schade, dass wir nur eine Nacht bleiben können.

Tag 9: Oyster Bay – Addo
Tag 9 bietet keine Unterwegs-Highlights, denn wir wollen zugig zu unserer nächsten Unterkunft, gleichzeitig der teuersten auf unserem Weg, denn es geht in Richtung Addo Elephant National Park – und dort herum ist alles recht teuer. Wir haben die uns ebenfalls wärmstens empfohlene Hitgeheim Country Lodge gebucht, die wir über den hässlichen Industrieort Port Elizabeth, der vor allem durch die hohe Zahl an Bettlern auffällt, und Addo erreichen. Die Hitgeheim Country Lodge ist Luxus pur. Eine riesige Hütte nur für uns allein, inklusive Veranda mit Hängematte, einem riesigen Badezimmer mit freistehender Badewanne, in der man mit gigantischem Blick auf das Addo-Elephant-Park-Tal baden kann, sowie zweier Duschen. Eine drinnen, eine draußen. Zufälligerweise sind wir am Ankunftstag die einzigen Gäste (Hauptsaison ist hier unten eher von Dezember bis Februar). Diese Einsamkeit garantiert zwar noch mehr Erholung, aber auch ein etwas seltsames Gefühl, da die Angestellten nun nur für uns da sind und der Chef sein Fünf-Gänge-Menü nur für uns zwei zubereitet (und ich wegen des Magen-Zwischenfalls von Tag 7 nichtmal alle Gänge esse, um meinem Magen noch nicht wieder zu viel zuzumuten). Ebenfalls toll: Es gibt sauschnelles Wireless-Internet in Hitgeheim und so kann ich Euch vielleicht schon heute am späten Abend berichten, wie es ist, wenn man zum ersten Mal in seinem Leben wilde Löwen, Elefanten, Giraffen, … zu sehen bekommt.

popkulturjunkie in südafrika. tag 4. 0

Tag 4 stellte uns im Vorhinein vor die Wahl: Entweder mit der Seilbahn auf den Tafelberg und anschließend in den angeblich so berühmten Kirstenbosch National Botanical Garden – oder aber schon die für Tag 5 geplante Kap-Tour machen. Nachdem der Blick ins Internet nach dem Aufstehen zeigte, dass auch heute wie an den vergangenen Tagen die Fahrt zum Tafelberg nicht möglich war, weil es zu windig und wolkig war, blieb also Variante 2. Und so ging es nach dem Frühstück zum Kap der guten Hoffnung.

Schon die Fahrt dorthin ist ein Erlebnis – zumindest, wenn man den Weg gegen den Uhrzeigersinn nimmt, also erst die Straßen entlang der Westküste. Eine diese Straßen ist nämlich der Chapman’s Peak Drive, eine der berühmtesten Bergstraßen der Welt mit bewegter Vergangenheit. Es ist hier in der Gegend auch die einzige Straße, für die man eine Gebühr zahlen muss, doch diese Gebühr lohnt sich definitiv. Grandiose Ausblicke auf Meer, Buchten, Berge, Strände, Wellen, Felsen, eine großartige Streckenführung, wirklich toll. Auf der ebenfalls tollen Strecke zwischen Scarborough und Kommetije mussten wir dann halten, weil extrem viele Polizeiautos die Strecke versperrten. Wir fragten uns, ob es einen Unfall gab oder Polizeikontrollen, doch ein paar Kilometer weiter wurde das Rätsel gelöst: Dreharbeiten für einen Sportwagen-Werbespot. Man kann sich auch in der Tat kaum eine bessere Kulisse für einen solchen Spot vorstellen.

