tv-start-kritik 2005/110: “sturm der liebe”. 172
Apropos Trash: Hier ist die nächste TV-Start-Kritik.
“Sturm der Liebe” / Das Erste / Bavaria Film / werktäglich, 15.10 Uhr / Start: 26. September 2005
Hype, Teil 3. Nach dem riesengroßen Erfolg von “Verliebt in Berlin” und dem etwas kleineren Erfolg von “Bianca – Wege zum Glück” kommt nun auch Das Erste mit einer Telenovela. In der 250 Folgen langen Serie geht es um Laura, die in München neu anfangen will, dort ihren Traumprinzen trifft, der auch noch Chef des Hotels ist, in dem sie arbeitet. Vom Stil her unterscheidet sich die Telenovela nicht sehr von ihrem ZDF-Pendant. Bestückt mit einigen ehemaligen “Marienhof”-Darstellern, versehen mit einer schleimigen Leslie-Mandoki-Titelmusik und voll mit schmalzigen Bildern und Musiken. Genau das als, was man erwartet hat. Aber ihre Zielgruppe wird auch diese Serie finden. Ich gehöre nicht dazu. Wegen der soliden Produktion aber noch 3 von 10 Punkten.
unverlangt eingesandt. 22
Eben finde ich doch diesen Text in meiner Mailbox, den ich Euch nicht vorenthalten möchte (auch wenn ich nicht ewig auf dem Thema herumreiten möchte):
“hallo!
ich wollte nur mal sagen, dass ich den “artikel” über tokio hotel echt beschissen finde -.-
joa, wahrscheinlich denken sie yetz “oh mein gott, was will dieses kleine naive 13-jährige mädchen denn?!”, aber egal, ich sag ihnen trotzdem mal meine meinung
sie denken wohl im ernst, dass tokio hotel eine von diesen vielen eintagsfliegen des musikgeschäfts sind, es sie nächstes jahr eh nich mehr gibt und das so ‘ne bescheuerte kinderband is. tja, aber da muss ich sie leider enttäuschen, das is sie mit sicherheit nich. sie können mit der musik vllt nix anfangen und denken sich sowas wie “was die jugend von heute nur für musik hört…”. keine ahnung wie alt sie sind und was sie für musik hören/früher gehört haben, aber mich würde des echt ma interessieren.
sie denke sicherlich dass die bands die sie gut finden wirklich was können und so, aber das denken sie doch nur weil ihnen die musik gefällt und weil sie durch pr so toll gemacht wird. und dann meckern sie auch noch an tokio hotel rum… na solche leute gefallen mir ya wirklich -.-
queen war doch früher so toll, und die waren zufällig auch mal sogenannte “newcomer”, hatten sicher irgendeinen nummer 1 hit (keine ahnung welches lied die yetz so als erstes rausgebracht ham) und waren schlicht und einfach cool in den augen der fans. und so isses halt auch mit tokio hotel. mkay, der vergleich von diesen beiden bands is vllt komisch, aber ich bin ja erst 13 und ein naiver teenie, da erwarten sie sicher nich all zu viel von mir -.- allgemein scheint ihre einstellung gegenüber der “jugend von heute” ziemlich negativ zu sein. die teens sind halt nich so wie früher, stehen auf andere musik und sind einfach anders, erwachsene verstehen die welt der tenns (wenn überhaupt) recht wenig, aber so sind sie nunmal, die erwachsenen. denken, sie wüssten über alles bescheid, meinen, sie hätten den totalen durchblick usw. kann man halt nichts machen. ihnen kommen die teenies ja auch “komisch” vor.
ach ya, und noch was: so ‘ne kinderkacke wie “super rtl” is rein zufällig überhaupt nich “in” bei uns jugendlichen, da merkt man also mal wieder, dass die erwachsenen den wirklichen überblick haben…
kinder im alter von 10 jahren sind auch nich so drauf wie teens im alter von zb 13 oder 14 jahren, die schauen sowas wie “super rtl”, wir schauen andere sachen, aber was soll’s, sie glauben wahrscheinlich dass alle sowas wie banaroo und chipz und so’n gedöns hörn, weil sie uns ja sooo gut kennen……..”
