Archive for December, 2004

film: “die fetten jahre sind vorbei”. 7

Ich liebe deutsche Filme, ich mochte Hans Weingartners letzten Film “Das weiße Rauschen” sehr gern und ich hab auch nichts gegen Daniel Brühl. Also hab ich mich auf “Die fetten Jahre sind vorbei” gefreut. Ein paar Sätze zum Inhalt: Jan (Daniel Brühl) und Peter (Stipe Erceg), zwei junge Möchtegern-Revoluzzer steigen nachts in Villen ein und dekorieren sie um. Sie klauen nichts, sondern hinterlassen lediglich Botschaften für die Besitzer, wie z.B. “Die fetten Jahre sind vorbei” oder “Sie haben zu viel Geld!”. Sie nennen sich “Die Erziehungsberechigten”. Peters Freundin Jule (Julia Jentsch) verliebt sich während einer Reise von Peter in Jan, bricht mit ihm in eine Villa ein und vergisst dort ihr Handy. Als sie in der kommenden Nacht zurückkehren, um das Handy zu suchen, werden sie vom Villen-Besitzer überrascht…

Leider hat der Film die Erwartungen, die ich in ihn hatte, nicht erfüllt. Über weite Teile hat er mich sogar genervt. Die ewigen linken Revoulzzer-Gespräche, die dazu führen, dass man die Kinoleinwand anschreien möchte: “Hey. Ihr seid 30 Jahre zu spät…!” Besonders nervig ist die Figur des Jan, die Daniel Brühl so spielt, dass ich allmählich nicht mehr denke, dass er wirklich ein guter Schauspieler ist. Er spielt immer gleich, schaut immer gleich melancholisch in die Gegend. Keine Unterschiede zu erkennen, egal wen und in welchem Film er spielt. Positiv aufgefallen ist mir dagegen vor allem Burghart Klaußner in der Rolle des Villenbesitzers Hardenberg. Etwas versöhnt hat mich das letzte Drittel des Films. In dem das Rebellentum relativiert wird, weil Dinge wie die Liebe in den Vordergrund rücken und der eigentlich Böse gar nicht so böse ist. Insgesamt ist “Die fetten Jahre sind vorbei” ein Mix aus Revolzzer-, Liebes- und Gauner-Film. Ein mittelmäßig gelungener Mix. Immerhin enthält der Soundtrack einige Schmankerl wie Jeff Buckleys grandioses “hallelujah” und Tracks von Slut und Nada Surf. Für den Film gibt’s von mir gerade noch so 6 von 10 Punkten.

popkulturjunkie on tour: klee + ocker. 3

Heute abend hab’ ich das Beste getan, was man an diesem Abend überhaupt nur machen konnte: ich hab’ brilliante Musik gehört, eine der charmantesten Sängerinnen, die ich je gesehen habe, erlebt, wurde perfekt unterhalten. Ich war bei einem Klee-Konzert.

Aber der Reihe nach: Begonnen hat der Abend nämlich mit Ocker. Einer Band aus Hamburg, die mir vor einigen Monaten schon durch die Stücke “new york fm” und “retro yuppie” positiv aufgefallen waren. Ein Eindruck, der sich heute abend sehr verstärkt hat. Die Band aus Hamburg spielt Elektro-Rock. Fast ohne Gesang und wenn, dann nur mit Vocoder-Stimme. Das Set begann mit einem noch unbetitelten neuen Instrumental-Stück, das mit seiner Intensität ein perfektes Intro war. Es folgten ein Mix aus Stücken vom Ocker-Album “1234love” (natürlich inklusive der beiden “Hits”), ein weiteres neues, unbetiteltes Stück und nette Plaudereien zwischen den Stücken. Ocker haben für eine Support-Band ziemlich lang gespielt: 45 Minuten. Wäre der Abend an dieser Stelle zu Ende gewesen, man wäre mit guten Gefühlen nach Hause gegangen. Aber der absolute Höhepunkt sollte ja erst folgen: Klee.

