Archive for August, 2007

“webb alert”. 2

Weil es garantiert einer der nächsten großen Netz-Hypes wird, ziehe ich es mal kurz aus der aktuellen Ausgabe meiner “Handelsblatt.com”-Kolumne vom vergangenen Freitag heraus: “Webb Alert“, eine ziemlich gelungene kleine Netzschau, die in jeweils 5 Minuten an allen Werktagen Interessantes und Amüsantes aus dem Internet präsentiert. Auf jeden Fall einen Blick wert.

ausge”gong”t. 9

Mit Journalismus haben viele Programmzeitschriften ja heutzutage leider nicht mehr viel zu tun. Und über Fernsehen wird in kaum noch einem Mantelteil dieser Magazine berichtet. Eine löbliche Ausnahme war für mich immer der “Gong”. Als Oma-und-Opa-Blatt verschrien, hat er immerhin noch ein paar Seiten namens “Fernsehen aktuell” bzw. “Medien aktuell”, auf denen über aktuelle Entwicklungen im Fernsehen berichtet wird, hier und da mal eine Quotenanalyse stattfindet und ein paar Nachrichten verbreitet werden. Heute gibt es auf eben diesen eigentlich löblichen Seiten allerdings einen ziemlichen Griff ins Klo.

Ein “Gong”-Redakteur hat dort einen Text über die neue ProSieben-Show “Survivor” verfasst, dem man seinen Zweck vom Einlauftext an sofort anmerkt: Es soll endlich mal wieder das gute alte Trash-Fernsehen in Grund und Boden geschrieben werden. “Big Brother” und dieser ganze Müll. Ist ja alles nicht zu ertragen. Der Autor hangelt sich dabei an einem teilweise hanebüchenen Argumentationsstrang entlang. So kippt er “Survivor”, die meiner Meinung nach beste Realityshow der Welt, die auch haufenweise Fernsehpreise gewonnen hat, mit “Ekel-Exzessen” bei “Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!” in einen Topf und wirft ProSieben vor, “ein totgesagtes Format” wiederzubeleben, weil die vorigen Versuche “Das Inselduell” (Sat.1) und “Expedition Robinson” ja schon viele Jahre zurückliegen würden.

Lustigerweise wird dann noch ein älterer Herr vom Grimme-Institut zitiert, der aufsagen darf, dass er die Neuauflage der Show als “sehr unzeitgemäß” empfindet. Zumal ja “‘Big Brother’ in den Fernseh-Niederungen verschwunden” sei. Ich weiß nicht, was genau der Herr meint, aber “Big Brother” lief bis vor Kurzem zwar nicht mit dem riesigen Erfolg vergangener Tage, aber mit durchaus stabilen Quoten bei RTL II. So stabil, dass eine weitere Staffel in Planung ist. Und zu den “Survivor”-ähnlichen Formaten “Das Inselduell” und “Expedition Robinson” sollte man zumindest noch wissen, dass “Das Inselduell” im Jahr 2000 Zielgruppen-Marktanteile von über 20 % bei Sat.1 erzielte – Quoten, die der Sender heutzutage allenfalls noch dann erreicht, wenn ein Fußballspiel übertragen wird. “Expedition Robinson” kletterte im selben Jahr bei RTL II immerhin des Öfteren auf 10 % und mehr – auch das war also keineswegs ein Flop. Vielleicht ist die Idee, “Survivor” mit dem Originalkonzept nach Deutschland zu bringen, ja doch nicht schlecht – aber in die Argumentation des “Gong”-Redakteurs passen Erfolge ja schlecht hinein. Er will lieber schreiben, dass “Survivor” keine Chance hat, weil es ja eine “ausgelaugte Idee” sei.

