charts (2005-04-04).

Ich litt in den vergangenen Wochen an einer leichten Schlechte-Musik-Hör-Blockade. Die ist nun aber überwunden und ich kann mich wieder an die Chart-New-Entries wagen. Diesmal waren es schon wieder 14. Immerhin auch ein paar hörbare darunter. Eine kleine Änderung noch: Die Links zu den Videos führen nun nicht mehr direkt zu den Clips, sondern auf Seiten, auf denen man sie sich ansehen kann, sodass ihr Euch im Optimalfall die Euch genehme Version (Player, Qualität, etc.) auswählen könnt. Hier sind also die Neu-Einsteiger der deutschen Singlecharts vom 4. April 2005:

100: Tocotronic – “gegen den strich” / Video

Der achte Top-100-Hit von Tocotronic. Verdient haben sie’s ja. Auch wenn mich das neue Album “pure vernunft darf niemals siegen” nicht so begeistert hat wie die Vorgänger-Platte “tocotronic”. Wie der Rest des Albums ist auch “gegen den strich” ein Gitarren-dominierter Song, vorbei die Zeiten der elektronischen Spielereien. Musikalisch ein schöner Midtempo-Popsong mit Ohrwurm-Potenzial und einem intellektuell-unverständlichen Text. 8 von 10 Punkten.

96: 2raumwohnung & Moguai – “sasha (sex secret)” / Video

Moguai alias André Tegeler ist einer der erfolgreichsten DJs Deutschlands. Dem Mainstream bekannt geworden ist er vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Phil Fuldner, die u.a. das geniale “the final / captain future theme” hervorbrachte. Nun haben die nicht mehr so richtig erfolgreichen 2raumwohnung ihn für ihre neue Single “sasha (sex secret)” engagiert. Nicht die erste Kooperation, der Herr hat bereits 2002 einen Remix zu “ich und elaine” produziert. Damals waren 2raumwohnung auch noch gut, mittlerweile sind sie für mich leider nur noch belanglos. Und das ändert sich auch durch diese neue Single nicht. Ohne Inga Humpes Gesang wäre der Track nicht als 2raumwohnung-Song zu erkennen, Moguais Beats domnieren. Noch dazu erinnert mich das Stück irgendwie an Goldfrapps “strict machine”. Und das mochte ich auch nicht. 3 von 10 Punkten.

94: Beverly Knight – “keep this fire burning” / Video

Beverly Knight ist eine eher mittelprächtig begabte RnB-Sängerin aus England. Hierzulande ist sie bisher überhaupt nicht in Erscheidung getreten, war kein einziges Mal in den Charts. Diese dritte Single ihres Albums hat nun den Sprung geschafft, wenn auch nur auf Rang 94. Und wie hat sie das gemacht? Indem sie einen existierenden Song 1:1 nachsingt. “keep this fire burning” stammt von einer gewissen Robyn, die in Deutschland bereits zwei Top-100-Hits hatte. Warum jemand aber alte, extrem mittelmäßige Songs 1:1 nachsingt, wird mir ewig ein Rätsel bleiben. 2 von 10 Punkten.

74: Bryan Adams – “room service” / Video nicht verfügbar

Oh Nein! Das Furunkel am Arsch der Pop-Historie ist wieder da. Man kriegt es auch einfach nicht weg. Und alle Pur-Hörer kaufen auch ständig noch seine Singles. Nicht mehr so viele wie früher, aber immer noch zu viele. “room service” ist ein weiterer seiner austauschbaren, belanglosen Stadion-Poprock-Hits, von denen inzwischen 25 (plus 5 Kooperationen) in die Charts eingestiegen sind. Erschreckend. 1 von 10 Punkten

71: Patrice – “soul storm” / Video

Der Sommer naht unaufhörlich. Draußen ist es zwar noch ziemlich kalt, aber Patrice holt ein bisschen Sonnenschein in die Häuser. “soul storm” ist Reagge mit leichter Tendenz zum Ska. Eigentlich nicht meine Musik, aber in diesem Fall durchaus hörbar. Liegt sicher auch an dem ohrwurmigen Refrain. Überraschend gut. 6 von 10 Punkten.

68: Bomfunk MC’s – “hypnotic” / Video

Im Jahr 2000 hatten ein paar Finnen einen Megahit namens “freestyler”. Diese Finnen sind nun zurück und sehen auf ihrer Website aus wie eine modernisierte Version der Village People. Auch ihre schlimme Musik klingt irgendwie nach Schwulen-Disco. Süßliches Tanzmusik-Geschwurbel. In Finnland ist “hypnotic” übrigens von 0 auf 1 eingestiegen. Schlimm. 1 von 10 Punkten.

67: Madsen – “die perfektion” / Video

Über Madsen habe ich vor einigen Wochen schonmal geschrieben. Eine neue, aufstrebende Band aus dem Umkreis von Gorleben. “die perfektion” ist ein absoluter Kracher-Hit, wie er beinahe nicht besser sein könnte. Voller Wut, voller Melodie, voller Ohrwurm-Qualitäten. Ich giere schon nach dem Album, das Ende Mai erscheinen wird. Schön, dass neben Bands wie Juli, Silbermond und Wir sind Helden auch richtige deutsche Rockbands wieder Erfolg haben können. 9 von 10 Punkten.

