charts-kritik: 14. september 2007.

Weiterer Teil der Aufholjagd: Hier sind die New Entries der deutschen Singlecharts vom 14. September 2007:

99: Kaiser Chiefs – “everything is average nowadays”

Sehr netter englischer Mitgröhl-Poprock von den Kaiser Chiefs. Das können sie ja schließlich auch am besten. 7 von 10 Punkten.

89: Alpa Gun feat. Muhabbet – “verbotene liebe”

Eigentlich hat man schon nach wenigen Sekunden die Schnauze voll, wenn der eine zum anderen sagt: “Ey, Muhabbet, mein Freund, wolln wir den Leuten mal ne wahre Geschichte erzählen?” So startet man doch keinen Song, Leute. Das, was danach folgt ist ein Mix aus Kitschmelodie und monotonem Sprechgesang. Belanglos. 2 von 10 Punkten.

88: X-Perience – “i feel like you”

Die letzte Single in Originalbesetzung. Damals in den 90ern gab es ein paar wunderschöne Elektro-Pop-Songs von X-Perience (ich habe das sicher schon des Öfteren erwähnt) – und ich glaube, dass es ohne die prägnante Stimme von Claudia Uhle zu Ende gehen wird mit X-Perience. “i feel like you” kann aber wie schon die ganzen letzten Singles nicht mit den Klassikern von damals (z.B. “a neverending dream”) mithalten. Schade drum. 5 von 10 Punkten.

85: Gym Class Heroes – “clothes off”

Lockerer Hip-Hop-Pop, der sicher seine Berechtigung hat (9 Mio. YouTube-Visits sprechen für sich), mich aber vollkommen kalt lässt. 4 von 10 Punkten.

81: Bass Sultan Hengzt – “schmetterlingseffekt”

Musik wie ich sie liebe. Der Mann mit dem vielleicht dämlichsten Namen der Branche nuschelt irgendwas von “einmal aufm boden und der himmel wird grau”, das man aber nur bruchstückhaft versteht. Vielleicht ist das aber auch gut so. 1 von 10 Punkten.

73: Snow Patrol – “open your eyes”

Ich hab inzwischen wieder meinen Frieden gemacht mit Snow Patrol. Sie sind nunmal inzwischen Weltstars, machen Musik, die vielen gefällt und nicht mehr nur kleinen Popkulturjunkies an Southside-Festival-Nachmittagen. Ich bin immer noch der Meinung, dass sie beim letzten Album wesentlich besser waren als jetzt. Aber der Masse gefällt’s jetzt besser. Und wenn man sich “open your eyes” völlig unvoreingenommen anhört, bekommt man eindeutig einen grandiosen Popsong, der zwar erst kurz vor Schluss so richtig auf den Punkt kommt, aber dann richtig für Gänsehaut sorgt. Stadionpop im besten Sinne. 8 von 10 Punkten.

69: Marquess – “you and not tokio”

Nach dem Sommerhit “vayamos companeros” nun die müde Herbstnummer “you and not tokio”. Neben dem dämlichen Titel fällt auf, dass der Musikstil komplett anders ist. Man mag kaum glauben, dass das dieselben Leute sind, die diese sommerliche Mitschunkelnummer gemacht haben. Der Song ist allerdings weitgehend langweilig, kommt nicht auf den Punkt und will viel zu viel. 3 von 10 Punkten.

55: Apocalyptica – “i’m not jesus”

Neuester Gast der Cello-Metal-Finnen: Stone-Sour-Slipknot-Frontsau Corey Taylor. Das Ergebnis: Schnörkelloser kraftvoller Metalrock, der überraschend hörenswert ist – vielleicht auch, weil sich die Cellisten erfreulicherweise zurücknehmen und der restlichen Instrumentierung mehr Raum lassen. So nerven Apocalyptica mich nicht mehr so sehr. 6 von 10 Punkten.

53: Tony D – “totalschaden”

Da ist der Titelname Programm: Tony B versucht sich an einem völlig misslungenen Mix aus Gesang, Rap und Geschrei – im Video unterstützt von einer Band mit Sido und dem Deppen aus der Bloodhound Gang. Auf CD gepresste Scheiße. “Totalschaden” eben. 0 von 10 Punkten.

44: Maroon 5 – “wake up call”

Die vielleicht belangloseste Band der Gegenwart kippt die nächste Single auf den Markt. Auch “wake up call” ist ein leicht ange-funk-ter Popsong ohne Höhepunkte. Und dementsprechend werde ich ihn mir sicher nur dieses eine Mal angehört haben. 3 von 10 Punkten.

40: Linkin Park – “bleed it out”

Wenn der Song nicht immer nur im ewigen “i bleed it out digging deeper just to throw it away” gipfeln würde, sondern ein bisschen mehr Abwechslung geboten hätte, hätte das wirklich etwas werden können. Aber so bleibt “bleed it out” eindeutig nur Mittelmaß. 5 von 10 Punkten.

