Für MEEDIA hab ich mir den Sat.1-Zweiteiler “Die Grenze” vorab angesehen. Hier meine Kritik:
Die Idee klingt nach einem spannenden Stück Fernsehen: Nach Terror-Anschlägen und sozialen Unruhen kämpfen Rechtsradikale und Linksradikale in Mecklenburg-Vorpommern um die Macht, eine Abspaltung von Deutschland droht. Die Umsetzung der Idee, zu sehen ab Montagabend im Sat.1-Zweiteiler “Die Grenze”, gleitet durch Überzeichnung und übertriebene Klischees jedoch leider allzu oft in unfreiwillige Komik ab. Lohnt “Die Grenze” dennoch? MEEDIA hat sich den Dreistünder vorab angesehen.
Zur Vorgeschichte: “Die Grenze” spielt im Sommer 2010 in Rostock. Terroranschläge auf die sieben wichtigsten Öl-Raffinerien erschüttern die Welt, schneiden die Versorgung mit Benzin ab, führen sogar zur Absage der Fußball-WM in Südafrika. Ein gefundenes Fressen für den Milliardär und Rechts-Populisten Maximilian Schnell (Thomas Kretschmann) und seine Partei DNS. Schnell verteilt Benzin an die Bevölkerung und verspricht eine große Zukunft. Seine Umfragewerte schnellen im Vorfeld der Landtagswahl in die Höhe. Sein Gegenspieler, Franz Geri (Jürgen Heinrich) von der Partei Neue Linke will Schnell verhindern und Mecklenburg-Vorpommern von der Bundesrepublik abspalten.
Im zweiten wichtigen Handlungsstrang wird Werbeagentur-Mitarbeiter Rolf Haas (Benno Fürmann) vom Verfassungsschutz angeworben. Haas war früher mit Schnell befreundet und soll sich nun in seine Partei einschleichen um der Staatsmacht wichtige Infos zuzuspielen, mit denen der Rechtspopulist verhindert werden kann. Haas geht also in seine alte Heimat Rostock und trifft dort auch seine alte Liebe Nadine Manz (Marie Bäumer) wieder, die nicht wirklich gut auf ihn zu sprechen ist.
“Die Grenze” ist für Produzent Nico Hofmann und seine Firma Teamworx ein ausgesprochen wichtiges Projekt. Nach Historien-Events wie “Die Sturmflut”, “Dresden” oder “Die Flucht” entwirft der neue Film stattdessen ein Zukunfts-Szenario. Handwerklich kann man “Die Grenze” nichts vorwerfen. Teuer produzierte Bilder, gute Besetzung, stringent erzählt. Das große Problem des Zweiteilers ist allerdings seine Überzeichnung und das ständige Spielen mit Klischees. So tragen die Linken billige, matte Anzüge und reden vor ausgeblichenen Plakaten, die Rechten haben hingegen ein futuristisches Hauptquartier und tragen helle Anzüge. Später wird eine Neue Nationale Volksarmee gegründet und einer der Anführer der Linken heißt auch noch Erich.
Die sich entwickelnde Handlung mit einer Spaltung Rostocks, Vertreibung von Linken aus den Gebieten der Rechten und einer Bundeskanzlerin (Katja Riemann), die sich das alles nur von außen ansieht, ohne mit Polizei und anderen Behörden einzugreifen, wirkt zutiefst unrealistisch und oftmals peinlich und unfreiwillig komisch. Leider passiert auch das, was man schon in der Vergangenheit den großen Mehrteilern verschiedener Sender vorwerfen musste: Letztlich steht doch wieder nur die typische 08/15-Liebesgeschichte im Vordergrund des Films. Auch das etwas verworrene Ende lässt den Zuschauer unbefriedigt zurück.
Unfreiwillig komisch wirkt im Übrigen auch die extrem prominente Einbindung des Infosenders N24 in den Film. Kurz bevor ProSiebenSat1.-Chef Ebeling den Sender verkaufen oder total umbauen wird, darf er in diesem fiktionalen Werk nochmal so tun, als sei er der große wichtige Nachrichtensender, den sogar die Kanzlerin bei ihren Krisensitzungen sieht.
