du bist flutschland. 8

Zwischen lecker und grenzwertig: die neuen Langnese-Eissorten zur Fußball-WM. Die “Bananenflanke”, der “Copa Mundial de la Fifa”, der “Fussball” (“Tolle Pfeife als Stiel!”), die schwarz-weißen “Tor-Shots” und ein schwarz-rot-goldener “Flutschfinger”.

popkulturjunkie on tour: depeche mode (lange version). 15

So. Tut mir leid, dass ich nun doch erst am Sonntagnachmittag dazu komme, meine Eindrücke zum Depeche-Mode-Konzert zu schildern. Am Freitag und Samstag blieb einfach keine Zeit und Ruhe dafür. Warum also war ich so enttäuscht?

Beginnen wir mit etwas Positivem: dem Bühnendesign. Ich glaube, ich habe noch nie in meinem Leben eine so dermaßen spektakuläre und umwerfende Bühne gesehen. Selbst die der vergangenen Marilyn-Manson-Tour reicht da nicht heran. Anton Corbijn hat futuristische Pulte geschaffen, auf denen die Synthesizer standen, eine riesige Kugel, auf der ständig irgendwelche Begriffe eingeblendet wurden und großen Videoleinwände, auf denen per Computer geschnittene, verzerrte und gezoomte Live-Bilder der Musiker gezeigt wurden. Allein dieser Bühne zuzuschauen, hat schon großen Spaß gemacht.

Weniger Spaß hatte ich mit den Musikern. Zunächst kamen The Bravery auf die Bühne, deren Platte mir im vergangenen Jahr ziemlich gut gefallen hatte und von denen ich live Einiges erwartete. Anscheinend war der Sound in der Frankfurter Festhalle aber so auf den Haupt-Act ausgerichtet, dass er bei The Bravery einfach nur beschissen war. Der Sänger war viel zu leise, die Instrumente auch nicht sehr passend aufeinander abgestimmt. Eine Tatsache, die den Sänger zum Zitat des Abends brachte: “Our shit’s all fucked up”. Dem war nichts hinzuzufügen.

Als Depeche Mode die Bühne betraten, war die Stimmung natürlich extrem gut. Und das sollte sich auch kaum ändern. Das Publikum bestand schließlich zu 95% aus Leuten, die aussahen, als würden sie einmal im Jahr zu einem Konzert gehen. Zu Bands wie U2, R.E.M. oder Westernhagen. Ganz egal, Hauptsache eine “Legende”. Depeche-Mode-Fans, wie man sie sich klischeehaft vorstellt, also schwarzgekleidete Menschen, hab ich nicht gesehen. Keinen einzigen. Ein Publikum also, dass begeistert war, als die Band Evergreens wie “a question of time”, “policy of truth” oder “behind the wheel” zum Besten gab. Ein paar Klassiker, okay. Das wäre zu verschmerzen gewesen, aber mir waren es eindeutig zu viele. Ich gehe zu einem Konzert, um zu sehen, welche Musik eine Band jetzt macht – und eben nicht, welche Musik sie vor 20 Jahren gemacht hat. Aber ein Publikum, das aussieht, als würde es die Wochenenden sonst auf Ü30- oder 80er-Jahre-Parties verbringen, freut sich eben über solche Musik für ewig Gestrige.

Abgesehen vom Musikalischen hat mir auch die Performance der Band nicht gefallen. Auf mich wirkte das alles zu kalt, einstudiert und emotionslos. Satte Millionäre, die gemütlich durch die Weltgeschichte fahren, ein bisschen Musik spielen und die genau wissen, dass sie sich nicht mehr sonderlich anstrengen brauchen – das Publikum wird sie ohnehin feiern, schließlich sind sie Legenden. Gahan z.B. weiß genau, dass die Leute ausflippen, wenn er sein Hemd auszieht, also macht er es auch. Ganze zwei Momente während des Konzertes haben Emotionen in mir ausgelöst. Der eine war, als Martin Gore (ich glaube es war “home”) sang und am Ende an den vorderen Rand der Bühne ging, sich feiern ließ und man ihm ansah, dass er es genoss, im Mittelpunkt zu stehen. Der andere Moment war “enjoy the silence”, meiner Meinung nach einer der schönsten Popsongs, die je geschrieben wurden. Allerdings störte mich sehr schnell, dass Zigtausende den Song von vorn bis hinten mitsangen. “all i ever wanted, all i ever needed is here in my arms. words are very unnecessary, they can only do harm”. Ich will nicht, dass der gesamte Odenwald dieses Lied mitgröhlt. Dafür ist es zu schön. Mir hatte das jedenfalls gereicht, die Zugaben brauchte ich nicht mehr, ich ging. Der Haken auf der Liste der Bands, die ich in diesem Leben noch live sehen muss, ist gemacht, Depeche Mode sollten ihre Live-Karriere nun lieber beenden. Oder mal unter falschem Namen durch kleine Clubs tingeln, um zu sehen, worauf es ankommt.

