Archive for February, 2005

charts (2005-02-14). 10

Und schnell noch die allerneuesten Chart-New-Entries hinterhergeliefert. Mittlerweile sind bzw. waren 10 der 16 “Bundesvision Song Contest”-Songs in den Charts. Singles wie “emanuela” von Fettes Brot werden unweigerlich folgen. So viel zum Thema “Die Macht des Stefan Raab”. Außerdem mit dabei: Ganz ganz schlimme Ressourcenverschwendungen aus Österreich. Hier sind die 18 (!) Neu-Einsteiger der deutschen Singlecharts vom 14. Februar 2005:

100: Hanson – “penny and me”
Die Hansons sind wieder da! Nach fast 5 Jahren steigen sie mal wieder in die Charts ein. Wir erinnern uns: 1997 hatten sie einen Megahit mit dem schlimmen “mmm bop”. Danach war nur noch fragmentarisch etwas von ihnen zu hören. Und jetzt sind sie wieder da. Aber: Hatte ich nicht irgendwie beiläufig gehört, sie hätten sich so toll weiterentwickelt, würden erwachsenere Musik machen? Das hier klingt aber nicht danach: Belangloser Pop, der klingt, als wäre er eine amerikanische Version der Kelly Family. Völlig überflüssig, dieses Comeback. 1 von 10 Punkten.

99: Hoobastank – “disappear”
Die Pseudo-Band Nummer 1. Hoobastank spielen das nach, was Bands wie Soundgarden oder Pearl Jam schon vor 10 Jahren viel besser hingekriegt haben. Und stehen dabei in einer Reihe mit Bands wie Nickelback, Puddle of Mudd, Creed und Staind. Völlig unkreativer, kommerzieller Post-Grunge ohne Substanz. 1 von 10 Punkten.

88: Jimmy Somerville – “ain’t no mountain high enough”
Noch so eine Art Comeback. Jimmy Somerville hatte seine letzte Top-100-Platzierung vor fast 5 Jahren, sein größter Solo-Hit liegt allerdings schon etwa 15 Jahre zurück. Bekannt ist er wohl immer noch vor allem durch sein Mitwirken bei Bands wie den Communards und Bronski Beat. Die erste Single seines neuen Albums ist eine Coverversion. “ain’t no mountain high enough” stammt aus dem Jahr 1967, wurde damals von Marvin Gaye und Tammi Terrell gesungen. Gecovert wurde es danach sehr oft. Zuletzt von der Hermes House Band im vorigen Jahr. Besser als die Hermes-House-Band-Version ist Somervilles “ain’t no mountain high enough” allemal, aber an richtigen Ideen fehlt es ihm trotzdem. Letztlich klingt der Song einfach nur so, wie Somervilles Musik immer klang. Einzig die Beats zeugen davon, dass der Song eben nicht aus den 80ern stammt, sondern aus dem Jahr 2005. 3 von 10 Punkten.

87: A klana Indiana – “uiii tuat das weh!”
So. Kommen wir zu den letzten Karneval-Nachwehen. Oder sind’s etwa die ersten Ballermann-Vorwehen? A klana Indiana kommen aus demselben Stall wie DJ Ötzi und Antonia. Man glaubt es kaum, aber sie schaffen es spielend, das Niveau von DJ Ötzi bei weitem zu unterbieten. Irgendein Typ, für den sich ganz Österreich schämen sollte, brabbelt was von “a klana indiana, a dicka fetta blada, der spielt mit pfeil und bogen und schiaßt sich in den hoden” und dazu gibt es Musik auf dem technischen Stand von 1994 (“eins, zwei, polizei”). Ganz ganz schlimmer, auf CD gepresster Dreck. 0 von 10 Punkten.

84: Clueso – “kein bock zu gehn”
Herr Clueso ist einer der ganz klaren Profiteure vom “Bundesvision Song Contest”. Ohne Stefan Raab hätte er wohl nur einen Bruchteil der Platten verkauft, die ihn nun in die Charts befördert haben. Zur Musik: eine ausgeruhte, smoothe Mischung aus Barmusik und Sprechgesang. Durchaus hörbar, aber meiner Meinung nach nichts Besonderes. Musik für die Max-Mutzke-Zielgruppe. 3 von 10 Punkten.