Am Cape-of-Good-Hope-Nationalpark angekommen nahmen wir erstmal den direkten Weg zu Cape Point, der höchsten Erhebung und dem besten Aussichtspunkt samt Leuchtturm. Wahnsinnswind, Wahnsinnsausblick und dabei die Gedanken, dass nach diesem Punkt Richtung Süden nichts mehr kommt, außer der Antarktis. Ein Ende der Welt also. Das Kap der guten Hoffnung selbst ist etwas tiefer gelegen, lockt aber natürlich ebenfalls alle Touristen an – schon allein wegen des Fotomotivs mit dem Cape-of-good-Hope-Schild. Auf dem Rückweg bogen wir ab und zu nach rechts und links ab und hatten schließlich doch noch Glück, ein paar Baboons (Paviane) zu sehen, die hier so bekannt und berüchtigt sind. Überall wird man gewarnt, Autofenster zu schließen und sogar die Knöpfe des Autos runterzudrücken, weil die Affen mittlerweile sogar gelernt hätten, Autotüren zu öffnen. Die, die wir gesehen haben, saßen aber recht friedlich am Straßenrand, guckten die doofen Autofahrer an und zogen mit ihrem Nachwuchs durch die Gegend.

Außerhalb des Nationalparks gibt es zudem die Cape Point Ostrich Farm, eine nicht zu touristische Straußenfarm. Niemand darf hier tierquälerisch auf den Straußen reiten und die Farm ist noch eine echte Straußenzuchtfarm und kein Freizeitpark mit Vogelabteilung. Ein deutscher Student (Chris aus Hamburg), der nach seiner Zwischenprüfung ein halbes Jahr aus der Zivilisation aussteigen wollte (und wo kann man besser aussteigen als an diesem grandiosen Ort?) führte uns über die Farm, erklärte uns die Straußen (werden bis zu 65 Jahre alt, bleiben ihrem Partner ihr Leben lang treu, legen einen Monat lang ca. 12 Eier, bevor sie anfangen, sie auszubrüten), zeigte uns die frisch geschlüpften Küken und ein paar Wochen alte Minis und erzählte uns von Schutzmaßnahmen gegen die Baboons. Die klauen nämlich gern mal ein Straußenei, bringen ein Küken um, etc. Nicht, weil sie Hunger haben, sondern weil sie offenbar eine kriminelle Hooligan-Ader in sich haben.

Auf dem Weg nach Kapstadt zurück hielten wir natürlich kurz vor Simon’s Town auch noch an der bekannten Kolonie der afrikanischen Pinguine. Leider waren aber nur ca. 100-200 der angeblich 3000 Tiere zu sehen, weil sie wohl gerade in der Federverlier-Phase steckten, dabei frieren und sich deswegen lieber vom Wind geschützt in den Büschen verstecken. Gegessen haben wir schließlich in Kalk Bay – im “Brass Bell”, wo es direkt am Meer solides Pub-Food gibt. Oder anders formuliert: Am Ende des Tages fuhren wir in den bekannten Fischerort Kalk Bay, um Schweine-Ribs und Chicken-Schnitzel zu essen.

popkulturjunkie in südafrika: die medien (1), tageszeitungen. 0

Als kleine Einschübe präsentiere ich zwischen meinen Tagesberichten mal ein paar Beobachtungen zu den Medien in Südafrika. Ich bin schließlich Medienjunkie, vergewissere mich in Hotels meist zuerst, welche TV-Sender es gibt und decke mich täglich mit zahlreichen Tageszeitungen des jeweiligen Landes ein (sofern ich die Sprache des Landes spreche) und weiß natürlich auch, welches die populärsten Websites des Landes sind.