Das alles wäre ja auch gar nicht so schlimm, ich will dem Redakteur ja seine Meinung durchaus lassen – auch wenn ich sie nicht teile. Richtig schlimm ist aber der Schluss des Textes. Dort schreibt er: “Nach Sichtung der ersten ‘Survivor’-Folgen mag man allerdings kaum glauben, das nach dem Realityfrust der Funke noch mal überspringt. Lernt man doch schon dort: Feuermachen ist echt schwer…”

Er schreibt also, er hätte die ersten “Survivor”-Folgen bereits gesehen und für schlecht befunden. Das ist insofern interessant, weil ich zufällig aus sehr sicherer Quelle weiß, dass nicht einmal ProSieben-Chef Andreas Bartl bisher eine “Survivor”-Folge gesehen hat. Sie sind nämlich noch gar nicht fertig. Erst in der kommenden Woche werden die ersten Episoden fertig. Journalisten haben zu dem Erscheinungstermin des “Gong”-Artikels kein einziges Bewetbgild gesehen, nicht einmal einen Trailer. Ohne Ausnahme.

Man muss sich also allmählich wohl auch vom “Gong” als ernst zu nehmender Programmzeitschrift verabschieden. Schade.

leseempfehlungen. 1

Zwei Blog-Einträge von heute, die ich nahezu hundertprozentig unterschreibe:

- “Indiskretion Ehrensache”: “Die nicht immer erlebbare Transparenz der Landesmedienanstalten
- “blogmedien” – “Unter Hausarrest

haldern live gebloggt. 2

Schon seit gestern und noch bis morgen finden das Haldern-Pop-Festival statt – leider auch in diesem Jahr ohne mich, dafür aber mit ein paar guten Bands und Künstlern. Die Shout Out Louds spielen morgen zum Beispiel, Electric Soft Parade, The Magic Numbers und The View heute, Naked Lunch und das neue britische Supersternchen Kate Nash waren schon gestern dran. Wer ebenfalls nicht vor Ort sein kann, hat zumindest die Gelegenheit per Blog sabei zu sein. Das offizielle Haldern-Blog bietet zusätzlich zu den Berichten jede Menge Fotos und Videos, bei “Coffee and TV” wird ebenfalls (fast) live gebloggt.

charts-kritik: 3. august 2007. 6

Diesmal wieder top-aktuell: Hier sind die New Entries der deutschen Singlecharts vom 3. August 2007:
77: Klubbingman fest. Beatrix Delgado – “never stop this feeling”

DJ Klubbingman gehört zu den Urgesteinen des Kirmestechno, moderiert außerdem seit über zehn Jahren beim Genre-Sender Sunshine Live. Beatrix Delgado ist ebenfalls ein Urgestein, sang schon bei Masterboy. Und was passiert, wenn man zwei solche Urgesteine ins Studio sperrt? Staubige Musik kommt heraus. “never stop this feeling” ist glücklicherweise keine Coverversion, klingt aber so, als wäre der Track Mitte der 90er erschienen. Auf dr einen Seite positiv, weil der Mann anscheinend einfach sein Ding durchzieht und keine Pseudo-Trends adaptiert – auf der anderen Seite aber nicht, weil diese Musik einfach nichts mehr bringt außer ein paar Großraum-Disco-Gänger zu euphorisieren. 2 von 10 Punkten.

76: Sum 41 – “underclass hero”

Manchmal merkt man durch das Schreiben dieser Charts-Kritiken erst, dass es Bands noch gibt, die man längst vergessen, aber nicht vermsist hat. Sum 41 zum Beispiel. Haben vor einigen Jahren Millionen von Platten als schlechte Green-Day-Möchtegerns verkauft, dann ein wenig Pause gemacht und kommen nun mit einer neuen Single zurück. Irgendwie passt das, was ich zu Platz 77 geschrieben habe auch hier ein bisschen: “underclass hero” ist ebenfalls angestaubte Musik. Amerikanischer Teenie-Punkpop ohne irgendeinen Funken Innovation oder Überraschung. Langweilig. 3 von 10 Punkten

67: Pretty Ricky feat. Sean Paul – “(i wanna see you) push it baby”

Pretty Ricky? Wer hat sich den peinlichen Bandnamen denn ausgedacht? Wenn sich in der deutschen Hip-Hop-Szene jemand “Der hübsche Holger” oder so ähnlich nennen würde, würde er aber schnell mal ein paar aufs Maul bekommen. Zu Recht übrigens. Zurück zu Pretty Ricky, der aus vier Leuten bestehenden Hip-Hop-Gruppe. In den USA sind sie schon große Stars, waren mit ihrem Album auf 1 – in Deutschland soll nun Sean Paul den Erfolg bringen. Beim Hören des Tracks will sich mir aber nicht so ganz erschließen, warum die vier Erfolg haben sollten. Ein bisschen US5, ein bisschen Dancehall, alles von der Stange. Musik, die man schnell wieder vergisst. 2 von 10 Punkten.