31: Horst Schlämmer – “gisela (isch möschte nischt…)”

Spätestens nach diesem völlig missratenen Etwas dürfte wohl jeder froh sein, dass es nun bis auf Weiteres nichts Neues mit von Schlämmer zu sehen (und hören) geben wird. 0 von 10 Punkten.

28: Plain White T’s – “hey there delilah”

Welthit-Alarm. 17 Mio. YouTube-Abrufe. Im-Radio-hoch-und-runter-Gespiele. Aber: “hey there delilah” ist ein durchaus netter balladesker kleiner Song, der ins Ohr geht und danach nicht mehr raus. Interessant wird nun, wie die Plattenfirma an diesen Hit anschließen will – denn für die Plain White T’s ist der Song ja eher ungewöhnlich – sie machen sonst eher mittelmäßigen Punk-Emo-Pop. Es riecht also stark nach One-Hit-Wonder. 6 von 10 Punkten.

18: Lisa Bund – “learn to love you”

Die lange Zeit als Top-Favoritin gehandelte “DSDS”-Kandidatin durfte nun also auch eine Platte aufnehmen. Dort präsentiert sie Mariah-Carey-Whitney-Houston-artige Balladen, die ihre zugegebenermaßen tolle Stimme in den Vordergrund stellen. “learn to love you” ist zwar keine ganz große Innovation, aber besser als die von Mark Medlock vorgetragenen peinlichen Bohlen-Kompositionen ist der Song allemal. 5 von 10 Punkten.

15: Sean Kingston – “beautiful girls”

Eben noch 17 Mio. YouTube-Abrufe, bei “beautiful girls” sind es sogar 25 Mio. Und das für einen Milchbubi, der mal eben einen anderen Text über die “stand by me”-Melodie drübersingt. Manchmal ist der Musikgeschmack der Leute schon seltsam. 3 von 10 Punkten.

03: 50 Cent feat. Justin Timberlake – “ayo technology”

50 Cent rappt über einen Gameboy- oder C-64-Chiptune, Justin Timberlake singt ein bisschen und fertig ist der Hit. Und warum? Ich weiß es beim besten Will nicht. “ayo technology” ist Mittelmaß, wie es mittelmäßiger nicht sein könnte. Keinerlei Höhepunkte, keine Melodie, nichts, absolut nichts. Was hab’ ich eben gesagt? Manchmal ist der Musikgeschmack der Leute schon seltsam? Stimmt hier noch mehr als eben. 2 von 10 Punkten.

Die Top Ten vom 14. September 2007:

01 (01) Culcha Candela – “hamma!”
02 (02) James Blunt – “1973″
03 (—) 50 Cent feat. Justin Timberlake – “ayo technology”
04 (03) Ich+Ich – “vom selben stern”
05 (04) Azad feat. Adel Tawil – “prison break anthem (ich glaub …)”
06 (05) Timbaland feat. Keri Hilson – “the way i are”
07 (06) Scooter – “the question is what is the question”
08 (07) Bushido – “alles verloren”
09 (09) Fergie – “big girls don’t cry”
10 (10) Marquess – “vayamos companeros”

Ebenfalls erschienen, aber gefloppt:
- Jasmin Tabatabai – “let’s stay together”
- Kilians – “enforce yourself” (Download-only-Single)
- Nicole Scherzinger feat. T.I. – “whatever u like” (Download-only-Single)
- The Bravery – “time won’t let me go” (Download-only-Single)
- The Coral – “who’s gonna find me?” (Download-only-Single)
- The Wombats – “the wombats ep”

4 Comments so far

  1. nrq on November 23rd, 2007

    Platz 1 ist interessant. Seltsame Kommerz Hip Hopper entdecken also Chiptunes für ihre Musik. Hoffentlich hat der Komponist der Musik dieses mal seine Erlaubnis gegeben.

  2. r3lite on December 2nd, 2007

    Wäre schon, wenn Du in Deiner Wertung etwas weniger vorhersehbar bzw. vorurteilsbeladen wärst. Nicht alles, was HipHop und kommerziell erfolgreiche Popmusik ist, ist schlecht, nicht alles, was Gitarren hat, hörbar. So hat man leider das Gefühl, Du schreibst nach gefühlter Qualität der Acts, ohne die jeweiligen Stücke überhaupt zu kennen: “Berlin Hip-Hop? Das kann ja nix sein, Linkin Park, klar, mittel und Snow Patrol, das muss gut sein.”

  3. Richard on January 4th, 2008

    ml ne ganz dumme frage: warum hören die charts-kritiken im september 07 einfach kommentarlos auf? oder habe ich die fortsetzung bzw. begründung, warum es eine solche nicht gibt ob der unübersichtlichkeit dieses blog übersehen?

  4. popkulturjunkie on January 4th, 2008

    es geht demnächst weiter.

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