quoten, kress und ich. 5

Was mir ja persönlich am besten gefällt, am neuen kress.de, ist die Tatsache, dass jetzt wieder viel mehr Leute lesen können, was ich da so schreibe. Zum Beispiel den quotencheck, den ich pünktlich zum Relaunch extrem erweitert habe – und in dem nun jeder auch ohne Abo alles Wichtige über die Einschaltquoten vom Vortag lesen kann. Im Gegensatz zu den anderen frei zugänglichen Texten hat die Quoten-Seite sogar einen Permalink. Diesen nämlich.

PS: Eine neue Ausgabe meiner “Handelsblatt.com”-Kolumne “Darüber spricht das Netz” gibt es heute natürlich auch.

lebenszeichen. 5

Und? Hat mich jemand vermisst? Nö, oder? Ich ertrinke dieser Tage in Arbeit, habe jetzt aber ein weiteres Etappenziel erreicht und deswegen in den nächsten Tagen etwas mehr Zeit fürs Bloggen. Zuerst mal mein Song der Stunde. Kann ja eigentlich nur der hier sein, oder? Die grandiosen Yeah Yeah Yeahs mit “down boy”:

schon wieder fußball. 7

Wie herrlich es doch ist, mit dem Fahrrad ins Stadion zu fahren, vier Tore der Mannschaft zu sehen und davon zwei vom neuen Lieblingsspieler. Schade, dass es in Düsseldorf so selten so guten Fußball zu sehen gibt, sondern ansonsten nur Drittliga-Gekicke.

das buch. 11

Eben im Buchladen gewesen. Mitten in der Nacht. Warum? Na klar! Um pünktlich um 1.01 Uhr das Buch zu kaufen. “fuck forever” von Albert Koch. Warum sollte man sonst heute Nacht in einen Bücherladen gehen?

nass. 4

Immer wieder schön, wenn man neue Dinge erleben kann. Heute zum Beispiel bin ich das erste Mal in meinem Leben durch so viel Regen gelaufen, dass ich kaum mehr atmen konnte. Als wäre mehr Wasser als Luft in der Luft. Innerhalb von 20 Sekunden war alles an mir so unfassbar durchnässt wie nie zuvor. Aber erfrischend war es auf jeden Fall.

lächerlich oder konsequent? 18

Keine Angst, das wird hier kein Generalisten-Blog zu allem, was gerade durch die Medien schwirrt. Aber auch zur ARD/ZDF-Doping-Geschichte möchte ich ein paar Dinge sagen. Mir missfällt nämlich, dass den Öffentlich-Rechtlichen vorgeworfen wird, inkonsequent, sogar lächerlich und “quotengeil” zu agieren, weil sie die Tour-de-France-Übertragungen bis auf Weiteres beendet haben. Mit Verlaub: Das ist meiner Meinung nach ziemlicher Blödsinn. Bei ARD und ZDF haben sicher zu oft Entscheidungen mit einem solchen Schielen auf die Quote zu tun. Aber in diesem Fall halte ich einen solchen Vorwurf für absurd. Wenn man mitten in der Tour de France sein komplettes Nachmittagsprogramm umschmeißt, keine Programmzeitschrift mehr den richtigen Sendeablauf enthält, wird man Quoten erhalten, die nur unwesentlich besser sind als die der Radrennen. Auch die ohne Tour de France womöglich besser zu verkaufenden Werbeinseln wird man so kurzfristig recht schwer los.

Meiner Meinung nach ist die Entscheidung von ARD und ZDF absolut konsequent. Sicher kann man darüber diskutieren, ob sie nicht bereits vor der Tour de France, nach den Jaksche-Enthüllungen, hätte fallen müssen – die Senderverantwortlichen sahen das damals noch anders. Dennoch haben sie sich vor dem Start des Rennens unmissverständlich geäußert. In der “Süddeutschen” vom 2. Juli heißt es zum Beispiel:

“Am Wochenende hat der frühere Team-Telekom-Fahrer Jörg Jaksche gewissermaßen als Kronzeuge die Systematik des Dopings im Radrennsport detailliert beschrieben. Für den ARD-Programmdirektor Günter Struve hat sich aus der umfangreichen Beichte kein neuer Kenntnisstand ergeben. Das ist insofern wichtig, als dass Struve mit seinem Kollegen Nikolaus Brender, dem Chefredakteur des ZDF, für eine Absetzung der Tour-Bilder plädiert hat, wenn neue Dopingfälle den Anlass lieferten.

