0

Und hier wie versprochen weitere 11 (!) popkulturjunkie-TV-Neustart-Kritiken. Mehr hab ich jetzt aber erstmal nicht.

“KI.KA rockt!” / KI.KA / donnerstags, 20 Uhr – Start: 15. April 2004
Ein Sendungs-Name, der Hoffnung macht. Will der KI.KA kleinen Rockernachwuchs erzeugen? Weit gefehlt. Schon die ersten Sekunden zeigen, wo der Hase langläuft: Bohlen-Scherge Alexander Klaws gibt seine neue Single zum Besten. Und das war’s auch schon. Denn die Sendung dauert nur 5 Minuten. Toll! Länger hätte ich’s auch nicht ausgehalten. 0 von 10 Punkten.

“Ärzte unterm Hakenkreuz” / ZDF / Gruppe 5 Filmproduktion / täglich, 23 Uhr – Start: 13. April 2004
Eine sehr eindrucksvolle, bedrückende Doku über ein dunkles Kapitel der Medizingeschichte. Erzählt wird von den schlimmen Experimenten, die Ärzte in KZs durchgeführt haben, vom Euthanasie-Programm, aber auch von erstaunlichen Details wie dem, dass deutsche Forscher damals wichtige Grundlagenforschung zum Thema Zigaretten und Lungenkrebs betrieben haben. Im Mittelpunkt der Doku-Reihe steht Karl Brandt, damals oberster Verantwortlicher für die Grausamkeiten der deutschen Ärzte. Eine sehr professionell produzierte, wichtige Doku-Reihe, an der man allerhöchstens kritisieren kann, dass sie etwas langatmig ist. 7 von 10 Punkten.

“Star Search – Das Magazin” / Viva / dienstags, 21 Uhr – Start: 13. April 2004
Noch ein Casting-Show-Begleitmagazin. Was Vox mit “Deutschland sucht den Superstar – Das Magazin” vorgemacht hat, macht Viva mit “Star Search – Das Magazin” nun nach. Wieder ein Versuch, die Quoten zu steigern. Wieder ein schlechter. Man erfährt Dinge über Kandidaten, von denen man eigentlich gar nichts erfahren wollte, die Moderatorin Janin Reinhardt zeigt, dass ihre Karriere nach Viva wohl zu Ende sein dürfte, es gibt Interviews, Ausschnitte, das volle Programm. Belanglos, überflüssig. 2 von 10 Punkten.

“Familie Dr. Kleist” / Das Erste / Polyphon / dienstags, 20.15 Uhr – Start: 13. April 2004
Serien wie “Adelheid und ihre Mörder” und vor allem “Um Himmels Willen” haben den Dienstags-Prime-Time-Sendeplatz im Ersten zum Quoten-Blockbuster gemacht. Die neue Serie “Familie Dr. Kleist” soll dort anknüpfen. Es geht um einen erfolgreichen Arzt mit Frau und zwei Kindern. Die Frau stirbt plötzlich. Dr. Kleist macht mit seinen Kindern erstmal Urlaub bei seinem Onkel, einem ehemaligen Apotheker, in Eisenach. Und schon verfliegt die Trauer. Der Tochter gefällt es, Kleist übernimmt eine Praxis – das Leben geht weiter. Von Familienserien in ARD und ZDF kann man naturgemäß nicht viel erwarten. Sie sind zwar solide produziert, strotzen aber nicht gerade von innovativen Drehbuch-Einfällen. So auch in diesem Fall. Ausnahmslos westdeutsche Schauspieler in einer Serie, die in Ostdeutschland spielt sind im Übrigen auch etwas seltsam – mir aber relativ egal. Letztlich könnte man auf diese neue Serie auch “Der Landarzt” oder “Forsthaus Falkenau” draufschreiben – die Machart ist sehr ähnlich. 4 von 10 Punkten.

