charts-kritik: 13. juli 2007.

Bevor ich hier wieder in einen wochenlangen Rückstand gerate, nutze ich den verregneten Sonntag doch mal für ein paar Charts-Kritiken. Hier kommen zunächst die New Entries der deutschen Singlecharts vom 13. Juli 2007:
97: Maximo Park – “book from boxes”

Erfreuliche Überraschung: Maximo Park in den deutschen Singlecharts. Damit hätte ich ja nicht unbedingt gerechnet. Zumal “books from boxes” zwar ein sehr netter Song ist, aber eigentlich kein großes Hit-Potenzial hat. Er ist für Maximo-Park-Verhältnisse eins der ruhigeren Stücke, geht nicht so nach vorne, sondern umschmeichelt die Ohren und schleicht sich heimlich in den Kopf. Schöne Musik, eindeutig. 7 von 10 Punkten.

96: Joss Stone feat. Common – “tell me what we’re gonna do now”

Zugegeben: Eine tolle Stimme hat Joss Stone. Dennoch konnte ich mit ihrer Musik nie etwas anfangen, sie war mir immer zu belanglos. Auch die neue Single plätschert zu sehr vor sich hin ohne auf den Punkt zu kommen. Daran ändert auch Rapper Common nichts, der erst im Hintergrund vor sich hin redet, bevor er dann doch mal in den Vordergund darf – und dann ist der Song auch schon vorbei. Mittelmaß – nicht mehr. 3 von 10 Punkten.

90: Hans Zimmer – “trinkt aus piraten, yo ho”

Schon erstaunlich, dass die Musik der “Pirates of the Carribean”-Filme regelmäßig sogar in die Singlecharts einsteigt. Hans Zimmer gehört auch eindeutig zu den Besten seiner Zunft, meiner Meinung nach gibt es kaum einen besseren Soundtrack als Zimmers “Gladiator”. Auch die Titelmelodie der “Pirates of the Carribean”-Filme ist ein moderner Klassiker, dessen Melodie man wohl nie vergisst, wenn man sie einmal gehört hat. Die Single hat zwar einen ziemlich dämlichen deutschen Namen, doch die Musik ist toll. 7 von 10 Punkten.

83: Red Hot Chili Peppers – “hump de bump”

Puh. Als ich diesen Song zum ersten Mal gehört habe, war ich wenig begeistert. Dass er nun auch noch als Single erscheint, erschließt sich mir nicht wirklich. “hump de bump” hat zwar ein sehr nettes Video, aber die Musik ist so dermaßen mittelmäßig, dass man ins Grübeln kommt, ob die Chili Peppers allmählich alt werden. Ärgerlich, dieser Song. 4 von 10 Punkten.

77: Jeckyll & Hyde – “freefall”

Auch diese Musik stirbt anscheinend nie aus. Ein Mix aus Trance und typisch niederländischen Hardcore-Bässen, der kompositorisch leider etwas flach ist und daher wohl nur für Abende in der Provinz-Großraumdisco taugt. 2 von 10 Punkten.

73: DJ Blackskin/G-Va & Nate Da Great – “let the music play”

Ich hab es schon vor dem Hören geahnt. Schon wieder eine Coverversion. Und in der Tat nimmt sich ein Trupp aus völlig talentfreien Sängerinnen und Dicke-Hose-Rappern die legendäre 80er-Nummer von Shannon vor, um sie zu ruinieren. Mission erfüllt. 1 von 10 Punkten.

72: 30 Seconds To Mars – “from yesterday”

Als rockender Hollywood-Schauspieler kann man natürlich nicht ohne großen teuer produzierten Videoclip auftauchen. Und so beginnt der “from yesterday”-Clip von Jared Letos Band 30 Seconds to Mars auch wie ein großer Historienschinken. Ich weiß nicht, ob die Band schon ewig existiert und genau diese Musik macht und genau so aussieht, oder ob sie sich an den Emo-Zug à la My Chemical Romance & Co. ranhängt. Es ist mir auch egal. Der Song ist kein Oberknaller, aber er nervt auch nicht. Gefälliger Poprock würde ich sagen. 5 von 10 Punkten.

59: Beatsteaks – “cut off the top”

Irgendwie hab ich den Eindruck, dass die neue Beatsteaks-Platte etwas untergegangen ist. Von dem Oberhype von vor ein paar Jahren ist nicht mehr viel übrig. Vielleicht liegt das ja auch an der Musik. Denn die großen Nummern, mit denen die Band immer überzeugt hat, fehlen mir diesmal. Auch “cut off the top” wäre in früheren Zeiten wohl eher eine B-Seite geworden, wenn überhaupt. 4 von 10 Punkten.

51: Debbie rockt! – “popp song / nie mehr schule”

Wer zur Hölle ist das? Ein paar Mia-Nena-Tokio-Hotel-Lookalikes mit dem Talent einer Schülerband. Und dann auch noch dieser Spruch “einmal gepoppt, nie mehr gestoppt”, der schon seit gefühltren zehn Jahren gar nicht mehr geht, als Wiedererkennungswert des Stücks. Musik für Bravo-Kinder und niemanden sonst. 1 von 10 Punkten.