In Gesprächen, die Struve und Brender seit Monaten mit den Veranstaltern der Tour de France, mit den Verantwortlichen der deutschen Rad-Mannschaften und mit dem Präsidium des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) führen, sei die Position der gebührenfinanzierten Anstalten klar geworden. Ein ARD-Mann zeigte sich geradezu erstaunt, wie groß die Furcht bei den Tour-Managern vor einer Absetzung ihres Wettkampfes sei.”

Also: Es stand fest, dass man die Übertragungen absetzen werde, sobald ein neuer Dopingfall auftauche. Dass dieser nun aus der Zeit vor der Tour stammt, kann für ARD und ZDF keine Ausrede sein, es musste nun einfach Schluss sein. Insbesondere, weil er aus einem der deutschen Teams stammt, die von ARD und ZDF gewarnt wurden. Mit Gebühren finanzierte Sender können nicht länger ein mafiöses, kriminelles System mitfinanzieren, das mit Sport nur noch am Rande etwas zu tun hat. Die Entscheidung darüber kam spät, aber sie kam. Und darüber sollte man froh sein.

Der Gewinner dieser neuen Affäre dürfte zwar Eurosport heißen – die Quoten als neuer Tour-de-France-Exklusiv-Sender werden steigen – aber wenn man sich die Übertragungen dort mal anschaut, denkt man, eine Zeitreise in die 80er unternommen zu haben. Da wird weiterhin ein romantisches Bild vom Radsport vermittelt, das böse Wort Doping nur am Rande mal in den Mund genommen. Ein bizarres, realitätsfernes Theater.

Meine Meinung über den Radsport bleibt bestehen: Man sollte ihn aus dem olympischen Programm nehmen, den Weltradsportverband in ein freies Unternehmen umwandeln, Doping freigeben und ihn künftig als Show-Event à la Wrestling behandeln – nicht mehr als Sport. Sauber wird man die Radrennen nie wieder bekommen.

dämliche drohungen. 7

Seit gestern Abend übernehmen viele Medien eine Aussage von Manfred Helmes, Direktor der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz, der Landesmedienanstalt also, die aus historischen Gründen immer noch verantwortlich für Sat.1 ist. Er zeigt in den Zitaten seine Entrüstung und droht gegenüber der “FAZ”, “Falls der Sender den medienrechtlichen Status eines Vollprogramms verliere, könnte beispielsweise die bislang vorrangige Einspeisung des Programms ins analoge Kabelfernsehen wegfallen”. Wie gesagt: Massen an Medien haben diese Drohung inzwischen übernommen, ohne anscheinend auch nur eine Hauch von Ahnung zu haben, was diese Drohung bedeutet.

Sie bedeutet nämlich: NICHTS. Das, was Herr Helmes da sagt, ist vollkommen irrelevant für einen Sender wie Sat.1. Nehmen wir gleich mal das Beispiel NRW – dort gibt es das wichtigste (weil zuschauerstärkste) Kabelnetz aller deutschen Bundesländer. Und mit nur zwei Klicks auf der Website der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen landet man bei dem Satz: “Nach dem Landesmediengesetz NRW (LMG) entscheidet die LfM nur noch über 17 der rund 33 Kanäle in analogen Kabelnetzen.” Und? Verstanden? Mit etwa der Hälfte der Programmplätze hat die Landesmedienanstalt genau gar nichts zu tun – und das gilt in ähnlicher Form auch in allen anderen Bundesländern. Welche Sender dort eingespeist werden, liegt also allein in der Hand der Kabelnetzbetreiber. Und glaubt wirklich irgend jemand in diesem Land, ein Kabelnetzbetreiber würde auf den viert-beliebtesten Fernsehsender verzichten, nur weil es keine “vorrangige Einspeisung des Programms ins analoge Kabelfernsehen” mehr gibt?

Geradezu bizarr mutet es dann an, wenn eine eigentlich seriöse Nachrichtenagentur wie Reuters auch noch schreibt: “Dann könne etwa die vorrangige Einspeisung ins Kabelfernsehen wegfallen. ‘Für das Geschäftsmodell wäre das ganz hart’, urteilte ein Händler.”