“Klatsch TV” / SAT.1 / SZM Studios / werktäglich, 11.30 Uhr – Start: 13. April 2004
Jenny Elvers tratscht mit zwei oder drei anderen Damen über aktuelle Boulevard-Themen. Braucht man sowas? Absolut nich. So schlimm, wie ich befürchtet habe, ist die Sendung zwar nicht, aber reichen die Zeitungen, Zeitschriften und TV-Boulevard-Magazine nicht aus, in denen man all diese Details über Promis erfährt, die man eigentlich gar nicht erfahren wollte? Muss es zu diesem Thema auch noch eine tägliche Talkshow geben? Nein. 2 von 10 Punkten.

“Die alten Ägypter” / Das Erste / diverse Tage, 21.45 Uhr – Start: 11. April 2004
Ägypter. Es gibt wohl kaum ein Thema, dem sich das Fernsehen häufiger in Doku-Reihen widmet. In dieser neuen ARD-Reihe wird jeweils eine Geschichte aus der damaligen Zeit erzählt. Und zwar in Form eines kleinen 45-Minuten-Spielfilms, der zwar von einer Stimme kommentiert wird, ansonsten aber ohne herkömmliche Doku-Elemente auskommt. Kann man machen, muss man aber nicht. So spannend sind die Geschichten dann leider auch nicht, die erzählt werden. 5 von 10 Punkten.

“Perlen des Nordens” / NDR Fernsehen / M.Medienproduktionen Sven Kiesche / diverse Sendetermine – Start: 9. April 2004
Ich mochte Alida Gundlach noch nie. Sie hat mioch schon immer genervt. Schlechte Voraussetzungen für ihre neue Reihe “Perlen des Nordens”, in der sie prominente und nicht-prominente Norddeutsche besucht und porträtiert. Michael Stich und seine Freundin, irgendein Fahrraderfinder, Roger Willemsen, Mousse T. – alle Gespräche triefen vor Schleimigkeit und Positivismus. Bloß keine Probleme, das Leben ist toll. Und so erinnert das alles etwas an einen der größten TV-Flops der vergangenen Monate: “Bunte TV”. Was man “Perlen des Nordens” zu Gute halten muss: es ist perfekt produziert. Teuer, aufwändig, edel. Aber ein Muss ist die Sendung trotzdem nicht. 4 von 10 Punkten.

“Die Manager Gottes” / ZDF / Endemol / diverse Sendetermine – Start: 9. April 2004
Eine Doku-Reihe über eine Pfarrerin aus der Nähe von Heidelberg und den omni-präsenten und omni-nervenden Bruder Paulus Terwitte. Skurilerweise von den Show-Experten von Endemol produziert. Richtig spannend war es nicht, dazu nervt mich Terwitte zu sehr. Und viel erfahren über den tatsächlichen Alltag der beiden Geistlichen hat man auch nicht. 3 von 10 Punkten.

“Köpfe in Bayern” / Bayerisches Fernshen / teletime / donnerstags, 21.35 Uhr – Start: 8. April 2004
Eine Porträt-Reihe, in der Leute vorgestellt werden, die aus Bayern stammen oder in Bayern leben. In Folge 1 war es der Theater- und Oper-Regisseur und -Intendanten Hellmuth Matiasek. Ein Mensch, den ich vorher nicht kannte, weil die Theater-Welt nicht meine Welt ist. Und doch: Es war sehr interessant. Man erfährt einiges über das Leben des Porträtierten, sieht Menschen, deren Lebensweg sich mit dem des Vorgestellten gekreuzt haben, sieht Archiv-Bilder und vieles mehr. Kleines, feines Fernsehen. 6 von 10 Punkten.

“Mit Hammer & Hobel” / Kabel 1 / Janus TV / donnerstags, 20.15 Uhr – Start: 8. April 2004
Gibt es in Deutschland noch jemanden, der ein Haus baut, ohne dass ein Fernsehteam dabei ist? Wieder eine Reportage-Reihe, in der Hausbauer, Heimwerker usw. gezeigt werden. Kurzfristig für den abgesetzten Über-Flop “Opas letzter Wille” ins Programm genommen. Wieder ordentlich produziert, annehmbar gecastet und recht unterhaltsam. Aber letztlich ist es nur, was es ist: ein Me-too-Produkt. 5 von 10 Punkten.