revolution. 10

Wer gerade überlegt, ob er an diesem kalten Sonntag überhaupt vor die Tür tritt, sollte das zumindest dafür tun, die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” zu kaufen. Stefan Niggemeier hat darin einen seiner besten Artikel der vergangenen Monate veröffentlicht. Thema: “Das Publikum an der Macht. Die digitale Revolution kommt gerade erst richtig in Schwung: Die Tage, in denen eine Handvoll Leute bestimmen konnte, was wir hören, sehen, lesen, sind gezählt. In naher Zukunft werden wir alle Programmdirektoren und Chefredakteure sein.” Im Internet ist der Text vorerst leider nur für Abonnenten zu lesen.

Update: Hier gibt’s den kompletten Text jetzt auch für Nicht-Abonnenten. (via franziskript-Kommentare)

popkulturjunkie on tour: depeche mode. 14

Warum Depeche Mode lieber keine Konzerte mehr geben sollten, ich mir vorkam, als sei ich auf einer Ü30-Party, lieber vor der Zugabe ging, warum auch The Bravery den Abend nicht retten konnten und warum dennoch 95 % der Besucher sagen werden, es wäre das beste Konzert ihres Lebens gewesen: All das lesen Sie im Laufe des Freitags an dieser Stelle. Jetzt bin ich zu müde dafür.

album-kritik 02/2006: blackmail – “aerial view” 4

Blackmail – “aerial view”

ET: 13. Januar 2006.
Label: City Slang
Vertrieb: rough trade
12 Tracks / 43 Minuten.
Band-Website.
Platte kaufen.

Kritik: Blackmail jetzt also bei City Slang, dem Label von Notwist, Sophia, Nada Surf und so vielen anderen tollen. Da ist zusammen gewachsen, was zusammengehört, könnte man meinen. Die neue Blackmail-Platte wird natürlich wieder überall als die beste der Bandgeschichte gefeiert und außerdem wird sich zum 1000. Mal gefragt, warum der durchschlagende Erfolg ausbleibt. Vielleicht lag es ja tatsächlich am falschen Label. Diesmal gab es immerhin gleich in der ersten Woche die höchste Albumcharts-Platzierung, die Blackmail je hatten: Platz 34. Die Musik von “aerial view” klingt für mich wieder etwas melodischer, nicht so verkopft wie der Vorgänger “friend or foe?” teilweise. Die Platte bietet den typischen Blackmail-Sound mit Ebelhäusers Gitarrenwänden, Abays eindringlichem Gesang, der nötigen Härte und den teilweise hymnenhaften Melodien. Altbacken hört sich “aerial view” dabei nie an, Überraschendes wie die einsetzenden Bläser in “couldn’t care less” bieten die Koblenzer außerdem. Insgesamt gibt es keinen einzigen Track auf dem Album, der qualitiativ durchfallen würde, allerdings auch nur wenige Songs, die völlig herausragen. Ein perfekt durchzuhörendes, durchkomponiertes Rockalbum also, das für mich aber nicht ganz an das meiner Meinung nach beste der Band, “bliss, please”, herankommt. Käufer der limitierten Version bekommen im Übrigen noch eine DVD dazu, auf der sich ein sehenswerter und tol produzierter Film befindet, der Blackmail bei einer Japan-Tour, dem Songschreiben in Spanien und Konzerten in der Schweiz begleitet. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf die anstehende Tour, denn live ist Blackmail eine der intensivsten Bands, die ich kenne und ein absolutes Erlebnis, das niemand verpassen sollte. Fazit: Uneingeschränkte Kaufempfehlung für Fans harter, intelligenter Rockmusik.