Es ist wirklich so unfassbar traurig, mit welcher Unwissenheit da seit gestern bei vielen Medien agiert wird. Sollte man als Journalist nicht wenigstens halbwegs Ahnung von seiner eigenen Branche haben – oder sich wenigstens 5 Minuten Zeit für Recherchen nehmen?

immer schlimmer. 1

n-tv (ein zu RTL gehörender Konkurrent von ProSiebenSat.1) meldet soeben (Originalzitat): “Bereits heute sollen die Sat.1-Nachrichten nicht mehr ausgestrahlt werden.” Läuft so eine Falschinformation eigentlich schon unter “übler Nachrede”?

gewerkschaften. 4

Sollte es mich eigentlich wundern, dass auf dem Gipfel der Unwissenheit in Sachen Sat.1-Affäre ausgerechnet Vertreter des DJV und von ver.di stehen und empört winken? Der DJV meldet seit vielen Stunden unkorrigiert, “dass die Senderkette offensichtlich ihr komplettes Informationsangebot streichen” wolle, obwohl doch jeder Depp mitbekommen haben sollte, dass es nicht um eine “Senderkette”, sondern nur um einen einzigen Sender, nämlich Sat.1, geht – der außerdem auch nicht sein “komplettes Informationsangebot” streicht, sondern nur zwei Boulevard-Magazine und eine Spätnachrichtensendung. Die Kollegen von ver.di verbreiten sogar die Falschmeldung, dass auch “die 18.30 Uhr-Nachrichtensendung sofort eingestellt werden“, verbreiten mit dieser Ente nur zusätzliche Panik unter den Leuten, die sie doch eigentlich vertreten sollen und kommen damit dank einer AP-Meldung auch noch in jede Menge Medien, in denen Copy&Paster statt Journalisten arbeiten – u.a. ist natürlich auch das Fernseh-Checker-Medium “Welt Online” dabei.

Irgendwie passt sie mal wieder ins Bild, diese erschreckende Unwissenheit – und bestärkt mich erneut darin, mich niemals einem dieser seltsamen Verbände anzuschließen und mich von solchen Leuten vertreten zu lassen.

privatfernsehen und informationssendungen. 11

Deutschlands Medienwächter haben es dieser Tage nicht leicht. Schon wieder müssen sie öffentlich Empörung zeigen, sich beschweren und ankündigen, genau zu prüfen, denn das gehe ja nun wirklich nicht. Hätten Sie vorher mal irgendwann in die Programme der Sender geschaut, die sie eigentlich beaufsichtigen müssen, dann hätten sie sich ihre Empörung auch sparen können. Denn, seien wir mal ehrlich: Natürlich ist es eine Bankrotterklärung, wenn Sat.1 als zweitgrößtes privates Vollprogramm nun einen Großteil der eigenproduzierten Informationsprogramme streichen will und sich damit noch mehr davon verabschiedet, ernst genommen zu werden. Neu ist sowas aber auf keinen Fall. Schauen wir uns die Sachlage doch mal an: Es gibt derzeit eine Reihe von privaten Vollprogrammen in Deutschland, dazu gehören u.a. RTL, Sat.1, ProSieben, Vox, kabel eins, RTL II und DMAX. Laut Rundfunkstaatsvertrag zeichnet ein Vollprogramm Folgendes aus:

Im Sinne dieses Staatsvertrages ist [ein] Vollprogramm ein Rundfunkprogramm mit vielfältigen Inhalten, in welchem Information, Bildung, Beratung und Unterhaltung einen wesentlichen Teil des Gesamtprogramms bilden.

Nun will ich hier keine wissenschaftliche Abhandlung darüber veröffentlichen, wie hoch denn der Informationsanteil dieser Vollprogramme ist. zumal wahrscheinlich schon der Begriff “Information” für mich ein ganz anderer ist, als für die Chefs von Landesmedienanstalten. Während für mich Informationsprogramme aktuell und wenigstens etwas relevant sein sollten, verstehen die Medienwächter unter “Information” wahrscheinlich auch sowas wie die “RTL II News”, eine Sendung, in der es vornehmlich um Videospiele und Popstars geht, aber eher nicht um politisch oder gesellschaftlich relevante Themen. Ich finde bei RTL II genau eine Sendung, die für mich gerade noch so als Information durchgeht: “Das Nachrichtenjournal”, das schön versteckt in der Nacht von Sonntag auf Montag zu sehen ist und wahrscheinlich auch nur aus medienrechtlichen Gründen gezeigt wird. Für mich sind Wissensmagazine, Boulevard-Reportagen-Reihen und Doku-Soaps keine Informationen, sondern reinrassige Unterhaltung, bei der man allenfalls nutzloses Wissen vermehren kann. 50 Minuten “Nachrichtenjournal” bei einer Sendedauer von 10.080 Minuten pro Woche: ein Informationsanteil von 0,5 %. Beachtlich.

Ähnlich das Bild bei kabel eins: 10 Minuten recyclte Nachrichtenbeiträge von N24 pro Tag, macht 70 Minuten Information pro Woche – 0,7 %. Wow. Und jetzt komme mir bitte niemand damit, dass Sendungen wie “Abenteuer Leben” oder gar “Bizz” irgendwas mit Information zu tun haben.

