charts (2005-01-24). 6

Neue Woche, neue Charts. Hier sind die New Entries der deutschen Singlecharts vm 24. Januar 2005:

90: Culcha Candela – “union verdadera”
Was ist das nun wieder? Ein bisschen Salsa, ein bisschen Reggae und ein bisschen Hip Hop? Und das alles aus Berlin? Laut Culcha-Candela-Label Urban ist das das neue große Ding in Berlin. Nun ja. Vielleicht in einer kleinen Ecke von Berlin. Aber da wird es sicher auch bleiben. Mir jedenfalls ist das definitiv zu angstrengend. 2 von 10 Punkten.

89: Räuber – “allah, sei mir gnädig”
Scheiß Karneval. Neulich ist schon diese neue, schlimme Höhner-Single in die Charts eingestiegen und in dieser Woche kommen Re-Entries von De Boore und nochmal Höhner dazu. Und dieses grausame Machwerk der Kölner Kapelle Räuber. “allah, sei mir gnädig, isch bin fix und fäädig”. Ich auch, Nach dem Hören dieses Liedes. 0 von 10 Punkten.

87: Mysterio – “everlasting love 2005”
Wieder eine Folge der beliebten Reihe Alte-Hits-mit-ein-paar-Bässen-in-Kirmes-Techno-umgewandelt. Wer oder was Mysterio nun schon wieder ist, spielt keine Rolle. Jedenfalls haben die Damen und Herren den alten Sandra-Hit “everlasting love” so bearbeitet, dass es auch den 12-Jährigen von heute gefällt. Schlimm, sowas. 1 von 10 Punkten.

43: Mylo – “drop the pressure”
Dann doch lieber solche Dance-Musik. Mylo ist ein Schotte, dessen Debüt-Album “destroy rock & roll” heißen wird. Und auch wenn ich mich dieser Aussage selbstverständlich nicht anschließen kann, klingt der Track “drop the pressure” gar nicht übel. Ein bisschen wie Daft Punk und Röyksopp. Kein Oberknaller, aber durchaus hörenswert. Mal sehen, was da noch hinterher kommt, vom Herrn Mylo. Hierfür erstmal 6 von 10 Punkten.

29: T-Rio – “(choopeta) mamae eu quero”
Nein. Keine Angst! Trio haben sich nicht wieder vereinigt. T-Rio sind (ungelogen!) brasilianische Drillinge, deren Song passend zur Karnevalszeit in die deutschen Charts einsteigen. Und da die drei Thaisa, Thaina und Thayana heißen, macht auch der “Band”-Name Sinn. In Frankreich befindet sich das Liedchen seit Monaten in den Top Ten. Die Franzosen hatten auch schonmal einen besseren Musikgeschmack. Der Song ist nämlich nichts anderes, als ein schlimmes sommerliches Latino-Gesinge, das man auch nach vierzehn Bier noch mitgröhlen kann. Also tatsächlich passend zum Karneval. 0 von 10 Punkten.

18: Green Day – “boulevard of broken dreams”
Rettung naht. Bei all diesem Schrott unter den Neu-Einsteigern gibt es doch noch eine Perle. Die neue Single von Green Day. “boulevard of broken dreams” war sofort mein Lieblings-Song vom tollen Album “american idiot”. Ein relativ langsames, extrem melodiöses Stück, das nicht mehr aus den Ohren rausgeht, wenn es erstmal drin ist. So müssen Chart-New-Entries klingen. 9 von 10 Punkten.

16: DJ BoBo – “pirates of dance”
Und dann gleich wieder sowas hinterher. DJ Popo hat was Neues am Start. Aber warum nennt er es “pirates of dance”? Hat er da wieder einen kleinen Trend verpasst? Wäre doch passender gewesen, als “pirates of the caribbean” ins Kino kam, Herr Popo. Der Song ist eines seiner üblichen Liedchen, die völlig nervig sind und in deren Videos er so schön zeigen kann, wie toll er tanzen kann. 0 von 10 Punkten.