Beginnen wir heute mit den Zeitungen. Hier in Südafrika gibt es eine blühende Zeitungslandschaft, in wie fern das Wort Zeitungskrise hier schon eine Bedeutung hat, weiß ich nicht. Die meisten Zeitungen, die ich bisher gelesen habe, waren aber zumindest noch voll mit Anzeigen. In Kapstadt besonders verbreitet sind das überregionale Boulevardblatt “Daily Sun”, sowie vor allem die Regionalzeitungen “Cape Times” (erscheint morgens) und “Cape Argus” (erscheint nachmittags), die beide zum irischen Konzern Independent News & Media gehören, der z.B auch den englischen “Independent” herausbringt. Ebenfalls bei INM erscheint die neben der “Daily Sun” größte Zeitung des Landes “The Star”, die vor allem in Johannesburg gelesen wird. Hier ein paar Gedanken zu den Zeitungen:

“Daily Sun”: Eine Boulevardzeitung, die vor allem von den Schwarzen gelesen wird. Schlimmer als “Bild”, denn Politik fand in den beiden Ausgaben, die ich gelesen habe, überhaupt nicht statt. Stattdessen: Sex (23-Jährige zeigt Männern auf offener Straße gegen 20 Rand ihre “Most Private Parts” und wird dafür von 45-jähriger Mama verhauen), Crime (die “Daily Sun” zeigt auch gern mal Leichen), Sport (vor allem Fußball) und ein bisschen Klatsch. Für diese Mischung zahlt man aber auch nur 2 Rand, also umgerechnet ca. 18 Cent.

“The Star”: auf Seite 1 ebenfalls recht boulardesk, aber im Gegensatz zur “Daily Sun” im normalen Zeitungsformat erscheinend und durchaus längere Artikel enthaltend. Als zweites Buch enthält das Blatt wie seine Schwesterzeitung “Cape Times” den “Business Report” mit einer umfangreichen Wirtschafts- und Finanzberichterstattung und Börsenkursen. Zudem gibt es eine offenbar tägliche Beilage mit Kultur- und Ausgehtipps namens “Tonight”. Die “The Star”-Leser sind ebenfalls mehrheitlich schwarz. Herausgegeben wird “The Star” vom Medienkonzern Naspers, bzw. seinem Print-Arm Media 24.

“Cape Times”: Deutlich seriöser als Schwesterblatt “The Star”. Enthält auch den “Business Report”, im ersten Buch aber vor allem Themen aus der Politik und nahezu keine bunten Themen. Scheint ein eher konservatives Blatt zu sein. Interessant fand ich einen Artikel darüber, dass in Südafrika wohl gerade diskutiert wird, ob die Fernsehgebühren durch ein Steuermodell ersetzt werden sollen, weil viel zu wenige Leute ihre Gebühren (ca. 20 Euro pro Jahr) zahlen. Die “Cape Times” wird vor allem von Weißen gelesen.

“Cape Argus”: Wird vor allem von den Coloureds (so werden hellhäutigere Afrikaner (Khoisan), Nachfahren der Sklaven aus dem damaligen niederländischen Ostindien und alle Menschen mit gemischten Vorfahren genannt) und Weißen gelesen. Sieht deutlich populärer aus als die etwas dröge “Cape Times”, ist dabei aber nicht so boulevardesk wie “Daily Sun” und “The Star”. Deutlich weniger Wirtschaftsberichterstattung, dafür gibt’s aber eine Kulturseite namens “Life”.

Insgesamt sind die vier Zeitungen, die ich bisher gelesen habe, deutlich dünner als deutsche oder englische Blätter. Sie bestehen im Normalfall nur aus zwei Büchern, selbst die Sportteile sind in diesem recht sportverrückten Land überraschend dünn.

popkulturjunkie in südafrika. tag 3. 0

Nach den gestrigen Fortbewegungsmitteln Bus und Boot folgte heute das Auto. Darin erkundeten wir nämlich etwas die Stadt. Zunächst führte uns der Weg zum Two Oceans Aquarium. “Two Oceans” deswegen, weil an der südlichen Küste von Südafrika Atlantik und indischer Ozean zusammenfließen. Da ich gern solche Aquarien besuche und mir die Meeresbewohner anschaue, wollte ich mir auch das in Kapstadt anschauen. Ich hätte es lassen sollen, denn richtig gut ist es nicht. Viele Fische sind in viel zu kleine Aquarien eingesperrt, richtig viel zu sehen gibt es auch nicht. Wenn man schonmal ein halbwegs gutes Aquarium besucht hat, kann man sich das Two Oceans Aquarium also sparen. Kleiner Gimmick am Rande: Im Aquarium gab es einen Bildschirm mit Selbstauslöser für kostenlose Fotos, die man sich im Internet anschauen kann. Ich konnte natürlich nicht widerstehen