Beste Tracks: “moonpigs” (02), “couldn’t care less” (04), “splinter” (10)

Wertung: 8 von 10 Punkten.

album-kritik 01/2006: les mercredis – “lächeln kostet extra” 0

Willkommen in der neuen popkulturjunkie.de-Rubrik, in der endlich mal all die tollen (und nicht so tollen) Platten kritisiert werden, die hier im popkulturjunkie-Headquarter aufschlagen. Und wie kann man eine solche neue Blog-Rubrik besser starten als mit einer Platte eines Bloggers? Der Herr Petracca, nämlich, Teil der Band Les Mercredis, ist manchem sicher bekannt als Herr Shhhh. Los geht’s also. Mit der neuen Rubrik, mit der ersten Kritik, mit allem halt:

Les Mercredis – “lächeln kostet extra”

ET: 10. Januar 2006.
Label: Capitol East Road Records.
Vertrieb: Radar Music.
14 Tracks / 64 Minuten.
Band-Website.
Platte kaufen.

Kritik: Ausnahmsweise mal ein passendes Zitat aus einer Presseinfo: Les Mercredis machen “Elektropopmusik mit Störungen”. Viel besser könnte ich die Musik der Band auch nicht erklären. Ein Mix aus Elektropop, rotzig punkigen Einflüssen und einer Prise C64-Gefrickel. Die 14 Songs schwanken zwischen einer Reihe von Ohrwürmern und ein paar Songs, die mich eher nerven. Vor ein paar Jahren hätte ich die Platte uneingeschränkt gemocht, da ich genau diese Art von Elektropop liebte. Damals, im Herbst 2003, z.B., als ich die irgendwie ähnliche Berliner Band Ragazzi live sah und begeistert war. Damit ich hier nicht falsch verstanden werde: “lächeln kostet extra” ist ein solide produziertes Album, bei dem Fans des Genres definitiv einen Blick riskieren sollten. Mir kommt es aber ein paar Jahre zu spät. Und bestimmt auch der Band. Schließlich hätte sie ohne einen problemreichen Weg schon vor genau diesen einigen Jahren erscheinen sollen. Fazit: Weitgehend gelungenes, etwas altmodisches Album mit ein paar Schwächen.

Beste Tracks: “mit mir unter” (01), “besser nicht” (10), “sowas vonegal” (13).

Wertung: 6 von 10 Punkten.

chefredakteurs-schreibtische. 3

Die Zeit” hat die Schreibtische einiger deutscher Chefredakteure fotografiert. Wenn ihr mich fragt: Bis auf zwei haben alle ihren Tisch noch schnell aufgeräumt, bevor der Fotograf kam. Authentisch sehen die meisten zumindest nicht aus. (via azrael74.de)

deutsche blogcharts. 19

Dass es hier in den vergangenen Tagen etwas ruhiger war, lag u.a. an einem Projekt, an dem ich gearbeitet habe und das ich hiermit öffentlich mache. Start frei für die deutschen blogcharts.

Was sind die deutschen blogcharts und wie kam es dazu?

Dass der popkulturjunkie auch ein Statistik-Junkie ist, wurde ja in diesem Blog an der einen oder anderen Stelle schon deutlich. Auch mit Blog-Statistiken beschäftige ich mich sehr gern. Zugriffs-Toplisten wie die vom blogscout-counter und Verlinkungs-Statistiken. Die beste dieser Link-Toplisten war lange Zeit die des Anbieters Blogstats.de. Ungefähr Anfang November, als Blogstats wegen riesiger Datenbank-Problemen immer nutzloser wurde, beschäftigte ich mich mit Alternativen, und kam bei einem kleinen Versuch darauf, dass Technorati der zuverlässigste Anbieter auf diesem Gebiet ist. Eine Topliste gibt es dort zwar auch, allerdings nur eine internationale. Listen für einzelne Länder oder Sprachräume fehlen hingegen. Natürlich gab es die Blogparade von Robert Basic, aber die unregelmäßige Erscheinungsweise war mir zu wenig. Ich wollte eine wöchentliche Statistik. Ich befasste mich mit Technorati, recherchierte, klickte, suchte und trug alle Blogs zusammen, die mindestens 50 Technorati-Links hatten. Ich stieß dabei auch auf eine recht große Zahl von Blogs, die in Roberts Blogparade fehlten. Je kompletter meine Liste wurde, desto mehr reifte in mir die Idee, eine öffentliche deutschsprachige Top 100 nach Vorbild der weltweiten Technorati-Top-100 daraus zu basteln. Ich bastelte also ein paar Wochen lang unter Ausschluss der Öffentlichkeit und bin nun soweit, die deutschen blogcharts zu veröffentlichen.

