charts (2005-03-21).

Alles neu in meiner kleinen Charts-Kolumne. Ab sofort gibt’s zu jedem New Entry, sofern verfügbar, einen Link zum Video. Damit sich jeder ein eigenes Bild vom Song machen kann, wenn er will. Außerdem gibt’s am Ende der Kolumne noch die jeweilige Top 5 der Charts und ein paar Singles, die ebenfalls erschienen sind, aber den Sprung in die Charts nicht geschafft haben. Ladies and Gentlemen, hier sind die Neu-Einsteiger der deutschen Singlecharts vom 21. März 2005:

78: Jess – “du bist wie ich” / Video

Wie traurig. Erst eine Top-Karriere mit den No Angels und dann der Niedergang. Ein neuer Job beim Unter-Unter-Unterschichtenfernsehen 9Live und jetzt steigt die neue Solo-Single auch nur auf Platz 78 der Charts ein. Da helfen auch neue Brüste, der Sprung auf den Deutsch-Pop-Zug und eine Zusammenarbeit mit Jazz-Künstler Till Brönner nichts. Warum, merkt man allerdings schon nach den ersten Takten des Songs. Ohne die No Angels hätte Frau Wahls nämlich wohl nie Karriere gemacht. Ihre Stimme ist zu piepsig, klingt beinahe nach Annett Louisan. Der Song selbst ist eine soulig-jazzige Nummer, die letztlich ganz okay klingen würde, wenn sie jemand anderes singen würde. 2 von 10 Punkten.

75: Paris Avenue feat. Robin One – “i want you” / Video

Paris Avenue sind zwei belgische DJs und Produzenten namens Danny Corten und Mark Carpentier. Dieser Song ist anscheinend eine Kopie eines Tracks des Projekts Filur, die zeitgleich erschienen ist, aber nicht den Sprung in die Charts geschafft hat. Gibt’s in der Dancemusic-Branche ja oft, solche Kopierereien. Wie auch immer, “i want you” ist ein House-Track im Stile von Eric Prydz und anderen. Recht hörbar und definitiv Großraum-Disco-kompatibel. 5 von 10 Punkten.

73: Ana Johnsson – “coz i can” / Video

Die vierte Single aus Ana Johnssons Debüt-Album “the way i am”. Bekannt geworden ist sie durch ihren Beitrag zum “Spiderman 2″-Soundtrack. “coz i can” klingt so wie die anderen Ana-Johnsson-Songs auch. Mainstreamiger Poprock zwischen Jeanette Biedermann und Avril Lavigne. Der Schluss des Stücks ist sehr nett, klingt etwas nach Spieluhr. Insgesamt relativ hörbare Musik. 4 von 10 Punkten.

65: Queens of the Stone Age – “little sister” / Video

Die Queens of the Stone Age sind wieder da. Das neue Album “lullabies to paralyze” ist inzwischen auch erschienen und die Single “little sister” ist sensationellerweise in die Single-Charts eingestiegen. Sicher liegt’s auch an der Heavy Rotation des Videos auf MTV & Co. Der Rausschmiss von Bassist Nick Olivieri hat der Band relativ wenig geschadet, der Sound ist nicht verloren gegangen. Ich jedenfalls werde mich bis an mein Lebensende an eines der coolsten Konzerte meines Lebens erinnern, damals beim Southside-Festival mit Dave Grohl an den Drums. Für “little sister”, allerfeinsten Midtempo-Stoner-Rock, gibt’s 8 von 10 Punkten.

54: Billy Idol – “scream” / Video

Oh mein Gott. Opa Idol, gefühlte 200 Jahre alt ist wieder da. Er sieht inzwischen aus, als würde er Hauptfigur in einem Zombiefilm sein. Aber rocken kann er noch, der alte Mann. Setzt da wieder an, wo er damals in den 80ern aufgehört hat. Leider hat er sich aber seitdem auch kein bisschen weiterentwickelt, macht immer noch dieselbe inzwischen ziemlich altbackene Rockmusik für Biker-Kneipen. Für seine erste Charts-Platzierung seit 15 Jahren hat es zwar gereicht, von mir gibt’s aber nur 2 von 10 Punkten.

48: Die Fantastischen Vier – “geboren” / Video

Die dritte Single vom Platin-Album “viel”. Ein Hit wird sie nicht werden, denn sie klingt so gar nicht ohrwurmig und eigentlich ziemlich außergewöhnlich für Die Fantastischen Vier. Ziemlich groovig, funkig und weibliche Vocals im Refrain. Eine mutige Entscheidung also, das schwerfällige Stück als Single zu veröffentlichen. Mit der Zeit entwickelt es zwar einen gewissen Charme, doch lang erinnern wird man sich daran. 3 von 10 Punkten.

34: Die Toten Hosen – “alles wird vorübergehen” / Video

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. Oder auch “alles wird vorübergehen”. Die neue Single der Toten Hosen. Dass ich die Band nicht mag, ist kein Geheimnis. Doch diese neue Single, die mittlerweile dritte vom Platin-Album “zurück zum glück” ist gar nicht mal so schlecht. Auch wenn die ersten Gitarrenklänge ein bisschen nach den Scorpions klingen, die eigentlich eher in den Herbst passende Melancholie des Songs ist wirklich angenehm. Der Text versprüht natürlich die bei den Toten Hosen immer latent mitschwebende Peinlichkeit, aber von mir gibt’s trotzdem rekordverdächtige 7 von 10 Punkten.

31: Usher – “caught up” / Video

Noch eine Usher-Single aus dem “confessions”-Album. Die vierte mittlerweile. In den USA hat es “caught up” bis auf Platz 8 geschafft, in England bis auf Rang 9. In Deutschland wird das schwer sein, zumal der Song nichts anderes bietet als den üblichen Usher-Sound. Dass er eine tolle Stimme hat, möchte ich gar nicht bestreiten, aber auf Dauer langweilt sein Zeug nunmal zutiefst. 2 von 10 Punkten.

29: Anastacia – “heavy on my heart” / Video

Ebenfalls die vierte Single aus dem mittlerweile ein Jahr alten Album “anastacia”, das in Deutschland schon viermal Platin erreicht hat. Da wird ein kommerzieller Erfolg bis zum letzten ausgeschlachtet. Und die Fans machen mit und kaufen jeden Rotz. Während “left outside alone” und “sick and tired” aber bis auf Platz 2 geklettert sind, schafft die klebrige Ballade “heavy on my heart” nichts ähnliches. Frau Anastacia schmalzt mit ihrer aufdringlichen Stimme eine Ballade, die in künftigen “Deutschland sucht den Superstar”-Staffeln sicher gern nachgesungen wird, aber letztlich ziemlich nervt. 2 von 10 Punkten.

27: Sascha S – “geiles jahr” / Video nicht verfügbar

Das war wohl leider nicht zu verhindern. “Big Brother”-Gewinner und Schwiegermamas Liebling Sascha S wurde schnell ins Studio gefahren, um ein paar vorgefertigte Textbausteine zu “singen”. “das war ein geiles jahr, das war ne geile zeit. und keine sekunde hab’ ich bereut.” Tja, so denkt er jetzt. Aber wenn er sich diesen Dreck in ein paar Jahren noch einmal anhört, wird er sich schämen. Schämen sollten sich übrigens auch alle, die sich sowas kaufen und über 12 Jahre alt sind. 0 von 10 Punkten.

23: U2 – “sometimes you can’t make it on your own” /