Danach ging es in den recht netten, entspannten und leicht alternativen Stadtteil Observatory, in dem viele Studenten leben, und dort auf die Lower Main Street. Es gab etwas zu essen (leckere Meatballs mit Spaghetti in einem kleinen Café/Restaurant, dessen Namen ich mir leider nicht gemerkt habe). Anschließend fuhren wir in eine Art Parallelwelt, das Canal-Walk-Einkaufszentrum. Hunderte Shops, Fast-Food-Restaurants, Kinos, etc. in einer Pompösität, wie ich sie selbst in Deutschland noch nirgends gesehen habe. Anschließend fuhren wir dann noch einen Teil der Bustour von gestern mit dem Auto nach, weil man sich an der Gegend um den Tafelberg und an der Küste entlang einfach nicht satt sehen kann. Im Schicki-Vorort Camps Bay haben wir keinen Parkplatz gefunden (was letztlich nicht so schlimm war), sodass wir zum Abendessen wieder in Kapstadt landeten.

Wir entschieden uns für die Bar/Kneipe Mama Africa auf der Long Street, die fast ausschließlich von Touristen besucht wird, aber durchaus seinen Charme hat. Wegen fehlender Reservierung blieb uns nur ein Platz an der Bar, die die Form einer viele Meter langen Schlange hat. Ebenfalls nett: Ein riesiger Kronleuchter aus Cola-Flaschen und die afrikanische Livemusik, die es wohl an jedem Abend gibt. Das Essen ist günstig, das Bier gut – ein netter Abschluss des dritten Kapstadt-Tages.

Ich habe noch gar nichts zu unserem Hotel geschrieben: Wir schlafen im Protea Hotel Fire & Ice, einem relativ hippen, aber bezahlbaren Hotel, nicht weit entfernt von der Long Street. Zimmer sind okay, Betten komfortabel, Frühstück ist gut und es gibt kostenloses Internet. Doof ist bloß, dass man sich dafür ständig neue Zugangsdaten an der Rezeption holen muss, weil ein Passwort nur 35 MB lang hält. Hallo? 35 MB? Im Jahr 2009? Fotos werde ich daher auch erst dann nachliefern, wenn wir Kapstadt verlassen und auf unserer Tour hoffentlich mehr Internet-Freiraum haben. Aber egal, ich kann das Protea Hotel Fire & Ice auf jeden Fall empfehlen.

Und sonst? Leide ich als Eincreme-Legastheniker seit gestern an gemeinem rechtsseitigem Hals-Sonnenbrand.

popkulturjunkie in südafrika. tag 2. 0

Der zweite Tag in Kapstadt. Ein Tag ohne viel Rumlaufen, dafür mit viel Rumfahren. Nach elf Stunden Schlaf (ich war nach 90 Minuten Mailand vs. Madrid im Fernsehen und 90 Minuten Bayern vs. Bordeaux am kicker.de-Ticker sofort eingeschlafen) ging es erstmal Frühstück im Supermarkt besorgen und dann in die Innenstadt, von wo aus wir unsere Bus-Hop-on-hop-off-Tour starten wollten. Los ging es an Ulrich Naumanns Buchhandlung, in der es deutsche Bücher und Zeitschriften zu kaufen gibt. Praktischerweise auch die “Süddeutsche” und die “F.A.Z.” – und zwar die aktuellen Ausgaben vom selben Tag. Geschafft wird das, indem es nicht die Originalausgabe gibt, sondern eine auf kleinerem Format ausgedruckte. Eine Firma namens “Newspaper Direct” sorgt für diesen praktischen Service. Eine “Süddeutsche” kostet dafür aber auch ca. 4-5 Euro.