70: Adam Green – “emily”
Adam Green. Neben Bright Eyes der große Hype der vergangenen Wochen bei Deutschlands Musikkritikern. Meine Musik ist es nicht mehr wirklich. Die letzte Platte hat mir ganz gut gefallen, aber die neue finde ich irgendwie zu albern. “emily”, ein inoffizielles, sehr wahrscheinlch ungewolltes Cover des Torfrock-Verbrechens “beinhart wie’n rocker”, plätschert so vor sich hin, ist ein perfekter Song für Karaoke-Etablissements und wird schnell wieder vergessen sein. Im Vergleich zum üblichen Charts-Rotz ist es aber natürlich immer noch eine andere, bessere Welt. 6 von 10 Punkten.

69: Uptop – “out of touch”
Noch eine Coverversion. Diesmal eine offizielle. “out of touch” stammt von Hall & Oates aus dem Jahr 1984. Ein paar Frankfurter Dance-Produzenten haben sich den Song vorgenommen und 2005-Disco-kompatibel gemacht. Vom Stil erinnert es an Leute wie Eric Prydz. Kein Wunder also, dass es in die Charts eingestiegen ist. 4 von 10 Punkten.

55: Heiko & Maiko – “glücklich”
So können ja eigentlich nur Ossis heißen. Heiko & Maiko sind anscheinend zwei Radio-Moderatoren, die an Wochenenden live aus der Großraumdisco eine Sendung beim mdr-Kanal Jump präsentieren. Der Song, den sie hier aufgenommen haben, wäre gar nicht so übel, wäre er instrumental. Man hat sich die eingängige Melodie von irgendeinem 90er-Jahre-Dance-Stück “geliehen”, plappert dann aber in einer Rammstein-Tonalität flache Sätze wie “ich fahre auf der autobahn. und höre mir die musik an. die melodie gefällt mir sehr. mein gasfuß, der wird mächtig schwer” darüber. Schade, hätte ein schönes Stück werden können. 2 von 10 Punkten.

54: Hammerfall – “blood bound”
Und dann wieser sowas. Ich frage mich, wer diesen Old-Old-Oldschool-Metal-Kram im Jahr 2005 noch hört. Hammerfall machen Musik, die klingt als käme sie aus einer Zeit als Bands wie Helloween noch Top-10-Hits hatten, also 1988. Ich habe an anderen Stellen schon erwähnt, dass ich damals ein großer Fan von solchem Power-Metal war. Aber irgendwie klingt dieser Hammerfall-Song einfach 15-20 Jahre alt. Gibt’s noch so viele Metal-Fans auf den Dörfern oder hab ich was verpasst? 1 von 10 Punkten.

47: Mousse T feat. Emma Lanford – “right about now”
Der nächste “Bundesvision Song Contest”-Teilnehmer. Hannovers Stolz Mousse T hat einen seiner typischen Songs komponiert bzw. programmiert und lässt Emma Lanford drübersingen, die auch schon bei weitaus gelungeneren Tracks wie “is it ‘cos i’m cool?” dabei war. An “right now” stört mich aber vor allem Lanfords Stimme. Insgesamt ist aber auch der Song zu einfallslos. 3 von 10 Punkten.

44: De Randfichten – “jetzt geht die party richtig los”
Zu diesem Scheiß ist schon alles gesagt. Wer unter 70 ist und allen Ernstes solche Musik hört, sollte sich schämen. 0 von 10 Punkten.

41: The Disco Boys / Manfred Mann’s Earth Band – “for you”
Das hier ist etwas sehr Skurriles. Die Disco Boys covern gemeinsam mit Manfred Mann’s Earth Band einen alten Bruce-Springsteen-Song. Wie es dazu gekommen ist, weiß ich absolut nicht, zumal die Disco Boys auch schonmal gemeinsam mit Roberto Blanco “born to be alive” gecovert haben. Im Vergleich dazu ist dieser Song eine Offenbarung. Nette an Eric Prydz und Co. angelehnte House-Beats, mittendrin dann ein Break, in dem Manfred Mann singt und schließlich Mann und Beats gemeinsam. Hätte wirklich ein Sommerhit werden können, wenn er nicht schon im Februar erschienen wäre. 4 von 10 Punkten.