66: Herbert Grönemeyer – “lied 2 – kopf hoch, tanzen”

Altmeister Grönemeyer beweist immer wieder mal, dass er sich nicht mit dem Ist-Stand zufrieden gibt und auf Weiterentwicklung aus ist. “kopf hoch, tanzen” ist ein Indiz dafür. Ein seltsam an NDW-Zeiten erinnernder Song mit leichtem Gaga-Text – nix mit Piano-Ballade oder so. Zwar ist die dritte Single aus der aktuellen Platte auch kein Meisterwerk oder eine Gott-weiß-wie-große Innovation, aber für die Expermientierfreude des Herren gibt es immerhin: 5 von 10 Punkten.

44: Die Firma – “glücksprinzip”

Hip Hop für Bausparer. Nach dem Megahit “die eine” kommt jetzt das “glücksprinzip”, ein ausgeruhter Sprechgesang-Track mit relaxten Rhythmen und einem Text, der auch aus dem Bibelkreis oder einer Rosamunde-Pilcher-Verfilmung stammen könnte. Da wird sich gefreut, was das Zeug hält. Die Liebe, das Leben, alles ist so schön. Ist ja auch gar nicht verwerflich, einen solchen Song zu produzieren – aber ein bisschen zum Fremdschämen ist er dann doch irgendwie. 3 von 10 Punkten.

22: Sportfreunde Stiller – “alles roger!”

Nach ihrem Fußballhit aus dem WM-Jahr müssen die Sportfreunde 2007 wieder ohne Fußball auskommen. “Ich Roque” hat ja auch das Land verlassen. “alles roger!” bietet wahrscheinlich genau das, was Sportfreunde-Fans so lieben: Spaßigen Poprock ohne zu viel Anspruch, aber auch ohne viel Peinlichkeit. Genau die richtige Musik für Schulfeste, Campus Invasionen und Festivals also. Und auf die Bühne gehören sie ja auch, die Jungs – denn da sind sie wirklich große Entertainer. 6 von 10 Punkten.

16: Nelly Furtado feat. Juanes – “te busque”

Ich erinnere mich noch an Zeiten, als Nelly Furtado in der Indieszene gefeiert wurde angesichts ihres anspruchsvollen Pops. Damit dürfte spätestens genau jetzt Schluss sein. Ein Duett mit Hispano-Schleimer Juanes (“la camisa negra”)? Igitt. Herausgekommen ist ein nerviger, mit leichter Pseudo-Latino-Melancholie versehener Schlager. Ganz übel wird es dann als Frau Furtado ein paar englische Worte spricht. Eine grausige Komposition, die angesichts der Sommerklänge aber wohl dennoch ein Hit wird. 2 von 10 Punkten.

15: Justin Timberlake – “lovestoned”

Ein zugebenermaßen optisch grandioses Video hat er da in Auftrag gegeben, der Herr Timberlake. Musikalisch gesehen gehört “lovestoned” meiner Meinung nach aber zu seinen schwächeren Songs der vergangenen Jahre. Er plätschert so vor sich hin, liefert keine Höhepunkte und erinnert viel zu sehr an mittelmäßige Boybands – daran ändert auch der Break etwa zwei Minuten vor Schluss nicht viel. Video hui, Song pfui, würde ich sagen. 4 von 10 Punkten.

