Ich hoffe, ich kann meine Schreib-und-Update-Krise jetzt mal beenden. Fangen wir an mit ein paar Chart-New-Entry-Kritiken, damit die nicht zu sehr in Vergessenheit geraten. Hier sind erstmal die Neu-Einsteiger der deutschen Single-Charts vom 13. September 2004

98: Bosson – “you opened my eyes”
Typischer Schmalzpop von dem Typen, der uns schon mit “one in a million” beglückt hat. Und diesen ein paar Jahre alten Hit hört man auch in der neuen Single deutlich raus. “you opened my eyes” – “you’re one in a million” – klingt sehr ähnlich, wenn man es hört. Das muss man aber nicht wirklich. Aber so richtig schlimm ist es auch nicht. Zahme 3 von 10 Punkten.

87: “Paps’n'Skar – “mirage/la luna”
Zwei italienische DJs verbergen sich hinter diesem Projekt. Zwei italienische DJs mit der Mission, einen riesigen Sommerhit zu produzieren. In Italien lange Zeit an der Spitze der Charts, hätter er sicher auch in Deutschland gute Chancen dazu gehabt, wenn er ein bisschen früher bekannt geworden wäre. Aber erst im September…? Der Song ist auf jeden Fall typischer Italo-Disco-Kirmes-Pop. Aber definitiv erträglicher als so manches, was da heute noch auf mich zukommt… 2 von 10 Punkten.

86: Helmut Lotti – “two guitars”
Hiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiilllllllllllllllllfffffffffeeeeeeeeeeeee! Der Liebling aller Omis ist in die Charts eingestiegen. Wie konnte das passieren? Ich plädiere für sofortige Rentenkürzungen, damit sich Deutschlands Omis bitte keine CDs mehr kaufen können. Ein ganz schlimm schmalziges UN-ER-TRÄG-LI-CHES operetten-artiges Musikstück von Herrn Lotti. Ganz ganz schlimm. 0 von 10 Punkten.

65: Culcha Candela – “in da city”
Ein sommerliches Hip-Hop-Reggae-Stück mit karibischen Ryhthmen. Die Typen von Culcha Candela kommen wie Seeed aus Berlin. Und Seeed-Fans können sich ja auch dieses Stück mal anhören. Meinen Geschmack trifft dieser Reggae-Kram meist nicht so wirklich und deswegen auch nur 2 von 10 Punkten.

54: Söhne Mannheims – “dein leben/babylon system”
Langweiliges Rumgesinge von “Mannheims Finest”, Herrn Naidoo und seinen Freunden. Muss man nicht machen, solche Platten. Manchmal kommt es mir vor, als würde Herr Naidoo seine wirklich schwachen Songs unter dem Label “Söhne Mannheims” veröffentlichen. Was nicht heißen soll, dass seine Solo-Songs wesentlich besser sind. Dieser hier zumindest taugt gar nix. 1 von 10 Punkten.

53: The Streets – “dry your eyes”
Die erste Streets-Platte war ja vor ein paar Jahren der Mega-Hype. Ich fand sie auch ganz okay. Die erste Single vom neuen Album, “fit but you know it” hat mich dagegen extrem angenervt. Ich hab sie gehasst! Dieses Stück versöhnt mich dann aber doch wieder ein bisschen mit Herrn Skinner. Alle, die bisher dachten, sowas wie melancholischen Rap gäbe es nicht, sollten sich mal “dry your eyes” anhören. Eine wirklich schöne Nummer. Und dennoch: Ich würde so so so gern mal die nicht veröffentlichte Version hören, in der Chris Martin den Chrous singt. Bestimmt noch schöner. Hierfür aber auf jeden Fall 7 von 10 Punkten.

51: Mase – “welcome back”
Ein Rapper aus Harlem, der vor fünf Jahren Schluss gemacht hatte mit Musik, meldet sich zurück. Und nennt sein Comeback-Stück auch noch “welcome back”. Wegen dem lustigen Kinderchor, der den Refrain singt erträglicher als das meiste andere aus dem Genre, aber weit entfernt von “gut”. 2 von 10 Punkten.

48: Houston feat. Chingy, I-20 – “i like that”
Und gleich noch mehr amerikanischer Hip Hop. Wieder so eine Kollaboration von diversesten Typen. Der alte Bekannte Nate Dogg ist auch dabei. Aber was ich mich frage: Wenn sich so viele Leute zusammenfinden, um Musik zu machen: Warum vergessen sie dann die Melodie? Strunz-langweilig ist das. 1 von 10 Punkten.

45: Max Herre – “1ste Liebe”
Herr Herre hatte ja nur einen großen Moment in seinem musikalischen Leben. Den als er mit Freundeskreis den Mega-Hit “anna (immer wenn es regnet)” landete. Neuerdings versucht er sich mit einem neuen Solo-Album. Und nachdem die erste Single schon grottig war, ist auch “1ste liebe” nicht viel besser. Zwar singt seine Frau Joy Denelane mit, aber das rettet das Stück auch nicht. Und dann hab ich auch hier noch eine Frage an alle, die immer so pseudo-cool Ziffern in Wörter einbauen: Seit wann wird die Zahl “1″ mit “Er” übersetzt? Oder heißt der Song etwa “einzste liebe”? Apropos “1″: 1 von 10 Punkten.

44: H-Blockx – “celebrate youth”
Was machen Bands, wenn ihnen nichts mehr einfällt? Sie singen irgendeinen ehemaligen Hit nach und koppeln ihn als Single aus. Nichts gegen Cover-Versionen, aber eine Single daraus machen, lässt immer die Alarmglocken schrillen. Aber bei den H-Blockx ist ohnehin Hopfen und Malz verloren. Die hätten noch in den 90ern ihre Karriere endgültig beenden sollen. Denn irgendwie passen die nicht mehr so richtig in die Gegenwart. Und insofern passt der alte Rick-Springfield-Kracher “celebrate youth” dann doch irgendwie. Der passt nämlich schon gaaaanz lang nicht mehr in die Zeit. 1 von 10 Punkten.

26: L’Ame Immortelle – “5 jahre”
Das musste ja kommen. Nachdem schon diverse angegothicte Bands mit Sängerinnen in die Charts eingestiegen waren (Within Temptation etc.), folgt nun auch L’Ame Immortelle. Das Stück klingt ehrlich gesagt wie ein Rosenstolz-Song mit Metal-Gitarren. Aber es ist halbwegs hörbar. Deswegen 4 von 10 Punkten.

22: Danzel – “pump it up”
Ein New Yorker Disco-Hip-Hop-Typ mit verdammt dicker Hose, der so klingt als hätte er alte Technotronic-Stücke gefrühstückt. Bestimmt auch ein Kracher in deutschen Provinz-Großraum-Zappebuden und deswegen hoch in den Charts. 1 von 10 Punkten.

7: Pur – “halt dich fest”
Womit hab ich das denn verdient? Jetzt sind nach den deutschen Omis (siehe Platz 86) in derselben Woche auch noch Deutschlands Mamis in die Plattenläden gerannt. Und haben die neue Single der Band aller Bausparer und Doppelhaushälften-Käufer erworben. Der schreibt ja auch sooo schöne Texte, der liebenswerte Herr Engler. Nur leider immer irgendwie dieselben. Und leider kann er auch immer noch nicht singen. Also: Neben den Renten der Omis bitte auch die Haushaltsgelder der deutschen Mamis kürzen! 0 von 10 Punkten.

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