40: DJ Ötzi – “servus die wadln”
Ötzi singt zur Melodie von “guantanamera” “i hob ka geld aufm konto. des is den frauen egal. sie schaun mir nur auf die wadln. und die san phänomenal.” Muss ich noch mehr sagen? 0 von 10 Punkten.

29: Bushido feat. Cassandra Steen – “hoffnung stirbt zuletzt”
Sowas mag ich ja gar nicht. Wenn Melodien von absolut großartigen Songs geklaut werden und für schlimmen Mist verwendet werden. In diesem deutschen Hip-Hop-Epos läuft im Hintergrund eine Melodie, die 1:1 aus dem Sophia-Stück “directionless” stammt (zu hören auch in weiten Teilen des Films “Absolute Giganten”). Im Vergleich zu anderem deutschen Hip-Hop-Kram wäre der Song sogar noch zu ertragen. Aber wenn während der gesamten 6 Minuten diese geniale Melodie im Hintergrund läuft, muss ich einfach abschalten, weil ich mir den Original-Song nicht versauen will. 1 von 10 Punkten.

20: Gracia – “run & hide”
Oh. Eine Überlebende des Casting-Show-Aufstieg-und-Falls. Gracia macht einen auf Jeanette Biedermann und singt belanglosen Kram zu 90er-Jahren-Pop-Melodien. 1 von 10 Punkten.

19: Martin Kesici with Tarja Turunen – “leaving you for me”
Und noch einer der eben beschriebenden Überlebenden. Wann kommt eigentlich mal Neues von Alexander Klavs? Und macht diese Elli eigentlich noch Musik? Man weiß es nicht. Herr Kesici hat sich für seine neue Single auf jeden Fall mit Tarja Turunen zusammengetan, Sängerin der finnischen Gothic-Pop-Metal-Band Nightwish. Wahrscheinlich hat er sich gedacht, was Nu Pagadi können, kann ich auch. Hat ja auch geklappt, Platz 19 ist die Belohnung. Halbwegs okay, der Song, ohne Kesici wäre er wahrscheinlich noch besser. 3 von 10 Punkten.

18: Lukas Hilbert – “kommt meine liebe nicht bei dir an”
Und übergangslos kommen wir zum Nu-Pagadi-Erbauer. Lukas Hilbert krächzt mit seiner Kermit-Stimme einen vorhersehbaren Schmalz-Song mit der Frau, die er beim “Popstars”-Casting aufgerissen hat. So richtig verstehe ich immer noch nicht, warum Hilbert mit diesem Song im “Bundesvision Song Contest” nicht weiter vorne gelandet ist. Kann eigentlich nur daran liegen, dass die Telefon-Abstimmung so spät war, dass die ganzen kleinen Mädchen schon im Bett waren. 1 von 10 Punkten.

17: Within Temptation – “memories”
Und ein Platz weiter oben schließt sich der Kreis. Nach einem weiteren Gothic-Pop-Trittbrettfahrer und dem Nu-Pagadi-Erfinder folgt eine Band, die für den Boom dieses Genres mitverantwortlich ist: Within Temptation. Irgendwie aber beruhigend, dass die Band vor den Herren Hilbert und Kesici gelandet ist, denn im Vergleich zu den beiden anderen hat Within Temptation einen großen Vorteil: Authentizität. Bzw. hatte. Denn mittlerweile liefern sie jedesmal auch nur noch weitere Gothic-Balladen hinterher, die einen Charts-Einstieg garantieren. “memories” liefert absolut nichts Neues, plätschert vor sich und ist schnell wieder vergessen. 3 von 10 Punkten.