Um nicht missverstanden zu werden: “Die Grenze” ist keine Vollkatastrophe. Der Film bietet drei – bzw. brutto mit Werbung vier – Stunden relativ kurzweilige, ab und zu auch fesselnde Unterhaltung. Dem Anspruch, eine politisch brisante Zukunftsvision realistisch erzählen zu wollen, wird er aber nicht gerecht.
Schon wieder ein Cross-Posting. Aber wenn ich für MEEDIA meine Gedanken zum Finale und zur ersten Staffel von “Unser Star für Oslo” aufschreibe, dann passt der Text natürlich auch in dieses Blog…
“Unser Star für Oslo” heißt Lena
… und singt “Satellite”. Soweit die wichtigsten Informationen zum Finale von Stefan Raabs Eurovision-Song-Contest-Casting. Doch hat das vielleicht mutigste ARD-Unterhaltungs-Experiment der vergangenen Jahre die Erwartungen erfüllt? Wohl nur zum Teil. Zwar haben ARD und ProSieben ein gelungenes Gegen-Modell zum Trash-Format “DSDS” präsentiert, doch die Publikumsresonanz war im Laufe der Staffel etwas enttäuschend und ausgerechnet im Finale ist der Funke nicht so richtig übergesprungen.
So war es wahrscheinlich dem Zeitdruck und anderen Umständen zuzurechnen, dass man sich für die Final-Songs vor allem bei B-Pop-Nummern von der internationalen Stange bediente und den Kandidatinnen nur je einen Song auf den Leib schrieb. Schöner wäre es definitiv gewesen, wenn man ein paar Komponisten gebeten hätte, mehr passende Songs für Lena und Jennifer zu schreiben. Wenn sich die Siegerin nämlich merklich enttäuscht über die Publikumswahl ihres Songs zeigt, ist etwas schief gelaufen.
Ohnehin sprang der Funke in der Finalshow nicht so richtig über. Hatte Lena Meyer-Landrut in ungefähr jeder einzelnen Show zuvor für einen gewissen Zauber gesorgt und hatte sich Jennifer Braun im Halbfinale mit einer starken Interpretation des Songs “Heavy Cross” von The Gossip verdient für das Finale qualifiziert, herrschte diesmal weitgehend Mittelmaß vor. War es die Anspannung, die Nervosität oder ganz einfach das zu schwache Songmaterial? Doch vielleicht sind diese Eindrücke auch nur sehr subjektiv und “Satellite” wird am 29. Mai in Oslo der große Abräumer. Schließlich ist der europäische Musikgeschmack nie so richtig vorhersehbar.
Was bleibt noch zur ersten (?) Staffel von “Unser Star für…” zu sagen? Stefan Raab gebührt definitiv ein großes Lob. Nicht nur dafür, dass er es geschafft hat, eine historische Zusammenarbeit zwischen ProSieben und der ARD zu arrangieren, sondern auch dafür, dass er es geschafft hat, zu zeigen, dass Castingshow auch ohne Beleidigungen, schlechte Sänger und Boulevard-Trash geht. Bei “Unser Star für Oslo” stand die Musik im Vordergrund und Mittelpunkt. Und nichts anderes.
Das Moderatoren-Duo Matthias Opdenhövel und Sabine Heinrich fiel im Laufe der Staffel zwar nicht übermäßig auf, doch die zumindest solide Leistung wird sicher für einige Folgejobs sorgen. Sabine Heinrich sollte sich die ARD zumindest durchaus warm halten, um ein bisschen frischen Wind in den routinierten Moderationsstall der Anstalt zu bringen. Und vielleicht präsentieren die beiden ja im kommenden Jahr auch zusammen im Ersten und bei ProSieben “Unser Star für Berlin”. Oder so.
