popkulturjunkies charts-kritik (5. märz 2010).

Ich habe zwei Charts-Wochen aufzuholen. Daher ohne große Vorrede: Hier sind meine Anmerkungen zu den Charts-New-Entries vom 5. März. Diesmal leider ohne größere Ausreißer nach oben oder unten…

067: Westernhagen – “wir haben die schnauze voll”
Ich muss vorweg schicken: Ich mochte Westernhagen nie. Zu keinem Zeitpunkt meines Lebens. Und so mag es kaum verwundern, dass ich auch mit seinem neuesten Werk nichts, aber auch gar nichts anfangen kann. Beim Titel “wir haben die schnauze voll” musste ich erstmal an Fußballfans denken, doch damit hat der Song nichts zu tun. Westernhagen röhrt über fünf Minuten lang dreckig zu einem Blues, kommt dabei aber nicht von der Stelle. Langweilig, 4 von 10 Punkten.

053: Livingston – “go”
Wer als Sport-Junkie im Februar wochenlang sämtliche Olympia-Berichte aus Vancouver aufgesaugt hat, kennt diesen Song – zumindest seinen Chorus – wohl schon auswendig. “go” war der ZDF-Olympia-Song, wurde in jedem Trailer hoch- und runtergespielt. Livingston ist eine englische Band, hatte mit “broken” bereits eine Top-100-Single in Deutschland, das Album schaffte es 2009 sogar bis auf Platz 16. “go” ist ein durchaus gefälliger, mainstreamiger Rocksong ohne Ecken und Kanten, aber mit ohrwurmiger Melodie. Okayer Song. 7 von 10 Punkten.

039: Nena – “du bist so gut für mich”
Im Gegensatz zu Westernhagen konnte ich mit Nena in meiner musikalischen Vergangenheit durchaus etwas anfangen. Anfang der 80er konnte ich all ihre Hits auswendig mitsingen, war ein großer Fan. Im Laufe der Jahre änderte sich das zwar dahingehend, dass ich ihre Musik nicht mehr höre, dennoch habe ich ziemlichen Respekt vor ihr. Denn: Sie wird dieser Tage 50 und hat sich dennoch ständig weiterentwickelt und moderne Popsongs produziert. Wie vielen Künstlern aus den 80ern ist das schon gelungen? Die meisten ziehen doch durch Schützenfestzelte und singen ihre alten Hits. “du bist so gut für mich” ist ein solider Popsong ohne riesiges Hit-Potenzial im Stile von 2Raumwohnung & Co. Nichts besonderes, aber auch keine Katastrophe. 5 von 10 Punkten.

038: Marit Larsen – “under the surface”
Frau Larsen hat in Deutschland bekanntermaßen mit “if a song could get me you” den Durchbruch geschafft, war damit im Herbst 2009 fünf Wochen lang auf Platz 1. Dennoch befindet sich die Norwegerin wahrscheinlich gerade auf der Kippe zwischen One-Hit-Wonder und “Sängerin, die bleibt”. “under the surface” hat definitiv nicht das Hit-Potenzial der Vorgänger-Single, ein Einstieg auf Platz 38 ist schon ein kleiner Misserfolg. Dennoch ist der Song eine nette, kleine Nummer mit schöner Melodie. Und schön anzusehen ist Frau Larsen ja auch. Also: 6 von 10 Punkten.

021: Three 6 Mafia / Tiesto with Sean Kingston – “feel it”
Ziemlicher Bruch: Vom zauberhaften Norwegen-Pop zu Dicke-Hose-Beats. “feel it” ist ein Mix aus den Dance-Rhythmen von Tiesto und Raps diverser Leute. Insgesamt keine Vollkatastrophe, sondern halbwegs gefällig und sicher ein Kracher für die Großraumdiscos in der Provinz (Gibt’s die überhaupt noch?). 4 von 10 Punkten.

009: David Guetta feat. Kid Cudi – “memories”
Von Tiesto zu David Guetta ist es dann nicht ganz so weit. “memories” ist allerdings nicht ganz so “dicke Hose” wie “feel it” von eben – und im Clip wird nicht in prolligen Limousinen rumgefahren, sondern zu Fuß gegangen. Das ist aber nicht der Hauptgrund dafür, dass mir “memories” besser gefällt. Der Song ist irgendwie ein bisschen weniger schlicht. 6 von 10 Punkten.

007: Iyaz – “replay”
Und hier schließt sich der Kreis der drei höchsten New Entries der Woche. RnB-Mann Iyaz wurde von Sean Kingston entdeckt, der ja eben noch mit Tiesto musiziert hat. Wenn man “replay” zum ersten Mal hört, weiß man von der ersten Sekunde an, warum der Song direkt in die Top Ten geschossen ist. Mehr Ohrwurm geht kaum. Zudem versprüht er schonmal Sommerstimmung. Zwar Keine Musik, die ich mir freiwillig anhören würde, aber das Hit-Gefühl der Macher hat meinen Respekt. 5 von 10 Punkten.

Den Sprung in die Charts nicht geschafft hat:
- Editors – “you don’t love me”

Die Top Ten der Woche:
01 (01) Kesha – “tik tok”
02 (03) Keri Hilson – “i like”
03 (06) Stromae – “alors on danse”
04 (02) Frauenarzt & Manny Marc (Die Atzen) – “disco pogo”
05 (04) Unheilig – “geboren um zu leben”
06 (07) Owl City “fireflies”
07 (—) Iyaz – “replay”
08 (05) Lady GaGa – “bad romance”
09 (—) David Guetta feat. Kid Cudi – “memories”
10 (08) Aura Dione – “i will love you monday (365)”

Die gesamte Top 100 lässt sich übrigens u.a. jederzeit bei MTV.de begutachten.

Und beim nächsten Mal könnte es an dieser Stelle auch um folgende Songs gehen – wenn das kaufwillige Publikum mitspielt und sie in die Charts befördert:
- Amy MacDonald – “don’t tell me that it’s over”
- Christian Wunderlich – “gelacht, um nicht zu weinen”
- G.G. Anderson – “schäfchen zählen”
- Muse – “undiscolsed desires”
- Placebo – “bright lights”
- Revolverheld – “spinner”
- Timbaland with Katy Perry – “if we ever meet again”
- Yvonne Catterfeld – “blau im blau”

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