fragen. 5

Ist es eigentlich ein gutes oder schlechtes Zeichen, wenn der “Focus” in einer Ausgabe sowohl über …and you will know us by the Trail of Dead als auch über The Mars Volta berichtet? Über die Qualität der Artikel braucht man kein Wort verlieren, aber wie kommt der “Focus” dazu über zwei solche Bands zu schreiben?

regeln der filmproduktion. 11

1. Attraktive Frauen sind unter der Dusche, wenn das Telefon klingelt.
2. Polizisten lösen Fälle am besten, wenn sie suspendiert sind.
3. Der Eiffelturm kann aus jedem Fenster in Paris gesehen werden.
4. Reifen quietschen auf jedem Untergrund.
5. Autos springen in dunklen Wäldern grundsätzlich nicht an.
6. Verrückte Wissenschaftler werden Opfer dessen, was sie erschufen.
7. Lippenstift verschmiert nie. Auch nicht beim Tauchen.
8. Es ist immer Kaffee in der Kaffeemaschine eines Polizeireviers.
9. Krankenschwestern sind die besseren Ärzte.
10. Gottes Stimme ist ein tiefer Bass mit einem wohlklingenden Echo.

(aus einer Anzeige des Unternehmens VCC Perfect Pictures in “aufblende”, der Zeitschrift der filmförderung hamburg)

charts (2005-02-07). 2

Und direkt an den “Bundesvision Song Contest” anknüpfend kommen wir zu den Neu-Einsteigern der deutschen Singlecharts vom 7. Februar 2005:

88: Jansen & Kowalski – “mamacita”
Einer der “Bundesvision Song Contest”-Teilnehmer. Die beiden Herren kommen zwar aus Hamburg, mussten aber wie so viele andere Hamburger für ein anderes Bundesland antreten. Die Musik ist irgendeine Mischung aus Hip Hop, Soul und anderem. Mich nervt schon allein der Text (“Du gehst so steil…”). Klingt etwas belanglos, weichgespült, sehr Radio-kompatibel. 1 von 10 Punkten.

80: Paffendorf – “on & on – welcome to africa”
Paffendorf sind drei Großraumdisco-Musik-Produzenten, die seit einigen Jahren immer wieder in die Charts einsteigen, mit ihrem Hit “be cool” sogar schon in den englischen Top Ten waren. Mit “on & on” wird ihnen das sicher nicht noch einmal gelingen. Erstens ist diese Art von Musik gerade ziemlich out und zweitens bietet “on & on” absolut nichts, was es vor 10 Jahren nicht auch schon zu kaufen gab. 2 von 10 Punkten.

74: DJ Dean – “ballanation no. 4″
DJ Dean ist als Resident DJ im Hamburger Techno-Club Tunnel bekannt geworden. Seine Sampler-Serie “tunnel trance force” steigt regelmäßig in die Charts ein. Seit ein paar Jahren veröffentlicht er nun auch eigene Musik. Die Single mit dem peinlichen Namen “ballanation no. 4″ ist sein vierter Top-100-Hit. Treibender Oldschool-Trance ohne Höhepunkte. 2 von 10 Punkten.

72: Tocotronic – “aber hier leben, nein danke”
Man mag es kaum glauben, aber die neue Tocotronic-Single ist bereits die siebte, die in die Charts einsteigt. “aber hier leben, nein danke” ist die erste Auskopplung des gelungenen Albums “pure vernunft darf niemals siegen”, mit dem die Band zwar wieder weg von den Elektro-Spielereien, aber keineswegs back to the roots gehen. Dafür hat sich die Band viel zu sehr weiterentwickelt. “aber hier leben, nein danke” bietet einen großartigen Text, eine aggressive Melodie – ein absolut starker Track. 8 von 10 Punkten.

71: The 411 – “teardrops”
Aus England schwappen ja gerne mal Girlbands in alle Welt. The 411 sind auch wieder so eine. Die vier Damen um die 20 machen Chart- und Radio-kompatible RnB-Musik. Für ihre Single “teardrops” haben sie die Musik vom Portishead-Song “sour times” verwendet, einen neuen Text mit neuer Melodie drübergesungen. Wer das Original kennt, wird mir zustimmen, dass diese Idee eindeutig nicht nötig gewesen wäre. Ein kleiner Ohrwurm ist’s trotzdem. 2 von 10 Punkten.