50: DJ Size/J. Lourenzo & Big Steve – “sunglasses”

Und auch beim Wort “sunglasses” musste ich sofort an einen alten Hit denken. Und auch hier haben sich diese bösen Vorahnungen bewahrheitet. Wieder ruinieren ein paar Leute einen Klassiker (“sunglasses at night” von Corey Hart). Zwar hat der Sänger eindeutig mehr Talent als die Damen auf Platz 73, doch der Proll-Rapper schmeißt diese Pluspunkte sofort wieder in den Müll. Dort gehört auch dieser Furz der Pophistorie hin. 1 von 10 Punkten.

44: Take That – “reach out”

Dann doch lieber Take That. Die vier Herren genießen ihr Comeback, geben ausverkaufte Stadionkonzerte, schmeißen eine Single nach der anderen auf den Markt und zeigen dabei, dass sie durchaus noch gute Popsongs produzieren können. “reach out” ist natürlich nicht das innovativste Stück Musik der Weltgeschichte, aber eben netter Pop, der nicht einmal soooo weit weg von Bands wie Coldplay oder Snow Patrol weg ist. Am meisten erinnern mich die meisten neuen Take-That-Songs aber immer wieder an A-Ha. Wie auch immer: 6 von 10 Punkten.

33: 50 Cent – “straight to the bank”

Es tut mir ja manchmal wirklich leid, dass ich mit 99 % aller Hip-Hop-Tracks einfach nichts anfangen kann. Ich erkenne in Stücken wie “straight to the heart” nunmal nicht mehr als eine stupide, monotone Abfolge von vorgetragenen Sätzen ohne Musik. Und dann auch noch dieses ständige “ahahahaha”. Das kann man doch einfach nicht ernst nehmen. 1 von 10 Punkten.

20: Avril Lavigne – “when you’re gone”

Avril Lavigne enttäuscht mich ja von Song zu Song auch immer mehr. Sie ist vom Erfolg so glatt gespült worden, dass sie mittlerweile aussieht und singt wie jede x-beliebige “American Idol”-Finalistin. Dröges Popliedchen, das. 3 von 10 Punkten.

11: Sarah Connor feat. Ne-Yo – “sexual healing”

Und weiter geht’s mit der Woche der Coverversionen. Und einem weiteren Tiefpunkt. Sarah Connor haucht Marvin Gayes Welthit ins Mikro. Ich mochte das Original noch nie, aber diese Version hat so… gar nichts. Außer einem plump-unsympathischen Video zum Fremdschämen. 2 von 10 Punkten.

02: Monrose – “hot summer”

Das erstaunt mich ja wirklich. Ich hatte die aktuelle ProSieben-”Popstars”-Gruppe schon auf dem Niedergang gewähnt. Und dann auf einmal ein New Entry auf 2. Lohnen sich die Auftritte in ungefähr jeder Fernsehsendung also doch. Meine Meinung zu “hot summer” ist etwas zwiegespalten. Auf der einen Seite gibt es einen gelungenen Popsong, auf der anderen Seite aber viel zu gewollte Fragmente internationaler RnB-Trends, um irgendwie cool zu klingen. Wenn ich dann aber beispielsweise Mandy in dem Clip sehe, dann passt das so gar nicht zusammen: Coolness und Monrose. 3 von 10 Punkten.

01: Mark Medlock & Dieter Bohlen – “you can get it”

“Isch lass misch ned verbiege. Niemals. Isch bleib immer so wie isch bin.” (Mark Medlock). “Hahahahahahahahahaaha” (popkulturjunkie). 0 von 10 Punkten.

Die Top Ten vom 13. Juli 2007:

01 (—) Mark Medlock & Dieter Bohlen – “you can get it”
02 (—) Monrose – “hot summer”
03 (01) Rihanna feat. Jay-Z – “umbrella”
04 (02) Marquess – “vayamos companeros”
05 (03) Pink – “dear mr. president”
06 (04) Mika – “relax (take it easy)”
07 (05) DJ Ötzi & Nik P. – “ein stern (der…)”
08 (10) Ich+Ich – “vom selben stern”
09 (06) Enrique Iglesias – “do you know? (the ping pong song)”
10 (20) David Bisbal – “silencio”

Ebenfalls erschienen, aber gefloppt:
- Axel Prahl – “du bist nicht allein”
- Jürgen – “ich weiß was Dir fehlt”
- La Princesse – “bailando 2007″
- Madsen – “ein sturm”

Singles, die in dieser Woche eventuell eingestiegen wären, wenn das neue Charts-Regularium, laut dem auch reine Download-Singles ohne CD gewertet werden, schon jetzt und nicht erst ab Ende Juli gelten würde:
- Paul McCartney – “dance tonight”
- Ryan Adams feat. Sheryl Crow – “two”

Vorschau:
In der nächsten Ausgabe der Charts-Kritik lesen Sie u.a. Beiträge zu den neuen Singles von den Arctic Monkeys, Wir sind Helden, Mickie Krause und Jan Delay.

3 Comments so far

  1. capcom on July 29th, 2007

    Wieder einmal ein Wochenausklang nach Maß! Die charts-Kritik ist einfach immer wieder super!
    Das habe ich vorhin noch gefunden. Finde es irgendwie trashig-symphatisch:

    http://www.youtube.com/watch?v=_SnRq3O0kIY

  2. Dittsche on July 29th, 2007

    Grandioser Kommentar zu Platz 1! Es gibt Monemte, da könnte ich mich in dich verlieben.

  3. popkulturjunkie on July 29th, 2007

    sorry. bin schon vergeben ;-)

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