Archive for December, 2004

popkultur 2004 (3). 0

Kurz vor Jahresende hab’ ich noch schnell die Jahres-Bestenlisten aus der “Visions” und den beiden englischen Magazinen “Q” und “Mojo” online gestellt. Zu finden nach diesem Klick.

mein 2004 in listen (teil 1). 1

Damit mein Jahresrückblick nicht erst am 15. Februar oder so erscheint, splitte ich ihn mal auf. Bevor ich in den nächsten Tagen noch Listen mit den besten Konzerten, den besten Platten, den besten Songs und allen anderen besten Sachen des Jahres veröffentliche, kommen hier mal meine 10 Lieblingsfilme des Jahres 2004:

01: “Vergiss mein nicht!”
Wundervolle Bilderorgie mit hohem Romantikfaktor von Charlie Kaufman und Michel Gondry. Großartiger Soundtrack (z.B. Beck – “everybody’s gotta learn sometime”)

02: “Lost in Translation”
Großer kleiner Film von Sophia Coppola mit viel Melancholie, grandiosen Darstellern und toller Musik.

03: “Schultze gets the Blues”
Überraschung des Jahres. Horst Krause in einem Film, der wohl niemanden ohne Lächeln aus dem Kino entlässt.

04: “School of Rock”
Charmante Musik-Komödie mit Jack Black. Nervt trotz vieler vieler Kinder kein bisschen.

05: “Coffee and Cigarettes”
Skurrile und unterhaltsame Kurzgeschichten von Jim Jarmusch. Hauptdarsteller: Kaffee und Zigaretten.

06: “Gegen die Wand”
Intensives Drama von Fatih Akin.

07: “Der Untergang”
Atmosphärisches Endzeit-Drama, das auch ohne Guido Knopp die nächste Welle des Hitler-Hypes ausgelöst hat.

08: “I, Robot”
Überraschend guter und intelligenter Science-Fiction-Film (trotz Will Smith).

09: “Die Unglaublichen – The Incredibles”
Spannender und lustiger Pixar-Mix aus James-Bond- und Superhelden-Geschichte.

10: “The Village – Das Dorf”
M. Night Shyamalans vierter Film. Zwar nicht so gut wie “Sixth Sense” und “Unbreakable”, aber wesentlich besser als “Signs”.

“spex”-archiv. 0

Absolut genial: Auf spex.de gibt’s seit gestern eine Galerie mit allen Titelbildern der bisher erschienen Ausgaben. Das allererste Heft aus dem September 1980 gibt’s außerdem komplett als pdf. Und weitere, vergriffene Ausgaben sollen folgen. (via Marie)

“die perfekte w***e”. 9

Normalerweise müsste man jetzt angesichts dieser unfassbar dummen Aktion den ganzen Tag lang “die perfekte welle” hören und sich den Song bei allen Radio- und Fernsehsendern wünschen. Und wenn man das Lied schon verbietet, dann fordere ich hiermit auf, die Sportart Wellenreiten zu verbieten, sämtliche Mikrowellen aus den Geschäften zurückzuholen und den Friseuren zu untersagen, Dauerwellen anzufertigen. Denn das geht aus Pietätsgründen ja wohl alles wirklich nicht.

musikantenstadl für parallelgesellschaften. 3

Auch wenn es schon einige Tage zurückliegt, das Comeback. Aber ich war nunmal tagelang in einer völlig internet-befreiten Zone. Und unter den Tisch fallen lassen kann ich das Thema ja definitiv nicht.

Er ist also wieder da. Und in jeder einzelnen Sekunde war mir so sehr bewusst, was ich in diesen 12 viel zu langen Monaten vermisst hatte. Sie hat kein Konzept, diese neue Harald-Schmidt-Show, sie wirkt wie 45 wahllos herausgeschnittene Minuten aus einer netten Nachmittags-Plauderei zwischen ihm und Herrn Andrack. Aber genau das ist ja das, was wir alle schon in den SAT.1-Zeiten liebten. Nicht die aufgeschriebenen Gags oder die blöden Gäste (“where have all the bitches gone?”). Und sogar bei Eltern, die die Bemerkung des Sohnes, sie müssten jetzt mal 45 Minuten absolut still sein, da er jedes einzelne Wort Schmidts aufsaugen müsse, mit Kopfschütteln quittieren, da er ja so albern sei, der Herr Schmidt. Selbst diese Eltern müssen irgendwann zugeben, dass das ja richtig gut sei, so wie er das da gerade mache. So satirisch und politisch und hintergründig. Tja. Sie hatten den Herrn Schmidt wohl seit ein paar Jahren nicht mehr gesehen. Und ich freue mich jetzt beinahe noch mehr auf die zweite Show, als ich mich auf die Erste gefreut hatte. Wann ist nochmal der 19. Januar? Oh. Noch verdammt fern…