Natürlich bin ich mir bewusst, dass diese Idee nicht überall auf Gegenliebe treffen wird, da es viele Blogger gibt, die sich nichts aus solchen Toplisten machen. Niemand ist dazu verpflichtet, die Liste ernstzunehmen. Ignoriert sie einfach und fertig. Allen, die wie ich Spaß an Blog-Statistiken haben, danke ich jetzt schon für die Unterstützung. Um mir nicht sofort den Vorwurf einzuhandeln, ich wolle nur dieses Blog populärer machen, werden alle weiteren Dinge, die mit den deutschen blogcharts zu tun haben, fortan ausschließlich im dazugehörigen Blog behandelt. Dort kann diskutiert werden, es gibt Erläuterungen und kleine Analysen zu den wöchentlichen blogcharts.

Genug der Vorrede, schaut Euch die deutschen blogcharts einfach an. Dort gibt es auch eine Reihe von weiteren Informationen. Viel Spaß.

cw network. 2

Die Medien-Hammer-Meldung des Tages kommt aus den USA. Dort werden die beiden großen Fernsehsender The WB und UPN fusionieren. Von der Bedeutung der Kanäle wäre das in etwa vergleichbar damit, wenn zwei Sender wie Vox und RTL II fusionieren würden. So sollen die beiden schwächelnden Sender The WB und UPN durch ein schlagkräftigeres CW Network abgelöst werden. Die Zahl der landesweit empfangbaren Networks schrumpft damit gleichzeitig von 6 auf 5. Das Programm wird sich ab September aus Serien beider Kanäle zusammensetzen, also aus Programmen wie “Smallville”, “Gilmore Girls”, “Supernatural” (The WB), sowie “Veronica Mars”, “Everybody hates Chris” und der Wrestling-Show “Smackdown” (UPN). Dem amerikanischen Fernsehmarkt wird das auf jeden Fall eine ordentliche Portion Extra-Spannung verpassen. (u.a. via mediaweek.com)

wie generiert man möglichst viele page-impressions? 11

Unternehmen, die mit möglichst vielen Nutzern auf ihren Internet-Seiten möglichst viel Geld bei Werbekunden kassieren wollen, kennen das Problem: Wie bringe ich den Besucher meiner Seite dazu, ganz viele Page-Impressions zu generieren? “Bravo.de zeigt nun, wie das geht.

Klickt man auf Bravo.de, findet sich gleich oben die “Bravo.de Topstory” zum Thema “Bills neuer Look!” und dem viel Hinweis “Check jetzt hier das erste Foto!”. Ein “weiter…”-Link suggeriert, dass man nur noch einen Klick von den sensationellen Fotos entfernt ist. Denkste. Draufgeklickt und der selbe Teaser mit etwas anderem Text steht in kleinerer Form nochmal da. Inklusive “weiter…”-Link. Jetzt aber: Nur noch einen Klick. Denkste. Noch ein Teaser zur supertollen Topstory. Sogar mit anderem Text. Seltsamerweise wird der Teaser nach jedem Klick immer kleiner. Der “weiter…”-Link fehlt natürlich auch diesmal nicht. Der nächste Klick muss doch aber endlich zum Ziel führen. Denkste. Er führt auf eine Seite, die fast genauso aussieht wie die vorige, den selben Bill-Teaser enthält. Und noch einen “weiter…”-Link. Kurz bevor ich endgültig glaube, mich in einer Blondinenwitz-Verlinkungs-Endlos-Spirale zu befinden, passiert die Sensation: Dieser Klick auf den “weiter…”-Link führt tatsächlich zum Ziel: auf diese Seite, auf der das neue Sternchen am Mädchen-Pop-Himmel zu sehen ist.

Toll, dass Bravo.de so exemplarisch zeigt, wie man es nicht machen sollte.

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