charts (2005-08-15). 7
So. Jetzt wird es aber höchste Zeit für eine weitere Woche Chart-New-Entry-Kritiken, ich bin schließlich schon wieder viel zu sehr im Rückstand. Aber wenn ihr Euch die Plätze 95, 63 und 62 anschaut, könnt Ihr vielleicht verstehen, warum ich mich so lang vor dieser Woche gedrückt habe. Hier sind die New Entries der deutschen Singlecharts vom 15. August 2005:
97: Garbage – “run baby run” / Video
Die Band, die derzeit nahezu täglich neue Auflösungs-Gerüchte dementiert, mit der zweiten Single aus dem aktuellen, sehr mittelmäßigen Album “bleed like me”. Der Song ist ganz in Ordnung, auch wenn die Musik so klingt, als hätte man sich sehr stark aus Placebo- und The-Cure-Hits bedient. Das alte Garbage-Feuer ist aber verflogen. 6 von 10 Punkten.
95: Buddy – “mama mallorca” / Video nicht verfügbar
Man sollte Deutschen verbieten, Urlaub aus Mallorca zu machen. Warum? Weil sowas dabei herauskommt. Stockbesoffen hören sie in den Großraumdiscos ach-so-lustige Lieder und kaufen den Schrott nach ihrer Heimkehr sofort – als Erinnerung an das Sommer-Delirium. Der Herr, der uns schon “ab in den süden” und “wir sind papst” bescherte, kommt nun mit einem grottenpeinlichen Text zur Musik von “mamma maria” der längst vergessenen Ricchi e Poveri. Noch Fragen? 0 von 10 Punkten.
85: JoJo – “not that kinda girl” / Video
Ein amerikanisches Mädchen, das mit 14 eine Casting-Show gewonnen hat, haucht, nun 15, einen mittelmäßigen, zugegebenermaßen meliodiösen, RnB-Pop-Song dahin, der in das eine Ohr rein und sofort aus dem anderen wieder rausgeht. 3 von 10 Punkten.
63: Tim Toupet – “du hast die haare schön” / Video nicht verfügbar
Mallorca, die Zweite. Ein Mann namens Tim Toupet, der sein Unwesen auch im Kölner Karneval treibt, singt zur Mitgröhl-Melodie von “ihr könnt nach hause gehen” den tollen Text: “und trinkst du dann ein bier, sagt der wirt auch gleich zu dir: du hast die haare schön”. Der Herr Tim Toupet ist übrigens bei der gleichen Künstleragentur unter Vertrag wie der Herr Buddy. Noch Fragen? 0 von 10 Punkten
62: Peter Wackel/Power Wuschel – “das lied über mich” / Video
Mallorca, die Dritte. Ein Mann namens Peter Wackel beklagt, dass es vorher noch kein Lied über ihn gab und singt das dann gleich. Zu einer Kinderlied-Melodie von Volker Rosin. Ein paar weitere erschreckende Details zu Herrn Wackel: Er ist erst 28 (und schon so weit unten) und nennt sich “Partynator”. Und: Er ist bei der selben Künstleragentur uter Vertrag wie die Herren Buddy und Toupet. Noch Fragen? 0 von 10 Punkten.
55: Michael Bublé – “home” / Video
Nach dieser Mallorca-Flut nun ein Lied zum Runterkommen. Vom Schmalz-Hype dieser Tage: Michael Bublé. Er singt – im Gegensatz zu sonst – keine Swing-Coverversion – sondern eine selbst komponierte schleimige Pop-Ballade, die auch von Michael Bolton sein könnte. Nicht gut. 2 von 10 Punkten
49: Flipsyde – “someday” / Video
Eine relativ positive Überraschung im Charts-Hip-Hop-Einerlei. Die Amerikaner Flipsyde bieten einen Mix aus Rap, Gesang, ein paar Gitarren und einigen vorsichtigen Latino-Klängen – vor einigen Jahren hätte man wohl Crossover dazu gesagt. Die Melodie ist nett, das Lied gefällig. 6 von 10 Punkten.