bloggertreffen. 1

Ein bisschen seltsam war es schon, sich auf einmal zwischen ca. 20 Leuten wiederzufinden, die alle dasselbe tun wie man selbst: bloggen. Aber sehr sehr nett war es. Erfreulich un-nerd-ig. Keine stundenlangen Gespräche über Blog-Software, -Provider oder Zugriffsstatistiken. Stattdessen endlich jemanden getroffen, der die großartige Band Chikinki zu würdigen weiß. Und zu lernen gab es auch etwas: Wenn Blogger eins können, dann Saufen. Fotos gibt’s bei Herrn iX und Frau lu.

southside 2005. 3

Bevor ich für ein paar Tage in die internetfreie Zone meines Elternhauses abtauche, noch schnell aktuelle Neuigkeiten vom Hurricane- und Southside-Festival. Das findet im kommenden Jahr vom 10. bis 12. Juni statt. Und die ersten bestätigten Bands sind: Oasis (!), Kettcar, Beatsteaks, Die Ärzte, Rammstein, System of a Down, Audioslave und Wir sind Helden. Und mit diesen teilweise fabelhaften News wünsche Ich Euch schöne Weihnachtstage. Ich bin am Montag wieder zurück…

charts (2004-12-06). 2

Die letzten Chart-New-Entry-Kritiken vor Weihnachten. Hier sind die Neu-Einsteiger in die deutschen Single-Charts vom 6. Dezember 2004:

99: Johnny Logan – “we all need love”
Johnny Logan? Ist der nicht schon tot? Wenn ich mich nicht täusche, ist der in Deutschland bekannt geworden, weil er bei irgendeinem Schlager-Grand-Prix gewonnen hat. Seitdem gab es aber auch keinen größeren Hit mehr von Herrn Logan. Seine Musik klingt so blöd und flach wie vor 20 Jahren. Und ich hab auch keine Ahnung, wie der den Weg zurück in die Charts gefunden hat. 1 von 10 Punkten.

68: Master Blaster – “dial my number/hands up”
Gibt es auch Master-Blaster-Tracks ohne männliche Stimme, die “Mestaa Blestaa” ins Mikro schreit? Wohl nicht. Diese neue Single bietet ansonsten 80er-Pop-Gedudel, das längst schon wieder out ist. Dorfdisco-Zappelheinis werden Spaß bei dem Song haben. Alle anderen werden einschlafen. 2 von 10 Punkten.

40: Boppin’B – “if you believe”
Im Windschatten von Dick Brave aka Sasha kommt jetzt auch noch eine Rockabilly-Band in die Öffentlichkeit. Und dank Sasha-Coverversionen sogar in die Charts. Wenn das Ganze Dick-Brave-Gesinge nicht schon so tot geritten wäre, dass es nur noch nervt, wäre die Boppin’B-Version von “if you believe” sogar ganz witzig. 3 von 10 Punkten.

33: Xzibit – “hey now (mean muggin)”
Harter, aggressiver Rap vom “Pimp my Ride”-Moderator zum Abschalten, (bevor einem das ewige “hey now, hey now” doch noch ins Ohr geht und nicht mehr rauskommt). 1 von 10 Punkten.

27: Nelly and Christina Aguilera – “tilt ya head back”
Tja. Was soll ich zu Nelly schreiben. Das ist einfach nicht meine Musik. Langweiliges und langwieriges Gerappe, Gesinge und Gestöhne. Ohne Melodie. Bei diesem neuen Lied singt auch noch die dämliche Frau Aguilera mit. Und es klingt, als sei es schon ca. 83 Mal dagewesen. 1 von 10 Punkten.

24: Die Toten Hosen – “wahlkampf”
“Schiebt den Wal zurück ins Meer”? Was soll denn so eine Textzeile? Die Toten Hosen mochte ich mit wenigen Ausnahmen nie so richtig. Campino geht mir regelmäßig auf den Sack und die meisten Stücke der Band nerven extremst. So auch dieses Neue hier. Und Textzeilen wie “Schiebt den Wal zurück ins Meer” fallen einem wohl nur ein, wenn einem sonst nichts mehr einfällt. 1 von 10 Punkten.