“Troubleshooter – Die Problemlöser” / Kabel 1 / Janus TV / mittwochs, 22.30 Uhr – Start: 7. April 2004
Ich liebe ja diese kleinen Doku-Soaps und Reportage-Reihen, in denen einfach Leute bei deren Arbeit beobachtet werden. In “Troubleshooter” sind das Leute, die Probleme lösen: Hausmeister, Handwerker, Entrümpler, Ordnungsamt-Beamte, etc – in jeder Sendung ein anderer. Solide produziert, sehr gut gecastet – unspektakulär, aber unterhaltsam und kurzweilig. 7 von 10 Punkten.

0

Es gibt viel nachzuholen. Und deswegen war ich mal fleißig und präsentiere ganz viele TV-Neustart-Kritiken. Zunächst fünf – weitere folgen später:

“Legendäre Zugreisen” / arte / L.E. Vision / täglich, 19 Uhr – Start: 7. April 2004
Eine Doku-Reihe, in der es nicht wirklich um bestimmte Zugreisen geht, sondern um Zugstrecken. Eine in Peru, eine in Indien und die turkestanisch-sibirische Eisenbahn. Erst abschreckend, weil man denkt, es handle sich um eine Doku für Bahn-Freunde, begreift man schnell, dass es um andere Dinge geht. Um Menschen. Man erfährt viel über die Menschen der jeweiligen Region, lernt interessante Leute kennen. Eine nette, kleine Doku. 6 von 10 Punkten.

“Wow – Die Entdeckerzone” / super RTL / Penguin Television + Beyond Productions / samstags, 16.45 Uhr – Start: 3. April 2004
Ein lustiges kleines Entdeckermagazin für Kids. Kinder und jung gebliebene Erwachsene erfahren in massenhaft Experimentchen Erstaunliches. Zum Beispiel wie man ein kleines Boot selber bauen kann, warum Wasser nicht aus einem Glas fließt, wenn man ein Handtuch über das Glas spannt (Oberflächenspannung!) und vieles andere. Nebenbei wird ein kleiner Kriminalfall (Wer hat die Kese geklaut?) gelöst (wie ein “C.S.I.” für Kinder). Ingesamt eine durchaus nette Sendung. 6 von 10 Punkten.

“neun 1/2” / Das Erste / samstags, 10.50 Uhr – Start: 3. April 2004
Eine Nachrichtensendung für Kinder. 9einhalb Minuten einmal pro Woche. Nicht viel, aber immerhin. Die Sendung ist nicht wirklich schlecht. Sie erklärt den Kleinen komplizierte Dinge wie die Arbeitslosenproblematik anschaulich und einleuchtend. Und das, ohne ins völlig Flache abzudriften. Dennoch: Die Sendung ist zu kurz, bleibt an der Oberfläche. 5 von 10 Punkten.

“Inselwelten” / arte / Gerd Weiss Filmproduktion / werktäglich, 19 Uhr – Start: 29. März 2004
Eine Doku-Reihe, die sich mit verschiedenen Inseln und deren Natur beschäftigt. Korsika, die Seychellen, Tahiti und andere Inseln. Das alles ist unspektakulär gefilmt, äußerst tranig erzählt, mit nervend belangloser Musik unterlegt. 3 von 10 Punkten.

“Im Zweifel für… Friedmans Talk” / 13th Street / TV 21 / montags, 21.45 Uhr – Start: 15. März 2004
13th Street wirbt für die neue Friedman-Show im Doppelpack mit der US-Serie “Law & Order”. Seltsam, das. Zwar haben beide Sendungen irgendwie mit dem Thema Recht zu tun, aber Friedmans Talk ist letztlich nur das, was er schon immer gemacht hat: eine politische Talkshow. Friedman lädt sich zwei Politiker ein, mit der er über rechtspolitische Themen diskutiert. In der ersten Sendung waren das Volker Beck und Günther Beckstein, die über Relgionsfreiheit gestritten haben. Hochspannend! Friedman ist zwar nicht mehr so laut und unentspannt, wie er mal war, aber seinen provokativen Fragestil hat er zum Glück behalten. Und genau dieser Stil ist es, der seine Sendungen sehenswert machen. Willkommen zurück, Michel Friedman. 8 von 10 Punkten.