65: Sabrina Setlur – “mein herz”
Nicht nur mit Frankfurts Rap-Szene um Moses P geht es bergab, sondern auch mit ihrem Haupt-Umsatzbringer Sabrina Setlur. 1997 schaffte sie mit “du liebst mich nicht” noch eine Nummer 1, danach lief es nicht mehr so. Zwar kam sie 2004 mit “baby” nochmal auf Platz 22, aber mit “mein herz” wird auch das nicht zu schaffen sein. Der übliche runtergespulte, viel zu ernst und langweilig vorgetragene Setlur-Rap ohne Killer-Melodie. 1 von 10 Punkten.

62: Klee – “gold”
Ich habe an anderen Stellen ja schon zur Genüge darüber geschrieben, dass ich Klee mag, dass mir das Konzert vor einiger Zeit wahnsinnig gut gefallen hat. Gestern war ich etwas enttäuscht über den Auftritt, schrieb, dass “gold” einer der schwächeren Songs des tollen Albums “jelängerjelieber” sein. Das war vielleicht etwas zu spontan dahergesagt, weil die Bundesvision-Song-Contest-Version nicht so toll war. “gold” bietet den üblichen Suzie-Kerstgens-Gesang, den man mag oder hasst, dazu ein paar New-Order-Bassgitarren und eine absolute Ohrwurm-Melodie. 8 von 10 Punkten.

59: Angelzoom feat. Joachim Witt – “back in the moment”
Wir erinnern uns: Über Angelzoom berichtete ich bereits im Oktober, als das Projekt mit “fairyland” in die Charts eingestiegen war. Angelzoom ist Claudia Uhle, die Sängerin der Band X-Perience, die in den 90ern ein paar sehr schöne Popsongs veröffentlicht hat. Angelzoom ist ihr Solo-Projekt. Schon damals hatte ich angekündigt, dass auch Pappnasen wie Joachim Witt auf ihrem Album mitsingen dürfen. Nun ist der entsprechende Song “back in the moment” als Single erschienen. Und dass Herr Witt da mitsingt, ist ziemlich schade. Ohne ihn wäre es ein wirklich netter Elektro-Popsong geworden, doch seine Stimme versaut einiges. Er singt beinahe noch schlechter als sonst, vielleicht weil er auf seine Pseudo-Rammstein-Stimme verzichtet. Übrigens lief “back in the moment” in den vergangenen Wochen auf Heavy Rotation in einem ProSieben-Fantasy-Film-Trailer. Sicher auch ein Grund für den Charts-Einstieg. 5 von 10 Punkten.

57: Dance United – “help! asia”
Dieses Machwerk kann man wohl nur als extrem peinlich bezeichnen. Irgendwelche drittklassigen Dance-Produzenten (Master Blaster & Co.) nehmen sich eine uralte Melodie, knallen einen peinlich gesprochenen Text von wegen schlimmer Tsunami und alle müssen helfen und so drüber. Und fertig ist der Asien-Hilfs-Dance-Song. Da ist auch der gute Zweck keine Entschuldigung, der Song ist einfach nur peinlich. 0 von 10 Punkten.

55: Da F.U.N.K. – “I wanna be”
Und das hier ist auch nicht besser. Drei Typen aus Süddeutschland, die einen Song von Fun Factory verwursten und daraus eine noch langweiligere Coverversion machen, die nur nervt. Vielleicht was für DJ-Bobo-Fans. 0 von 10 Punkten.

53: Rupee – “tempted to touch”
Wieder was gelernt. Die Musik, die der Herr Rupee da macht, nennt sich SoCa, weil sie eine Mischung aus Soul und Calypso sei. Gut ist der Kram aber nicht. Klingt einfach nach Fließband-US-Import-Tanzmusik. Und die paar südlichen Rhythmen hauen ihn auch nicht raus. 1 von 10 Punkten.