23: Die Ärzte – “die klügsten männer der welt”
“Ärzte oder Hosen?” war eine der wichtigen Fragen meiner Jugend. Meine klare Antwort war immer: “Ärzte!” Auf der Comeback-Tour Anfang der 90er war das Ärzte-Konzert, auf dem ich zugegen war, das bis dahin beste Musik-Konzert meines Lebens. Mit den Jahren verlor ich jedoch das Interesse an dieser Band. Neue Teenie-Zielgruppen wuchsen nach, die alten Fans gingen zu großen Teilen. In den letzten Jahren gab es immer wieder ein paar Ärzte-Songs, die mir recht gut gefielen, die meisten waren eher belanglos. “die klügsten männer der welt” gehört zu der zweiten Kategorie. 4 von 10 Punkten.

20: Groove Coverage – “runaway”
Diese Kirmes-Techno-Stücke sind ein absolutes Phänomen. Obwohl in diesem Genre seit mindestens zehn Jahren keine Entwicklung mehr stattfindet, immer wieder dieselben Melodien mit den selben Beats unterlegt werden, steigen die Songs doch in die Charts ein. Auch dieser Track von Groove Coverage bietet keinerlei Innovationen und langweilt von vorn bis hinten. 2 von 10 Punkten.

18: 4United – “don’t close your eyes”
Was passt besser zu Weihnachten als Hardcore-Schmalz? Und so haben sich die vier “DSDS”-Loser Gracia, Daniel K., Nektarios und Steffi (die es zuletzt bei Popstars nochmal mit der “großen” Karriere versuchte, allerdings in einer der Vorrunden scheiterte) zu 4United zusammengetan, um eine Hardcore-Schmalzballade aufzunehmen. Die wäre sogar noch zu ertragen, wenn nicht andauernd das Küblböck-Gekrächze dazwischen nerven würde. Obwohl, so richtig zu ertragen, wäre sie auch ohne Küblböck nicht. 1 von 10 Punkten.

14: Rosenstolz – “ich komm an dir nicht weiter”
Und noch so eine Band, mit der ich nichts anfangen kann. Musik für homosexuelle Weicheier und Pur-Hörer. Die neue Single ist leicht melancholisch, hauptsächlich aber ermüdend. 2 von 10 Punkten.

12: Rammstein – “ohne dich”
Rammstein ist ein schwieriges Thema für mich. Als sie damals neu waren, übten sie schon einen gewissen Reiz auf mich aus. Im Laufe der Jahre ist dieser Reiz aufgrund des zu extremen Sich-Wiederholens verschwunden. “ohne dich” ist abgesehen von dem dreisten Clip-Klau von Naked Lunchs großartigem “god” aber ein absolut annehmbarer Song. Sehr ruhig, ab und zu angereichert mit harten Drums, beinahe etwas gothic-esk. Durchaus hörbar, nur Till Lindemanns Stimme nervt. 4 von 10 Punkten.

charts (2004-11-29). 1

Ohne lange Vorrede (schließlich muss ich schnell ein bisschen aufholen) – hier sind die New Entries in dei deutschen Single-Charts vom 29. November 2004:

92: OutKast – “prototype/ghetto musick”
Die besten OutKast-Stücke kamen immer von Andre 3000. Die neue Single stammt auch von ihm. Eine Ballade, die ein bisschen nach 70er-Jahre-Drogen-Musik klingt. “prototype” klingt bestimmt noch viel besser, wenn man bekifft ist. Ohne Drogeneinfluss klingt das Liedchen zwar nett, wird aber auch dank der Länge von über 5 Minuten schnell zäh und langweilig. Es gab schon wesentlich bessere OutKast-Songs. 4 von 10 Punkten.

84: Keane -”this is the last time”
Langsam wird’s Zeit für neues Keane-Material. Immerhin ist das Album nun schon viele Monate auf dem Markt. Dennoch wurde nun auch noch “this is the last time” ausgekoppelt. Es fällt mir schwer, noch etwas über einen Song zu schreiben, den ich bestimmt schon 50-100 mal gehört habe. “this is the last time” ist wie fast alle anderen Keane-Songs ein wunderschönes Stück Pop. 8 von 10 Punkten.

77: Die Prinzen – “unsicherheit macht sich breit”
Hilfeeeeeee! Es gibt eine Band, die hasse ich noch mehr als Pur: Die Prinzen! Diese klebrige, dümmliche, politisch immer korrekte Mischung aus Ossi-Schlager, A-cappela-Generve und Texten, die unfassbar auf den Sack gehen. Sozialdemokratie als Musik. 0 von 10 Punkten.

72: Lenny Kravitz – “calling all angels”
Ihr sucht das perfekte Schlaflied für einsame Winternächte? Hier ist es. Lenny Kravitz säuselt 5 Minuten lang ein zähes, einschläferndes Etwas ins Mikrofon. Es zieht sich und zieht sich und zieht sich. Dabei hatte man doch schon nach wenigen Sekunden gemerkt, wie langweilig es ist. 3 von 10 Punkten.

