“früher war alles schlechter” oder “die libertines-reunion”. 7

Am Donnerstagabend standen Pete Doherty und Carl Barat, die beiden entscheidenden Figuren der Libertines, zum ersten Mal seit Jahren wieder gemeinsam auf einer Bühne und haben gemeinsam 13 Songs performt. Damit beende ich meinen Über-Pete-Doherty-Bloggen-Boykott, denn jetzt geht es ja endlich mal nicht um Drogen, doofe Models oder irgendwelchen anderen unwichtigen Scheiß, sondern um grandiose Musik.

Noch vor ein paar Jahren wäre die ganze Sache so abgelaufen: Man hätte vielleicht auf irgendeinem Radiosender von der Sache gehört, womöglich in den “MTV News”, vielleicht sogar in einer überregionalen Tageszeitung. Womöglich aber auch erst in der nächsten erreichbaren Ausgabe einer Musikzeitschrift. Dann hätte man es gelesen und hätte sich gedacht: “Wow. Bei dem historischen Moment wär ich ja gern dabei gewesen.” Vielleicht hätte man auch ein oder zwei Fotos gesehen, bewegte Bilder aber wohl kaum. Oder erst Wochen oder Monate später.

Heute: alles anders. Die Reunion im Londoner Hackney Empire dürfte zu einem der best-dokumentierten musikalischen Ereignisse überhaupt gehören. Der “NME” zum Beispiel hat ein Live-Blog geführt, diverse Artikel mit Reaktionen aller Art online gestellt, dazu jede Menge Fotos. Viel wichtiger aber: Bei YouTube, dem Archiv der Popkultur, finden sich inzwischen mehr als 100 von Fans aufgezeichnete Videos vom Gig. Darunter viele mit schlechtem Bild, viele mit schlechtem Ton, aber auch einige durchaus anschaubare Filme. So muss man nun nicht darüber lesen und denken, man wäre gern dabei gewesen. Stattdessen kann man nachträglich dabei sein. Bei dem Gänsehaut-Moment zum Beispiel, bei dem Doherty Barat ankündigt und gemeinsam “what a waster” gesungen wird.
Oder bei “don’t look back into the sun”:
Und auch bei der Cover-Version von “dream a little dream”:
Und sogar die angedeutete Fenstersturz-Szene von Frau Moss während des After-Show-aus-dem-Fenster-heraus-mit-den-Fans-
gemeinsam-Gegröhle “can’t stand me now” ist bestens dokumentiert:

Ja. Das Internet ist toll.

zitat des tages. 0

“Formel 1 ohne Michael Schumacher ist wie Verliebt in Berlin ohne Alexandra Neldel.” (aus einem Kommentar bei “allesaussersport“)

Perfekt auf den Punkt gebracht. Und ich bin absolut sicher, dass RTL im Laufe der Saison auch noch ein ähnliches Schicksal blüht wie Sat.1 mit “Verliebt in Berlin” nach dem Neldel-Ausstieg. Wahrscheinlich werden die Quoten nicht ganz so extrem in den Keller fallen, aber ich tippe mal, dass sich ein großer Teil der Zuschauerschaft nach und nach verabschieden wird. Oder soll man sich jetzt mit Ralf Schumacher identifizieren? Oder mit Nico Rosberg? Oder sich an einem Überholmanöver pro Rennen ergötzen? Noch dazu wird Schumacher wahrscheinlich schwerer zu einem Wiedereinstieg zu überreden sein als Neldel.

peter p. und karen o. 2

Ich werde mir auch den dritten “Spider-Man”-Film nicht im Kino anschauen, da ich mit diesen immer irgendwie gleichen Hollywood-Superheldenfilmen nicht mehr so viel anfangen kann. Allerdings lohnt bei “Spider-Man 3” immerhin ein Blick auf den Soundtrack. Dort findet sich neben Snow Patrol, den Killers, Wolfmother, The Walkmen, Black Mountain den Flaming Lips und Jet nämlich auch ein exzellenter Song von den Yeah Yeah Yeahs: “sealings”. Und von dem wiederum gibt es dankenswerterweise eine ziemlich gute Live-Version bei YouTube.

