popkulturjunkie on tour: radiohead.

Und so fuhr ich also nach Hamburg, um die Melancholie der vorigen Tage hinter mir zu lassen. So ganz ist es mir noch nicht gelungen, aber dennoch hat Hamburg mich wieder nicht enttäuscht. Es ist und bleibt die Stadt meines Herzens, meiner Seele. Erstmal gab es am Samstag aber eine lange Zugfahrt, versüßt durch Musik von Radiohead, My Vitriol, Trail of Dead und den Deftones. Genau richtig, um nichts von den nervenden Menschen mitzubekommen, die im selben Zug sitzen. Kurz nach 8 kamen wir in der seltsamen Color Line Arena an, in der an diesem Abend eine der besten Bands der Welt 5.000 Leute glücklich machen sollte: Radiohead. Als Support-Act war die Asian Dub Foundation gebucht. Sie spielten schon, als wir eintrafen – und waren für Leute, die solche Musik mögen, sicher auch sehr unterhaltsam. Problem leider: Das Publikum war wegen Radiohead gekommen. Und nicht jeder Radiohead-Fan hat denselben Musikgeschmack wie Thom Yorke (der ein großer ADF-Fan ist). So kam zwar etwas Stimmung bei der Asian Dub Foundation auf, aber nicht wirklich viel.

Gegen 21.15 Uhr war es dann endlich so weit. Lichter aus, brillante Light- und Videoshow an. Und Musik, die nicht besser sein kann. Wie erwähnt waren 5.000 Leute in der Color Line Arena – 10.000 passen angeblich rein. War also weit davon entfernt, ausverkauft zu sein. Verblüffend war vor allem die Leere im Innenraum, der maximal zur Hälfte gefüllt war. Die Plätze auf den Rängen dagegen waren gut gefüllt. Ich werde in meinem ganzen Leben nicht verstehen, warum jemand, der nicht mindestens 50 Jahre alt oder gehbehindert ist, eine Sitzplatzkarte für ein Rockkonzert kauft. Die Karten waren genauso teuer wie die für den Innenraum – und die Stimmung auf der Tribüne war sicher nur zu einem Bruchteil so gut wie die im Innenraum. Und wenn man dann Mädels vor ihren Schalensitzen tanzend auf den Tribünen sieht, kann man nur noch mit dem Kopf schütteln.

Zurück zu Radiohead: Sie zeigten wieder einmal, dass sie eine der besten Livebands sind, die wir haben. Songs aus fast allen Alben, zum Teil deutlich variiert zu den Studio-Aufnahmen. Radiohead sind wirklich fantastische Musiker, bei denen es sogar dann Spaß machen würde, ihnen zuzusehen, wenn man die Musik nicht mögen würde. Überraschend gut war der Sound in der Color Line Arena. Ich kann mich an kein Konzert erinnern, bei dem der Sound so klar und perfekt abgestimmt war wie bei diesem. Besonders gefreut hab ich mich, dass die Band diesmal im Gegensatz zum Southside-Festival im Sommer auch meinen Lieblings-Track vom aktuellen Album “Scatterbrain” gespielt haben. Mein persönlicher Höhepunkt war aber auch diesmal “Karma Police”. Zumal sie diesen Klassiker in Oberhausen und Berlin nicht gespielt hatten. Ohnehin sah die Setlist wieder vollkommen anders aus als bei den Gigs der vergangenen Tage. Das einzige, worauf man sich bei einem Radiohead-Konzert verlassen kann, ist der Schlusspunkt: “everything in its right place” mit anschließendem mehrminütigem Elektrogefrickel. Mein Fazit: Ein Radiohead-Konzert ist ein Ereignis für Kopf, Seele, Augen und Ohren. Das Konzert in Hamburg war absolut großartig. Auch wenn mir persönlich der Southside-Auftritt im Sommer noch ein bisschen näher gegangen ist – aber das mag an meiner eigenen Befindlichkeit und der Stimmung im Sommer unter freiem Himmel liegen. Zum Schluss noch die Setlist (mit Dank an Thomas fürs Mitschreiben):

01 the gloaming
02 2+2=5
03 morning bell
04 myxomatosis
05 lucky
06 scatterbrain
07 exit music
08 i might be wrong
09 go to sleep
10 sail to the moon
11 there there
12 dollars & cents
13 karma police
14 backdrifts
15 idioteque
16 paranoid android
17 sit down, stand up

encore 1
18 where i end and you begin
19 the national anthem
20 a punch up at a wedding
21 street spirit

encore 2
22 just
23 everything in its right place

Und am Donnerstag oder Freitag gibt’s dann meinen Bericht vom zweiten popkulturellen Großereignis innerhalb von 5 Tagen: Marilyn Manson – ebenfalls in der Color Line Arena. Erlebe ich die größte Show meines Lebens? Bleiben Sie dran, verehrte Leser und sie werden es erfahren…

1 Comment so far

  1. [...] Doch dann, gegen 22.15 Uhr, nach gefühlten drei Tagen Wartezeit erklangen die ersten bekannten Töne, die Editors kamen auf die Bühne und alles änderte sich. Nach wenigen Sekunden erfasste mich eine Gänsehaut, die mich während der folgenden anderthalb Stunden kaum verließ. Mir waren die Menschen um mich herum völlig egal. Sollten sie doch nerven, solang dort vorne auf der Bühne etwas Unglaubliches passierte. Die beiden Editors-Alben sind mir ohnehin schon sehr schnell ans Herz gewachsen, dass die Songs allerdings live nochmal ein Level besser sein würden, hätte ich niemals gedacht. Ich weiß nicht, wann ich zum letzten Mal eine solch großatige Live-Band gesehen habe – wahrscheinlich war es Radiohead – damals in Hamburg. Was allein Tom Smith dort vorne bot, war kaum zu toppen: Euphorie, Ekstase, der Mann lebt seine Musik, es gibt für ihn wahrscheinlich nichts Größeres als seine Musik zu spielen und ein Publikum zu begeistern. Ohne Pause tobte er auf der Bühne herum, kletterte auf sein Klavier, sang voller Inbrunst seine Texte, spielte Gitarre als wäre es eine Waffe. Herausragend. Und dann kam auch noch das: [...]

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