63: Shana Vanguarde – “gimme gimme gimme”
ABBA wird ja gerne mal gecovert. Immer wieder. Auch die Kirmestechno-Fraktion hat ABBA schon vor längerem entdeckt. Hier wird einer der nicht so tollen ABBA-Songs für die Dorfdisco flottgemacht. Mit dumpfen Bässen, pseudo-mystischem Gefasel einer Männerstimme und dem üblichen Singsang einer Frauenstimme. Nix Besonderes. 2 von 10 Punkten.

62: Paula Lucas feat. Julian – “can I kiss you”
Ach du scheiße. Da recherchiert man nur kurz, um zu wissen, was das für Leute sind, die meine Ohren mit diesem Larifari-Pop belästigen. Und was ist das Ergebnis? Ein gewisser Julian ist “Star” der peinlichen ProSieben-Nachmittags-Soap “Abschlussklasse”. Dürfen jetzt also auch schon Leute aus dem Daytime-Fernsehen Platten aufnehmen? Und wo führt das hin? Gibt’s demnächst den Smash-Hit von Richterin Barbara Salesch? Oder voll credibilen Rap von Rechtsanwalt Ingo Lenßen? Für “can I kiss you” gibt’s als Warnung schonmal 1 von 10 Punkten.

52: Kate Ryan – “goodbye”
Belgiens “désentchantée”-Kirmes-Techno-Lady Kate Ryan macht jetzt in Pop-Balladen. “goodbye” ist nichts besonderes: ein bisschen Klavier-Geklimper, schwülstige Melodien, die auch zu Frau Catterfeld pasen würden. Dank der Stimme von Frau Ryan ist es aber gerade noch so hörbar. Aber dennoch schnell wieder vergessen. 2 von 10 Punkten.

49: Seal – “walk on by”
Warum fällt eigentlich immer wieder eine stattliche Anzahl von Leuten auf Seal herein? Allmählich müsste sich doch in jede noch so kleine Ecke der Welt herumgesprochen haben, dass seine Songs immer wieder absolut identisch klingen. Dieser neue Quatsch heißt “walk on by”, plätschert aber genau so seicht dahin wie alle vorigen Seal-Songs auch. 1 von 10 Punkten.

45: Guano Apes – “break the line”
Eine der guten Nachrichten 2004 war ja, dass sich die Guano Apes auflösen wollen. Die dufte Rock-Kapelle aus dem schönen Göttingen, die seit Jahren nur noch nervt. Zum Abschluss gibt’s natürlich noch ein Best-of-Album – und darauf enthalten sind die üblichen neuen Songs. Einer davon heißt “break the line”, ist etwas unausgegorener, belangloser Metal-Rock. Löst Euch ruhig auf, ist nicht schade… 2 von 10 Punkten.

38: Patrick Nuo – “girl in the moon”
Nanu. Seit wann versucht denn Patrick Nuo, Ex-Vivid-Sänger Thom. zu imitieren? “girl in the moon” klingt zumindest anfänglich sehr danach. Und gar nicht so schlimm, wie man denken möchte, wenn man den Namen Patrick Nuo liest. Gegen Ende schwächelt der Song dann zwar noch ein bisschen und gleitet endgültig ins Schlagereske ab, aber dennoch ist er eine kleine angenehme Überraschung. 4 von 10 Punkten.

20: Juli – “geile zeit”
Nach 21 Wochen Charts-Zugehörigkeit für die “perfekte welle” wird es höchste Zeit für den Nachfolge-Hit. Und der zeigt, dass Juli keineswegs ein One-Hit-Wonder sind. Allenfalls ein One-and-a-half-Hit-Wonder. “geile zeit” ist etwas melancholischer Pop, wie man ihn schon von der “perfekten welle” kennt. Sehr schön. Und würde das Stück nicht den plumpen Titel “geile zeit” haben, würde es vielleicht auch noch mehr Punkte geben, als: 7 von 10 Punkten.

9: Vanilla Ninja – “blue tattoo”
Vanilla Ninja ist einer der größten Irrtümer der Teenie-Presse-Historie. Wie konnte es dazu kommen, eine untalentierte Mädchenband aus dem Ostblock zu hypen, deren substanzloser Mix aus Pseudo-Metal und Kreisch-Pop auch noch genau danach klingt: nach Ostblock? Bestimmt werden sich all die kleinen Mädchen und Jungs, die Vanilla Ninja momentan super finden, in ein paar Jahren ordentlich dafür schämen. 1 von 10 Punkten.

herr shhhh. 0

Herr Shhhh schreibt über “Popstars”. Und das Ergebnis ist extrem lesenswert!

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