musiksender ard. 8

Gibt es eigentlich ein schöneres Beispiel für den Untergang des deutschen Musikfernsehens, als jenes, dass mittlerweile immer mehr Videoclip-Premieren ausgerechnet im Ersten stattfinden? Vor wenigen Wochen ist mir dort schon die Premiere des neuen Fantastischen-Vier-Clips begegnet und nun lief auch die Wir-sind-Helden-Premiere von “endlich ein grund zur panik” im Ersten. Und nicht etwa bei MTV oder Viva. Ich tippe mal, dass ein Großteil der Zuschauerschaft von Hulk Hogan, Flavor Flav und Bam Magera auch gar nicht mehr weiß, dass ihre Lieblings-Pseudo-Doku-Soap-Trash-Sender mal als Musikkanäle gestartet sind.

um gottes willen. 5

Bei allem Respekt, aber etwas Nervigeres, Unlustigeres als diese “Blogpiloten”-Pseudo-Comedy-Interviews hab’ ich wahrscheinlich noch nie gesehen.

große momente der pophistorie. 1

Nach diesen Mittelmaß-Waschlappen im Fernsehen muss man echte Musik hören. Zum Beispiel diese hier. Immer noch einer der grandiosesten Songs der Geschichte. Elton John. “tiny dancer”.(inspiriert von “Nerdcore“)

pressemitteilungen, die man sich wünscht. 3

Köln. RTL trennt sich noch während der heutigen “Deutschland sucht den Superstar”-Show von Jury-Mitglied Anja Lukaseder. Ihr “Ich finde alles gut und äußere nie Kritik” sei dem Publikum einfach nicht mehr zuzumuten. RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt: “Das kann doch nicht wahr sein. Jeder Gehörlose merkt, dass die Kandidaten nicht viel können und Frau Lukaseder jubelt alle hoch. Außerdem kann ich ihre Fresse einfach nicht mehr ertragen.” Gleichzeitig trennt sich RTL von Co-Moderatorin Tooske Ragas. Ein Marco Schreyl nervt das Publikum schon zu sehr, da ist Frau Ragas einfach zu viel des Schlechten.

Für die Doofies: Das ist natürlich keine authentische Pressemitteilung, sondern nur eine persönliche, satirisch eingefärbte Wunschvorstellung. (Nicht, dass mich Frau L. noch abmahnt)

programmhinweis. 1

Ich werde zwischen jetzt und 20 Uhr zum zweiten Mal in der Fritz-Sendung “Trackback” zu hören sein. Diesmal allerdings nur per Telefon zugeschaltet. Zu hören gibt es ein paar Erläuterungen zu meinen “deutschen blogcharts“. Auf der Fritz-Website gibt’s auch einen Livestream.

star-trek-wiki. 0

Irgendwie vermisse ich das “Star Trek”-Universum ja schon. Schließlich gab es seit den 80ern keine so lange Zeit mehr ohne “Star Trek”-Serie oder -Film. Da ist es doch schön, ein bisschen in Erinnerungen zu schwelgen. Zum Beispiel im hervorragenden “Star Trek”-Wiki “Memory Alpha“. Es gibt dort zwar auch eine deutsche Version, aber die englische ist wesentlich umfangreicher und daher empfehelnswerter.

waz-skandal. 1

Das, was Peer Schader in den vergangenen Tagen passiert ist, gehört wirklich zu den frechsten Vorgängen, die ich im ernsthaften Journalismus seit Jahren gehört habe: Die verantwortliche Redakteurin der Medienseite der “WAZ”, einer nicht so kleinen Zeitung also, schreibt weite Teile eines Artikels ab, hofft, dass es niemandem auffällt und sagt dann, sie mache das “nicht oft”. Un.Glaub.Lich. Wenn ich Chef der “WAZ” wäre – ich wüsste genau, was ich jetzt tun würde.

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