0

Alt geworden ist er… Aber, das, was ich bisher von seiner ersten Platte seit 1997 gehört habe, klingt echt gut. Und gar nicht so alt… “you are the quarry” erscheint am 17. Mai. Und die erste Single “irish blood, english heart” – ein absolut brillanter Song – am 10. Mai.

Irish blood, English heart
This I’m made of
There is no one on earth I’m afraid of
And no regime can buy or sell me

I’ve been dreaming of a time when
to be English is not to be baneful
to be standing by the flag, not feeling shameful
racist or partial

Irish blood, English heart
this I’m made of
There is no one on earth I’m afraid of
And I will die with both of my hands untied

I’ve been dreaming of a time when
the English are sick to death
of Labour, and Tories
and spit upon the name Oliver Cromwell
and denounce this royal line that still salute him
and will salute him
FOREVER…

0

Aus aktuellem Anlass eine popkulturjunkie-TV-Neustart-Kritik (ganz viele weitere folgen morgen und übermorgen):

“Star Duell” / RTL / Granada Produktion für Film und Fernsehen / diverse Sendetermine – Start: 14. April 2004
Eine komplette Katastrophe. Ich kann diesen RTL-Show-Schrott nicht mehr ertragen. Sie sehen alle gleich aus, sie sind alle gleich produziert, es gibt keine Überraschungen, nur lackierten Rotz. “Star Duell”. Just what we needed. Der Titel enthält schon zwei Fehler. Es tritt kein Star auf – und es finden keine Duelle statt. Leider – denn wenn Duelle stattfinden würden, gäbe es hinterher wenigstens diese ganzen Fratzen nicht mehr. Zehn Stars, die bisher nichts mit Musik zu tun hatten, singen um ein Plattenvertrag. Soso. Das kein Star dort auftritt, hab ich bereits erwähnt. Verona Feldbusch und Michelle Hunziker. Stars? Auf keinen Fall. Drei Soap-Leute, deren Namen ich noch nie gehört habe. Diese Hamburger Transe, die bei der Bürgerschaftswahl angetreten ist. Irgendein Sohn von Costa Cordalis. Fabian Harloff (der lebt noch?). Modedesignerin Sarah Kern. Und dann: Christian Häckl!!! Der blöde Wetter-Fritze aus “RTL aktuell”. Ein Star? Ich würde mich totlachen, wenn’s nicht so traurig wäre. Abgesehen davon, dass sehr wohl diverse dieser “Stars” schon etwas mit Musik zu tun hatten. Frau Feldbusch etwa hat 1991 unter dem Namen Chocolate Platten aufgenommen. “Everybody Salsa” hieß ein Hit, der sich als Maxi-CD in meinem Besitz befindet (JA! Ich schäme mich dafür!). Und dieser Cordalis? Macht der nicht mit seinem blöden Dschungel-Papa Musik? Und Fabian Harloff hat früher auch schon gesungen, wenn ich mich nicht irre. Nächster Programmpunkt: die Jury. Erst ruiniert RTL den Begriff “Superstar”, jetzt den Begriff “Star” und nebenbei auch noch den Begriff “Jury”. Das Küblböck urteilt, ob jemand singen kann. Das ist ja wohl das Absurdeste, was ich je gehört bzw. gesehen habe. Dazu Roberto Blanco, Caroline Beil und Nina Hagen, die entweder komplett auf Droge war oder das Ganze in einen Riesenscherz umgewandelt hat. Das niemand der anwesenden Herrschaften singen konnte, brauch ich wohl nicht zu erwähnen. Frau Feldbusch hat sogar rumgezickt und gar nicht erst gesungen. Wahrscheinlich gut so. Ein Platten-Multi, dessen Mutterkonzern in Gütersloh stationiert ist, reibt sich schon wieder die Hände. Der nächste Depp, mit dem wir auf Platz 1 der Charts einsteigen. Und noch mehr Musik im Fernsehen. Das ist doch das, was wir immer wollten. Hallo! Aufwachen! Diese Shows haben mit Musik nichts zu tun! Schickt Eure A&R-Leute endlich wieder in die Clubs. Es gibt so viele Bands, deren Blinddärme mehr Potenzial haben als diese zehn “Star Duell”-Fratzen. Ach, ich bin es sowas von Leid. Und es hat schon seinen Grund, dass RTL bei mir den Programmplatz 12 hat – mit absteigender Tendenz. Gäbe es in meiner Neustart-Kritik-Punkteskala negative Bewertungen, diese Show hätte sie verdient. So gibt es völlig unverdiente 0 von 10 Punkten.