33: Laith Al-Deen – “leb den tag” / Video
Das was sich in den ersten Takten wie ein Coldplay-Song anhört, wird dann sehr schnell zu einer dieser austauschbaren Laith-Al-Deen-Soul-Balladen, die er seit Jahren unermüdlich auf den Markt wirft. Besser oder schlechter als der Rest seines Werks ist “leb den tag” auch nicht. Geeignet besonders für Pur-Hörer. 2 von 10 Punkten.
30: Groove Coverage – “holy virgin” / Video
Und noch etwas ziemlich Peinliches. Vielleicht nicht ganz so peinlich, wie die Mallorca-Fraktion, aber peinlich genug: Eine Dance-Combo zerrt Kader Loth für ein Strip-Video auf die Bühne und klaut für ihren “holy virgin”-Song schamlos bei der Ersten Allgemeinen Verunsicherung (!). Statt “holy virgin” kann man nämlich auch 1:1 “fata morgana” zu der Melodie singen. 1 von 10 Punkten.
25: Hermes House Band/Tony Christie – “is this the way to amarillo” / Video
In England war Tony Christie mit seinem über 30 Jahren alten Hit in diesem Frühjahr monatelang auf der 1. Hierzulande ist die Hermes House Band dabei, um dem Song auch noch das letzte bisschen peinlichen Charme zu rauben. So bleibt ein Lied für Kneipen, in denen 50-jährige Hausfrauen sich freitagabends ein Bier nach dem anderen hinter die Binde kippen. 0 von 10 Punkten.
24: Christina Stürmer – “engel fliegen einsam” / Video
Mit der Single “ich lebe” hat die Österreicherin wohl auch in Deutschland den Durchbruch geschafft. Auch wenn es mit der nächsten Single gleich wieder ein bisschen nach unten geht. “engel fliegen einsam” landet sicher in vielen Kinder- und Jugendzimmern, in denen auch schon Silbermond-CDs rumliegen. So klingt der Song nämlich. 3 von 10 Punkten.
20: Ich+Ich – “dienen” / Video
Die erste Single des Annette-Humpe-Projekts gefiel mir, die zweite gar nicht. Jetzt die dritte: “dienen”. Zwar klingt der Song teilweise sehr nach Xavier Naidoo, doch der Duett-Gesang, die nett relaxte Musik und die Stimmung, die der Song verbreitet, rettet ihn heraus. Und bei jedem Hördurchgang entwickelt er sich mehr zum Ohrwurm. 6 von 10 Punkten.
19: Ciara – “oh” / Video
Das ist doch mal ein kurzer, prägnanter Songtitel. Den vergisst bestimmt niemand auf dem Weg in den Plattenladen. Ob es daran lag, dass er der höchste New Entry der Woche ist? Der Song selbst ist nämlich wieder einmal nichts Besonderes: ein relativ unmelodiöses RnB-Lied. 3 von 10 Punkten.