Ich war vom Klee-Album “jelängerjelieber” ziemlich begeistert. Es klang reifer, erwachsener als der Vorgänger “unverwundbar“. Und so war ich gespannt, wie die Live-Umsetzung der zumeist ruhigen Stücke aussah. Und die sah vom ersten Moment an hervorragend aus. Das lag natürlich vor allem an Sängerin Suzie Kerstgens, einer der charmantesten, sympathischsten und ja: süßesten Musikerinnen, die ich je auf einer Bühne gesehen habe. Der Album-Opener “für alle, die” war auch das erste Klee-Stück des Abends. Danach gab es nahezu alle Lieder des neuen Albums, ein paar vom Vorgänger (natürlich auch “erinner dich” und “nicht immer aber jetzt”) und als Abschluss der zweiten Zugabe sogar einen Song der Vorgänger-Band Ralley. Zwischendruch erzählte Suzie Kerstgens Geschichten über die Krankheit, die sie gerade plagte (Nesselfieber), die ersten drei Platten ihres Lebens (Catweasel, Trotzkopf, Robbi Tobbi und das Fliewatüüt), Heuschreckenplagen und vieles andere. Die Musik war härter, ein bisschen schneller als auf der Platte, zwei Unterbrechungen mitten in Songs, in denen der Computer neu hochgefahren werden musste, unterstrichen den Charme der Lieder. Perfekter deutscher Elektro-Pop zwischen New Order, Blumfeld und The Cure. Mit anderen Worten: Das Konzert war sensationell unterhaltsam. Und alle, die die Musik von Klee auch nur halbwegs mögen, sollten einen der verbliebenen Tour-Termine wahrnehmen. Auch damit bei den nächsten Auftritten ein paar mehr als die gerade mal 100 Leute im Heidelberger Schwimmbad auftauchen…

nu pagadi. 4

Okay. Die “Popstars”-Band steht. Die Musik ist eine annehmbare Kommerz-Pseudo-Gothic-Pop-Rock-Mischung und die Typen in der Band sind halbwegs authentisch. Aber: Welcher sicher viel zu hoch bezahlte Trottel wurde mit der Findung des Bandnamens beauftragt??? Nu Pagadi??? Was zur Hölle soll das? Ein Spruch eines russischen Zeichentrickwolfes? Das passiert wohl, wenn man besonders kreativ bei der Namensfindung sein will. Immerhin: Nu Pagadi dürfte die erste Band sein, die so heißt wie eine DDR-Schokocreme :-)

legenden-bashing. 1

Der “Guardian” hat eine Reihe von Autoren jeweils eine Legende vernichten lassen. Nirvana, die Beatles, U2 – alle kriegen ihr Fett weg. Jacques Peretti schreibt z.B. über die Strokes: ” Four bars guitar. Stop. Four bars guitar. Stop. Then a muffled vocal that sounds like it’s been recorded on a 1912 telephone line under the Atlantic. Bit more de na na na. The end. This is the Strokes…” Den kompletten, extrem unterhaltsamen Artikel gibt’s hier.

(Mit Dank an Rolf für den Link)

peinliches lieblingslied. 1

Peinliches Lieblingslied der Stunde: “aus gold” von Peter Heppner (Wolfsheim), miLù (Mila Mar) und Kim Sanders (Ex Culture Beat)…

kreisch. 2

Tausende kleiner Pseudo-Gothic-Mädchen sind dem Orgasmus nahe: HIM-Ville-Valo hat mit The-Rasmus-Lari-Ylönen für die neue Apocalyptica-Single ein Duett aufgenommen!!!

charts (2004-11-22). 0

Es kostet immer wieder riesige Überwindung, sich all dieser schlechten Musik zu stellen. Sie mindestens einmal komplett zu hören. Und so bin ich schon wieder zwei Wochen in Verzug geraten. Shame on me. Aber ich konnte mich glücklicherweise ein weiteres Mal überwinden und präsentiere somit: popkulturjunkies Kritiken zu den New Entries der deutschen Single-Charts vom 22. November 2004.

98: Jadakiss feat. Anthony Hamilton – “why”
In 97,8 % aller Fälle hasse ich Hip Hop. Weil ich mit einem Großteil dieses Genres einfach nichts anfangen kann. Hauptursache: Fehlende Melodien. Dieses Stück von einem gewissen Jadakiss, der wie eine kurze Recherche ergeben hat in Wirklichkeit Jason Philips heißt aus einem kleinen amerikanischen Ort namens Yonkers stammt und schon mit Eminem gerappt hat, gehört nicht zu den 97,8%. Zwar ist auch hier keine richtige Melodie zu erkennen, aber dafür authentischer, leicht dreckiger Rap, der absolut nicht unangenehm ist. 4 von 10 Punkten.

89: Prince – “cinnamon girl”
46 ist er nun schon. Und nach einer langen Zeit, die er in der Bedeutungslosigkeit verbracht hat, ist er in diesem Jahr mit seinem “musicology”-Album wieder zurückgekehrt ins Rampenlicht. Nun ist die zweite Single “cinnamon girl” da. Und sie ist ein ziemlicher Ohrwurm. Typischer Prince-Soul-Funk mit netter Melodie. Und kein bisschen angestaubt. In dieser Form kann Prince ruhig noch ein paar Jahrzehnte Musik machen. 6 von 10 Punkten.