Als ich Montagmorgen die Highlights der olympischen Abschlussfeier sah, da hatte ich an zwei Stellen Gänsehaut. Natürlich beim Auftritt von Michael J. Fox – und bei dem von Neil Young. 64 Jahre ist der Mann alt. Und während Bands wie The Who oder die Rolling Stones nur noch ein Schatten der Vergangenheit sind und man eher Mitleid hat, wenn sie noch auftreten, zeigte Young wieder einmal, dass man auch als alter Sack verdammt cool sein kann, Musik machen kann, die unter die Haut geht – auch wenn sie 36 Jahre alt ist. So alt wie ich selbst. Aus meinem Geburtsjahr 1974 stammt nämlich die älteste Version von “long may you run”, die ich finden konnte. Doch ich zeige lieber Neil Young im Jahr 2010, den coolen alten Mann. Da das IOC sämtliche Olympia-Videos bei Youtube & Co. löschen lässt, weil es das Internet nicht begriffen hat, wird der Auftritt wohl leider eine Rarität bleiben. Wie der Zufall es aber will, hat Young “long may you run” auch in der letzten Show von Conan O’Brien gespielt – und davon gibt es einen Mitschnitt im Netz:
Kleine Anekdote am Rande… Wo Neil Young ist, da ist Eddie Vedder nicht weit ;-)
Kleines Cross-Posting. Für MEEDIA hab ich eine Kritik zum Start der US-Serie “Flash Forward” bei ProSieben geschrieben. Und die passt ja irgendwie auch ganz gut hierher…
Die Idee ist eine der besten, die es für eine TV-Serie je gab: Die gesamte Menschheit fällt für 137 Sekunden in eine Art Ohnmacht und erlebt in einem Zukunfts-Flash eine Sequenz aus ihrem Leben in einem halben Jahr. Genau um diese Idee herum haben Brannon Braga und David S. Goyer – inspiriert vom gleichnamigen Sci-Fi-Roman – die Serie “Flash Forward” konzipiert, die dank ProSieben am Montagabend auch nach Deutschland kommt.
137 Sekunden also – 137 Sekunden, die die Menschheit miteinander verbinden, ihr Angst machen, oder Hoffnung. Denn die Zukunfts-Erlebnisse der Menschen sind extrem unterschiedlich, obwohl sie alle zum selben Zeitpunkt in der Zukunft spielen – dem 29. April 2010. So sieht eine Frau in ihrem “Flash Forward” das Ende ihrer Ehe, ein anderer, dass er noch lebt, obwohl er sich umbringen wollte – und ein Dritter sieht gar nichts, vermutet daher, dass er in einem halben Jahr nicht mehr lebt. Die denkbaren Geschichten, die sich aus den Blicken in die Zukunft entwickeln, sind zahlreich, doch gleichzeitig ist aus einer Weltklasse-Idee schon oft nach ein paar Episoden eine Kreisklasse-Serie geworden, weil die Autoren eben nur eine Weltklasse-Idee hatten und nicht ein paar mehr.
Braga und Goyer sind allerdings bekannt für gute Ideen. So schrieb Goyer zuletzt u.a. das Drehbuch zum Batman-Blockbuster “The Dark Knight” und Braga arbeitete an allen modernen “Star Trek”-Serien und dem “Battlestar Galactica”-Remake mit. In “Flash Forward” erzählen sie die Geschichten, die aus dem globalen Blackout und den Zukunftsvisionen der Menschheit entstehen. Wer steckt hinter dem Blackout, Ursache für viele Katastrophen und Unfälle mit Toten? Die Natur? Außerirdische? Terroristen? Zu den Hauptprotagonisten der Serie gehört Mark Benford, gespielt vom bekannten Hollywood-Schauspieler Joseph Fiennes. Sein Bemühen, die Hintergründe des Blackouts zu ermitteln, spinnen den großen Handlungsbogen.
Im Gegensatz zu Serien wie “Fringe” oder “Lost” haben die Macher bei “Flash Forward” Wert darauf gelegt, eine Serie nicht nur für Geeks und Nerds, sondern möglichst für den Mainstream zu konzipieren. So finden sich neben dem großen Handlungsbogen und dem Mysteriösen auch viele emotionale Momente in der Serie: Eheprobleme, Krankenhaus-Szenen und einiges mehr. Mystery-Fans wird das an der einen oder anderen Stelle nerven, doch den Machern gelingt es, mit zahlreichen überraschenden Wendungen, Cliffhangern und Hinweisen immer wieder die nötige Spannung zu erzeugen.
