die böse musikindustrie.

Ich könnte mich jetzt diesen beiden Vorrednern anschließen. Mache ich aber nicht. Warum? Natürlich ist es unfassbar, was dort passiert. Dass eine Industrie legalen Zugriff auf Rechner bekommt, demnächst an Justizbehörden vorbei an private Daten von Internet-Nutzern gelangt und nun auch noch gestattet bekommt, dass man eine CD nicht mal der Freundin brennen darf. Aber: Ist es nicht völlig normal, dass eine solche Industrie immer das Bestmögliche für sich herausholen will? Und ist genau das oben Beschriebene nicht das (in deren verblendeten Augen) Bestmögliche? Meiner Meinung nach ist der eigentliche Skandal daher nicht die böse Musikindustrie, sondern die Bundesregierung, die sich so von einer Lobby beeinflussen lässt, dass sie nicht das Normale tut und Rootkits verbietet, der Herausgabe von IP-Daten durch Provider einen Riegel vorschiebt und die Privatkopie-Klausel beibehält, sondern das genaue Gegenteil. Und die damit wieder einmal dafür sorgt, dass man immer weniger an die Macht der Politik und immer mehr an die Macht der Lobbyisten glaubt. Mein Hass bekommen zumindest eher die verantwortlichen Politiker ab als die Industriellen. Und: CDs werde ich mir in Zukunft trotzdem kaufen. Natürlich nicht sehr viele von SonyBMGUniversalEMI, aber das war in den vergangenen Jahren auch nicht anders. (Sehr viel zum Thema wird hier zusammengetragen)

9 Comments so far

  1. Reflexionsschicht on March 24th, 2006

    Verantwortlichkeit

    Derzeit drischt alles wegen der Veränderungen im Urheberrecht auf die Musikindustrie (MI) ein. Der Popkulturjunkie spielt den Ball zurück an die Politik, die hat den Kram verbockt. Recht hat er.
    Die MI ist nur der Einflüsterer, der die P…

  2. vib on March 24th, 2006

    Einfache Lösung für mich: Möglichst viel auf Vinyl kaufen. Denn mit einer Schallplatte kann man sicherlich auch in Zukunft weiter machen, was man will. Wer etwas nicht auf Vinyl rausbringt, ist meiner Ansicht nach sowieso boykottierenswert. Ok, vielleicht ist ein gewisser Musikgeschmack da recht hilfreich…

  3. xDest on March 24th, 2006

    EMI hatte mich die letzten Wochen schon ordenlich auf Trab gehalten. Nochmal kaufe ich mir dort vermutlich keine Scheiben mehr – das uebliche Copy Protected bei Placebo erreichte schon meine Schmerzgrenze, aber diese abstruse Content Control beim ‘We Are Scientists’ Album hat den Vogel definitiv abgeschossen. Sie laeuft auf keinem meiner CD-Player; nur auf meinem Rechner mithilfe des attachierten Mediaplayers. Bald hab ich womoeglich auch noch CDs, die ich garnicht mehr anhoeren darf.

  4. Agitpop on March 24th, 2006

    Urheberrechtsnovelle: Eigentum ist Diebstahl

    [...]Wenn man hier dann auch noch, wie Frau Zypries dies allen Ernstes tut, von einem “notwendigen Kompromiss zwischen dem geistigen Eigentum und der Wissensgesellschaft sowie den Interessen von Industrie und Verbrauchern” spricht, dann ist das nicht…

  5. Tim on March 24th, 2006

    Das ist, mit Verlaub, ein sehr, sehr dummer Beitrag. Es ist nämlich genau andersrum.

    Dass eine Industrie bzw. Branche natürlich nicht unbedingt das Sozialamt ist und es Branchen, die von der Natur eher öffentliche (weil nicht-knappe) Güter vertreiben, sowieso nicht ganz leicht haben, ist klar. Die Methoden sind trotzdem an Dämlichkeit nicht zu überbieten und lade vernünftige Menschen nach wie vor zur Raubkopie ein. Ich möchte nicht vor teuer gekauften DVDs nicht-überspringbare “Raubkopierer sind Verbrecher”-Spots haben, und DRM ist die Geißel der Menschheit. Wenn das alles ist, auf das die kommen, dann halleluja. Intelligente Mehrwertdienste, eine Begeisterung der Kunden für ihr Produkt durch vernünftiges marketing und die Re-Etablierung von Musik

    Guck dir doch Flickr an. Das mögen die Leute, weil die sowas sagen wie “ein kostenloses Angebot wird’s immer geben, und das wird auch immer Spaß machen. Das volle Paket kostet dann eben was”. Ich mag das auch und bezahl dann auch gern dafür. Die Contentindustrie geht mir immer mehr auf den Sack, und ich ärger mich eigentlich, dass ich den Pfeifen überhaupt noch Geld gebe.

    Und so eine Bundesregierung hat’s auch nicht leicht. Sowas wie in Frankreich (Kulturflatrate) ist hier im Klima des Zauderns und der ständigen abwanderungsdrohungen ganzer Industrien auch gerade nicht so leicht. Lobyismus ist schon Scheiße, aber da würde ich mich als Bundesregierung auch erstmal z.B. um die Pharmaindustrie kümmern. Nicht berühmt, aber die Industrie ist noch allemal schlimmer.