87: Big & Rich – “save a horse (ride a cowboy)
Aber was zur Hölle ist das denn nun? Zwei Pfeiffen namens Big Kenny und John Rich, die mit ihrem Country-Pop in den USA großen Erfolg haben. Aber warum denn nun auch hier? Wohl weil sie vor Kurzem in “TV total” aufgetreten sind. Und da fand der eine oder andere Zuschauer die Herren wohl so toll, dass sie nun immerhin auf Rang 87 eingestiegen sind. Grauenhafte Musik, die fast so schlim ist, wie seinerzeit die Ergüsse des glücklicherweise fast vergessenen Projekts Rednex. 1 von 10 Punkten.

78: Gigi D’Agostino & Datura – “summer of energy”
Schön, im November eine Platte zu veröffentlichen, die “summer of energy” heißt. Gigi D’Agostino ist früher auch schon mal höher in die Charts eingestiegen, aber die Kids wollen eben keinen Kirmes-Trance mehr, sondenr lieber Hip Hop. Der Song ist eine inspirationslose Melodien-Reiterei mit Sprachfetzen und einer Prise Opernhaftem Gesang, die allerdings so langsam vor sich hin schneckt, dass mir schleierhaft ist, wie man danach auch noch tanzen soll. Egal. 2 von 10 Punkten.

72: Virginia Jetzt! – “das ganz normale leben”
Die Meinungen zu Virginia Jetzt! gehen fundamental auseinander. Die Einen bezeichnen die Band als deutsche Keane, die Anderen als Schlager-Fuzzis mit peinlichen texten. Ich gehöre eher zu den Einen als zu den Anderen. Zumal die neue Single “das ganz normale leben” fast ganz genau so beginnt wie “somewhere only we know” der großartigen Keane. Nach diesen Anfangs-Sekunden entwickelt sich der Song allerdings glücklicherweise in eine andere Richtung. Virginia Jetzt! machen unaufgeregten, leicht melancholischen, einfach schönen deutschsprachigen Indie-Pop. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. 7 von 10 Punkten.

50: Preluders – “do you love me?”
Kurz bevor die neue “Popstars”-Band gekürt wird, kommt eine der alten nochmal schnell mit einer neuen Single um die Ecke. Die Preluders, die noch nie wussten, in welche musikalische Richtung sie sich entwickeln sollen, interpretieren diesmal Rock’n'Roll im Stil der 50er oder 60er Jahre. Und das so amateurhaft, dass man beinahe einschäft, dann aber gerade noch so den Stop-Knopf findet. 1 von 10 Punkten.

47: L’Ame Immortelle – “stumme schreie”
Manchmal glaube ich, für all diese Gothic-Bands in den Charts sind einzig und allein die neuen Bundesländer verantwortlich. Man braucht nur mal einen Tag mit offenen Augen durch einen beliebigen Ort im Osten gehen und entdeckt so viele schwarz-gekleidete und -geschminkte Menschen wie man sie im Westen vielleicht in einem Jahr zu sehen kriegt. L’Ame Immortelle sind auch so eine dort sehr beliebte Band, die grauenhafterweise auch schonmal mit Oomph! zusammengearbeitet hat. Eine Dame mit in der in der Szene sehr beliebten Haarfarbe Rot, dazu ein Herr mit Depeche-Mode-in-den-80ern-Kurzhaarschnitt, beide Österreicher, machen leicht über-pathetischen Gothic-Pop-Rock. Nichts aufregendes, aber ab und zu durchaus konsumierbar. 4 von 10 Punkten.

31: 3rd Wish – “nina”
Noch so ein viel zu später Sommerhit. 3rd Wish sind eine Teenie-Boyband aus Florida, machen hier Latino-Pop, der extrem klebrig ist. In das eine Ohr rein, aus dem anderen raus. Und schon vergessen. Zum Glück. 2 von 10 Punkten.

30: Anastacia – “welcome to my truth”
Anastacia hat soeben die “Maxim”-Wahl zur “Woman of the Year” in der Kategorie “Pop International” gewonnen. Und jetzt fragt bitte nicht mich, wie zur Hölle das geschehen konnte? An “welcome to my truth” liegt das zumindest nicht. Das ist nämlich lediglich ein weiterer der langweiligen, überflüssigen, überbewerteten, nervigen Ansatacia-Pop-Songs. Mehr nicht. 2 von 10 Punkten.

23: Gwen Stefani – “what you waiting for”
Apropos “überbewertet”. Dazu gehört für mich auch Gwen Stefani. Warum taucht diese Frau gerade in sämtlichen Medien auf? Etwa, weil sie so hübsch ausgeflippt aussieht? An ihrer Musik kann es nicht liegen. Auch wenn “what you waiting for” ein ziemlicher Ohrwurm ist – der eigentlich recht positive Eindruck wird aber durch viele schlimme Ideen, wie ein andauerndes “tic tac tic tac” und andere Gesangs-, Stöhn- und Sprechgeräusche wieder zerstört. Für Stefani-Verhältnisse dennoch ganz okay. 4 von 10 Punkten.