Gleiches gilt seit einem halben Jahr auch für ProSieben. Hatte man bis dahin immerhin noch eine 15-minütige Nachrichtensendung um 20 Uhr im Programm, verabschiedete man sich im Januar davon und sendet seitdem eine 10-Minuten-Alibi-Sendung mit ähnlichen recyclten N24-Beiträgen um 18 Uhr. Auch bei ProSieben macht das 70 Minuten Informationsprogramm pro Woche – 0,7 %. Und auch hier lasse ich Programme wie “Galileo” und “Wunderwelt Wissen” selbstverständlich nicht gelten.

Vox ist ein Sonderfall: Dort gibt es eine Reihe von Magazinen und Reportagen (die allerdings in den vergangenen Jahren immer flacher geworden sind) und ganze zwei (!) Nachrichtensendungen pro Tag (die allerdings fernabjeglicher relevanter Uhrzeiten zu sehen sind). Die Gründe sind u.a.: Vox ist immer noch als Vollprogramm mit Schwerpunkt auf Informationen lizensiert, zum anderen ist Alexander Kluges dctp Minderheitsgesellschafter.

Interessanterweise hat der erfolgreichste aller Privatsender – und das ist immer noch RTL – einen recht hohen Informationsgehalt. Man mag von Peter Kloeppel und “RTL aktuell” halten, was man will (Ich ertrage die Sendung beispielsweise nicht wirklich), aber sie kann wohl durchaus als Nachrichtensendung klassifiziert werden. Ähnliches gilt für das “Nachtjournal”. Zusammengenommen sind das schon 50 Minuten Information pro Werktag. Ist man dann noch gutmütig und zählt das “Spiegel TV Magazin” hinzu, kommt man auf 340 Minuten Informationsprogramme pro Woche. Immerhin 3,4 %.

Tja. Und nun also Sat.1. “Sat.1 am Mittag” und “Sat.1 am Abend”, die beiden Boulevard-Magazine, die heute schon zum letzten Mal ausgestrahlt wurden, waren keine wirklichen Informationssendungen. Wohl aber “Sat.1 News – Die Nacht”, das ebenfalls beendet werden soll. Einzig die 15-minütige “Sat.1-News”-Sendung um 18.30 Uhr bleibt übrig – ob sie ab Herbst noch 15 Minuten lang sein wird – keine Ahnung. Wenn ja, dann wären es folglich 105 Minuten Informationen im Sat.1-Programm – also immerhin 1 % der Gesamtsendezeit.

Also, Landesmedienanstalten – wo ist das Problem? Laut Eurer Definition von Information werden ja ohnehin sicher auch “Blitz”, “24 Stunden” und vor allem das “Frühstücksfernsehen” mitgezählt – und die sind ja alle nicht in Gefahr.

Aber Spaß beiseite. Letztlich wird aus der aktuellen Diskussion nur eins deutlich: Es ist ein absoluter Irrglaube, annehmen zu wollen, man könne Privatsender dazu zwingen, irgendwelche seriösen Informationsprogramme zu zeigen. Es handelt sich um Unternehmen, die je nach Gesellschafterstruktur mal mehr, mal weniger darauf setzen werden, etwas für das Image und gegen die Rendite zu tun. Dazu noch zu glauben, Landesmedienanstalten könnten etwas dafür tun, dass Privatsender seriös werden, ist noch lachhafter – die können ja nicht einmal etwas dagegen tun, dass andere Sender ihre Zuschauer betrügen. Man sollte wahrscheinlich einfach ehrlich sein und Landesmedienanstalten abschaffen. Gäbe es irgendeinen Nachteil, der dadurch entstehen würde? Ich denke nicht.

Übrigens, liebe “Spiegel Online“-Leute, es ist natürlich vollkommener Blödsinn, was ihr da schreibt, von wegen Sat.1 hätte heute “Nachrichtensendungen” abgesetzt. Es handelt sich um zwei Boulevardmagazine, von dem eins sogar nur in Teilen Deutschlands zu sehen ist war – nämlich in denen, für die keine eigenen Regionalprogramme produziert werden. “Sat.1 am Abend” lief nämlich um 17.30 Uhr – und hat reinweg gar nichts mit der Nachrichtensendung um 18.30 Uhr zu tun – auch wenn ihr das denkt. Das hätte man auch, wenn man die Minimalrecherche in einer Programmzeitschrift auf sich genommen hätte, schnell herausfinden können.

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