Zum Bus: Ich bin mittlerweile großer Fan dieser Touren geworden, weil sie einem einen perfekten ersten Überblick über eine Stadt bieten und einem trotzdem die Freiheit lassen, an der einen oder anderen Stelle auszusteigen um mit dem nächsten Bus weiterzufahren. Wir machten die blaue Tour, die ich jedem nur empfehlen kann. Es ist keine echte Stadtrundfahrt, sondern eher eine Rundfahrt um Kapstadt herum. So ging es von der Innenstadt aus an District Six vorbei, an den Hängen des Tafelberges herum bis Bakoven und dann an der Küste entlang über Camps Bay, Clifton und Bantry Bay zurück Richtung Innenstadt. Kurz vor der Victoria & Alfred Waterfront erblickte ich dann auch das unglaublich schön zwischen Berg und Meer gelegene WM-Stadion Kapstadts, in dem 2010 u.a. ein WM-Halbfinale stattfinden wird. Fertig ist das Stadion noch nicht ganz, lang wird es aber sicher nicht mehr dauern, denn der Bau sieht schon sehr fortgeschritten aus.

Großartig an der Tour war die wirklich unbeschreibliche Landschaft. Der Tafelberg, von dem man seine Blicke kaum wegwenden kann, das Meer mit seinen heftigen Wellen, wirklich toll. Das einzig unschöne war das gesamte Gebiet zwischen Bakoven und Sea Point, das wirklich überhaupt nicht mehr nach Afrika aussieht, sondern nur noch nach Marbella. Die gesamte Küste wurde (und wird) mit Millionärs-Appartments zugepflastert, die für den Blick aufs Meer Millionen Zahlen, damit die Orte aber zu hässlichen und künstlichen Gebilden werden lassen.

Ausgestiegen sind wir dann an der Victoria & Alfred Waterfront, weil von dort die Boote nach Robben Island ablegen, der ehemaligen Gefängnisinsel, auf der viele führende Anti-Apartheid-Köpfe wie Nelson Mandela lange Jahre inhaftiert waren. Der Besuch auf Robben Island ist komplett durchorganisiert. man fährt mit einem Schiff hin, macht dann eine Bustour über die Insel und endet am Gefängnis, durch das man ebenfalls geführt wird. Was den Besuch der Insel so besonders macht, sind die Guides, die einem alles erklären. Im Bus war das bei uns ein ehemaliger Generalsekretär des Pan Africanist Congress, einer der wichtigsten Freiheitsbewegungen im damaligen Südafrika, durch das Gefängnis führte uns ein ehemaliger Insasse namens Kgotso, der ohne das Ende der Apartheid (und seine Freilassung Anfang der 90er) in diesem Monat seine Strafe als politischer Gefangener abgesessen hätte.

Gerade diese direkten Gedanken und Erfahrungen machten die Tour zu einem bedrückenden Erlebnis, das ich jedem Kapstadt-Besucher ans Herz legen möchte, weil man das Zusammenleben der Südafrikaner verschiedener Herkunft, das natürlich immer noch nicht völlig normal ist, dann viel besser versteht. Der Bus-Guide sorgte rund um die schreckliche Vergangenheit der Insel aber immer wieder für Auflockerung, indem er kleine amüsante Geschichtchen erzählte, Witze über die Länder machte, aus denen wir Touristen kamen und erzählte, wen er schon als Guide über die Insel führen durfte (z.B. Obama, als er noch Senator war).