0

Das hier klingt übrigens äußerst eklig. Es geht um den Muse-Sänger Matt Bellamy, dem auf der US-Tour folgendes widerfahren ist:

During a show in Atlanta Matt injured himself onstage, meaning the gig was cut short and the singer taken to hospital.

One fan at the gig told NME.COM: “During their fifth song he smashed his face into his guitar. I noticed something was wrong immediately because he leaned over to his roadie and pointed to his mouth, then I looked and it looked as if someone was pouring a water bottle down his face constantly, but it was blood.

“He kept spitting up more and more blood until he started to sing, and before he could finish the first few lines he quickly removed his guitar and only said ‘I cant sing, I’ve fucked my face up!’ and they all rushed offstage.”

Shortly after the band, without Matt came back onto the stage and said they couldn’t continue. A show in Philadelphia was also pulled.

0

Völlig überraschend kommt es nicht, weil die Band in letzter Zeit ohnehin extrem unzufrieden war, da Ihnen der endgültige Durchbruch nicht gelang – traurig ist’s trotzdem. Dies steht auf readymade.de:

wir, die mitglieder von readymade, wollen euch mitteilen, dass wir beschlossen haben, demnächst getrennte wege zu gehen und in folge dessen alle bereits angekündigten konzerte abgesagt haben und auch in nächster zeit keine konzerte mehr zusagen werden.
wir können nicht genau sagen, ob es nur eine längere pause sein wird, ob es eine auszeit ist, die uns gut tun wird, oder ob es wirklich der schlußstrich unter unsere gemeinsame arbeit ist.
leider heißt dies aber auch, dass es erst einmal kein neues album geben wird. ein paar von uns arbeiten momentan an anderen projekten, die wir euch zu gegebener zeit an herz legen möchten. wir hoffen, ihr habt verständnis für unsere entscheidung, die derzeitig die richtige zu sein scheint. natürlich werden wir euch auf dem laufenden halten, was irgendwelche entwicklungen angeht. vorerst aber bleibt es beim oben genannten stand der dinge.

wir hoffen, ihr könnt unsere derzeitige entscheidung verstehen und behaltet uns in guter erinnerung. viel spaß weiterhin, besonders auf den festivals im sommer, wünschen euch
zac, chris, steffen & udo (april 2004)

0

Ein paar Tage Ruhe – ohne Lust, irgendetwas zu schreiben. Jetzt geht’s weiter und zwar mit einem KEANE-ALAAAARM! Der neue (zugegebenermaßen äußerst langweilige) Clip ist fertig. Er gehört zur neuen Single “everybody’s changing”. Die ist eigentlich schon im Mai 2003 veröffentlicht worden, erscheint nun – nach dem Erfolg von “somewhere only we know” – am 3. Mai aber noch einmal. Den kompletten Clip (und nicht nur den blöden 30-Sekunden-Teaser von der offiziellen Keane-Website) gibt’s nach diesem Klick: http://mcms-delivery.virtuebroadcasting.com/deliverMedia.asp?id=3EB0731D-7D15-4B46-9D72-2CD387560688