43: Samy Deluxe – “generation”
Der nächste “Bundesvision Song Contest”-Teilnehmer. Was soll man von einem Song halten, in dem “das ist meine generation. zu viele leute in meiner generation haben keine motivation und inspiration. sind immer besoffen und immer nur stoned.” gerappt wird? Nicht viel, oder? Politisch korrekten Hip Hop hat der Welt gerade noch gefehlt. 1 von 10 Punkten.

40: The Corrs – “long night”
An den Corrs scheiden sich die Geister. Ich kenne Leute mit durchaus ernstzunehmendem Musikgeschmack, die die Corrs lieben. Ich gehöre definitiv nicht dazu. Viel zu dudelig, die Musik. Und viel zu immer-gleich-klingend. Aber auch Corrs-Fans müssen wohl zugeben, dass “long night” völlig belanglos ist. Womöglich selbst fürs Radio zu langweilig. Wobei: Für die kann es ja eigentlich gar nicht langweilig genug sein. 1 von 10 Punkten.

24: Mac and Rekorder – “the game”
Da hört man einen Song, denkt sich “Welche Deppen tun denn hier so, als wären sie Limp Bizkit oder Linkin Park?” und dann recherchiert man kurz und muss lesen, dass er “Matchmaster” aus “Big Brother” dahinter steckt. Die Knalltüte also, die mit pseudo-cooler Sonnenbrille und pseudo-harter Attitüde die “BB”-Hirnis Spiele spielen lässt. Das ist ja die jämmerlichste Vorgeschichte eines Songs, die ich je gehört habe. Was kommt als nächstes? Irgendwelche grenzdebilen “Frauentausch”-Hausfrauen nehmen Platten auf? Oder Peter Kloeppel? Schlimm. 0 von 10 Punkten.

18: Akon feat. Azad – “locked up”
Da ist er wieder, einer meiner absoluten Lieblinge: Azad mit seinen immer gleichen Texten “in meinem Block ist es grau und trist. ich lebe dort, wo jeder traum erlischt.” Und kaum will man abbrechen, die üblichen 0 von 10 Punkten vergeben, kommt der Refrain. Und ein Herr namens Akon singt eine annehmbare englische Melodie. Ich möchte mich jetzt dazu hinreißen lassen, zu sagen, dass Azad-Musik in dieser Form okay ist, weil sein deutsches Unterschichten-Gerappe natürlich trotzdem höllisch nervt, aber für Azad-Verhältnisse gibt’s von mir rekordverdächtige 1 von 10 Punkten.

8: Eminem – “like toy soldiers”
Wer hätte gedacht, dass alter Mädchen-Pop so gut zu Eminem passt? Okay, er hatte auch schonmal Erfolg zusammen mit Dido. Aber zu der Idee, einen Uralt-Song wie “toy soldiers” zu nehmen und drüberzurappen, gehört schon Mut. Das Original stammt von einer Dame namens Martika, die damit 1989 in Deutschland auf Platz 5 war und hinterher keinen größeren Hit mehr hatte. In Eminems Version ist die Titelzeile von Martika übriggeblieben, dazwischen rappt er seine üblichen Verse. Perfekt produziert, leichte Melancholie verströmend, ohrwurmig. So darf Hip Hop sein. 6 von 10 Punkten.

7: Chipz – “chipz in black”
Und dann sowas. Was zur Hölle ist das? Ein direkt für die Klingeltonindustrie produzierter Song? Anscheinend stecken die niederländischen Produzenten der Vengaboys dahinter, was einiges erklären würde. Ein ganz schlimmer Tanz-Schlager. Und dann wurde auch noch die “Akte X”-Melodie verwurstet. Auch damit kommen sie eigentlich ein paar Jahre zu spät. Aber die Kids von heute schlucken wohl alles, was halbwegs nach Klingelton klingt. 0 von 10 Punkten.

southside-fotos. 0

Wer hier übrigens nach meinen Fotos vom letztjährigen Southside-Festival sucht (und das sind einige), sollte wissen, dass ich die entsprechende Seite und alle Fotos offline genommen habe. Die wie auch immer zustande gekommene Popularität der Fotos – vor allem der von Marta Jandova ;-) – hat meinen Traffic so dermaßen in die Höhe getrieben, dass ich ansonsten Gefahr laufen würde, an den letzten Tagen des Monats nicht mehr erreichbar zu sein. Und das wollen wir doch alle nicht…

bundesvision song contest (analyse). 6

So. Nachdem ich gestern nach der Show und dem anstrengenden Tag (um 7 Uhr aufstehen – Planungsmeeting in einem surrealen Landhotel) erstmal eine Menge Schlaf nachholen musste, folgt nun eine kleine Zusammenfassung.