Was “Flash Forward” zudem von einer 08/15-Serie unterscheidet, ist die Liebe zum Detail, die immer wieder aufblitzt. So haben die Macher gleich nach sechs Minuten der ersten Episode einen Gag für “Lost”-Fans untergebracht: ein Werbeplakat für die in der Realität nicht existierende Fluglinie “Oceanic”, mit der die “Lost”-Leute auf ihre Insel abgestürzt sind. Zwei weitere liebevoll produzierte Momente sind die Anfangssequenz der vierten Episode, in der zu Björks “It’s oh so quiet” zig Menschen in Zeitlupe in ihren Blackout fallen und ein Bus in einen Teich fährt. Und in der gleichen Folge wird später ein Saxophon-Spieler gezeigt und dessen Musik anschließend auf großartige Weise in eine Verfolgungsjagd eingewoben.
Ob “Flash Forward” die Spannung über längere Zeit halten kann – in den USA sind bislang zehn Episoden gelaufen – muss sich erst zeigen, das Potenzial für mindestens eine grandiose Staffel hat sie definitiv. Ob und wie es danach weitergeht – der 29. April 2010, an dem die “Flash Forwards” spielen, ist schließlich bald erreicht – ist noch nicht entschieden. Sahen die erste Episode noch weit mehr als 12 Mio. Amerikaner bei ABC, waren es in Folge 10 nur noch rund 7 Mio. Eine mehr als dreimonatige Pause war die Folge, am 18. März geht es mit Episode 11 weiter. Sollten die Quoten weiter bröckeln, ist das Aus nach einer Staffel nicht ausgeschlossen. Selbst wenn es so kommen sollte: Einen Blick auf die Serie sollten nicht nur Mystery-Fans riskieren. ProSieben zeigt “Flash Forward” ab sofort montags um 21.15 Uhr, die beiden ersten Folgen am Montagabend (1. März) schon ab 20.15 Uhr.
Am Freitag kommt mit ca. fünf Wochen Verspätung endlich auch in Deutschland die neue Kashmir-Platte “trespassers” auf den Markt. Kashmir liebe ich, seit 2003 das Album “zitilites” erschien, u.a. mit dem unfassbar grandiosen Song “the aftermath” (hier in einer Version vom Roskilde-Festival)…
Aus “trespassers” gibt es schon seit einiger Zeit sehr viel Vorfreude erzeugendes Material zu hören, u.a. den Song “mouthful of wasps”…
… und “still boy”…
Beides grandiose Songs, wie ich finde. Und jetzt die beste Nachricht: Wer nicht bis Freitag warten möchte, hat eine völlig legale Möglichkeit, das Album schon jetzt zu bekommen. In meinem Lieblings-MP3-Download-Shop gibt es die Platte nämlich schon. Ich liebe das Internet.
Ältere Menschen werden sich erinnern: An dieser Stelle gab es vor gefühlt drei Jahrzehnten mal eine beliebte Rubrik, in der ich wöchentlich kleine Meinungen zu den New Entries der deutschen Single-Charts abgegeben habe. Die Rubrik wurde dann aus Lust- und Zeitlosigkeit eingestellt, der Verlust seitdem aber immer wieder mal beweint. Und weil hier in diesem Blog derzeit viel zu wenig los ist, habe ich mir gedacht: Es muss wieder Charts-Kritiken geben. Ab sofort beschimpfe ich also wieder die Käufer und Fans der Mainstream-Musik und bejuble die wenigen Perlen, die es in die Charts geschafft haben. Hier sind sie also – die Neueinsteiger der deutschen Single-Charts von heute:
090 Fettes Brot – “kontrolle”
Die inoffizielle Stasi-2.0-Hymne. Lobenswerter Text, nette Musik, geht ins Ohr. Das einzige Problem, dass ich mit dem Song habe, ist die verzerrte Stimme, auch wenn sie wahrscheinlich den Inhalt des Songs unterstreichen soll. Insgesamt also ein solider Fettes-Brot-Song, 7 von 10 Punkten.