65: New Order – “krafty” / Video

Ich erinnere mich noch an das Southside-Festival vor drei Jahren. Als wir in Reihe 1 standen und Peter Hook anhimmelten, einen alten Sack, der nebenbei auch noch einer der besten Bassisten der Weltgeschcihte ist. Spätestens an diesem Abend war klar, dass New Order immer irgendwie zu mir gehören werden. Und auch wenn das neue Album “waiting for the sirens’ call” eindeutig zu den mittelmäßigeren Werken der (Joy Division mitgerechnet) 24-jährigen Karriere der Band gehört, so wird sich das auch durch diese Platte nicht ändern. Die Auskopplung von “krafty” war auf jeden Fall eine gute Idee, ist der Song doch einer der besseren Stücke des Albums. Kein Klassiker, aber gut. Und typisch New Order. 7 von 10 Punkten.

64: Exilia – “can’t break me down” / Video

Die Guano Apes sind zwar tot, aber in Form der italienischen Band Exilia, die immer mehr zur Guano-Apes-Kopie wird, haben sie einen würdigen Nachfolger. Richtig bekannt geworden sind sie u.a. als Support von Rammstein. “can’t break me down” ist nicht so krachig wie vorige Singles, dafür aber so dermaßen Guano-Apes-mäßig, dass man nur anhand der Stimme erkennt, dass es eben nicht die Guano Apes sind. Nu Metal von der Stange. 3 von 10 Punkte.

36: Michael Bublé – “feeling good” / Video

Spätestens durch Robbie Williams’ legendäre Royal-Albert-Hall-Show ist Swing auch in Europa wieder auf die Landkarte gekommen. Michael Bublé, ein kanadischer Crooner, feiert nun weltweit Erfolge, in Deutschland unterstützt durch einen “Wetten, dass..?”-Auftritt. “feeling good” kennt wohl jeder. Ursprünglich aus dem Jahr 1965 stammend, hat Nina Simone dem Song später wieder Leben eingehaucht. Bublé performt, von einem Orchester begleitet, tadellos, doch der Kick fehlt irgendwie. Es klingt einfach zu glatt. Zumindest hier bleibt Robbie Williams also unerreicht. 5 von 10 Punkten.

34: Nitty – “nasty girl” / Video

Hilfe. Das ist genau die Musik, die die Welt nicht braucht. Ein Spaß-Rapper aus der Bronx covert “sugar sugar” von den Archies. Noch dazu mit peinlichem Text: “honey. i got a lot of money. could you be my nasty girl? and let me do the dirty dance with you.” Schlimmer Scheiß. 0 von 10 Punkten.

21: Mariah Carey – “it’s like that” / Video

Der nächste Comeback-Versuch. Diesmal als Christina-Aguilera-Version für 40-Jährige. Vorbei die Zeiten, als Carey mit Schmalz-Balladen ein Weltstar war, jetzt ist sie nur eine unter vielen RnB-Interpretinnen, die sich auf dem Plattencover auch noch so retuschieren lässt, als sei sie Afro-Amerikanerin. Und ihre Stimme passt auch nicht so richtig zu dieser Art von Musik. Unterbrochen wird sie dabei dann auch noch von den üblichen Rap-Krächzern. Völligst überflüssig. 1 von 10 Punkten.

18: Silbermond – “zeit für optimisten” / Video

Klare Sache. Wenn ein Hype da ist, muss man ihn auch ausschlachten. Daher wird nach den drei Singles des Debüt-Albums nun gleich ein weiterer Song auf den Markt geschmissen, um eine kommende DVD zu promoten. “zeit für optimisten” ist ziemliches Mittelmaß. Harmloser Deutsch-Pop-Rock, der den Hype sicher nicht hätte starten können. Das Uptempo-Stück wird außerdem dazu führen, dass noch mehr Leute Silbermond nicht von Juli unterscheiden können. 5 von 10 Punkten.

3: Mario – “let me love you” / Video

Eine Rap-Pop-Ballade von einem 18-jährigen Milchgesicht aus Baltimore. Unterlegt ist sie auch noch von einer Passage eines Schmalzstücks, dessen Name mir einfach nicht einfallen will. Wie gemacht, um eine weltweite Nummer 1 zu werden. In den USA war sie das monatelang, in Deutschland in der Zwischenzeit auch. 3 von 10 Punkten.

Die Top 5 vom 4. April 2005:
1 (2) Sarah Connor – “from zero to hero”
2 (1) Nena – “liebe ist”
3 (-) Mario – “let me love you”
4 (3) Fettes Brot – “emanuela”
5 (6) Chipz – “chipz in black”

Ebenfalls erschienen, aber gefloppt:
- Bright Eyes – “first day of my life”
- Ben Folds – “landed”
- Scala & Kolacny Brothers – “with or without you/clandestino”
- Joss Stone – “spoiled”
- Emiliana Torrini – “sunnyroad”
- Roger Whittaker – “two hundred thousand souls”

1 Comment so far

  1. hike on April 27th, 2005

    roger whittaker? ich brech zusammen. da muss ich an heinz strunk denken, wie ihm der produzent von roger whittaker erzaehlt hat, das roger einmal im jahr mit dem hubschrauber aus seinem schottischen schloss einfliegt, 10 songs einsingt, von denen er zumindest die deutsch betexteten nicht versteht und dann wieder abduest. das nenn ich savoir vivre. abschied ist ein scharfes schwert.

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