13: Blue Lagoon – “do you really want to hurt me”
Und wieder eine dieser Cover-Versionen. Diesmal trifft es den Culture Club. Deren damaliger Erfolg gehört wohl zu den Merkwürdigkeiten der 80er Jahre. Beinahe wären sie auch schon vergessen, aber leider gibt es Projekte wie Blue Lagoon. Die haben auch schon Matthew Wilders “break my stride” verwurstet. Das Einzige, was man ihnen zu Gute halten muss, ist, dass sie aus “do you really want to hurt me” keinen Kirmes-Techno gemacht haben, sondern einen Sommerhit-kompatiblen Pseudo-Reaggae-Reißer. Aber haben wir gerade Sommer? Na also. 1 von 10 Punkten.

8: Mustafa Sandal feat. Gentleman – “isyankar”
Mustafa Sandal ist ein Star in der Türkei. Sein Popliedchen “isyankar” war dort DER Sommerhit und acht Wochen auf Nummer 1. Das Produzententeam Beathovenz, das von einigen Teenie-Postillen schon schlimmerweise als deutsche Neptunes bezeichnet wurde und dass noch schlimmererweise Sidos Verbrechen “mein block” produziert hat, dieses Produzententeam jedenfalls hat dann den Hit von Mustafa Sandal genommen, ihn mit ein paar Gentleman-Beigaben angereichert und fertig ist der Deutschland-kompatible Hit. Und was soll ich sagen: Soooo schlimm klingt er gar nicht, der Hit. Natürlich schon schlimm, aber eben nicht soooo schlimm. Zumindest ist es irgendwie eine interessante Musik-Mischung, die sich vom üblichen Charts-Rotz abhebt. Und daher: 4 von 10 Punkten.

3: Krypteria – “liberatio”
Das musste ja kommen. Schließlich gibt es zu jeder Katastrophe auch noch eine passende musikalische Katastrophe. Zu Dianas Tod die schlimme Neu-Auflage von “candle in the wind”, zu 9/11 Enyas Nerv-Liedchen und zur Flut nun eben “liberatio”, eine ziemlich uninspirierte, 4 Minuten lange Schleimerei, die so ähnlich schon tausendmal da war und die in den vergangenen Wochen so oft bei RTL lief, dass sie in die Charts einsteigen musste. Tut mir einen Gefallen: Spendet ruhig für die Flutopfer, aber verzichtet darauf, es mit dem Kauf dieser Single zu tun. 1 von 10 Punkten.

danke. 1

Danke an Herrn Shhhh für diese weisen Worte.

Danke an Herrn argh! für diesen kleinen, großen Traum.

Und danke an Herrn Netzbuch für diesen Link zu gaaaaanz viel legaler kostenloser Musik.

harald schmidt. 7

schon besser…

mein 2004 in listen (teil 2b). 6

Der zweite Teil meines Rückblicks auf die besten Platten des Jahres 2004. Diesmal die Plätze 16 bis 20.

20: Jimmy Eat World – “futures”
Jimmy Eat World habe ich damals kennengelernt, als ihr kleiner, großartiger Hit “lucky denver mint” im deutschen Musikfernsehen rauf und runter lief. Das damalige Album “clarity” war ein Hammer, der Nachfolger “bleed american” war noch toller. Auch live sah ich die Band damals auf einer gemeinsamen Tour mit Ash. Für mich bleibt Jimmy Eat World auch mit der neuen Platte “futures” die mit Abstand beste Emo-Band. Auch wenn die Platte nicht so gut ist wie der Vorgänger, so ist sie dennoch eine der besten Alben des Jahres.

19: Monta – “where the circles begin”
Monta ist Tobias Kuhn, der Sänger der tollen deutschen Band Miles. Mit seinem Solo-Projekt Monta lebt er seine melancholische Ader aus. Akustische Gitarren, Pianos, ein paar kleiner Elektro-Spielereien und immer wieder diese Melodien, die man nicht vergisst. Vor allem “long live the quiet” gehört zu den schönsten Songs des Jahres. Und “where the circles begin” ganz klar zu meinen Platten 2004.