082 Brings – “poppe, kaate, danze”
Karneval. Auch wenn ich seit ein paar Jahren zugereister Rheinländer bin, ich kann mit Karneval nichts, aber wirklich gar nichts anfangen. Einen sehr großen Anteil daran hat die Musik. Wenn am Rosenmontag morgens die ersten Wagen an meiner Wohnung vorbei Richtung Altstadt fahren und mich von der Straße mit unfassbar nerviger Musik belästigen, hab ich schon keine Lust mehr, das Haus zu verlassen. Und ich wohne noch nichtmal in Köln – da ist alles ja noch viel schlimmer. Dass ich mit dieser Meinung wohl zu den Außenseitern gehöre, zeigt ein Blick auf die Charts dieser Woche. Platz 13: Höhner. Platz 23: Brings. Platz 26: Bläck Fööss. Platz 50: Brings. Platz 51: Höhner. Platz 61: Brings. Platz 70: Brings. Platz 72: Brings. Platz 75: Höhner. Platz 82: Brings. Platz 89: Höhner. Platz 93: Bläck Fööss. Platz 95: Bläck Fööss. Platz 100: Höhner. 14 der 100 Charts-Positionen gehen also an drei Kölner Bands. Was die Sache interessant macht, ist die Tatsache, dass vor allem der technische Fortschritt daran Schuld ist. Denn: Ohne Download-Shops wäre es nicht dazu gekommen. Welche CD-Läden hätten schon all diese 14 Maxi-CDs vorrätig gehabt? 8 der 14 Songs sind sogar nur mit ihren Downloads in die Charts gekommen – ohne jeglichen CD-Verkauf. Oh. Ich schweife ab. “poppe, kaate, danze” ist natürlich indiskutabler Scheiß. Und das schreibe ich nicht nur als Düsseldorfer. 2 von 10 Punkten.
044 Bryan Adams – “one world one flame”
Was ich übrigens weiterhin spannend finde, ist die Tatsache, dass vier der fünf New Entries dieser Woche nicht als CD erhältlich sind. Nichtmal Bryan Adams. Obwohl der doch inzwischen eine Zielgruppe von gefühlt 99% Über-60-Jährigen haben dürfte. 21 der Top-100-Songs gibt es nicht auf CD. Ich bin gespannt, wann es zum ersten Mal über 50 der 100 sind. Ich schweife schon wieder ab? Ist doch wurscht, über diese routinierte Schnulze, die die ARD sich als Olympia-Song ausgesucht hat, braucht man eh nicht viel mehr zu schreiben als “Gääääääähn”. 3 von 10 Punkten.
038 Fettes Brot – “jein”
Wenn Bands eigene Songs neu interpretieren, dann kommt dabei meistens Mist heraus. Oder eine langweilige Unplugged-Version. Fettes Brot hat “jein” nicht unplugged neu aufgenommen, sondern eher das Gegenteil davon unternommen: Der Song wurde ordentlich angefüttert. Mit Soundeffekten, einem pompösen, knallbunten Video, E-Gitarren und vielem mehr. Irgendwie ganz cool. Auch wenn das Konzept, eigene Songs zu covern natürlich etwas uninspiriert wirkt. Dennoch: Wie bei “kontrolle” gibt es freundliche 7 von 10 Punkten.
016 Helping Haiti – “everybody hurts”
Ja, das ist ja auch wirklich schlimm mit diesem Erdbeben und so. Und jede Spende ist wichtig! Aber wenn ich Fratzen wie Rod Stewart, Susan Boyle und Miley Cyrus dabei zusehen muss, wie sie “everybody hurts” verhunzen, kommen mir aus ganz anderen Gründen die Tränen. Hätte man sich nicht irgendeinen Schrottsong aussuchen können? Einen, der eh doof ist? Aber doch nicht “everybody hurts”, das geht doch wirklich nicht. 3 von 10 Punkten.
So. Und weil es diesmal nur fünf New Entries gibt und ich gerade so gut in Fahrt bin, gibt’s als Bonus nun noch meine Meinung zu den Top-Ten-Songs dieser Woche:
010 Bushido – “alles wird gut”
Glücklicherweise ist ja der deutsche Hip Hop mitsamt seiner Inspirationslosigkeit wärend meiner “kleinen” Charts-Kritik-Pause ziemlich den Bach runter gegangen. Bushido ist hier dank seines Kinofilms ne kleine Ausnahme, hat immerhin Platz 10 erreicht. Der Song klingt viel glatter, noch kommerzieller als vor ein paar Jahren. Die Texte bleiben aber derselbe Quatsch und das Gesamtpaket nervt immer noch gewaltig. 2 von 10 Punkten.