Zurück auf dem Festland hatten wir inzwischen so viel Hunger, dass wir wieder in der Victoria & Alfred Waterfront aßen – diesmal im Karibu Restaurant, das damit wirbt, “echtes” südafrikanisches Essen zu verkaufen, das Südafrikaner auch zu Hause essen. Ich hatte gegrilltes Fleisch (also “Braaivleis”) – und zwar eine “Boerewors” (das ist eine Art Bratwurst) und erneut ein Straußensteak. Lecker war’s, aber mehr Strauß brauche ich jetzt erstmal nicht. Der Wein (wieder ein Shiraz) war auch wieder exzellent.

popkulturjunkie in südafrika. tag 1. 0

Ich war noch nie auf dem afrikanischen Kontinent, sogar noch nie auf der südlichen Erdhalbkugel. Bis heute. Denn heute begann mein Urlaub in Südafrika, an dem ich Euch mit meinem Blog teilhaben lassen will (wird ja auch mal Zeit, dass hier mal wieder regelmäßig gebloggt wird).

Spannend begann es schon am Frankfurter Flughafen. Die Lufthansa hatte den Flug leicht überbucht und suchte nun mit interessanten Angeboten Freiwillige, die ihren Flug um einen Tag verschieben konnten. Wir fielen aus, da Hotel und Mietwagen in Kapstadt gebucht waren und es zu viel Trara gewesen wäre, das alles aus der Ferne umzubuchen. Doch das Angebot war nicht schlecht: Die Freiwilligen bekamen eine Nacht in einem Frankfurter Top-Hotel und 600 Euro geschenkt. Noch heftiger wurde um einen Freiwilligen geworben, der statt Business nur Economy-Class fliegen wollte. 1500 Euro sollte er bekommen. 1500 Euro dafür, dass er im selben Flieger ein paar Reihen weiter hinten Platz nimmt. Kein Wunder, dass sich genügend Freiwillige fanden, sodass keine Dramen am Flughafen stattfanden.

Im Flieger hatte ich dann zum ersten Mal das Vergnügen am Platz ein Touchscreen-Monitor mit Entertainmentprogramm zu haben. Leider war das Filmangebot aber so mittelmäßig, dass ich nur einen Film sah – “Die Entführung der U-Bahn Pelham 123″ – ein komplett überraschungsfreier Entführungs-Thriller mit John Travolta und Denzel Washington. Den Rest der Zeit flimmerte die Landkarte auf meinem Bildschirm, auf der sich verfolgen lässt, über welcher afrikanischen Region der Flieger nun gerade unterwegs ist. An Schlafen war trotz der nächtlichen Flugzeit von 22.55 Uhr bis 11 Uhr kaum zu denken. Die Länge meiner Beine verhindert ein komofortables Sitzenstellenlegen. Was ich im Übrigen auch nicht kapiere, ist warum um 2 Uhr nachts ein warmes Essen gereicht wird (Geht Schnäppchen-Deutschland sonst auf die Barrikaden, wenn es kein Essen bei der Lufthansa bekommt?) und warum die Stewardessen diese rauen Mengen an Alkohol ausschenken. Hier ein Whiskey, da ein Campari, noch ein Gläschen Wein, morgens dann schon ein Bier. Saufen auf Kosten aller anderer Fluggäste (die den Spaß ja letztlich mitbezahlen).

Aber wollte ich nicht eigentlich von Südafrika erzählen? Na gut. Unsere erste Etappe führt uns nun also ein paar Tage lang nach Kapstadt, eine Stadt, die schon deswegen atemberaubend ist, weil sie zwischen grandiose Berge und das Meer eingekeilt liegt. Eine tollere Lage kann man sich kaum vorstellen. Viel über Kapstadt kann ich noch nicht berichten, außer dass die Long Street eine ziemlich nette, junge Straße mit vielen Cafés, Bars, Surfer- und Klamottenläden ist, die Pizza im Long Street Cafe aber nicht empfehlenswert ist.