18: Thirteen Senses – “the inviation”
Noch eine dieser Wir-sind-so-toll-wie-Coldplay-Bands, die 2004 in Massen auftauchten. Thirteen Senses gehören zu den besten. Hymnische Melodien gepaart mit einem tollen Sänger, dessen Stimme vielleicht Geschmackssache ist, aber perfekt zur Musik passt. Alle, die Bands wie Coldplay oder Keane mögen, sollten sich Songs wie “thru the glass” oder “do no wrong” anhören. Sie werden hinterher nicht anders können, als sich diese Platte zu beschaffen. “the invitation” fällt gegen Ende zwar etwas ab und kann das Niveau der ersten Tracks nicht halten, toll ist das Album aber auf jeden Fall.

17: Green Day – “american idiot”
Green Day. Eine Band, die mich nun schon seit 11 Jahren begleitet. Damals kaufte ich mir “dookie”, die wohl immer noch bekannteste Platte der Band, mit der sie in Europa ihren Durchbruch schaffte. 11 Jahre und ein paar zum Teil äußerst mittelmäßige Platten später, haben sie mich wieder überzeugt. “american idiot” ist die vielleicht erste Punk-Rock-Oper, u.a. mit zwei Tracks, die länger als 9 Minuten sind. Dazu absolut brillante Songs wie “boulevard of broken dreams” und das ruhige “wake me up before September ends”. “american idiot” ist die Platte für Leute, für die Punk Rock nicht nach 2 Minuten 30 zu Ende sein muss.

16: Virginia Jetzt! – “anfänger”
Vielleicht werde ich durch Platz 16 einige meiner Leser verlieren, die sich mit Ekel abwenden. Aber da muss ich durch. Für die Einen ist Virginia Jetzt! eine miese Schlager-Kapelle, die in all diesen Artikeln über nationale Tendenzen in deutscher Popmusik auftauchte. Für die Anderen einfach eine deutsche Version von Keane. Ich gehöre zu den zweiteren. Und wer offen an “anfänger” herantritt, ohne Vorurteile, der bekommt eines der schönsten Pop-Alben des Jahres. Hört Euch “liebeslieder” oder “der himmel über berlin” an und lasst Euch überzeugen.

große momente der popkulturgeschichte. 2

Adam Green singt in der “Sarah Kuttner Show” Karaoke: den “Flashdance”-Reißer “what a feeling”. Ganz ganz groß.

musikfernsehen gerettet? 0

Naja, ein kleines bisschen vielleicht. Das “intro” hat jedenfalls bekanntgegeben, künftig mit dem WDR-“Rockpalast” zu kooperieren. So wird es im “Rockpalast” Aufzeichnungen von “intro intim”-Abenden und dem 2005 zum ersten Mal vom “intro” augerichteten Melt-Festivals geben. Der Auftakt der Kooperation wird am 10. Februar aufgezeichnet: “intro intim” mit Jack Adptor, Maximo Park und Feeder. Das ist doch was…

der unterschied. 0

“Tagesthemen” (Das Erste): Tocotronic haben eine neue Platte gemacht.
“heute nacht” (ZDF): Die Prinzen sind wieder auf Tour.

harald schmidt. 2

ging so…

sarah kuttner. 0

Ach, tut das gut, zweimal pro Woche doch noch für wenigstens eine stunde Viva einschalten zu können. Live-Musik von dem – wenn auch (vornehmlich von Frauen) etwas überschätzten – Adam Green zu hören. Am Ende der Sendung zu hören, dass morgen Tocotronic zu Gast sind. Ach tut das gut…

Apropos Adam Green: Der ist morgen zu Gast bei Harald Schmidt (!).

armer alter mann. 0

Muss man da jetzt Mitleid haben? Zur ProSieben-Trash-Reality “Die Burg” wird auch eine CD erscheinen. Und da drauf ist u.a. der Titelsong. Und der kommt von Ritchie Blackmore, Älteren vielleicht noch bekannt als Gitarrist von Deep Purple. Puh. So tief kann man sinken. Die anderen Songs auf “Burg-Hits” stammen im Übrigen von Leuten wie Scooter, Klaus & Klaus und DJ Ötzi. Ein absolutes Muss, diese CD. (via musikwoche.de)

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