Was ist los? Zwei New Entries mit mehr als 5 Punkten? Es läuft eindeutig etwas falsch in diesem Land. Wie kommen denn zwei gute Songs in nur einer Woche in die Charts? Das geht doch nicht… Hier sind die New Entries der deutschen Single-Charts vom 30. August 2004:

100: 3 T – “stuck on you”
Schön, dass ein Titel, der sich schon auf Samplern mit dem Namen “Summer Hit Mix 2004″ fand, am Ende des Sommers immerhin dann doch noch auf Platz 100 der Charts einsteigt. Ob ihn das allerdings für einen solchen Sampler qualifiziert? Aber das Wort “Hit” ist ja relativ. Wer 3 T sind? keine Ahnung. Das Stück ist zumindest eine Lionel-Richie-Coverversion, die ziemlich überflüssig ist. 2 von 10 Punkten.

98: Matt – “one more chance”
Matthäus heißt der Typ mit Vornamen. Eigentlich schon Bestrafung genug. Aber dann muss er auch noch singen und alle, die es hören müssen, bestrafen. Eine “sexy Stimme” wird ihm von einschlägigen Fachmagazinen bescheinigt. Soso. Für mich klingt sie eher nach einer völlig austauschbaren Stimme, die in Castingshows nichtmal für den “Recall” gereicht hätte. Und das Lied? Boyband-Gewimmer. 1 von 10 Punkten.

87: Ying Yang Twins / Lil’ Jon – “salt shaker”
Kann man einen Song ernstnehmen, der von gewissen Ying Yang Twins stammt? Und der auch noch “salt shaker” heißt? Nicht wirklich. Es handelt sich noch dazu um blödes Hip-Hop-Zeug ohne Melodie mit pseudo-aggressivem Gerappe. Also genau das, was diesertage ja gerne mal in die Charts einsteigt. 1 von 10 Punkten.

83: Morrissey – “first of the gang to die”
Herr Morrissey ist in die Charts eingestiegen. Wie wunderbar. Der Song ist aber auch wirklich schön. Und hat es deswegen auch total verdient. 9 von 10 Punkten.

82: Klubbingman – “magic summer night”
Provinz-Großraum-Disco-Flair von der ersten Sekunde an. Um was handelt es sich also? Kirmes-Trance mit ausschweifenden Melodien und hämmerndem Bass. So unhörbar ist es aber gar nicht. Auch wenn es in leichten Variationen schon tausendmal dagewesen und nicht sonderlich kreativ programmiert ist. Aber hey, es macht irgendwie gute Laune. 3 von 10 Punkten.

65: Reamonn – “sunshine baby”
Jetzt macht diese größte und übelste aller Pseudo-Bands auch noch einen auf Reggae! Kann es noch schlimmer kommen? Bestimmt. Aber vorher ist diese Single ein neuerlicher Tiefpunkt in der “Karriere” von Reamonn. 1 von 10 Punkten.

56: Italo Reno & Germany – “bitch!”
Italo Reno & Germany? Was ist das denn schon wieder für ein bescheuerter Projektname? Es handelt sich um seltsamen Sommer-Hip-Hop, der zum Teil auch noch von Savas, einem meiner Lieblinge gerappt wird und daher schon nichts werden konnte. Auftrag erfüllt. 0 von 10 Punkten.

54: Lionel Richie – “long long way to go”
Onkel Richie verkauft auch noch Platten. Lässt seine alten Songs nicht nur von Jungspunden covern (siehe Platz 100), sondern liefert frisches Material hinterher. Doch Moment. “frisch”? Dieses abgefuckte Schmalzliedchen klingt wie schon-eine-Million-mal-dagewesen. Wer kauft sowas? Eltern von Kindern, die Hip-Hop-Zeug in die Charts bringen? Auf jeden Fall Pur-und-Wolfgang-Petry-Hörer. 1 von 10 Punkten.

52: Mario Winans – “never really was”
Dieses Black-Music-Hip-Hop-Stück ist sehr sehr seltsam und verwirrend. Es fängt mit einem Streicher-Sample aus “papa don’t preach” an, der eigentliche Song läuft dann aber völlig quer zu dem Sample. Als hätte irgendein drittklassiger Bastard-Pop-Produzent die falschen Tasten gedrückt. Komisch, das. 0 von 10 Punkten.

49: R. Kelly – “u saved me / happy people”
Langweiliges R.Kelly-Zeug. Ich hab keine Lust, mehr darüber zu schreiben und klicke jetzt lieber auf Stop. Denn dieses ewige “yeah yeah yeah” nervt zutiefst. 1 von 10 Punkten.

45: Mousse T. & Roachford – “pop muzak”
Routiniertes Disco-Geklimper von Hannovers “Top DJ”. Langweilig. 1 von 10 Punkten.

37: Sam Ragga Band feat. Nena – “schade”
Braucht sie das Geld? Für ihre Großfamilie? Warum nur taucht Nena alle paar Wochen wieder auf? Diesmal mit der Sam Ragga Band. Gewagt gewagt. Ein Reggae-Song mit Nenas Gesang. Der Song zeigt aber leider, dass man mit Wagnissen nicht immer gewinnt. Denn sobald Nena ihren Mund aufmacht, tut es weh. Das passt einfach nicht zusammen. Wirklich nicht. 1 von 10 Punkten.

31: Gentleman – “superior”
Dann doch lieber Reggae ohne Nena. Ich bin zwar bekennender Reggae-Hasser. Aber mal so eben zwischengeschoben, kann man das Gentleman-Stück durchaus ertragen. Aber eben auch nur dann. Und nur einmal. Dann ist wieder Schluss. 2 von 10 Punkten.

30: Virginia Jetzt! – “ein ganzer sommer”
Virginia Jetzt! als höchster New Entry? Besteht Hoffnung für die deutschen Charts? Zugegeben, “ein ganzer sommer” klingt sehr schlageresk, der Text ist etwas sehr Klischee-beladen und das beste Virginia-Jetzt!-Stück ist es auch nicht. Man erinnere sich nur an das wunderschöne “selbstbehauptungen und grenzen”. Aber es ist schon schön. Eine Prise Sommer-Melancholie tut den popkulturjunkie-Ohren schließlich immer gut. 7 von 10 Punkten.

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