0

Ich erinnere mich noch ziemlich genau an den 8. April 1994. So genau wie an kaum einen anderen Tag, der soweit zurückliegt. Eigentlich ein ganz normaler Tag in meiner Schul-Endzeit. Ich stand kurz vor dem Abitur, wusste, dass ich aus der Kleinstadt Uelzen in die etwas größere Kleinstadt Göttingen gehen würde, um zu studieren. Und doch war der 8. April 1994 kein normaler Tag. Es war der Tag, an dem man die Leiche von Kurt Cobain fand.

Ich musste früh aufstehen damals. Ich wohnte in einem kleinen Kaff, 16 Kilometer von Uelzen entfernt. Mein Bus fuhr um 6.47 Uhr. Wie an jedem Morgen wurde ich von meiner Mutter geweckt, kroch widerwillig aus meinem Bett. “Übrigens: dieser Sänger, den Du so gut findest – von dem du ein T-Shirt hast – der hat sich umgebracht”. Und schon war ich hellwach. “Kurt Cobain?” fragte ich ungläubig. Es konnte nur Cobain sein – der Musiker, den ich so vergötterte, dass sogar meine Mutter ihn kannte.

Ein Blick in den Videotext (das in der Pre-Internet-Zeit aktuellste Medium) brachte Gewissheit: Cobain war tot. Ich zog mein Lieblings-Holzfäller-Hemd an und fuhr los. An Schule war an diesem Tag nicht mehr wirklich zu denken – zu viele Gedanken schwirrten in meinem Kopf. Ich genehmigte mir ein paar Freistunden, verbrachte den Tag mit einem Freund in der Stadt. Was sollte nun geschehen? Wie konnte sich ausgerechnet dieser großartigste Musiker aller Zeiten das Leben nehmen? Nie wieder eine Platte veröffentlichen? Und vor allem: Wie konnte er uns allein lassen?

Noch heute hängt ein Cobain-Poster über meinem Bett. Und da wird es auch noch in zehn Jahren hängen.

0

Sehr lesenswert: Benjamin von Stuckrad-Barre schreibt in der “SZ” über seine Zeit als “Productmanager Progressive” bei Motor Music / Universal.

0

Und hier die neuesten sechs popkulturjunke-TV-Neustart-Kritiken:

“Menschen unter uns” / Südwest Fernsehen / dienstags, 23 Uhr – Start: 6. April 2004
Eine neue Reportage-Reihe. 30 minütige Porträts von ganz normalen Menschen, die einen ganzen Tag lang begleitet werden. In der ersten Sendung ging es um Pater Landelin, einen Benediktiner-Mönch. 30 Minuten Abtauchen in eine ganz andere Welt. Diese Sendung ist ganz ruhiges, unspektakuläres Fernsehen. Aber absolut interessant. 7 von 10 Punkten.

“Einstein” / rbb Fernsehen / dienstags, 22.15 Uhr – Start: 6. April 2004
Das nächste neue rbb-Magazin. Ein Wissensmagazin. Schon wieder moderiert von so einem langweiligen, farblosen Typen namens Sascha Fröhlich. Berichtchen und Interviewchen zu Themen wie: Flugzeugbrände, Klimaforschung, Amphibienfahrzeuge und Zucht von nützlichen Insekten. Alles nicht sonderlich innovativ, alles nicht sonderlich interessant, aber immerhin solide produziert. 4 von 10 Punkten.