  6. popkulturjunkie on March 24th, 2006

    mit verlaub: wenn du mir vorwirfst, einen “sehr, sehr dummen beitrag” geschrieben zu haben, solltest du selbst erstmal klar verständlich formulieren und argumente liefern. denn, warum es “genau andersrum” sein soll, erklärst du mit keinem wort. und wenn dir die “contentindustrie immer mehr auf den sack geht”, dann verzichte doch ab sofort auf fernsehen, filme, musik, bücher, zeitschriften, zeitungen, internet – alles “contentindustrie”. geh am besten nur noch spazieren. im wald.

  7. anonymer Leser on March 25th, 2006

    Klar ist das Verhalten unserer Politiker scheiße. Die stehen ganz offensichtlich auf der Seite der Industrie und haben auch keine Skrupel, Millionen ihrer Bürger zu kriminalisieren. Und bei den Aussagen z.B. von Zypris kann einem richtig schlecht werden. Ich zitiere einfach mal Heise:
    “Zypries ist der Auffassung, dass beim illegalen Naschen an Tauschbörsen “in 99,9 Prozent der Fälle das Verfahren eingestellt wird”. Eine Verfolgung koste der Staatsanwaltschaft “zu viel Zeit” und würde sie von wichtigeren Aufgaben abhalten. Auch die Industrie habe “kein Interesse, einzelne Leute zu verfolgen”. Auf den weit publizierten Fall der Strafanzeigenmaschinerie des Unternehmens Logistep angesprochen, erklärte Zypries, diesen nicht zu kennen.”
    Wer so unfähig ist und keine Ahnung vom Thema hat, sollte eigentlich mit Schimpf und Schande aus dem Amt gejagt werden.
    Großes Aber und wieder der Bogen zur Industrie: Hinter diesem Entwurf stehen die Lobbyverbände. Dieser Gesetzesentwurf wurde wohl zu großen Teilen von der Industrie mitgeschrieben. Und ich hab einfach keinen Bock, Leuten, die meine Rechte aus Profitgier beschneiden wollen, auch noch mein Geld hinterherzuschmeißen.
    Daher werde ich mich dem Boykott anschließen.

  8. Dobschats Weblog on March 25th, 2006

    Noch ein paar Links zur Urheberrechtsnovelle

    Und weiter geht's mit dem Thema. Mal schauen, ob die Diskussion länger anhält und vor allem, ob sich da auch noch was tut. Immerhin kommt Kritik ja auch schon aus der SPD-Fraktion, während die CDU/CSU den Entwurf gerne noch vers…

  9. Tim on March 27th, 2006

    “Mit Verlaub” finde ich gut, das sage ich jetzt immer. Meinen Punkt nochmal ganz langsam: Ich habe in dieser Situation immer noch mehr Verständnis für den Staat als für die Contentindustrie.

    Deine Polemik von wegen Wald und so geht an der Sache leider auch meilenweit vorbei. Man mus sein Geld eben nur klüger ausgeben – ich kenne zum Glück noch genug Labels, die einen Teufel tun würden und einen “wirksamen Kopierschutz” auf ihre CDs packen. Passt prima für mich, die hauen eh die bessere Musik raus.

    Der Staat und die Lobbies, das ist natürlich auch ein Problem. Den Druck auf den Staat (der so genau ja auch gar nicht mehr weiß, was er denn jetzt eigentlich tun soll – Bürgerrechte stärken, oder doch lieber “bessere” Marktbedingungen schaffen, was für den Bürger ja irgendwo auch gut ist, etc pp) kann ich durchaus nachvollziehen, obwohl ich das Einknicken jetzt auch sehr traurig finde. Politiker will ich im Moment jedenfalls weniger sein müssen als Musikmanager.

    Wenn morgen itunes den FairPlay-Schmutz (der sich ja bekanntlich mit Bordmitteln ohnehin in 3 Minuten umgehen lässt) wegschmeißt, wird da kein track weniger verkauft und die p2p-landschaft wird es auch keinen iota verändern. Aber da denken die Herrschaften natürlich nicht drüber nach, jetzt wo der böse Raubkopierer an allem schuld ist. Internet zu lange verpennt, P2P nur Gezeter entgegengesetzt, der Erosion des Retail-Geschäfts (vor allem durch Abwanderungen zu Mobile, Spielen und “cooleren” konsumgütern) tatenlos zugesehen, somit alles selbst vergeigt, und das dann mal eben durch Kassieren von Verbraucherrechten kompensieren wollen. Ich finde es schwierig, das noch zu verteidigen oder “berechtigtes Interesse” zu nennen. Und genau wie du lebe ich in und von der Branche. Ein bißchen mehr Kreativität und Hirn täte der jedenfalls mal ganz gut. Hätte man da zwischen 1995 und 2000 drauf geachtet, bräuchte man über solche traurigen Fragen auch gar nicht diskutieren. Mehr wollte ich eigentlich gar nicht sagen.

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