Die Top Ten vom 15. August 2005:
01 (01) US5 – “maria”
02 (02) Ilona – “un monde parfait”
03 (03) DJ Tomekk – “jump, jump (dj tomekk kommt)”
04 (06) Crazy Frog – “axel f”
05 (10) Juanes – “la camisa negra”
06 (04) Kool Savas & Azad – “all 4 one”
07 (07) Shakira – “la tortura”
08 (11) Banaroo – “space cowboy”
09 (09) Gwen Stefani – “hollaback girl”
10 (05) Hot Banditoz – “shake your balla (1.2.3 alarma)”
Ebenfalls erschienen, aber gefloppt:
– Bright Eyes – “gold mine gutted / easy/lucky/free”
– Frank Popp Ensemble – “the world is waiting”
– Hansi Hinterseer – “du bist die frau für immer”
– Jack Johnson – “good people”
– Kaizers Orchestra – “maestro”
– Ohrbooten – “an alle ladies”
– Sugarplum Fairy – “sail beyond doubt”
– The Killers – “all these things that i’ve done”
– The Offspring – “can’t repeat”
– Tocotronic – “pure vernunft darf niemals siegen”
tv-start-kritik 2005/109: “unsere ostsee”. 0
“Unsere Ostsee” / mdr Fernsehen / MDR / dienstags, 20.45 Uhr / Start: 16. August 2005
Eine Doku-Soap über Urlaub an der Ostsee. Eine Provinzfamilie auf einem Segelboot, ein Lehrling in der Küche eines Restaurants, ein Strandwärter, der sich beklagt, dass irgendwelche bösen Buben nachts die Starndkörbe umgeworfen haben. Alles nichts besonderes, alles belanglos. Einzig positiv: die beruhigende Erzählstimme, die mir irgendwie bekannt vorkommt (vielleicht aus “Abenteuer 1900”). 3 von 10 Punkten.
tv-start-kritik 2005/108: “katja & heide – zwei polizistinnen auf streife”. 4
“Katja & Heide – Zwei Polizistinnen auf Streife” / kabel eins / UFA Entertainment / sonntags, 19.15 Uhr / Start: 21. August 2005
Noch eine dieser zahlreichen Polizei-Doku-Soaps. Im Stile von “Toto & Harry” (Sat.1), den Begründern des Genres in Deutschland, werden “Katja & Heide”, zwei Polizistinnen aus Wanne-Eickel, bei der Arbeit begleitet. Zu sehen gibt es natürlich zahlreiche Belanglosigkeiten wie Besoffene im Straßengraben, Nachbarschaftsstreit oder umgeknickte Bäume. Da die beiden Hauptprotagonistinnen aber nicht an die Unterhaltsamkeit der beiden Sat.1-Kollegen herankommen, bleibt die Reihe so lala. 5 von 10 Punkten.
tv-start-kritik 2005/107: “tierische geschichten”. 0
“Tierische Geschichten” / Animal Planet / BBC + Animal Planet / verschiedene Sendetermine / Start: 19. September 2005
“Tierische Geschichten” ist weitaus interessanter als ihr dämlicher deutscher Name verheißt. In der BBC-Animal-Planet-Co-Produktion wird der Intelligenz verschiedener Tiere auf den Grund gegangen. Erstuanliche Fähigkeiten von Kapuzineraffen, Bibern oder Lemuren. Interessant, amüsant und nett produziert. 7 von 10 Punkten.
tv-start-kritik 2005/106: “die olsen-twins: so little time”. 5
“Die Olsen-Twins: So Little Time” / RTL II / Dualstar Productions / werktäglich, 16 Uhr / Start: 22. September 2005
Die Olsen-Zwillinge, Mary-Kate und Ashley sind in den USA ziemliche Stars. Bereits als kleine Kinder waren sie (abwechselnd als ein Serien-Charakter) ständige Cast-Mitglieder in der Sitcom “Full House”. Nach vielen weiteren Serien- und Film-Auftritten folgte 2001 die kurzlebige Sitcom “So little Time”, die vom US-Kabel-Network ABC Family nach 28 Folgen abgesetzt wurde. RTL II zeigt diese Folgen nun im Nachmittagsprogramm. Die Olsens agieren als Riley und Chloe Carlson, spielen dabei ebenso wie der restliche Cast ziemlich dilettantisch in flachen Geschichtchen, die billig produziert sind. 1 von 10 Punkten.
geschichtsumdeutung. 3
Was muss ich da über eine MTV-Sendung vom 8. Oktober in “tv Digital” lesen? “Robbie Williams – Zum morgigen Konzert-Event in Berlin: Clips und Live-Auftritte des einstigen Backstreet Boys”.