Die Top Ten vom 3. August 2007:

01 (01) Mark Medlock & Dieter Bohlen – “you can get it”
02 (02) Monrose – “hot summer”
03 (04) Rihanna feat. Jay-Z – “umbrella”
04 (06) Ich+Ich – “vom selben stern”
05 (05) Marquess – “vayamos companeros”
06 (03) Azad feat. Adel Tawil – “prison break anthem (ich glaub an dich)”
07 (07) Fergie – “big girls don’t cry”
08 (11) Timbaland feat: Keri Hilson – “the way i are”
09 (08) Pink – “dear mr. president”
10 (12) DJ Ötzi & Nik P. – “ein stern (der deinen namen trägt)”

Ebenfalls erschienen, aber gefloppt:
- Jarvis Cocker – “fat children” (download only single)
- Poison – “sexy back” (download only single)
- Yeah Yeah Yeahs – “is is” ep

Vorschau:
In der nächsten Woche lesen Sie in der Charts-Kritik dann u.a. Beiträge zu den neuen Singles von ATB, Dashboard Confessional, Peter Wackel und Revolverheld – sofern die Umsätze keinen Strich durch die Rechnung machen.

forderung des tages. 5

Elton John will das böse böse Netz schließen, das alle Menschen dumm und einsam macht:

Let’s get out in the streets and march and protest instead of sitting at home and blogging.

umschalten: f.t.d. tv. 0

So. Und nach all dem Fernsehen jetzt ein bisschen Fernsehen: Nebenan beginnt um 20.15 Uhr die zweite Ausgabe von “F.T.D. TV” – diesmal sogar mit Konzept. Ich erwarte eine Menge Spaß!

tv-tests: die besten neuen fernsehsendungen 2007 (januar bis mai). 1

So. Wie angekündigt, sind nun alle TV-Tests aus den Monaten Januar bis Mai online. Zeit also für eine kleine Liste der meiner Meinung nach besten neu gestarteten Fernsehsendungen des Jahres (Stand: 31. Mai):

01 Life on Mars – Gefangen … (kabel eins / 8 von 10 Punkten)
02 KDD – Kriminaldauerdienst (ZDF / 8 von 10)
03 R.I.S. – Die Sprache der Toten (Sat.1 / 8 von 10)
04 Switch Reloaded (ProSieben / 7 von 10)
05 Hilfe, Hochzeit! – Die schlimmste Woche … (Sat.1 / 7 von 10)
06 Von PacMan bis Cyberspace – … (Discovery Channel / 7 von 10)
07 Brothers & Sisters (Premiere Serie / 7 von 10)
08 The Grid (RTL Crime / 7 von 10)
09 Fat Machines (DMAX / 7 von 10)
10 Mundstuhl (Comedy Central / 7 von 10)

Erstaunlicherweise also zehn Sendungen von neun verschiedenen Sendern. Nur Sat.1 ist zweimal vertreten. Diese Liste wird künftig jeweils am Ende eines TV-Test-Monats aktualisiert. In den kommenden Tagen werde ich mit den Neustarts aus den Monaten Juni und Juli weiter aufholen und immer wieder TV-Tests veröffentlichen, bis ich auf dem aktuellen Stand angekommen bin.

tv-test: “die lynne & tessa show mit clipfish”. 0

Format: “Die Lynne & Tessa Show mit Clipfish”
Sender: RTL II
Produktion: MME
Genre: Clipshow
Programmplatz: Mo., 22.15
Frequenz: vorerst einmalig
Dauer: 60 Minuten
Start: 28. Mai 2007

Kritik: Fernsehen, wie es billiger kaum sein könnte. Man nehme pseudo-lustige Videos aus einer Konzern-eigenen Pseudo-lustige-Video-Internet-Plattform, lasse sie von zwei sicher nicht sonderlich gut bezahlten ehemaligen Internet-Sternchen moderieren, fertig. Herausgekommen ist eine Clipshow, die unter allen Clipshows zu den schlechteren gehört. Und das ist in einem Genre, in dem es ohnehin fast nur Schlechtes gibt, keine wirkliche Auszeichnung.

Wertung: 2 von 10 Punkten.

tv-test: “endlich urlaub!”. 4

Format: “Endlich Urlaub!”
Sender: RTL
Produktion: filmpool
Genre: Doku-Soap
Programmplatz: diverse
Frequenz: wöchentlich
Dauer: 60 Minuten
Start: 28. Mai 2007

Kritik: Was für ein Müll. Wer schon immer mal Proleten beim Urlaub zusehen wollte, sollte diese Sednung einschalten – alle anderen sollten einen großen Bogen machen. Warum zeigt RTL so eine Sendung? Warum verschandelt man sein Programm mit solchen niveaulosem Quatsch. Mir fehlen die Worte.

Wertung: 1 von 10 Punkten.

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