“Revier Nord – Einsatz für Weimann und Meisel” / mdr Fernsehen / dienstags, 20.45 Uhr – Start: 6. April 2004
Was macht ein Sender, wenn ihm nichts einfällt? Er kopiert Programme, die auf anderen Sendern erfolgreich laufen. Neuester Fall: der mdr. Er hat nun seine eigene Polizisten-Doku-Soap. Das wäre ja alles noch nicht so schlimm, schließlich hat dieses Genre Glanzlichter wie Toto und Harry hervorgebracht. Aber: Erzählt werden die üblichen Geschichten von alkoholisierten Ehedramen, randalierenden Jugendlichen und durchgekanllten, gescheiterten Existenzen. Und schlimmer noch: Die beiden Leipziger Polizisten, die von der Kamera begleitet werden, sind extrem langweilig und man versteht sie wegen ihrem erbärmlichen sächsischen Akzent kaum. Toto und Harry bleiben eben doch unerreicht. 3 von 10 Punkten.

“Noir” / Viva / Ryoe Tsukimura + Bee Train + Victor Entertainment / verschiedene Sendetermine – Start: 5. April 2004
Eins muss man den Vivas lassen: Sie haben eine Menge an guten Anime-Serien eingekauft. “Noir” ist auch wieder so eine. Hauptfiguren: Mireille Bouquet und Kirika Yuumura, zwei Mädchen, die als Profi-Killer arbeiten. Beide empfinden nichts beim Töten, beide wissen nichts über ihre Vergangenheit. Gemeinsam machen sie sich auf, um Licht in die dunklen Schatten ihres früheren Lebens zu bringen. “Noir” ist gut gezeichnet, lebt von grandioser Bildsprache, kommt mit wenigen Dialogen aus, strahlt eine sehr angenehme melancholische Grundstimmung aus und wird mit einer erstaunlichen Langsamkeit erzählt. 6 von 10 Punkten.

“Gilmore Girls” / Vox / Dorothy Parker Drank Here Productions + Hofflund Polone / werktäglich, 16.05 Uhr – Start: 2. April 2004
Die neue Vox-Nachmittagssserie. In den USA läuft sie (wie das gesamte Vox-Nachmittagsprogramm) in der Prime Time. Und zwar beim Network The WB – seit Oktober 2000 – mittlerweile in der vierten Staffel. Es geht um eine alleinerziehende Mutter namens Lorelei Gilmore und ihre Tochter Rory. Die Mutter: Hotel-Managerin, jung geblieben und unvernünftig, die Tochter: Schülerin, zu vernünftig für ihr Alter. Das Verhätnis der beiden ist eigentlich kein Mutter-Tochter-Verhältnis, sondern eher eins zwischen besten Freundinnen. Außerdem gibt es Sookie, die wohl tollpatschigste Köchin der Welt, Michel, einen immer mies gelaunten Concierge und Loreleis Eltern, wohlhabend und besserwisserisch (Grandios: Edward Herrmann als Loreleis Vater Richard Gilmore). Die Geschichten, die erzählt werden, sind nicht sonderlich aufregend, alltägliche Dinge aus allen Aspekten des Lebens. Dennoch ist “Gilmore Girls” eine gelungene Serie. Sie ist amüsant, charmant und wahrhaftig. Kein Highlight der Fernsehgeschichte, aber ein Highlight im ansonsten trostlosen deutschen Daytime-Fernsehen. 7 von 10 Punkten gibt’s dafür.

“Halt durch, Paul” / ZDF / Network Movie / dienstags, 19.25 Uhr – Start: 16. März 2004
Das hat man davon, wenn das ZDF meint, sich dem Genre Comedy-Serie widmen zu müssen. Horst Schroth spielt Paul Wagner, einen Scheidungsanwalt und Familienvater mit Frau, zwei Kindern und einem Hund. Jede Folge der Serie besteht aus zwei Episoden, in denen zutiefst langweilige Geschichten erzählt werden. Paul als Hypochonder, Paul als Ehemann, der meint, er müsse sich meher seiner Familie widmen, Paul hat den Verdacht, dass seine Frau fremdgeht. Dabei wird kein Klischee ausgelassen und kein Gag ausgelassen, der vor 20 Jahren witzig war. Schroth nervt ohne Ende, die Nebendarsteller sind weitgehend talentlos, die Bücher flach bis zum Gehtnichtmehr. 2 von 10 Punkten.

« Previous PageNext Page »