charts-kritik: 10. august 2007.

Diesmal mit sehr sehr wenigen Höhepunkten. Mit null Höhepunkten, um genau zu sein: Die Neueinsteiger der deutschen Singlecharts vom 10. August 2007:
88: Jenson – “wir werden…”

Eine relativ frische Band aus München, die einen Vertrag von Sony BMG bekommen hat. Musikalisch geht der Song in Richtung Mitgröhl-Rock für Studenten-Partys. Nichts übermäßig Besonderes, aber absolut okay. 5 von 10 Punkten.

73: ATB – “feel alive”

Der Herr Tanneberger kann es auch nicht lassen. Vor bestimmt zehn Jahren war ich großer Fan seiner Musik. Ich hörte damals extrem viel Kommerz-Trance. Dieser neue Song klingt aber so gar nicht mehr nach ATB. Anscheinend hat er gemerkt, dass Trance nicht mehr so zieht und orientiert sich jetzt stark in die Poprichtung. Es steht nicht mehr die Melodie im Vordergrund, sondern der Gesang. Insgesamt klingt es ein wenig so wie Reamonn oder so. Kein großartiger Trance mehr von ATB, sondern belangloser Pop. 3 von 10 Punkten.

70: Revolverheld – “du explodierst”

Ach herrje, wollen Revolverheld jetzt cooler aussehen als sie sind? Oder warum verkleiden sie sich im Video, als wären sie Panic at the Disco oder My Chemical Romance. Der Song ist härter als sonst, bleibt aber wie immer im unteren Mittelmaß der Pophistorie stecken. 3 von 10 Punkten.

49: Mario – “how do i breathe”

Apropos unteres Mittelmaß. Mario fispelt hier eine unfassbar belanglosen RnB-Balalde von der Stange ins Mikro. Interessiert das jemanden? Mich nicht. 2 von 10 Punkten.

44: Bob Sinclair/Gary Pine & Dollarman – “sound of freedom (everybody’s free)”

Tja, Bob Sinclair wird wohl für immer als der Mann bekannt sein, der einen Sommer lang eine Affäre mit einem hosenlosen Löwen hatte, der aussah wie ein Kamel. Ein Jahr nach seinem WM-Song kommt er nun mit einem Reggae-Stück, das viel zu schnelle Beats hat. Zudem wurde völlig überflüssigerweise der 90er-Hit “everybody’s free” hineingemixt. Wem dieser Song nicht schon nach zwei Minuten auf den Sack geht, mit dem stimmt irgendwas nicht. 2 von 10 Punkten.

40: Markus Becker/Mallorca Cowboys – “das rote pferd”

Scheiß Urlaubszeit. Jetzt ist dieser dämliche Besoffenenschrotthit “das rote pferd” schon in der zweiten Version in die Charts eingestiegen. Nach Volker Racho nun Markus Becker und die Mallorca Cowboys. Eine absolute Vollkatastrophe. 0 von 10 Punkten.

39: Peter Wackel – “joana (du geile sau) / heimweh nach der insel”

Und schon sind wir bei Peter Wackel. Was will man von einem Song erwarten, zu dem bei jedem Auftritt gefühlte 800 Promille Alkohol “du geile sau” mitgröhlen? Genau. Folgendes: 0 von 10 Punkten.

24: Tommy Reeve – “i’m sorry”

Und wer ist er nun schon wieder? Kommt anscheinend auch aus München und singt wie eine Mischung aus James Blunt und Orange Blue. Seine Stimme reicht aber nicht, den latent nervenden, weil eindimensionalen Song aus der Langeweile herauszuheben. 3 von 10 Punkten.

16: Dashboard Confessional feat. Juli – “stolen”

Da musste ich mehrfach hinsehen, als ich las, dass Dashboard Confessional mit Juli musizieren würden. Anscheinend will die Speerspitze des Emo-Pops nun auch in Deutschland seinen Durchbruch schaffen, bzw. seine Plattenfirma Universal. “stolen” klingt zu Beginn leider etwas danach, als würde Enrique Iglesias mit Juli singen. Es legt sich dann zwar etwas, Frau Briegel hört sich auf englisch fast besser als an als auf deutsch, aber so richtig kickt der Song einfach nicht. 4 von 10 Punkten.

14: Rapsoul – “erste liebe”

Ach Gottchen. Da singt der Typ doch zu Beginn “first time, first love”, als würde jetzt ein Coca-Cola-Spot kommen. Ist dann zwar doch ein Musikvideo, aber der ist komplett unterlegt mit Robin Becks Cola-Werbesong aus den 90ern. Die Melodie wirkt wie ein völliger Fremdkörper unter dem leicht hölzernen Gerappe/Gesinge der Herren von Rapsoul. Das passt nicht. Überhaupt nicht. 2 von 10 Punkten.

Die Top Ten vom 10. August 2007:

01 (01) Mark Medlock & Dieter Bohlen – “you can get it”
02 (02) Monrose – “hot summer”
03 (06) Azad feat. Adel Tawil – “prison break anthem (ich glaub…)”
04 (04) Ich+Ich – “vom selben stern”
05 (05) Marquess – “vayamos companeros”
06 (07) Fergie – “big girls don’t cry”
07 (03) Rihanna feat. Jay-Z – “umbrella”
08 (08) Timbaland feat: Keri Hilson – “the way i are”
09 (10) DJ Ötzi & Nik P. – “ein stern (der deinen namen trägt)”
10 (12) Enrique Iglesias – “do you know? (the ping pong song)”

Ebenfalls erschienen, aber gefloppt:
- Feist – “1234″
- Modest Mouse – “missed the boat” (Download-only-Single)
- Ozzy Osbourne – “not going away” (Download-only-Single)
- Rühmanns (Sch)erben – “drei chinesen mit dem kontrabass”
- The Fratellis – “whistle for the choir”

Vorschau:
In der nächsten Woche lesen Sie in der Charts-Kritik dann u.a. Beiträge zu den neuen Singles von Isabel Varell, Phillip Boa, Kim Wilde, Christina Stürmer und Sabrina Setlur – sofern die Umsätze keinen Strich durch die Rechnung machen.

7 Comments so far

  1. Sachar on August 13th, 2007

    Wäre es nicht schön, wenn Sabrina Setlur floppen würde?

  2. Dittsche on August 13th, 2007

    @Sachar: Nein, wäre es nicht – weil uns dann der Verriss durch Herrn Popkulturjunkie entgehen würde ;)

  3. nuechtern on August 13th, 2007

    ich versteh nicht warum feist/fratellis/modest mouse floppen, dafür aber djötzi sich in den top ten hält? seltsame welt.

  4. beetFreeQ on August 13th, 2007

    Die Chartswelt muss man nicht verstehen. Ich finde, es ist sogar mittlerweile ein Kompliment für ernsthafte Bands, in den Charts zu floppen – dann wissen sie, dass ihre Musik immer noch ernsthaft ist ;)

  5. Sachar on August 14th, 2007

    nuechtern: Hast Du denn eine CD der von Dir Genannten gekauft?

  6. Maike on August 14th, 2007

    Über das rote Pferd lief vor ein paar Tagen was im Fernsehen. Unglaublich. Und jetzt ist das in den Charts. Wieso kaufen nur noch Leute mit diesem Geschmack Musik? Gerade dieses Zeug von dem es regelmäßig Nachschub gibt? Muss man davon ausgehen, dass Fans guter Musik nicht bereit sind die Musik ihrer Band zu bezahlen? :-(

  7. Sachar on August 17th, 2007

    Maike, so schaut es aus. Oder es sind wirklich zu wenige.

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