Danach gingen wir dann in Richtung Victoria & Albert Waterfront, wo wir den Rest des Nachmittages verbrachten. Das Teil ist eine Art Parallelwelt, in der massenhaft Security-Leute aufpassen, dass wohlhabende Südafrikaner und vor allem Touristen ihr Geld in 200 bis 300 Shops und Restaurants lassen. Trotzdem hat mir diese Parallelwelt irgendwie gefallen, denn die Lage im Hafen ist wirklich toll. Gegessen haben wir dann im “Belthazar”, wo es vor allem Gegrilltes, Seafood und die angeblich “biggest Wine Bar in the World” gibt. Und in der Tat hatte ich eine solche Weinkarte bisher noch nicht gesehen. Ich bin schon gespannt auf die Weinregion, die wir im Laufe des Urlaubs auch noch besuchen werden.

Gegessen habe ich übrigens das erste Straußensteak meines Lebens. Ein bisschen traurig bin ich zwar, dass einer dieser lustigen Vögel sterben musste, damit ich ihn essen kann,aber letztlich gibt es ohnehin keine wildlebenden Straußen mehr (wenn ich mich nicht irre), sodass sie vollkommen zu Nutztieren geworden sind. Geschmeckt hat es recht lecker. Kein bisschen nach Geflügel, eher nach Rindfleisch, aber deutlich faseriger. Dazu gab es einen sehr leckeren Shiraz aus Stellenbosch – ich mag schwere Rotweine ja sehr gerne.

Essen ist hier übrigens (wie auch das Taxifahren) extrem günstig. Für einen Viertelliter 100%igen Orangensaft zahlt man im Supermarkt umgerechnet 35 Cent und meine Pizza im Long Street Cafe hat auch keine 5 Euro gekostet. Die Geldscheine sind aber fast zu schade zum Ausgeben, weil sie so nett aussehen. Auf jedem ist ein Tier abgebildet. Auf dem 20-Rand-Schein ein Elefant, auf dem 50er ein Löwe und auf dem 100er einer dieser Büffel.

Tja. Und dann war da noch der unerfreuliche Teil des Tages. Perfekt dem Klischee entsprechend begegnete uns nämlich ein Typ, der Geld wollte, uns Bedrohte und minutenlang nicht von der Seite wich. “i’m not a bad man, please don’t make me take all your money, i don’t want to be a criminal…” Ich habe mich selten in meinem leben so unwohl gefühlt wie in dieser bedrohlichen Situation (die zum Glück gut ausging, weil er am Ende doch ohne Gewalt und Geld von uns abzog). Am meisten ärgert mich diese Situation (die mitten am Tag in der Nähe der Victoria & Albert Waterfront stattfand, also keineswegs in einer dunklen Ecke der Stadt und auch nicht am Abend)… am meisten ärgert mich also, dass ich vorher so begeistert von den sympathischen Südafrikanern war, und dann kommt so ein Arschloch und macht alles kaputt. Ich hoffe, dass ich die Situation schnell vergessen kann und stattdessen wieder sympathische Südafrikaner treffe. Letztlich hat es aber vielleicht auch etwas Gutes an sich, dass und das gleich am ersten tag passiert ist, denn so werden wir nicht leichtsinnig und lassen ein paar Euro beim Taxigewerbe.

the parlotones. 2

Bevor ich in Urlaub fahre, beschäftige ich mich vorher meist auch mit der Musik des Landes. Und so sind mir bei meinen Recherchen zu meinem nächsten Reiseziel Südafrika die Parlotones aus Johannesburg aufgefallen. Hört man die Musik der Band, denkt man allerdings nicht wirklich an Afrika, sondern eher an London, Manchester oder so. Schönster britischer Indiepoprock tönt aus den Lautsprechern. In Südafrika sind The Parlotones wohl ziemliche Stars, haben Preise gewonnen, etc. Nach Europa ist die Band in diesem Jahr auch schon gekommen. Am Montag lässt sich die Band noch in Nürnberg live sehen und am Donnerstag in Berlin. Ich werde dann allerdings schon in Südafrika sein, vielleicht ja ab und zu mit den Parlotones in meinem Ohr…

meine drei lieblingsplatten der vergangenen monate. 2

- Everlaunch – “suburban grace”

