Wenn ein Unternehmen in kürzester Zeit vier Pressemitteilungen zum selben Produkt rausschickt, ohne dass sich daran etwas Grundlegendes geändert hat, werde ich immer hellhörig. Denn wirklich gute Internet-Produkte braucht man nicht mit einem PR-Feuerwerk an den Mann zu bringen, gute Produkte sprechen sich im Netz schnell herum. Wenn man dann auch noch Blogger anmailt und Ihnen in einem seltsam pseudo-vertrauten Ton mit “Hi” und “Greets” und ähnlichen Worten das Produkt schmackhaft machen will – und auch nach einer Nicht-Antwort dieser Blogger weitere Mails schickt – dann werde ich umso hellhöriger.
Genau das ist in den vergangenen Wochen bei “WebNews” passiert – einer unspektakulären schlechten Kopie des US-Erfolges “digg“. Was mich dabei gar nicht so sehr stört, ist das Produkt selbst, das mich überhaupt kein bisschen interessiert, weil ich nicht wissen will, welche Nachrichten eine Handvoll Internet-Nutzer, die ich nicht kenne, als wichtig oder unterhaltsam ansieht. Was mich auch gar nicht so sehr stört, ist die hanebüchene, als Feature verkaufte Liste, die man “Medienbarometer” nennt und die zeigen soll, welche Autoren die besten des Internets sind und die doch nur zeigt, dass Internet-Zuscheißer gewinnen. Viel schlimmer als das finde ich, wie man krampfhaft versucht, dieses langweilige Produkt auch noch mit aller Gewalt hochzuhypen. Da heißt es doch in der heutigen Pressemitteilung allen Ernstes:
“Alle Nachrichten, fremde und eigene, werden von den anderen Lesern bewertet. Das führt dazu, dass nur die wirklich interessanten Informationen aus dem jeweiligen Bereich “nach oben gespült” werden – relevant und aktuell. Zugleich sieht jeder Leser, von wem welche Nachrichten stammen und kann direkt Kontakt aufnehmen, um Hintergründe zu erfahren oder sich einfach nur mit Gleichgesinnten über ein Thema auszutauschen. So erhält man meist viel bessere Informationen zu genau dem Gebiet, das einen selbst interessiert, als es die Tageszeitung oder die Tagesschau jemals bieten kann.”
Bitte? “bessere Informationen, als es die Tageszeitung oder die Tagesschau jemals bieten kann”??? Also wenn ich auf “WebNews” klicke, bekomme ich vor allem Schlagzeilen wie “Walschützer rammen Walfänger”, “Anna Nicole Smith: Drogen im Kühlschrank” und “Falsche Schönheitschirurgen töten Patientin” angezeigt. “bessere Informationen, als es die Tageszeitung oder die Tagesschau jemals bieten kann”? Gute Nacht, “WebNews”.
Schlimm finde ich ehrlich gesagt auch, wie der Holtzbrinck-Konzern, der sich ja gerade in jedes Startup einkauft, dessen Mitarbeiter wissen, wie man “Internet” schreibt, auch noch Werbung für seine neue Beteiligung “WebNews” macht. Über jedem “Handelsblatt.com“-Artikel gibt es jetzt einen “WebNews”-Button und den Link zu “Was ist Webnews?”. Wie toll das bei den “Handelsblatt.com”-Nutzern ankommt, lässt sich nur dadurch erahnen, dass sich auf der “WebNews”-Startseite beim Schreiben dieses Blog-Eintrags genau ein “Handelsblatt.com”-Artikel fand – genauso viel wie Artikel von “dsds-news.de”. Aber wahrscheinlich ist man bei “Handelsblatt.com” sogar froh darüber, dass die eigenen Nutzer nicht auf den “WebNews”-Button klicken. Apropos Erfolg: Auch mit der Blogger-Einschleim-Aktion hat man anscheinend nicht so viel Erfolg: Bei “Technorati” finden sich derzeit Links aus sage und schreibe 71 Blogs. In über zwei Monaten seit Start des Projekts und bei dem PR-Aufwand ist das eine ziemlich desaströse Bilanz. Langweilige Me-too-Produkte interessieren nunmal nicht. Akzeptieren wird man das aber sicher nicht. Wir werden uns also wohl noch auf viele weitere Jubel-Pressemitteilungen aus dem Hause “WebNews” freuen dürfen.