Zuerst zur Show. Meiner Meinung nach war der “Bundesvision Song Contest” eine wirklich nette Idee. Auch wenn die Zahl der schlimmen und grenzwertigen Musik zur Premiere recht hoch war, könnte die Sache meinetwegen jetzt in jedem Jahr ausgetragen werden. Und wann durften Bands wie Slut schonmal vor einem Millionenpublikum in der Prime Time eines großen Senders auftreten? Wenn ich mir die Quoten ansehe, wird die Show bestimmt auch im kommenden Jahr laufen. Bei den 14- bis 49-Jährigen sahen 2,55 Mio zu (Marktanteil: 21,2 %) – mehr werberelevante Zuschauer hatte am Samstag keine weitere Fernsehsendung in Deutschland.

Gewonnen hat also Juli (und ich habe damit immerhin den Sieger und die drei Letztplatzierten richtig getippt). Allerdings hatte Juli auch den riesigen Startvorteil, dass “geile zeit” seit 12 Wochen in den deutschen Charts ist und dementsprechend wohl der bekannteste aller teilnehmenden Songs war. Vielleicht sollte man im kommenden Jahr darüber nachdenken, nur neue Songs teilnehmen zu lassen.

Die weitaus schlechtesten Songs kamen von Mamadee feat. Gentleman und Sandy feat. Manuell – die beiden waren nicht nur die einzigen songs, die nicht einmal au ihrem eigenen Bundesland die vollen 12 Punkte bekamen, sondern außerdem zusamen mit Deichkind die einzigen, die aus keinem anderen außer ihrem eigenen Bundesland Punkte bekamen. Julis Sieg war überdeutlich, stand schon vor Punkte-Bekanntgabe der beiden letzten Bundesländer fest. Außerdem waren Juli die einzige Band, die aus jedem Land mindestens 7 Punkte bekamen, aus 13 der 16 Länder sogar mindestens 10. Und der beste Song des Abends (Slut) bekam außer 12 Punkten aus Bayern nur 3 aus Berlin und je einen aus Hamburg und Bremen.

Und lernen konnte man auch viel: Radiomoderatoren sind in fast allen Bundesländern peinliche Idioten. Sachsen hat nicht nur peinliche Musiker, sondern auch eine Menge peinliche Zuschauer. Berliner Radiomoderatorinnen saufen sich vor Fernsehauftritten gerne mal zu und lassen sich von Pseudo-Popstars mit Sprachfehler (Es heißt Dekolletee und nicht Dekolletier!!!) gerne mal zulabern. Joy Fleming wird mit den Jahren nicht gerade intelligenter. Oliver Pocher braucht endlich eine große Show. Und Sido sollte seine Maske lieber wieder aufsetzen.

Übrigens warte ich minütlich darauf, dass endlich ein paar Sido-Fans mein Blog entdecken und mit Schlägen drohen. Aber vielleicht haben die gar kein Internet in ihrem Block.

bundesvision song contest (endstand). 10

Juli haben gewonnen. Hier das Endergebnis:

01 Juli – “geile zeit” 159
02 Fettes Brot – “emanuela” 130
03 Sido – “mama ist stolz” 113
04 Mousse T feat. Emma Lanford – “right about now” 85
05 Apocalyptica feat. Marta Jandová – ‘’wie weit” 77
06 De Randfichten – “jetzt geht die party richtig los” 71
07 Clueso – “kein bock zu geh’n” 63
08 Virginia Jetzt! – “wahre liebe” 54
09 Samy Deluxe – “generation” 44
10 Klee – “gold” 37
11 Lukas Hilbert – “kommt meine liebe nicht bei dir an” 31
12 Slut – “why pourquoi” 17
13 Jansen & Kowalski: “mamacita” 15
14 Deichkind – “electric superdanceband” 12
15 Mamadee feat. Gentleman – “lass los” 10
16 Sandy feat. Manuell – “unexpected” 10