009 The Black Eyed Peas – “meet me halfway”
Die Black Eyed Peas haben ja einen ziemlichen Lauf. Einen Granatenhit nach dem nächsten feuern sie raus. “boom boom pow” ist nach 29 Wochen immer noch auf Platz 65, “i gotta feeling” nach 34 Wochen sogar noch auf Platz 24. Und auch “meet me halfway” hat wieder diese Ohrwurm-Momente, denen man nicht entkommen kann. Das ist eindeutig nicht die Musik, die ich mir ständig anhören muss, aber trotzdem muss ich der Band zugestehen, dass sie momentan wahrscheinlich die perfektesten Mainstream-Popsongs veröffentlichen, die man sich vorstellen kann. 7 von 10 Punkten.
008 Aura Dione – “i will love you monday (365)”
Sie hier war ja schon auf Nummer 1. Und ich weiß gar nicht, warum. Der Song ist schon nach einer Minute ziemlich nervig, viel zu viele Textwiederholungen. Aber wahrscheinlich ist genau das der Grund für den Erfolg. Jeder kapiert die paar Englisch-Brocken, die Dänin sieht noch dazu ganz passabel aus, fertig ist also der Hit. Ich mag den Song trotzdem nicht. 3 von 10 Punkten.
007 Owl City – “fireflies”
Apropos “perfekter Popsong”. Das hier ist für mich momentan der wahrscheinlich großartigste Song in den gesamten Charts. Ich bin mir zwar noch nicht sicher, ob man “fireflies” überhaupt gut finden darf oder dann als uncool gilt, aber ich finde den Song grandios. Feinster Elektropop mit Mega-Melodie, der mich total an Ben Gibbards Projekt The Postal Service erinnert. Toll. 9 von 10 Punkten.
006 Stromae – “alors on danse”
Huch. Ein französischer Song auf Platz 6 der deutschen Charts? Gibt’s auch nicht oft. Der Typ hier, halb belgisch, halb ruandisch, wie die Wikipedia mir verrät, war fünf Wochen lang die Nummer 1 im französisch-sprachigen Teil Belgiens. Dass er aber den Sprung nach Deutschland geschafft hat, ist schon spannend. Zumal der Song ja jetzt nicht die Mega-Innovation ist. Ein ziemlich eintöniger, leicht düsterer Disco-Track. Aber irgendwas hat er, der Song. Ich kann nur nicht genau sagen, was. Wahrscheinlich haben das auch die ganzen Käufer gedacht – und ihn dann gekauft. 6 von 10 Punkten.
005 Lady GaGa – “bad romance”
Ich kann den Namen “Lady GaGa” nicht mehr hören. Der Hype war anfangs wegen der durchaus zu Recht an der Spitze der Mainstream-Charts stehenden Songs berechtigt, doch irgendwann nahm er völlig bescheuerte Züge an. “bad romance” ist aber ohnehin die bisher schwächste der Lady-GaGa-Singles. Routiniert runtergespult, “blablabla”-Text aus dem Lyrics-Computer und sauteures Video. Nervt. 4 von 10 Punkten.
004 Unheilig – “geboren um zu leben”
Manchmal weiß ich nicht, wie bestimmt Songs oder Bands in die Gothic-Ecke passen ohne von der Szene ausgelacht zu werden. Da nennt sich der Sänger einer Band “Der Graf”, sein Projekt “Unheilig”, spielt aber einen Schumsesong mit Kinderchor am Ende? Wirklich seltsam. Ich kann einen solchen Song zumindest nicht wirklich ernstnehmen. Obwohl ich früherâ„¢ ja selbst Musik gehört habe, die nicht allzu weit entfernt war: Wolfsheim, Deine Lakaien, um nur einige zu nennen. Für “den Grafen” gibt’s von mir wegen Peinlichkeit bzw. unfreiwilliger Komik aber nur 3 von 10 Punkten.
003 Keri Hilson – “i like”
Ja, irgendwie ein ganz okayer Popsong und so. Wenn er nur nicht der Song zu “Zweiohrküken” wäre – und man Til Schweiger nicht ständig in Frauenklamotten im Video sehen müsste… Aber trotzdem: irgendwie ganz okay. 5 von 10 Punkten.
