charts-kritik: 24. august 2007.

So. Die Charts-Kritik-Aufhol-Aktion beginnt. Da es seit Mitte August keine neue Ausgabe mehr gegeben hat, gibt es viel zu tun. Zwei bis drei weitere Wochen will ich heute noch abarbeiten. Hier sind aber erstmal die New Entries der deutschen Singlecharts vom 24. August 2007:

90: Elvis Presley – “heartbreak hotel”

Ein Klassiker. Was soll man zu dem Song noch sagen? Und wie viele Punkte vergeben? Ich war nie der große Elvis-Fan, bin mir aber seiner Bedeutung in der damaligen Zeit klar. Dennoch: Heute klingt seine Musik halt etwas sehr altmodisch. Daher: 6 von 10 Punkten.

86: Michael Gray feat. Steve Edwards – “somewhere beyond”

Ein unspektakulärer typisch englischer House-Pop-Song mit nett ungewöhnlichem Video. Für laue Sommerabende in der Disco geeignet, aber keine Musik, die lang bleibt. 5 von 10 Punkten.

83: Elvis Presley – “suspicious minds”

So groß wie in England ist der jährliche Elvis-Hype, bei dem jede Woche ein anderer Song in die Charts einsteigt, hierzulande nicht, dennoch folgt nun gleich der zweite Neueinsteiger der Woche. “suspicious minds” ist ein ähnlich großer Klassiker wie “heartbreak hotel”, allerdings aus einer späteren Zeit. Keine Musik, die ich egal zu welchem Anlass heute hören würde. Wie eben: 6 von 10 Punkten.

79: Laith Al-Deen – “es wird nicht leicht sein”

Herr Al-Deen hatte aber auch schonmal größere Hits als einen Einstieg auf Platz 79, oder? Musikalisch wird im Großen und Ganzen derselbe Deutsch-Soul geboten wie bei all seinen anderen Songs – hier jedoch mit einem Tick mehr Ernst. Ein ordentlicher Song. 5 von 10 Punkten.

44: Ciara feat. 50 Cent – “can’t leave ‘em alone”

Seicht-softer Sommer-RnB-Pop zweier Stars. Dass ich mit solcher Musik nicht viel anfangen kann, ist kein Geheimnis – auch hier fehlt mir neben vielem anderem vor allem die Melodie. 3 von 10 Punkten.

38: Paul van Dyk fest. Jessica Sutta – “white lies”

Der große alte Mann des Trance-Pops kommt diesmal sehr mainstreamig daher. Mit einem Pussycat Doll als Stimme, ein paar Latino-Rythmen über den Beats. Einen kleinen Hit hat er mit dieser Rezeptur geschaffen – und das war ja anscheinend auch das Ziel. Mir gefällt’s trotzdem nicht so gut wie manch seiner Klassiker. 4 von 10 Punkten.

35: H-Blockx – “countdown to insanity”

Nanu, H-Blockx in den Charts. Nach meinem Gefühl dürfte das der erste Hit seit Ewigkeiten sein. Stilistisch klingen die Herren ein bisschen anders als früher. Ein bisschen erwachsener und irgendwie amerikanischer. Ordentlicher Song, das. 5 von 10 Punkten.

19: Nena – “mach die augen auf”

Der Song zur ProSieben-Klima-Kampagne. Klingt mir in den Strophen etwas zu monoton, aber der Chorus reißt ihn wieder raus. Der Text hat leider einen gewissen Fremdschämfaktor, aber insgesamt ist “mach die augen auf” ein netter, moderner Popsong und die beste Niena-Single seit langem. 6 von 10 Punkten.

17: Kanye West feat. Daft Punk – “stronger”

Das wär aber nun wirklich nicht nötig gewesen. Das Daft-Punk-Original ist doch so gut, da braucht man doch nicht noch einen Rap von der Stange drüberzulabern. Richtig gut zusammen passen die beiden Songteile ohnehin nicht. Kinder, kauft Euch lieber ne Daft-Punk-Platte. 4 von 10 Punkten.

16: Natasha Bedingfield – “soulmate”

Gelungene britischer Popballade, an der allenfalls eine etwas zu hohe Prise Schmalz zu bemängeln ist. Die wird aber bestimmt dazu führen, dass wir sie in den Castings der nächsten “Superstar”-Staffel zur Genüge von untalentierten Menschen hören werden. Für das Original bis dahin aber 6 von 10 Punkten.

14: beFour – “how do you do? / all 4 one”

Kommen wir zum absoluten Tiefpunkt dieser überraschend Tiefpunkt-armen Chartswoche. beFour präsentieren Plastikpop aus dem Super-RTL-Kindergarten. Mit knallbunten Farben, pochenden Beats und quietschendem Gesang. Grauenhaft. 1 von 10 Punkten.

10: Scooter – “the question is what is the question”

Und dann der nahtlose Übergang zu Scooter – ist ja auch irgendwie Musik für den Kindergarten. Passenderweise hat man HPs Gesabbel auch gleich mit derselben Melodie wie Platz 14 unterlegt. Das Ergebnis ist mindestens genauso grauenhaft. 1 von 10 Punkten.

01: Culcha Chandela – “hamma!”

Der deutsche Sommerhit 2007. Leider. Denn mir ist das Ding viel zu flach, viel zu sehr Seeed-nachgeäfft. Mittelmäßiger Sommerspaßsong, mehr nicht. 4 von 10 Punkten.

Die Top Ten vom 24. August 2007:

01 (—) Culcha Candela – “hamma!”
02 (01) Azad feat. Adel Tawil – “prison break anthem (ich glaub …)”
03 (04) Ich+Ich – “vom selben stern”
04 (02) Mark Medlock & Dieter Bohlen – “you can get it”
05 (06) Timbaland feat. Keri Hilson – “the way i are”
06 (07) Fergie – “big girls don’t cry”
07 (05) Marquess – “vayamos companeros”
08 (03) Monrose – “hot summer”
09 (08) Rihanna feat. Jay-Z – “umbrella”
10 (—) Scooter – “the question is what is the question”

Ebenfalls erschienen, aber gefloppt:
- Da Hool – “light my fire”
- Erdmöbel – “riecht wie teen spirit” (Download-only-Single)
- Joy Denalane feat. Lupe Fisco – “change” (Download-only-Single)
- Lifehouse – “first time” (Download-only-Single)
- Manu Chao – “rainin in paradize” (Download-only-Single)
- Moneybrother – “just another summer”

2 Comments so far

  1. joerg on November 21st, 2007

    Hinter “Joy Denalane feat. Lupe” stimmt aber was nicht ;-)

  2. popkulturjunkie on November 21st, 2007

    stimmt. da stimmte was nicht. danke für den hinweis.

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