Analyse mit Wählerwanderungen und Sitzverteilung folgt… ;-)

bundesvision song contest (zwischenstand 2). 1

Zwischenstand nach 10 Bundesländern:

01 Juli – “geile zeit” 97
02 Fettes Brot – “emanuela” 84
03 Sido – “mama ist stolz” 67
04 Mousse T feat. Emma Lanford – “right about now” 60
05 Apocalyptica feat. Marta Jandová – ‘’wie weit’’ 55
06 De Randfichten – “jetzt geht die party richtig los” 39
07 Samy Deluxe – “generation” 38
08 Clueso – “kein bock zu geh’n” 34
09 Klee – “gold” 24
10 Virginia Jetzt! – “wahre liebe” 24
11 Lukas Hilbert – “kommt meine liebe nicht bei dir an” 21
12 Slut – “why pourquoi” 14
13 Mamadee feat. Gentleman – “lass los” 10
14 Sandy feat. Manuell – “unexpected” 10
15 Jansen & Kowalski: “mamacita” 3
16 Deichkind – “electric superdanceband” 0

bundesvision song contest (zwischenstand). 4

Für alle ohne Fernseher der Zwischenstand nach 5 Bundesländern:

01 Juli (49 Punkte)
02 Fettes Brot (42 Punkte)
03 Mousse T feat. Emma Lanford (36 Punkte)
04 Sido (30 Punkte)
05 Apocalyptica feat. Marta Jandóva (24 Punkte)
06 Samy Deluxe (22 Punkte)
07 Clueso (16 Punkte)
08 Lukas Hilbert (15 Punkte)
09 Slut (13 Punkte)
10 De Randfichten (13 Punkte)
11 Mamadee feat. Gentleman (10 Punkte)
12 Sandy feat. Manuell (10 Punkte)
13 Klee (5 Punkte)
14 Jansen & Kowalski (3 Punkte)
15 Virginia Jetzt! (1 Punkt)
16 Deichkind (0 Punkte)

bundesvision song contest (fazit). 2

Wenn’s nach mir ginge, sähe die Reihenfolge so aus:

01 Slut – “why pourquoi”
02 Juli – “geile zeit”
03 Virginia Jetzt! – “wahre liebe”
04 Klee – “gold”
05 Fettes Brot – “emanuela”
06 Apocalyptica feat. Marta Jandová – ‘’wie weit’’
07 Deichkind – “electric superdanceband”
08 Clueso – “kein bock zu geh’n”
09 Mousse T feat. Emma Lanford – “right about now”
10 Mamadee feat. Gentleman – “lass los”
11 Sandy feat. Manuell – “unexpected”
12 Samy Deluxe – “generation”
13 Jansen & Kowalski: “mamacita”
14 Lukas Hilbert – “kommt meine liebe nicht bei dir an”
15 Sido – “mama ist stolz”
16 De Randfichten – “jetzt geht die party richtig los”

Und jetzt mein Tipp, wie es wirklich ausgeht:

01 Juli – “geile zeit”
02 Sido – “mama ist stolz”
03 Lukas Hilbert – “kommt meine liebe nicht bei dir an”
04 De Randfichten – “jetzt geht die party richtig los”
05 Slut – “why pourquoi”
06 Virginia Jetzt! – “wahre liebe”
07 Klee – “gold”
08 Fettes Brot – “emanuela”
09 Sandy feat. Manuell – “unexpected”
10 Apocalyptica feat. Marta Jandová – ‘’wie weit’’
11 Mousse T feat. Emma Lanford – “right about now”
12 Clueso – “kein bock zu geh’n”
13 Samy Deluxe – “generation”
14 Jansen & Kowalski: “mamacita”
15 Deichkind – “electric superdanceband”
16 Mamadee feat. Gentleman – “lass los”

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