9: U2 – “vertigo”
Eins vorweg: Das neue U2-Album ist schlecht. Schlecht wie nahezu alles, was seit 10 Jahren von dieser Band kam. Aber: “vertigo” ist ein Hammer. Die beste Idee, die U2 wohl jemals hatten, ist die, dieses Stück als erste Single auszukoppeln. Denn so rennen die Leute in Scharen in die Plattenläden und kaufen das schlechte Album, weil sie sich noch viel mehr Songs à la “vertigo” erhoffen. Pech gehabt. Für “vertigo” gibt’s aber völlig verdiente 8 von 10 Punkten.

8: Blue – “curtain falls”
Ach, was wär es schön, wenn auch für Blue der “curtain” fallen würde… Dann müsste man dieses ewige Geseiere der englischen Boyband-Schleimer nicht länger ertragen. 1 von 10 Punkten.

4: Destiny’s Child – “lose my breath”
Beyoncé Knowles hat sich also nochmal aufgerafft, mit ihren Kolleginnen ein neues Destiny’s-Child-Album aufzunehmen. Ob sie damit an die alten Zeiten und große Hits anknüpfen können, wird sich zeigen. Der Anfangserfolg von “lose my breath” ist aber nachvollziehbar. Ein nettes, rhythmisches Ohrwurmstück, dem der große Kick zwar fehlt, das aber hörbar ist. 4 von 10 Punkten.

3: Jeanette – “run with me”
Jeanette Biedermann ist eine meiner absoluten Lieblings-”Künstlerinnen”. Sie vereint alles, was man braucht, um in diesen Kritiken mit möglichst wenigen Punkten bedacht zu werden. Schlimme Musik, ein peinliches Auftreten, eine extrem große Pseudo-Rockstar-Attitüde usw. “run with me” ist genau die richtige Musik für diejenigen, die auch Leute wie Bryan Adams immer noch toll finden. Das Tollste an der Single: Es gibt eine Pop- und eine Rock-Version des Liedchens. Was an der Rock-Version allerdings Rock sein soll? Aber lassen wir das… 1 von 10 Punkten.

2: Sarah Connor – “living to love you”
In einigen Jahren wird es Shows im Fernsehen geben, wie “Die 00er Show” oder “Die peinlichsten Dinge der 00er”. Dort wird man sich lang und breit lustig darüber machen, dass die Menschen in den 00er Jahren Jeanette Biedermann und Sarah Connor zu Popstars gemacht haben. Und man wird denken, wie schlecht dieses Jahrzehnt doch gewesen sein muss, wenn man so miese Musik gehört hat. Man wird dabei vergessen, dass es sehr wohl verdammt gute Musik in diesen Jahren gab. Die Schnulzballade der Frau Connor schleimt unerträglich vor sich hin. Immerhin hat sie es geschafft, ein paar Leute zu mobilisieren, die in den Laden rennen und nicht die neuen Singles von Jeanette Biedermann und Sarah Connor kaufen, sondern nur die von Sarah Connor. 2 von 10 Punkten für diese Ressourcen-Verschwendung.

delays – “lost in a melody”. 0

Die neue Single der Delays ist da. “lost in a melody” heißt sie und den kompletten Clip gibt’s beim “NME”. Das Video ist zwar ziemlich unspektakulär, aber der Song bietet gewohnte Delays-Ohrwurm-Qualität. Hören!

“nme”-cd. 0

Alle, die den “NME” gar nicht oder selten kaufen, weil ihnen der Preis von 5,10 Euro zu teuer ist, sollten in dieser Woche umdenken. Die Ausgabe, die seit heute an den deutschen Kiosken liegt, enthält eine verdammt gute CD. Zu den Tracks gehört u.a. einer der besten Songs des Jahres, nämlich “lost in the plot” von The Dears. Außerdem: “i predict a riot” von den Kaiser Chiefs, “cosmopolitan” von den Nine Black Alps, Babyshambles, Willy Mason, The Others, Art Brut, Bloc Party und viele mehr. Die komplette Tracklist und eine Möglichkeit, die CD per Stream zu hören gibt’s nach diesem Klick.

“big boss”. 0

Sehr unterhaltsam, diese heutige 60 Minuten lange Hinrichtung eines Kandidaten… Auch weil “Big Boss” immer diesen Charme eines kleinen, amateurhaften Bruders des Originals “The Apprentice” hat…

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