002 Frauenarzt & Manny Marc (Die Atzen) – “disco pogo”
Für mich wären ja schon die Namen “Frauenarzt & Manny Marc” ein Grund, die Typen mit lebenslänglichem Studioverbot zu belegen. Und dann haben sie mit “Das geht ab” auch noch den nervigsten Song des 21. Jahrhunderts auf den Markt geschüttet. Was dieser zusammengeschusterte Schrott soll – und vor allem: wer diesen zusammengeschusterten Schrott kauft – ich weiß es nicht. Ich will es auch gar nicht wissen. 0 von 10 Punkten!
001 Kesha – “tik tok”
Gegen die 223 Sekunden Lautsprecher-Verbrechen von eben ist das hier ja die reine Wohltat. Zuschauen darf man der Plastik-Kalifornierin allerdings nicht. Und ne Wohltat ist der Song wirklich auch nur dann, wenn man vorher etwas wie “Die Atzen” hören musste. Insgesamt ist er nämlich auch nur eine Aneinanderreihung von Pop-Ideen der letzten Jahre, inklusive kurzzeitiger Stimmen-Elektrifizierung. Irgendwie bin ich zu gnädig heute: 5 von 10 Punkten.
Die gesamte Top 100 lässt sich übrigens jederzeit bei MTV begutachten. Und beim nächsten Mal könnte es an dieser Stelle auch um folgende Songs gehen – wenn das kaufwillige Publikum mitspielt und sie in die Charts befördert:
– Editors – “you don’t love me”
– Marit Larsen – “under the surface”
– Nena – “du bist so gut für mich”
– Westernhagen – “wir haben die schnauze voll”
Ein Lebenszeichen. Ich habe gerade genug anderen Quatsch im Kopf. Leider. Geht vorbei – und dann wird hoffentlich auch wieder mehr gebloggt. Bis dahin ein Video. Ich habe mich seit vielen Monaten nicht mehr so sehr auf eine neue Platte gefreut wie auf die Neue der Shout Out Louds. Wenn die restlichen Songs auch nur halb so gut sind wie “fall hard”, dann ist die Glücklichmach-Platte des Jahres schon gefunden. Am 26. Februar werden wir es wissen.
Auch in diesem Jahr gibt es an dieser Stelle meine traditionelle “Liste der Listen” mit den besten Platten des Jahres. Wie immer habe ich dafür die von den Redaktionen der großen Musikmagazine zusammengestellten Jahresbestenlisten ausgewertet. Eigentlich kommen dafür die Zeitschriften “intro”, “musikexpress”, “Rolling Stone”, “spex” und “Visions”, sowie das Internet-Magazin laut.de in die Wertung. In diesem Jahr fallen aber leider zwei der Redaktionen weg, denn “intro” entschied sich statt einer Jahresbetenliste für eine Jahrzehntbestenliste und “Visions” verzichtete auf eine Alben-Top-50 und präsentierte dafür je 5 beste Alben in zehn Genres. Daher besteht meine “Liste der Listen” also nur aus denen von “musikexpress”, “Rolling Stone”, “spex” und laut.de. Die Einzellisten habe ich in Punkte umgewandelt, für einen Platz 1 bekam eine Platte beispielsweise 50 Punkte, für Platz 50 einen Punkt zu holen waren daher maximal 200 Punkte. Und das sind die 25 besten Platten des Jahres 2009 (in Klammern die jeweilige Punktzahl):
Was ich ja am lustigsten an der “Bild”-App finde, die es seit einigen Wochen fürs iPhone gibt, sind die Blitzer im PDF der “Bild”-Zeitung. Da werden nämlich – offenbar aus Angst vor Apples Jugendschützern, die jegliche nackte Haut aus ihrem AppStore fernhalten – alle Brüste und ähnliche nackte oder halbnackte Körperteile von einem fleißigen “Bild”-Mitarbeiter mit einem Blitz überklebt. Und das führt dann manchmal zu wirklich lustigen Situationen. Ich präsentiere: den “Bild”-Blitzer des Tages: