charts (2005-08-01).

So. Nun ist immerhin schon der August bei den Charts-Kritiken erreicht. Diesmal gibt es sensationellerweise keinen einzigen Null-Punkte-Kandidaten. Aber Müll ist trotzdem zur Genüge dabei und die besten drei Singles der Woche finden sich mal wieder bei den Chart-Flops. Hier sind die New Entries vom 1. August 2005:

89: Maria Isabel – “antes muerta que sencilla” / Video

Willkommen auf dem Kindergeburtstag. Die Kleinen, denen mp3s und iPods noch fremd sind, bestimmen immer mehr die Charts. Banaroo, Ilona Metrecey, Schnappi, Chipz, all dieser Schrott aus den Kinderzimmern bevölkert die Spitzenpositionen der Hitliste. Neuester Fall: Maria Isabel, eine 10-jährige Spanierin, die den Eurovision Junior (Ja. Sowas gibt es.) gewonnen hat. Ihr Liedchen ist ein sommerliches Salsa-Popgeträller, als wäre sie Shakiras Töchterchen. Talent ist zwar durchaus da, aber ich lehne Kinderarbeit weiterhin ab. 1 von 10 Punkten.

71: Jansen & Kowalski / Das Bo – “wie geil ist das denn? (dicke …)” / Video

Das Bo hat früher auch schon bessere Musik gemacht, wenn ich mich recht erinnere. Jetzt hat er mit den Leuten von Jansen & Kowalski einen Kacktext geschrieben, der an “geil” von Bruce & Bongo erinnert. Dahinter eine Minimal-Melodie und fertig ist ein ziemlich ärmlicher Song. 1 von 10 Punkten.

62: Tamoto – “beware” / Video

Aus der Guano-Apes-Erbmasse kommt Tamoto ans Tageslicht. Ex-Guano-Apes-Drummer Dennis Poschwatta hat zusammen mit einem alten WG-Kumpel einen Rocksong aufgenommen, der durch seltsames Gelaber (“just make it rock”) nervt, wenig vom alten Guano-Apes-Stil enthält und ansonsten weitgehend belanglos dahinplätschert. Aber: Es ist wenigstens Musik. 3 von 10 Punkten.

45: Subway To Sally – “sieben” / Video

Wieder eine Chartsplatzierung aus der Mittelalter-Rock-Szene. Die ersten Subway-to-Sally-Plakate habe ich vor gefühlten 20 Jahren gesehen, “sieben” ist aber erst die zweite Charts-Single der Band. Der typischen Mittelalter-Melodie (Kann das sein, dass die in all diesen Songs immer gleich klingt?) wird ein passender Mystik-Text beigemischt und mit rauchiger Stimme vorgetragen. Erträglich. 5 von 10 Punkten.

39: Tom Novy feat. Lima – “take it” / Video nicht verfügbar

Hat Herr Novy nicht früher mal Techno-Musik produziert? Aber wie kommt dann dieses Larifari-Pop-Gedudel zustande? Ganz leichte House-Klänge sind zwar zu vernehmen, aber insgesamt ist der Track viel zu langweilig und der Gesang nervt auch latent. 2 von 10 Punkten.

31: Eminem – “ass like that” / Video

Apropos “langweilig”. Eminems überflüssige neue Single “ass like that” fällt auch in diese Kategorie. Minimal-Rythmus, keine erkennbare Melodie, “doingdoingdoing”-Raps. Fließband-Ware. 3 von 10 Punkten.

26: Pachanga – “loco” / Video nicht verfügbar

Der nächste Sommerhit-Anwärter. Pachanga kommen in der “gasolina”-Reggaeton-Welle von Puerto Rico nach Deutschland geschwommen, klingen aber viel mehr nach Boyband-Gewimmer als nach Dicke Hose. Im Hintergrund wird zwar gerappt, doch die jungenhafte Gesangsstimme überwiegt und lässt den Song sicher eher in Mädchenherzen plätschern. 2 von 10 Punkten.

24: Diane – “Das Beste” / Video

Eine Überraschung. Aus dem Nichts kommt die ehemalige Lemonbabies-Sängerin Diane Weigmann auf Platz 24 gesprungen. Mitproduziert hat Jan Plewka, herausgekommen ist ein harmloser, melodiöser Popsong, der zu keinem Zeitpunkt gegen Vergleichbares von z.B. Wir sind Helden anstinken kann. 3 von 10 Punkten.

21: Kelly Clarkson – “since u been gone” / Video

Die “American Idol”-Gewinnerin aus dem Jahr 2003 will endlich den Durchbruch in Europa. Und verabschiedet sich daher nun von ihrem Balladen-Schmalz-Image und probiert es lieber als Avril-Lavigne-Imitatorin. Singen kann sie zwar, aber die wirklich guten Songschreiber hat sie noch nicht gefunden. 3 von 10 Punkten.

Die Top Ten vom 1. August 2005:
01 (01) US5 – “maria”
02 (03) Ilona – “un monde parfait”
03 (04) DJ Tomekk – “jump, jump (dj tomekk kommt)”
04 (02) Akon – “lonely”
05 (05) Shakira – “la tortura”
06 (06) Gwen Stefani – “hollaback girl”
07 (07) Kool Savas & Azad – “all 4 one”
08 (08) Crazy Frog – “axel f”
09 (09) Nena – “willst du mit mir gehn”
10 (10) Banaroo – “dubi dam dam”

Ebenfalls erschienen, aber gefloppt:
- Benassi Bros. feat. Dhany – “every single day”
- Kasabian – “club foot”
- Maximo Park – “going missing”
- The Bravery – “an honest mistake”
- Tom Jones – “witch queen of new orleans 2005″

5 Comments so far

  1. Dominik Osterholt on August 20th, 2005

    Schon wieder so ein Missgriff! Ich erinnere mich mit Grausen an Einträge, in denen du Nu Pagadi und Konsorten auch 5 Punkte gabst. Und nun 5 Punkte an Subway to Sally für diesen Hirnschwundsong “Sieben”? Dagegen der unverschämt lässige Hip Hop von Jansen und Kowalski nur 1 Punkt? Kopfschüttelnd, Dominik.

  2. mark793 on August 20th, 2005

    Heul doch, Hüfthüpfer! ;-)

  3. ecco on August 20th, 2005

    das ist ja schon (mindestens) der dritte blog, der wegen TH geflutet wurde.
    ich vermute mal, dass das eine neue art von guerilla-marketing ist.
    seltsame zeiten…

  4. jo on August 22nd, 2005

    Herr Novy soll ganz passabel Platten wechseln können und auch sonst ein netter Kerl sein, aber seine Chart-Singles war immer schon BussiBussi-Dancepop mit ein wenig utz-utz (Immer wenn ich an die Giulia Siegel und Co. denke, läuft in meinem Hinterkopf was von Novy …).

    Uh, Maximo Park und Kasabian gefloppt? Das is bitter.

  5. ecco on August 22nd, 2005

    > Maximo Park und Kasabian gefloppt?
    na ja, ich sehe es nicht ganz als ‘gefloppt’ an, wenn beide bands mit neuen singles nicht in die deutschen qualitätscharts einsteigen. die alben verkaufen sich trotzdem gut und die hallen bleiben wohlgefüllt. ich muss noch bis ende november warten, bis ich maximo park in N sehen kann :-)

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