Everlaunch sind mir zum ersten Mal über den Weg gelaufen, als sie Oasis beim Konzert in Düsseldorf unterstützten. Ich war damals so begeistert, dass das neue Album ein Pflichtkauf war – und zwar einer der Marke “am Erscheinungstag unbedingt schon um 0 Uhr als Download kaufen”. Und der Kauf hat sich definitiv gelohnt – so sehr, dass die Platte eine meiner Lieblingsplatten der vergangenen Monate geworden ist. Live erkannte ich damals Einflüsse von Placebo und My Vitriol in der Musik der Band, auf dem Album erinnern sie mich zudem irgendwie an die leider irgendwann aufgelöste Band Readymade, deren Gesamtwerk man ohnehin mal wieder öfter hören sollte. Aber zurück zu Everlaunch: “suburban grace” ist ein Muss für Leute, die melodiösen Indierock lieben und dabei einen gewissen Hit-Faktor nicht abschreckend finden. Denn eingängig ist fast alles auf dem Album. “run run run”, “seesaw”, “picturefreak”, “gravity”, ach eigentlich gibt es maximal einen oder zwei Tracks, die nicht grandios, sondern “nur” gut sind. In meiner Endabrechnung des Musikjahres 2009 wird “Suburban Grace” ganz weit oben stehen.

- Jochen Distelmeyer – “heavy”

Auf “heavy” war ich sehr gespannt. Ich war ja einer der Glücklichen, die eins der kleinen Vorab-Club-Konzerte erleben durfte und wusste daher schon, dass der Name des Albums tatsächlich Programm ist. Distelmeyer klingt durchaus härter, rockiger als zuletzt bei Blumfeld. “wohin mit dem hass?”, “er” und “hinter der musik” sind hier einige Beispiele. Doch “heavy” bietet mehr: Distelmeyer gelingt eine perfekte Mischung aus den rockigen Klängen und der Melancholie, für die ich seine Musik schon zu Blumfeld-Zeiten so geliebt habe. “jenfeld mädchen”, “bleiben oder gehen” und natürlich “murmel” sind Songs, die ich auch noch in vielen Jahren an verregneten Herbstabenden hören werde – in einer Playlist mit “graue wolken” und “tausend tränen tief” und all den anderen Songs. Es ist schön, dass Jochen Diestelmeyer wieder da ist.

- Editors – “in this light and on this evening”

Was für ein Album. Als ich “in this light and on this evening” zum ersten Mal hörte, dachte ich bei jedem weiteren Song “Meine Fresse, ist das düster”. Allein der Titeltrack, der das Album eröffnet, dürfte so manchen Fan ziemlich verstört haben oder ihn gleich in Depressionen geschickt haben. Und bis zu “walk the fleet road” geht es fast ununterbrochen so weiter. Düsternis, Melancholie, apokalyptische Depri-Stimmung. Einzig “papillon” ist ein fünfminütiger Stimmungsaufheller – weil der Song so grandios kraftvoll ist. Für mich ist die neue Düsternis der Editors aber eine logische Weiterentwicklung. Die Gitarre ist weitgehend weg, dafür gibt es mehr Synthesizer-Klänge, doch die Editors erkennt man in eigentlich allen Songs sofort wieder. Es erfordert Mut, einen solchen Weg zu gehen, nicht einfach noch zwölf Alben zu produzieren, die alle gleich klingen wie es all die Stadionrock-Bands tun, die irgendwann nicht mehr aus ihrer Komfort-Zone herauskommen und sich mit Stillstand zufrieden geben. Die Editors haben etwas gewagt – und dabei herausgekommen ist eine der besten Platten des Jahres.